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Natürlich war es an der Zeit auch die Familie von Michela kennenzulernen. Das Häuschen lag in einem der vielen Vororte in Richtung Recife. Bis zum Zentrum waren es etwa noch 20 Kilometer. Unser Besuch war bereits von Michela angekündigt. Die kleine Hütte war voller Kinder, die sofort um mich herum wuselten. Es gelang mir nicht den Überblick zu bekommen. Die Mutter schien sehr fruchtbar zu sein. Ein erster Überschlag brachte mich auf sechs oder sieben Geschwister von Michela. Was ich sofort erkennen konnte, war dass hier mehrere Väter ihr Unwesen getrieben hatten. Die Kinder waren sehr bunt, von dunklen schwarz bis hellen weiß, war alles dabei.
Bei Michelas Mutter wohnten nur ein Teil der Kinder, die älteren Geschwister waren bereits ausgezogen. Einen momentanen Vater gab es nicht. Da saß ich nun in der Küche mit wechselnden Kindern auf dem Schoß, also scheu gegenüber Fremden waren sie bestimmt nicht. Neben der Mutter waren noch zwei Tanten zu Besuch. Natürlich ganz zufällig. Die Begrüßung war überschwänglich, besonders die Tanten quetschten mich fest an ihre Brüste und alle redeten ununterbrochen auf mich ein. Verstanden habe ich natürlich nur Wortfetzen. Je nach dem was ich so glaubte zu verstehen sagte ich ja oder nein oder machte ein unentschlossenes Gesicht. Manchmal zuckte ich auch mal mit der Schulter oder blies dicke Backen. Die Mutter sprach ein paar Brocken englisch, was einen der Erzeuger ihrer Kinder zurückführte. Ich war froh, wenn die Kinder wieder einmal aus der Küche gejagt wurden, damit ich etwas Luft bekam. Das hielt dann etwa 20 Sekunden an und schon eroberten sie mich zurück. Ohne zu fragen öffnete man den Kühlschrank und tischte mir alle möglichen Sachen auf. Das ich überhaupt keinen Hunger hatte, ignorierte man völlig. Hatte ich etwas von diesen zum Teil undefinierbaren Speisen reingestopft, stand der nächste Leckerbissen vor mir. Bei den Hühnerbeinen streikte ich.
Ich machte das internationale Zeichen für Durst, in dem ich meine Faust mit dem Daumen in Richtung Mund führte. Nein, ich wollte weder Saft noch Ziegenmilch oder was sonst der Kühlschrank an verschiedenfarbigen Flüssigkeiten hergab. Ich wollte Bier. Nur noch ein Bier.
Bier war natürlich nicht im Haus, also kramte ich eine 10 Real aus der Tasche und schon war die Hälfte der Kinder unterwegs, Getränke zu holen. Zumindest war auch eine Flasche Antarctica dabei als sie beladen zurückkamen. Ein Real waren damals etwa zwei D-Mark. Ich öffnete die Flasche und schon standen 5 Gläser auf dem Tisch. Softdrinks war wohl nichts für die Damen. Also noch einmal in der Tasche gekramt um für ausreichenden Biernachschub zu sorgen.
Ich war heilfroh, als ich nach ein paar Stunden wieder im Taxi saß, die laute Musik welche aus dem kaputten Lautsprecher des Radios war Balsam in meinen Ohren, nach dem lauten Stimmengewirr in der Hütte.
Wir wurden für den anderen Tag zum Mittagessen eingeladen, natürlich mit dem Hinweis, dass die Gasflasche im Moment leer ist. Geld dafür hatte ich dagelassen. Das war wieder sehr lehrreich für mich. Als wir dann zum Mittagessen kamen, war alles da, außer einer neuen Gasflasche.
Als das Taxi in mein Seitental, mein Paradies abbog, war ich endlich wieder zu Hause.
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