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 Betreff des Beitrags: Re: "Die Tafeln" in Brasilien - Essenspende
BeitragVerfasst: 18 Jun 2009 21:46 
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Robert: Was Sonja wollte, hat sie klar gesagt. Sie wollte in diesem Thread Aussagen über Möglichkeiten, durch Essensspenden, die sie sich wie in Deutschland die "Tafeln" vorstellt, sich sozial zu engagieren. Sie selbst hat diesen Thread zu keiner Zeit mit dem anderen über den Imbiss, den ihre Eltern planen, vermengt. Der einzige, der das bisher durcheinander gebracht hat, warst Du.
Insoweit kann von Verkohlerei keine Rede sein.

Ich habe ja bereits versucht, den Thread auf den Weg zu bringen wo er meiner Meinung nach eigentlich hingehört. In eine Diskussion über soziale Projekte, die hier in Brasilien möglich, aber vor allem sinnvoll sind. Essensspenden gehören nach der Meinung der Mehrzahl der Schreiber hier eben nicht zu den sinnvollen Projekten. Aber damit ist die Diskussion ja keineswegs zu Ende. Wenn Sonja außer den Essensspenden nichts einfällt können wir ihr ja auf die Sprünge helfen.
Ich selbst bin immer noch der Meinung dass, wer Geld übrig hat, um es in ein soziales Projekt zu stecken, sich um die Bildung hier kümmern sollte. Dabei ist es letzten Endes egal, ob in die Schulbildung von KIndern oder von Erwachsenen. Aber das geht eben nicht für ein paar Euro oder Reais. Da muss man schon richtig investieren.



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 Betreff des Beitrags: Re: "Die Tafeln" in Brasilien - Essenspende
BeitragVerfasst: 18 Jun 2009 22:19 
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dimaew hat geschrieben:
Ich selbst bin immer noch der Meinung dass, wer Geld übrig hat, um es in ein soziales Projekt zu stecken, sich um die Bildung hier kümmern sollte. Dabei ist es letzten Endes egal, ob in die Schulbildung von KIndern oder von Erwachsenen.


Danke für Deinen Beitrag. Was meinst Du damit KONKRET?


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 Betreff des Beitrags: Re: "Die Tafeln" in Brasilien - Essenspende
BeitragVerfasst: 18 Jun 2009 22:34 
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Ganz konkret sehe ich um mich herum Schulen, die aufgrund Geldmangel (sei es öffentlich, sei es privat) zwischen 35 und 50 Schüler in einer Klasse unterrichten. Lehrer, die nur eine Grundausbildung haben und für den Rest selbst verantwortlich sind, Schulmaterial, das manchmal schlicht falsch ist usw. Es steht außerv Frage, dass dies alles in die Verantwortung des Staates fällt. Das hilft aber nichts, wenn der Staat nicht will oder nicht kann.
Wäre es möglich, Schulen aufzumachen, die maximal 15 bis 20 Kinder in einer Klasse unterrichten, mit Lehrern, die nach der Grundausbildung zur Weiterbildung gezwungen werden(die natürlich bezahlt wird) und die das Unterrichtsmaterial selbst aussuchen und auf Richtigkeit prüfen (können), wäre viel geholfen.
Und wenn diese Schulen dann auch noch Erwachsenen offen stehen würden (in Gruppen von maximal 5 bis 8 Personen), würde es aus meiner Sicht mit Brasilien rasant aufwärts gehen.

Aber dazu recht es nicht, hier mal 5 Reais und da mal 20 reais auszugeben, dazu sind Millionen- bzw. eher Milliardenbeträge notwendig.

Würden so Verrückte wie dieser Milliardär aus Russland oder dieser Bauunternehmer aus Spanien ihr Geld nicht in Fussballclubs sondern in Bildung stecken (natürlich dann in Russland bzw. in Spanien) wäre viel erreicht.

Ich bin kein Milliardär, nicht mal Millionär, deshalb ist das nur ein Traum.



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 Betreff des Beitrags: Re: "Die Tafeln" in Brasilien - Essenspende
BeitragVerfasst: 18 Jun 2009 22:48 
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Man kann aber auch klein anfangen: wir arbeiten hier in unserer Stadt mit 6 Kollegen unserer Firma. Wir haben mal Schulbücher, Malbücher, Bücher mit Geschichten, Möbel und Bürokram gesammelt und an die ärmsten Schulen der Stadt verteilt... jedesmal und überall wo wir unser Anliegen vorgetragen haben sind wir auf freundlichste Bereitschaft zur Mithilfe gestossen!

Und unsere Kollegen in Luis Eduardo Magalhães/BA haben mal in einer Aktion ALLE Grundschüler des gesamten Munizips erreicht um ihnen die wichtigsten Grundlagen des Umweltschutzes beizubringen, gleichzeitig hat sich eine Zahnärztin unentgeltlich engagieren lassen, die den Kindern Mundhygiene beigebracht hat... und unsere Firma hat bei dieser Aktion (Kinder brauchen Knüller) der ganzen Stadt Hot-Dogs spendiert. Das war wirklich eine grossartige Leistung unserer Kollegen!


Zuletzt geändert von Takeo am 18 Jun 2009 22:57, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: "Die Tafeln" in Brasilien - Essenspende
BeitragVerfasst: 18 Jun 2009 22:56 
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Super, Takeo. Das ist ein guter Anfang. Wenn denn nur mehr daraus würde [-o<
Hier bei uns in der Stadt hat ein Ehepaar eine private Schule aufgemacht, weil sie für ihre beiden Kinder eine vernünftige Ausbildung wollten. Leider sind sie auch auf die Erträge aus der Schule angewiesen, so dass zwar die Lehrer besser, die Klassen etwas kleiner und das Material insgesamt besser ist als an der staatlichen Schule. Aber auch die "Eintrittspreise" sind saftig, so dass es eben wieder die entscheidende Zielgruppe nicht trifft. Die beiden reißen sich auf Deutsch gesagt, den !&@*$#! auf für ihre Schule, die Kinder der ärmsten Familien hier haben trotzdem nichts davon.



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 Betreff des Beitrags: Re: "Die Tafeln" in Brasilien - Essenspende
BeitragVerfasst: 18 Jun 2009 23:02 
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Ich bin in São Paulo auf das Colégio Visconde de Porto Seguro zur Schule gegangen... damals waren die Preise für diese Schule saftig, aber auch deshalb, weil des Nachmittags die Turma der Favelas unentgeltlich unterrichtet wurde, sodass es in São Paulo 'Faveldos' gibt, die sagen können: ich war auf der 'Porto'. Ich weiss nicht ob es heute noch dieses Model gibt, es war aber sehr einleuchtend.


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 Betreff des Beitrags: Re: "Die Tafeln" in Brasilien - Essenspende
BeitragVerfasst: 18 Jun 2009 23:30 
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Wenn ich das System der "Privées" richtig verstehe, sind die Preise mehr oder weniger vorgegeben. Die Idee wäre also, auf diesen vorgegebenen Preis einen Aufschlag zu nehmen. Der müsste dann die Kosten für die Lehrer, das Unterrichtsmaterial und die "Nebenkosten" der Schule abdecken. Hier im Ort gehört das Gebäude dem Schulleiterehepaar, es fällt also keine Miete an.
Wäre durchaus eine Möglichkeit, die in Betracht zu ziehen wäre. Ich werds zumindest mal ansprechen. Ich persönlich wäre durchaus bereit noch mal 50% auf das, was ich für meinen Sohn zahle, draufzulegen.
(Was meine Frau dazu meint, weiß ich natürlich nicht)



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 Betreff des Beitrags: Re: "Die Tafeln" in Brasilien - Essenspende
BeitragVerfasst: 19 Jun 2009 02:24 
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Meine Beispiel sollten nicht zeigen wie toll wir alle sind - eher, dass eben relativ Viel gemacht wird in Brasilien, von Brasilianern und ohne viel Aufsehen... und wenn man genau hinschaut passiert das sogar ziemlich oft. Alleine DAS sollte sich mal die Eurofraktion mit ihren ganzen gut gemeinten Hilfe-Ideen (so, jetzt müssen wir mal 'ran, damit da endlich mal was passiert...) vor Augen führen. Es ist nicht so leicht hier was zu verändern, und von wegen, man muss was tun - irgendwas... keine Sorge: das machen wir und viele Brasilianer alle relativ oft... irgendwas.... selbst Diejenigen von denen man es kaum erwarten würde...


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 Betreff des Beitrags: Re: "Die Tafeln" in Brasilien - Essenspende
BeitragVerfasst: 19 Jun 2009 06:02 
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hilfe ohne gegenleistung hat oft etwas sehr demütigendes für den der sie bekommt und der der hilft kann sich dann gut fühlen....

gerade in dem bereich, obdachlose, strassenkinder, familien in schwierigem mileu etc. braucht es sehr viel fingerspitzengefühl, profunde kenntnisse der sprache, des landes und der mentalität der leute. ohne vertrauen geht da gar nichts und ehrlich gesagt, kann ich mir nicht vorstellen, wie eine junge frau (entschuldige Sonja, das soll keine beleidigung sein...) schon genug lebenserfahrung für so schwierige situationen aufbringt. ich habe auf dem gebiet ein ganz kleines bisschen erfahrung.

amarelina



"Wenn man sich mit einem langweiligen, unglücklichen Leben abfindet, weil man auf seine Mutter, seinen Vater, seinen Priester, irgendeinen Burschen im Fernsehen oder irgendeinen anderen Kerl gehört hat, der einem vorschreibt, wie man leben soll, dann hat man es verdient."
Frank Zappa


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 Betreff des Beitrags: Re: "Die Tafeln" in Brasilien - Essenspende
BeitragVerfasst: 19 Jun 2009 09:50 
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amarelina hat geschrieben:
hilfe ohne gegenleistung hat oft etwas sehr demütigendes für den der sie bekommt


So seh ich das auch. Außerdem beweist die Gegenleistung eine gewisse Ernsthaftigkeit und Interesse an dem, was angeboten wird. Diesen Punkt sehe ich jedoch im Zusammenhang mit Bildung.

Verkrachte Existenzen, Drogen, Alkohol, usw. oder Krankheit und Alter sind umständebedingt auf Hilfen angewiesen ohne Gegenleistung bringen zu wollen oder bringen zu können.

Ich könnte mir vorstellen, ein Projekt aufzuziehen nach dem Konzept der Germain Bank, "Willige" erhalten eine Leistung, müssen aber auch Leistung bringen.

Hier würde ich mir den Weg überlegen, Lernen, Leistung und Verdienen zu verbinden. Beispiel (wenn ich nähen und schneidern könnte):
ich schaffe einige Nähmaschinen an und bringe jungen Mädchen nähen und schneidern bei. Parallel dazu lasse ich die Mädchen stundenweise (einfache) Bettlaken, Bettwäsche, Handtücher, Tischwäsche, Gardinen oder ähnliches fabrizieren, die vermarktet werden. Der Erlöse hieraus deckt die Kosten und ermöglicht die Anschaffung neuer Maschinen. Den Mädchen ließe ich die Wahl, für die Fabrikation der Wäsche ein Taschengeld zu bekommen, oder einen Teil anzusparen für die Übernahme einer Nähmaschine, um nach Ausbildungsende selbst mit einer Schneiderei anzufangen.

Das fiel mir jetzt gerade spontan ein im Zusammenhang mit einer Brasilianerin, welche ihre Familie mit Nähen ernährt. Die Arbeiten verkauft sie auf dem Markt.

Weiteres kleines Beispiel: Ein junger Mann ohne Beschäftigung half auf der Baustelle meines Bruders. Neben dem Lohn bekam der junge Mann einen Rüttler, welcher in einem Umzugscontainer mit nach BR gebracht wurde. Mit diesem Rüttler hat sich der Junge eine Existenz geschaffen. Ein anderer, sehr geschickt im Montieren, fing mit einem Werkzeugkasten an, Mopeds zu reparieren - Anstoß hierfür war die Ideengebung, Werkzeugkasten gegen Autoreparatur. Heute betreibt er eine kleine Werkstatt.



Viva Floripa

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