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Condor




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 Betreff des Beitrags: Die "Theologie der Prosperität"
BeitragVerfasst: 11 Aug 2005 22:58 
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Registriert: 03 Aug 2005 21:32
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Das Evangelium des Reichwerdens – Hit in den Sektenkirchen
Brasiliens Kleinunternehmer und Arme davon begeistert

Ausgerechnet im größten katholischen Land propagieren die Sektenkirchen derzeit mit enormem Erfolg ihre Theologie der Prosperität, garantieren all jenen großen materiellen Wohlstand, die an den wöchentlichen Tempelsitzungen der Prosperidade teilnehmen. Das Motto: Gott will nicht, daß du arm bleibst, Wohlstand ist eine Gabe Gottes. Während die katholische Kirche Rekordarbeitslosigkeit und wachsende Armut beklagt, die Sozial-und Wirtschaftspolitik der Regierung von Staatschef Lula scharf kritisiert, sagen die Sekten, an allem persönlichen Mißerfolg, an deiner Misere, deiner Arbeitslosigkeit ist nur der Teufel schuld. Wir treiben ihn aus, zeigen Auswege – wenn du nur willst, intensiv genug glaubst. Und das zündet gerade an den Slumperipherien der Großstädte, aber auch bei kleinen Händlern, hochverschuldeten Mini-Unternehmern.

„Komm am Montag in unsere Tempel“, trommelt alle paar Minuten einer der acht UKW-Sektensender auf der Radioskala von Rio de Janeiro, „mach mit bei der Versammlung der Prosperität! Bettler, Verelendete, Hochverschuldete wurden reich, leben jetzt im Wohlstand!“ Schon Dreijährige hören in den Slumbaracken aufmerksam zu, sagen zur Mutter, laß uns da hingehen, dann haben wir immer zu essen, können hier weg. Und immer montags, bei der Reuniao da Prosperidade, sind landesweit die Tempel der Sektenkirchen tatsächlich voll. „Ich war pleite“, schildert die Unternehmerin, live übertragen, „jetzt läuft wieder alles blendend, Schulden bezahlt, Prozesse gewonnen – und selbst mein Mann kehrte aus den Armen der Geliebten zu mir zurück!“ Riesenbeifall - Tausende strecken Schuldscheine, Arbeitsbücher, Entlassungspapiere, Kreditkarten, Zettel mit geschäftlichen Projekten gen Himmel – euphorische Stimmung. Pausenlos fließen Spenden, Opfergaben in die Sektenkassen. Der selbsternannte Bischof Edir Macedo, Gründer der Universalkirche vom Reich Gottes, setzt in Brasilien am erfolgreichsten auf die Teologia da Prosperidade.

„Wer ein üppig-reiches Leben führt, genießt die Segnungen des Herrn. Gott ist doch kein Sadist, will nicht, daß wir Armut leiden – Wohlstand ist eine Gabe Gottes, und durch die Macht des Glaubens erreicht man ihn auch.“

Daß Sektenpastoren im Luxus leben, der politisch einflußreiche Bischof Macedo das teuerste Privatflugzeug Brasiliens besitzt, und nicht etwa irgendein Banker oder Industrieller, ist da nur folgerichtig, wird akzeptiert, bewundert. Die katholische Kirche, welche an die Sekten immer mehr Gläubige verliert, fühlt sich von diesem Evangelium des Reichwerdens zunehmend provoziert. „Ich liebe Gott, weil er mich reich macht – das ist doch betrügerisch, eine Täuschung“, sagt Brasilias Erzbischof Joao Braz de Aviz. „Die Glaubenserfahrung ist doch mehr als das!“ Religionswissenschaftler untersuchen das neue Phänomen – für Silvia Fernandes vom katholischen Forschungsinstitut CERIS in Rio handelt es sich klar um eine neoliberale Ideologie. „Sie wurde aus den USA importiert und hat viel Erfolg hier, weil wir in der katholischen Kultur genau den entgegengesetzten Diskurs pflegen. Ein Leben in Armut gibt Würde, heißt es, ist eine Tugend. Der neoliberalen Logik des Konsumismus dürfe man nicht verfallen. Die Theologie der Prosperität rennt dagegen an – wer sagt denn, daß du arm sein mußt! Und die Armen wollen ja aus der Misere raus. Diese neue Richtung hat deshalb hier direkt etwas Revolutionäres!“

Doch was sagen die Sektenbischöfe, Sektenpastoren jenen Anhängern, die weiterhin bitterarm und arbeitslos sind, immer noch nicht in eine Villa umzogen, immer noch keinen neuen Wagen fahren? Dein Glaube ist eben nicht tief, nicht intensiv genug – deshalb steckt der Teufel immer noch in dir, läßt dich nicht vorwärtskommen. Und gerade von den am wenigsten Gebildeten wird das so hingenommen, akzeptiert.


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BeitragVerfasst: 11 Aug 2005 23:13 
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Eine religiösität der Oberflächlichkeiten: Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass ... :? :roll: :?



Abraços
Careca

"No risc, no fun!
MfG Microsoft"


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BeitragVerfasst: 18 Aug 2005 08:30 
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Ich habe kürzlich im "Estado de Sao Paulo" eine aktuelle Erhebung gelesen.
Demnach haben sich in den letzten 5 Jahren 15 Millionen Brasilianer von der katholischen Kirche abgewandt. Von diesen gaben etwa 8,5 Millionen an jetzt Gottesdienste der Pfingstsekten zu besuchen, deren Großteil diesen "Reichtum durch Glauben" propagiert. Somit bezeichnen sich nur noch etwa 68 % der Brasilianer als Katholiken - etwa derselbe Prozentsatz von Deutschen ist Mitglied in der EKD und röm-kath. Kirche.


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BeitragVerfasst: 20 Aug 2005 10:50 
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Ja Vasco, genau diese Zahlen habe ich auch kürzlich gehört.

Unsere Faxi ist auch eine von denen, die diese von K. Hart beschriebene Kirche besucht. Das Schlimme daran ist aber, dass sie jeden Monat dort ihren Zehnten abdrücken muss. In ihrem Falle sind das immerhin 30 R$ von ihrem schon so schmalen Mindestlohn. Da sie 3 Kleinkinder hat (und natürlich ständig in Geldnot lebt), könnte sie den Kindern ja eventuell auch mal ein paar Liter Milch oder ein paar neue Sachen von 30 R$ kaufen .............. geschweige denn Schulmaterial. Zumindest predigen wir (Sra. Lemi und ich) ihr das immer. Doch für unsere frommen Wünsche hat sie keine Ohren. Anstatt dessen kommt sie regelmässig am 5. Tag des Monats und bittet um einen Vorschuss.

Es ist eine totale Sackgasse für die Armen. Diese blöden Versprechungen reich zu werden, klappen wohl auch nur bei der absoluten Unterschicht, denn welcher normale Mensch glaubt schon, dass man sich für 1000 R$ beim Pastor von seinem Krebsleiden heilen lassen kann und so den teuren ärztlichen Eingriff spart.



Man sieht sich,
Lemi

http://www.brasilien-forum.net


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 Betreff des Beitrags: Zehnter
BeitragVerfasst: 20 Aug 2005 11:23 
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Hi Lemi,

tja, die Hoffnung der Armen, dass sich doch etwas zum Positiven ändert, ist sehr groß, da man sich sonst nur noch die "Kugel" geben könnte.

LULA hat die Menschen enttäuscht, wo viel Hoffnung hinein gebracht wurden und die "Falschen Kirchen" gereichern sich durch diese Hoffnung noch an den Armen!!

ABER man sollte die Gläubigkeit von Menschen nicht herabwürdigen, nur wenn man in so eine Kirche geht, heißt das noch lange nicht, dass man alles gutheißt, was es da gibt!!

Übrigens konnt es mit dem sogenannten Abgabe des "Zehnten" von der Bibel, wo man den "Leviten", die für alle Gottestdienste usw. zuständig waren und keine Einkommen hatten (keine Viehzucht hatten usw.), so wie die anderen Volksstämme. Somit mußten dieses anderen 11 Volksstämme den "Leviten" ihren "Zehnten" abgeben!! ALSO ein frühes SOZIALSYSTEM, die viel haben geben denen die wenig haben etwas ab!! Das materialistische Denken war da noch nicht so ausgeprägt wie heutzutage!
Den Glauben von Menschen sollte man mit Respekt begegnen!!

ICH DENKE, jede Kirche, ob als sogenannte "Echte Kirche" (wie die katholische Kirche) anerkannt oder als "Sekten" auf dem Markt sind, bestehen auf Geld, denn ohne Geld kann man nicht leben und auch nicht instandhalten!

Man sollte nur den MIßBRAUCH bekämpfen!!


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 Betreff des Beitrags: Re: Zehnter
BeitragVerfasst: 20 Aug 2005 12:41 
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Hans hat geschrieben:
Hi Lemi,


......... Übrigens konnt es mit dem sogenannten Abgabe des "Zehnten" von der Bibel, wo man den "Leviten", die für alle Gottestdienste usw. zuständig waren und keine Einkommen hatten (keine Viehzucht hatten usw.), so wie die anderen Volksstämme. Somit mußten dieses anderen 11 Volksstämme den "Leviten" ihren "Zehnten" abgeben!! ALSO ein frühes SOZIALSYSTEM, die viel haben geben denen die wenig haben etwas ab!! Das materialistische Denken war da noch nicht so ausgeprägt wie heutzutage!
Den Glauben von Menschen sollte man mit Respekt begegnen!!


Man sollte nur den MIßBRAUCH bekämpfen!!


Das kirchliche "Steuersystem" aus dem Mittelalter sah die Abgabe den Zehnten vor. Mittlerweile ist dieses Sozialsystem durch den Staat abgelöst wurden. Man zahlt Steuern - die, wie wir alle wissen - sich nicht nur auf den Zehnten beschränken, sondern in Brasilien z.B. die 40%-Marke erreicht haben. Damit, meine ich, wird der Bürger schon genug gemolken und die Abgabe eines Zehnten erübrigt sich.

Wie Klaus Hart es auch schon erklärt hat, dient er u.a. dazu, um sich noble Fortbewegungsmittel zu kaufen und Prachtbauten, wie z.B. in Belo Horizonte, Av. Olegario Maciel, zu bauen.

Dir lieber Hans gebe ich insofern recht, dass man den Missbrauch bekämpfen sollte und dass man jedem Menschen seinen Glauben lassen sollte. Eine aktive Bekämpfung des Missbrauchs kann ich jedoch nirgendwo erkennen und im Falle unserer Faxi haben wir lediglich versucht, ihr die Augen etwas zu öffnen - keinesfalls aber sie von ihrem Glauben abzubringen. Eine Diskussion über das Für und Wider der einen oder anderen Religion halte ich ohnehin für zwecklos, da wir alles wissen, wozu das führt: entweder zu NICHTS oder zu KRIEGEN.



Man sieht sich,
Lemi

http://www.brasilien-forum.net


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 Betreff des Beitrags: Re: Zehnter
BeitragVerfasst: 20 Aug 2005 14:30 
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Lemi hat geschrieben:
Eine Diskussion über das Für und Wider der einen oder anderen Religion halte ich ohnehin für zwecklos, da wir alles wissen, wozu das führt: entweder zu NICHTS oder zu KRIEGEN.


Da stimme ich zu, es gibt kaum etwas schwierigeres, als über Religionen und Glauben zu diskutieren!

Die brasilianische Quote von 40% war mir nicht bekannt, da ich das brasilianische System so nicht kenne!
Das deutsche System der Kirchensteuer als Prozentsatz von der Lohnsteuer ist schon viel zu hoch (auch wenn die 10% da nicht erreicht werden, was richtig ist), weshalb auch viele aus der Kirche austreten (aber nicht von sich von einem Glauben verabschieden, was auf Gott sich gründet und nicht auf ein Kirchensystem, obwohl das oft von den Kirchenkritikern verwechselt wird).

Der Spendenklau, unter dem Deckmantel der Religion, scheint in Brasilien ein große Methode zu sein, den Armen noch mehr Geld aus der Tasche zu ziehen. Somit beschmutzen diese "schwarze Schafe" von Organisatoren von "falschen" Kirchen die Aufrichtigen der "echten" Kirchen auch.
Echt schade das Ganze - kann man mehr über diese Abzocke herausfinden? Sind die Brasilianer und die Presse durch die letzten Vorkommnisse aufgerüttelt worden?


Hans


P.S. Ich hatte nicht angenommen, dass du die Faxi beeinflussen wolltest, meine Aussage war allgemein gemeint gewesen.


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 20 Aug 2005 14:33 
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Da es in Deutschland die "Igreja Universal" trotz zahlereicher Brasilianer aus der Unterschicht, die in Deutschland leben, nicht gibt, hielt ich diese Sekte bisher für ein rein brasilianisches Phänomen (das sich zusätzlich nur noch in Portugal ausbreitet und dort u.A. schon einige Busunternehmen aufgekauft hat).

Aber heute gibt's einen halbseitigen Bericht über die "Igreja Universal" in der Süddeutschen, in dem Brasilien nur am Rande vorkommt. es geht um Südafrika, wo sie rasant wächst.

Den Artikel habe ich auch online gefunden:
http://www.sueddeutsche.de/,trt1m1/ausl ... /31/58972/


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 Betreff des Beitrags: Re: Zehnter
BeitragVerfasst: 20 Aug 2005 14:37 
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Lemi hat geschrieben:
Eine Diskussion über das Für und Wider der einen oder anderen Religion halte ich ohnehin für zwecklos, da wir alles wissen, wozu das führt: entweder zu NICHTS oder zu KRIEGEN.


Das glaube ich in dem Fall nicht. Deine Faxi hat wahrscheinlich sehr wenig Bildung, man müßte sie also nur aufklären. Auch an Religion ist vieles logisch.


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BeitragVerfasst: 20 Aug 2005 16:16 
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vasco hat geschrieben:
Da es in Deutschland die "Igreja Universal" trotz zahlereicher Brasilianer aus der Unterschicht, die in Deutschland leben, nicht gibt, hielt ich diese Sekte bisher für ein rein brasilianisches Phänomen


In Frankreich versucht man schon seit einiger Zeit, den Machenschaften dieser Glaubens-Mafia einen Riegel vorzuschieben. Sowohl in Paris als auch in Marseille hat man ihnen schon in die Suppe gespuckt, als sie dort neue Tempel errichten wollten.

Der Verein ist weiter verbreitet als du denkst. Deppen zum Melken gibt es ja schließlich nicht nur in Brasilien.


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