Deutsche Presse oftmals daneben.

Alles über Brasilien aus der internationalen Presse (Beiträge bitte max. anreissen, unbedingt die Quelle verlinken sowie ein eigenes kurzes Statement abgeben).

Re: Deutsche Presse oftmals daneben.

Beitragvon zagaroma » So 1. Jun 2014, 01:59

Colono hat geschrieben:
Mich würde mal die persönlichen Erfahrungen anderer Forumsteilnehmer mit brasilianischen Soldaten und Ordnungshütern in der letzten Zeit interessieren.


Gerne, Colono.

Policia Federal: Anzeige zweier Deutscher wegen Betruges, ein anderer Deutscher und zwei Brasilianer hatten hohe "Investments" zu übertriebenen Zinsauszahlungen kassiert und dann das Geld verschwinden lassen. Ich habe als Übersetzer fungiert.

Die PF war sehr professionell, höflich und konzentriert, die Ermittlungen dauerten 18 Monate und dann wurden alle am Betrug Beteiligten verhaftet. Googelt mal "Operação grande truque". Sie sind nicht schnell, aber gründlich und haben einen internationalen Geldwäschering gesprengt. Wenn man bedenkt, dass Amtshilfe und Bankauskünfte von Europa bis China nötig waren, auch wieder nicht zu langsam.

Policia Militar: bei Verkehrskontrollen höflich, diskret, gründlich und hilfsbereit.

Mindestens dreimal am Tag und in der Nacht fährt die "Patrulha do Bairro" hier am Haus vorbei, um den Strand zu kontrollieren. Bei Anrufen wegen Lärmbelästigung der Strandbars sind sie so in einer guten halben Stunde da (Ação Tolerança Zero).

Policia Civil: Öfter mal begleite ich andere Deutsche als Übersetzer zur Delegacia, um eine Anzeige zu machen oder sonstwas zu regeln. Wir sind immer freundlich und geduldig behandelt worden. Manchmal verlieren sie Akten, manchmal passiert einfach garnichts, aber sie sind immer nett und höflich.

Soldaten: nun, wir haben eine grosse Kaserne in der Nähe und zweimal haben die Jungs mir schon einen Reifen gewechselt (ja, die Schlaglöcher!). Nett und hilfsbereit.

Receita Federal beim Zoll in São Paulo: Diebe, Banditen, Erpresser, Mafia im besten Stil. Da wäre mal eine gründliche Säuberung nötig.

Also bis auf den Zoll habe ich persönlich nix zu meckern.

Ich kann allerdings nichts mit Deutschland vergleichen, da bin ich einfach viel zu lange weg, aber bei meinen kurzen Besuchen hatte ich den Eindruck, dass sich die Dinge dort nicht unbedingt verbessert haben. Die berühmte deutsche Effizienz scheint mir etwas auf der Strecke geblieben zu sein in den letzten 35 Jahren, irgendwie höre ich mehr "nicht zuständig" oder "Na hören Sie mal, was wollen Sie denn".

Der Vergleich mit Italien ist etwa 1:1. Ich sehe da keinen grossen Unterschied.

Ich gehöre nun zu den Bürgern, die sich von der Polizei gerne beschützt sehen gegen das Gesocks aus den Favelas (ich meine nur das Gesocks und nicht die ehrlichen Menschen, die in einer Favela wohnen). Mit denen gehen sie brutal um? Gut, die gehen genauso brutal mit uns um. Damit habe ich persönlich überhaupt kein Problem.
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Re: Deutsche Presse oftmals daneben.

Beitragvon Admin » So 1. Jun 2014, 04:09

@Colono: ich würde dir empfehlen, dass mit den Übersetzungen nicht so genau zu nehmen. Bundes- oder Länderpolizei klingt erstmal gut, Leser in Deutschland müssen sich irgendwie das vorstellen können ohne einen Kurs über bras. Sicherheitskräfte zu absolvieren.

Die Força Nacional de Segurança Pública ist auch eine Polizei auf Bundesebene, gehört zur Militärpolizei des Bundes und ist dem Justizministerium unterstellt. Was die Policia Federal übrigens auch ist. Beides also Bundespolizei.

Und die "normale Militärpolizei" ist Ländersache, dazu gehören dann auch gelegentlich Spezialkommandos wie BOPE und Co.

Aber Bundes- und Landespolizei stimmt damit aber durchaus!!!! Bei den Demos vor der Stadien waren beim Confed-Cup eigentlich immer Polícia Militar inkl. ihrer Spezialeinheiten BOPE (ist Landespolizei) und Força Nacional de Segurança Pública (Bundespolizei). Überwacht und koordiniert wurde das i.d.R. von der normalen Policia Federal und der SESGE - Secretaria Extraordinária de Segurança para Grandes Eventos - letztere beobachten jedoch ziemlich verdeckt im Hintergrund die Geschichte (durfte beispielsweise in Fortaleze mehrfach ihre Ausweise bewundern) ... Und dann hüpft da halt noch der Geheimdienst rum, etc.

Und letztendlich hat die Staatspräsidentin ja den Verteidigungsminister angewiesen, reguläres Militär auch im Inneren einzusetzen. Dann fahren Panzer an der Copacabana auf und Patrouillenboote kreuzen in der Guanabara-Bucht während Kampfjets über das Maracanã donnern. 709 Millionen Reais! Wo liegt das Problem?

Der besagte Artikel erzählt damit effektiv nur die halbe Wahrheit bzw. zählt nicht alles auf, was Brasilien in der Tasche hat. Wir bezahlen das mit unseren Steuern. Die Vorbereitungen haben nicht nur 8,9 Milliarden Reais gekostet, jetzt kommen für die Sicherheit während des Turniers nochmal1,9 Milliarden Reais für 147.000 Sicherheitskräfte dazu. Das müsste eigentlich die FIFA abdrücken? Ab die sackt die Gewinne steuerfrei ein und krault sich in Zürich dann die Eier!
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Re: Deutsche Presse oftmals daneben.

Beitragvon Trem Mineiro » So 1. Jun 2014, 17:03

Colono hat geschrieben:Ansonsten finde ich den Artikel der Zeit unterste Schiene. Ich habe es deshalb bewusst vermieden da zu verlinken.

Glaubst du wirklich, dass wenn man Artikel unterdrückt oder ignoriert, die Welt dadurch besser wird. Wie man sieht, kommt die Wahrheit dank Anderer trotzdem auf’s Tablett.

Colono hat geschrieben:Ich lebe nun schon mehr als ein Jahrzehnt hier in BR habe von Nordost nach Süd bzw. West mit dem Auto durchquert und machte überwiegend bis auf einmal (ALs gibt es überall) nur gute Erfahrungen mit der brasilianischen Polizei......... Du ..............


das ist es wieder DU, der weise Tourist.....
Ich kann dich immer nur um dein Paradies dort unten im Süden beneiden. Und du bist ein echter Brasilianer: Du bist weis, nicht arm, hältst dich von allem unangenehmen auf Distanz und wie es dem Rest des Landes geht, ist einem Scheißegal. Genau deshalb kommt der Dampfkessel irgendwann zur Explosion.

Außerhalb deines Paradieses ist eine ganz andere Welt, die hast du bei deinen Reisen wohl auch nicht mitbekommen bzw. hast dir die Touristen-Position (weis , nicht arm, dunkel getönte Scheiben im Auto) geleistet.
Das ist auch absolut korrekt, nur schreib dann hier nicht so, als wäre ganz Brasilien ein Paradies.
Wenn man außerhalb des Südens mit den Menschen spricht, haben die enorme Probleme mit der Polizei. Hier gilt der Spruch: rufst du nach einem Überfall die Polizei, nehmen die dir noch das ab, was die Diebe übrig gelassen haben. Das Vertrauen in die Polizei dieses Landes (Militär-Polizei ist schon schlimm, aber die Civil-Polizei ist noch schlimmer) geht da gegen 0., Hängt sicher auch mit der Vergangenheit zusammen. Ich verstehe nicht, warum man nach einer Militär-Diktatur die Militär-Polizei nicht wenigstens mal umbenannt hat und ihnen rosa Uniformen gab. In Rio mit der Friedenspolizei hat man es wohl gemerkt.
Dazu waren der Ausbildungsstand und die Bezahlung in Vergangenheit sehr schlecht, viele kamen auch aus den Arbeitereinfachsiedlungen oder ihrem bildungsfernen Umfeld. Und klar, durch die fehlende Unterstützung durch die Bevölkerung haben es die Teile der Polizei, die sich bemühen, es noch schwieriger.

Colono hat geschrieben: Wer die Cocada (Kokusnusswerfer bzw. Vandalos, Banditen) kennt, ist sich im klaren dass Einsätze im undurchsichtigen Favelagebiet ohne Kolateralschäden oft nicht möglich sind. Die Polizisten bzw. Soldaten müssen da schliesslich um ihr Leben fürchten. Ich möchte das nicht machen und habe dafür Verständnis wenn man da nicht zaghaft ist. Wenn man den Durchschnitts-Brasilianer fragt was er von Gewaltbetreiten Favelabewohnern hält, bekommt man meist Ronaldos Spruch zu hören. "Mete Caçete em eles". Man sollte diese Gíria deshalb nicht überbewerten. .


Auch da kommt wieder die Einstellung, die dich zu einem rechten Brasilianer macht, zum Vorschein.
Bürger in den Arbeitereinfach-Siedlungen oder Favelas sind Bürger 2. Klasse. Wer dort lebt ist generell verdächtig, ist halt Teil des Kollateralschadens, den man in Kauf nehmen muss, weil die Polizei keine anderen Mittel hat, als „immer feste druff“ und auch mal in die Menge schießt oder mal eine vorsorgliche Hinrichtung durchführt.
Der gute Brasilianer geht ja da nicht hin und die da wohnen können ja in die besseren Gegenden umziehen, wie es ja auch Colono getan hat. Und weil das böse ja ganz woanders wohnt, muss man da außer harten Polizei-Einsätzen ja nix tun.
Warten wir mal ab, wenn die „Bösen“ massiv in die Stadteile der Reichen einfallen.
zagaroma hat geschrieben:[Ich gehöre nun zu den Bürgern, die sich von der Polizei gerne beschützt sehen gegen das Gesocks aus den Favelas (ich meine nur das Gesocks und nicht die ehrlichen Menschen, die in einer Favela wohnen). Mit denen gehen sie brutal um? Gut,

Du sagst es, mit aller Härte gegen das Gesocks, nur hat die Polizei keine Chance, die ehrlichen Bewohner von den Bösen zu unterscheiden.
Und noch schlimmer, auch auf Drogenhandel steht nicht die Todesstrafe, Folter oder zusammen geschlagen werden. Selbst für die Bösen gilt ein Gesetz, Bürgerrechte und Menschenrechte.
Und ihr verweigert diese Rechte diesen Leuten, klar sind ja nur Schwarze, weniger Gebildete und arme Schweine.
Und die Polizei ist lieb, die schützt uns vor diesem Undefinierten Gesocks, da muss man mal ein Auge zudrücken.
Wenn man in Brasilien wohnt, und zur weißen Mittel- oder gar Oberschicht gehört gewöhnt man sich halt ein solche Zustände…..und man kann ja auch sowie nix ändern. Für mich einer der Gründe, diesem Land adieu zu sagen.
Zur Frage von Colono, ich hab im Prinzip auch keinen schlechte Erfahrung gemacht obwohl ich grade außerhalb der Stadt auf Ausflügen und Urlauben ungewöhnlich viel kontrolliert worden bin. Meine weiße Hautfarbe, der Status eines erfahrenen Ausländers und meine Art mit Menschen besonders Staatsbediensteten umzugehen hat mich immer vor unangenehmen Erfahrungen geschützt. Aber schon als Tourist haben viele Leute speziell im Nordosten berichtet, dass sie abgezockt wurden, sollen sie froh sein, dass sie nicht auch nicht schwarz waren.
Und fahr ich nachts durch die Stadt, sehe ich immer wieder junge Leute, die mit erhobenen Händen, von Maschinenpistolen bedroht an der Wand stehen. Zufallskontrollen, nee, die Polizisten sehen es den Leuten sofort an, dass sie Verbrecher sind, schwarz, Favela-Klamotten…….das reicht meist. Gott sei Dank gibt es in Brasilien keinen Rassismus.

Ist halt Brasilien und die Leute bekommen das, was sie verdient haben also alles tudo bem…
Und das beschreibt der Artikel, von ein paar handwerklichen Fehlern abgesehen, nix untere Schiene. Und klar, man muss fragen, für wen der Artikel beschrieben ist, aber es gibt ja nicht nur Ignoranten [-X

Gruß
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Re: Deutsche Presse oftmals daneben.

Beitragvon moni2510 » So 1. Jun 2014, 18:04

Policia Militar, beim Überfall auf mich im Haus haben sie 30 Minuten gebraucht, um die 200m zurückzulegen, immerhin haben sie das !&@*$#! auf der Delegacia der PC dann gleich mal in eine Zelle gesperrt, weg von mir... wegen Ameança.

Policia Militar und Choque, sonst nur extrem martialisch bis hin zum Tränengas vor die Füsse bei Demos. Null Training und Umgang mit sowas gelernt. Soviel zum Thema, man kann unterscheiden zwischen gut und böse. Ich war unbewaffnet, mal abgesehen von einem Plakat und habe nur mein in der Verfassung niedergeschriebenes Recht auf Demonstration genutzt.

Freitag 3 Stunden bei der PM, um eine BRAT zu machen, die man als Ausländer nicht online machen kann. Extrem nervig, weil der Typ keinen Bock hatte...

Policia Civil im Falle meines Überfalls nur mit extremem Druck des Anwalts überhaupt zum Arbeiten bewegt.

Policia Federal, da kommt es echt ganz drauf an, an wen man gerät da am Galeão... hab extrem freundliche und hilfsbereite getroffen und komplett arrogante Arschlöcher.

Und ja Alfandega, kotz und würg auch in Rio de Janeiro...
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Re: Deutsche Presse oftmals daneben.

Beitragvon zagaroma » So 1. Jun 2014, 22:16

Trem Mineiro hat geschrieben:
zagaroma hat geschrieben:[Ich gehöre nun zu den Bürgern, die sich von der Polizei gerne beschützt sehen gegen das Gesocks aus den Favelas (ich meine nur das Gesocks und nicht die ehrlichen Menschen, die in einer Favela wohnen). Mit denen gehen sie brutal um? Gut,


...und ihr verweigert diese Rechte diesen Leuten, klar sind ja nur Schwarze, weniger Gebildete und arme Schweine.


..... die Polizisten abknallen, wenn sie ihnen begegnen, weil das ja so ein lustiger Sport ist?
..... die Dir an der Ampel die Knarre ans Fenster halten und wenn Du nicht sofort aussteigst und ihnen Deinen Wagen mit allem drin überlässt, blasen sie Dir das Gehirn weg?
..... die jeden, der ihnen aus Versehen das Bier verschüttet auf einem Fest mit dem Tod bedrohen und der Unglückliche muss die Stadt verlassen mit der ganzen Familie?
..... die Frauen schlagen und vergewaltigen?
..... die Kinder in den Schulen mit Drogen vergiften?
soll ich weitermachen?

Trem, Respekt und Bürgerrechte bekommt man nicht geschenkt, die muss man sich verdienen.
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Re: Deutsche Presse oftmals daneben.

Beitragvon Rob » Mo 2. Jun 2014, 00:24

zagaroma hat geschrieben:
Trem Mineiro hat geschrieben:
zagaroma hat geschrieben:[Ich gehöre nun zu den Bürgern, die sich von der Polizei gerne beschützt sehen gegen das Gesocks aus den Favelas (ich meine nur das Gesocks und nicht die ehrlichen Menschen, die in einer Favela wohnen). Mit denen gehen sie brutal um? Gut,


...und ihr verweigert diese Rechte diesen Leuten, klar sind ja nur Schwarze, weniger Gebildete und arme Schweine.


..... die Polizisten abknallen, wenn sie ihnen begegnen, weil das ja so ein lustiger Sport ist?
..... die Dir an der Ampel die Knarre ans Fenster halten und wenn Du nicht sofort aussteigst und ihnen Deinen Wagen mit allem drin überlässt, blasen sie Dir das Gehirn weg?
..... die jeden, der ihnen aus Versehen das Bier verschüttet auf einem Fest mit dem Tod bedrohen und der Unglückliche muss die Stadt verlassen mit der ganzen Familie?
..... die Frauen schlagen und vergewaltigen?
..... die Kinder in den Schulen mit Drogen vergiften?
soll ich weitermachen?

Trem, Respekt und Bürgerrechte bekommt man nicht geschenkt, die muss man sich verdienen.

Ich glaube niemand hier im Forum will diese Leute unterstützen. Die Frage ist doch ob man wirklich versucht diese Leute zu kriegen. Die Antwort ob dies genügend geschieht scheint mir ein weites Feld, dass Du vor Ort gewiss besser beurteilen kannst...
Ich höre von Kooperation mit diesen Leuten, blindem Aktionismus speziell gegenüber dunklen Favela-Bewohnern,... halte aber das Programm mit dem Ziel der Befriedung der Favelas grundsätzlich für einen großen Schritt in diese Richtung und sehr unterstützenswert. Ist wahrscheinlich aber auch hier im Forum Konsens...
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Re: Deutsche Presse oftmals daneben.

Beitragvon Cheesytom » Mo 2. Jun 2014, 02:32

Wenn man der Poçizei so wenig bezahlt, dass sie mit ihrer Familie am Rand oder in einer Favela leben muss, soll man sich nicht wundern, wenn sie erstens wegsehen und leider zweitens zum Teil auch die linke Hand aufhalten. Sonst sterben sie samt ihrer Familie. Leider mit einem sehr netten Militärpolizisten in der Pescaria geschehen, der ca. 100 m von meiner Hütte entfernt gelebt hat.
Gruss aus Maceió, Alagoas
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Re: Deutsche Presse oftmals daneben.

Beitragvon Colono » Mo 2. Jun 2014, 12:53

Vielen Dank erst mal für die rege Beteiligung bei der Beantwortung meiner Frage.

Es hat sich meine persönliche Erfahrung bestätigt, dass wir Ausländer zumindest was die Bundeskompetenz betrifft wenig Sicherheitsbedenken gegenüber der Polizei zu haben brauchen. Was die Länderpolizei anbelangt, da gibt es schon den einen oder anderen regionalen Unterschied. Trotzdem hat sich gezeigt, dass in Brasilien Menschen wie du und ich teilweise bei schlechter Bezahlung ihren beschwerlichen und gefährlichen Job leisten. Zu lesen dass die brasilianische Polizei ursächlich ein Sicherheitsproblem für uns Ausländer darstellen soll, kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen. Man sollte da die Umstände nicht verdrehen.
Weshalb wird eigentlich von der deutschen Presse in auffälliger Weise versucht Fussballtouristen durch verzerrte Darstellung der brasilianischen Realität von Reisen in dieses durchaus interssante Land abzuhalten? Selbst unser deutscher Innenminister dem ich in diesem Punkt ausnahmsweise zustimme, hat da ein wesentlich besseres Brasilienbild.
De Maiziere: "Aber ich bin ganz sicher, dass gerade deutsche Fans, die sich höflich und fußballbegeistert zeigen, sehr warmherzig von den Brasilianern aufgenommen werden",

Klar gibt es schon den einen oder anderen regionalen Unterschied was die persönliche Sicherheit und Wohlbefinden des Touristen anbelangt. Aber da sollte man seitens der Presse sorgfältiger recherchieren und nicht den nächstbesten Unsinn abschreiben bzw. kopieren den man eh nicht richtig versteht.

Teilweise ist es nicht das Problem der brasilianischen Polizei Straftäter zu kriegen, sondern sie zu behalten. Das demotiviert bestimmt ganz erheblich.

Gerade gelesen:
http://www.spiegel.de/kultur/literatur/fussball-wm-brasilien-city-of-god-autor-paulo-lins-ueber-proteste-a-972198.html
Ein durchaus interessanter Artikel, da kommt auch mal ein Brasilianer zu Wort. Hier wird gezeigt welche Orte man als Tourist besser meiden sollte. Aber der Leser sollte den da enthaltenen Begriff paramilitärische Gruppen nicht mit regulären Polizeieinheiten verwechseln.
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Re: Deutsche Presse oftmals daneben.

Beitragvon moni2510 » Mo 2. Jun 2014, 14:21

Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass die Policia Militar wie sie heute ist, abgeschafft gehört. Organisiert und strukturiert wie einst in der Diktatur, das ist keine Polizei wie die Policia Civil oder Federal, zumindest nicht für mich.
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Re: Deutsche Presse oftmals daneben.

Beitragvon Trem Mineiro » Mo 2. Jun 2014, 15:10

zagaroma hat geschrieben:Trem, Respekt und Bürgerrechte bekommt man nicht geschenkt, die muss man sich verdienen.


Da ist mir neu: die Bürgerrechte stehen in der Brasilianischen Verfassung und die muss sich niemand verdienen - und im Umkehrschluss, wenn das eine Antwort auf meinen Beitrag zu sehen ist, haben sich Schwarze, Arme und Faveleiros (und selbst Kleinkriminelle) sich diese Rechte nicht verdient?

Respekt muss sich sicher die Polizei verdienen, was sie aber nicht schafft.

Es geht hier nicht um die Gruppe der Leute, die du da aufgezählt hast (...die....), wobei es die ja erst gibt, wenn sie rechtskräftig verurteilt wären und nicht schon, wenn man sie unidentifiziert im Fernsehen sieht oder wenn sie als arme Sünder mit Namen und Bild von der Polizei als Verdächtige vorgeführt bekommt. Für den Mob sind sie da schon schuldig.

Alles andre ist nicht vorhandenes Demokratie- und Rechtsverständnis bzw. das berühmte Stammtischrecht.
In Brasilien ist so ein Denken halt Standard gerechtfertigt dadurch, dass die Polizei und Staatsmacht und später die Justiz und Gefängnisverwaltung nicht anders hinbekommt.

Colono hat geschrieben:Zu lesen dass die brasilianische Polizei ursächlich ein Sicherheitsproblem für uns Ausländer darstellen soll, kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen. Man sollte da die Umstände nicht verdrehen..


Wo hast du denn das gelesen, ich hab's in dem Artikel nicht gefunden, hilf mir mal. Wenn, dann stellt die Polizei eine Bedrohungspotential für die unterprivilegierte Bevölkerungsschicht da, siehe auch den Beitrag "80 % der Brasilianer fürchten sich vor Folter durch die eigene Polizei".

Gruß
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