Doppelbesteuerungsabkommen

Fragen zur Gesetzeslage in Brasilien, Einwanderungs-, Einfuhr- und Zollbestimmungen sowie Steuerfragen

Re: Doppelbesteuerungsabkommen

Beitragvon mdiekenbrock » Sa 29. Dez 2012, 04:11

Es gibt definitiv kein DBA zwischen Deutschland und Brasilien hier und heute. Es ist jedem zu empfehlen, der in beiden Staaten Einkommen erzielt, ganz klare Beweise zur Hand zu haben wann er ab wann wohnt, da reicht die Meldebescheinigung nicht aus. Das deutsche FA versucht mir zu unterstellen, da ich in Deutschland ein unvermietetes Haus habe, dass ich dort auch steuerpflichtig bin, obwohl ich dort ab- und hier angemeldet bin. Ich hätte eine Wohnung, somit könnte ich dort leben, also sei ich steuerpflichtig. Sowohl D als auch BR versuchen mein Welteinkommen voll zu besteuern. Da es nicht eben ein Häppchen ist, habe ich einen Steuerberater der sich jetzt kümmert.
Ohne DBA versucht definitv jedes Land das Welteinkommen voll zu besteuern, wobei die nachgewiesen bezahlten Steuern im jeweils anderen Land angerechnet werden, wenn die Bezahlung auch anerkannt wird.
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Re: Doppelbesteuerungsabkommen

Beitragvon amazonasklaus » Sa 29. Dez 2012, 18:13

mdiekenbrock hat geschrieben:Das deutsche FA versucht mir zu unterstellen, da ich in Deutschland ein unvermietetes Haus habe, dass ich dort auch steuerpflichtig bin, obwohl ich dort ab- und hier angemeldet bin. Ich hätte eine Wohnung, somit könnte ich dort leben, also sei ich steuerpflichtig.

Nachdem ich zuerst auch meinte, das Finanzamt sei auf dem Holzweg, fürchte ich jetzt, dass es im Recht ist.

Zwar ist Dein gewöhnlicher Aufenthalt ganz offensichtlich nicht in Deutschland; für die unbeschränkte Steuerpflicht qualifiziert man sich nach §1 EStG aber, wenn man seinen gewöhnlichen Aufenthalt oder einen Wohnsitz in Deutschland hat. Ein unvermietetes Haus, in dem man sich bei seinen Besuchen aufhält, gilt in diesem Sinn als Wohnsitz.

Deswegen wurde auch Boris Becker seinerzeit zu einer Bewährungsstrafe nebst Steuernachzahlung verurteilt. Es war wohl unstrittig, dass er nur wenige Wochen im Jahr in Deutschland verbracht hatte, aber er hatte noch eine Wohnung in Bogenhausen. Die Wohnung gehörte zwar offiziell einer Verwandten, aber es war klar, dass er die Wohnung jederzeit benutzen konnte.

Am besten wäre es gewesen, das Haus zu vermieten oder wenigstens ernsthaft zu versuchen, es zu vermieten.
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Re: Doppelbesteuerungsabkommen

Beitragvon Frankfurter » So 30. Dez 2012, 08:08

@ amazonasklaus

Würde es nicht dem Finanzamt in D reichen ( müssen ), wenn MANN sich beim Einwohnermeldeamt abmeldet. Zusätzlich Flugticket hat, und bras. Stempel im Pass. Denn im Fall Boris konnte er ja nicht genau beweisen, ob er nun in MUC war oder nicht .

Nicht allein der Besitz eines Hauses kann für die Steuerpflicht ausreichen ? Denn wenn Miete in D anfällt, dann muss diese auch in D versteuert werden ? Sollte ich mit diesen Infos falsch liegen ?
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Re: Doppelbesteuerungsabkommen

Beitragvon Brazil53 » So 30. Dez 2012, 14:22

Eheleute mit selbstgenutztem Haus oder Wohnung in Deutschland haben dort einen Wohnsitz, auch wenn sie im Ausland gemeldet sind und die deutsche Wohnung deshalb das ganze Jahr über leersteht. Ihnen wird zum Verhängnis, dass sie jederzeit und ohne Aufwand nach Deutschland zurückkommen und dort leben könnten.


Hier mal über die Fallen nachlesen...

http://www.steuer-schutzbrief.de/steuertipp-rubriken/steuer-tipps/artikel/wegzug-aus-deutschland-fester-wohnsitz-und-gewoehnlicher-aufenthalt.html

An was man nicht alles denken muss :roll:
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Re: Doppelbesteuerungsabkommen

Beitragvon Trem Mineiro » So 30. Dez 2012, 16:17

mdiekenbrock hat geschrieben:Ohne DBA versucht definitv jedes Land das Welteinkommen voll zu besteuern, wobei die nachgewiesen bezahlten Steuern im jeweils anderen Land angerechnet werden, wenn die Bezahlung auch anerkannt wird.


Wobei man das jetzt nicht an dem DBA festmachen sollte. Auch ohne DBA ist das Welteinkommen in den meisten Ländern steuerpflichtig. Deutschland hat da wohl im letzten Jahr seine Steuergesetzgebung auch ein wenig angepasst. Das DBA ist für den Privatmann auch nicht so bedeutend, er kann weiterhin seine im Ausland gezahlt Steuer aufrechnen, nur ist der Nachweis komplizierter.
Das DBA ist allerdings für (deutsche)Firmen sehr wichtig, die im Ausland eine Tochtergesellschaft haben. Ich bin ja GF einer solchen Tochtergesellschaft gewesen und da war das Leben vor der Kündigung des DBAs erheblich leichter. Das DBA war quasi eine Begünstigung für Investitionen in Brasilien zu Lasten des deutschen Staates. Darum hat der das ja auch gekündigt.

Ansonsten Danke für die Beiträge zur Steuerpflicht und die Links. Ich glaube, das hat einigen klar gemacht, worauf sie achten müssen.

Abmelden in Deutschland, Entsendevertrag der Firma, feste Vermietung von Wohneigentum und möglichst wenige Aufenthalte in Deutschland sollten in der Regel ausreichend sein. Aber ausreichend für was: dann ist man eben in Brasilien Steuerpflichtig, dass zwar mit einem niedrigeren Steuersatz (27,5%) aufwartet, dafür aber keine bzw. beschränkte Absetzmöglichkeiten bietet. In D sind die Steuersätze durch die Progression höher, aber die zahlt kaum jemand.

Gruß
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Re: Doppelbesteuerungsabkommen

Beitragvon amazonasklaus » Mo 31. Dez 2012, 02:18

Frankfurter hat geschrieben:Nicht allein der Besitz eines Hauses kann für die Steuerpflicht ausreichen ? Denn wenn Miete in D anfällt, dann muss diese auch in D versteuert werden ? Sollte ich mit diesen Infos falsch liegen ?

Die Mieteinnahmen fallen unter die beschränkte Steuerpflicht, sofern man nicht unbeschränkt steuerpflichtig ist. In Brasilien muss man die Mieteinnahmen aus Deutschland natürlich trotzdem deklarieren.

Ein vermietetes Haus ist ja gerade kein eigener Wohnsitz, es sei denn man hat es pro forma an einen Verwandten vermietet und wohnt dann doch selber dort, wenn man sich im Land aufhält.
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Re: Doppelbesteuerungsabkommen

Beitragvon Campinense » Do 3. Jan 2013, 17:57

Trem Mineiro hat geschrieben:Oi Campinense! Ich hab's jetzt auch 2-mal überflogen, aber die Infos, die du gibst, reichen nicht aus.

dann wollen wir mal loslegen!

Trem Mineiro hat geschrieben:Für welche Leistung hast du Anspruch von einem Verlag. Tantiemen, Gehalt?
Die sind natürlich in D Einkommensteuerpflichtig, bei Verläufen evtl. Mehrwertsteuerpflichtig.

falls ich es noch nicht im anfangsthread schrieb: ich bin autor und verkaufe meine bücher über einen dt. verlag in europa. ich habe also einkünfte aus verkäufen.

Trem Mineiro hat geschrieben:Ein DBA würde verhindern, dass du dafür als steuerpflichtiger Deutscher (oder als Brasilianer) in Brasilien nochmal Steuern zahlen müsstest (Welteinkommen steuerpflichtig)oder anders herum.

auch dazu schrieb schon: ich bin "nur" brasileiro und lebe dauerhaft in brasil.

Trem Mineiro hat geschrieben:Ohne DBA ist es schwieriger, dass zu verhindern, geht aber auch.

wie ich hier gelesen habe: ein dba zwischen dtland und brasil gibts nicht...

Trem Mineiro hat geschrieben:Wenn der Verlag weiß, dass du Steuerausländer bist (also nicht mehr in D gemeldet) dann gibt er dir mit dem Hinweis auf ein DBA einen Tipp, wie du die Steuer zurückbekommen kannst. Ob zwischen Deutschland und deinem Land, wo du lebst, ein DBA besteht, ist für die zweitranging.

mein verlag weiss von meiner nationalität und auch von meiner wohnadresse. welche art von (sinnvollem) tip mein verlag mir da gab, erschliesst sich mir jedoch bisher nicht...

Trem Mineiro hat geschrieben:In Deutschland die Steuer zurück zu bekommen setzt voraus, dass du deine Einkünfte aus D in Brasilien überhaupt angegeben und versteuert hast.

natürlich noch nicht. denn auch in brasil macht man die steuererklärung für 2012 erst in 2013... ganz abgesehen davon muss ich fürs jahr 2012 (wegen der gehaltsgrenze) keine steuererklärung in brasil machen. wie nun also die dt.steuern zurückbekommen?

Trem Mineiro hat geschrieben:Das ist jetzt eine Interpretation aus den wenigen Angaben, die du gemacht hast, wenn es um 5-10.000 Euro oder mehr geht, würde ich einen Steuerberater kontaktieren.

2012 betrifft es knapp 200 euro.


Trem Mineiro hat geschrieben:Gruß Trem Mineiro

muito obrigado und weitere hilfestellungen sind gern gesehen!
abraço campi
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Re: Doppelbesteuerungsabkommen

Beitragvon Trem Mineiro » Do 3. Jan 2013, 20:14

Oi Campi
Mit weiteren Hilfestellungen wird wohl nichts, aber du hast es auch weitestgehend verstanden, wie man aus deinen Kommentaren entnehmen kann. Ich hab nun auch deine Situation soweit verstanden.
Der Verkauf deine Bücher ist Einkommenssteuerpflichtig, die Steuer hat dir der Verlag abgezogen, die Steuer kannst du dir in D bei deiner Einkommenssteuererklärung zurückholen. Bei derzeit 200 Euro Steuerpflicht bist du wohl noch unter der Steuerfreigrenze. Also mach deine Steuererklärung (weiß zwar nicht wo, FA an deinem Meldewohnort, aber mach)
Der Verlag hat dir insofern eine Hilfe geben wollen in dem er dich darauf hinweist, dass du, wenn mit deinem Heimatland ein DBA bestehen würde, du dort die in D gezahlte Steuer von deiner dortigen Steuerpflicht abziehen könntest. Ist aber für dich nicht relevant, da du in Brasilien deine deutschen Einkünfte nicht angibst (du Schelm – aber bei der Höhe verständlich)
Also mach eine Steuererklärung in d und freue dich über die Zurückzahlung. Diese ganze Arie wegen des DBA ist für dich also völlig unerheblich.
Wenn du in D eine Steuererklärung machst kommen da wieder ein paar Sachen an die Oberfläche, die wir nicht beurteilen können.
Die werden fragen
a) Wo du wohnst
b) Wo hast du die letzten 5 Jahre deine Steuern bezahlt
c) Wovon lebst du in D (auch in D ist das Welteinkommen steurflichtig)
d) Legal in D
e) Einkünfte in anderen Länder

Ich bin mal nach 10-Jährigem Aufenthalt in Brasilien nach D zurückgekommen. Für mein altes Finanzamt war ich Steuerausländer, für das Finanzamt am neuen Wohnort war ich erst mal ein Steuerhinterzieher, der dann alles Mögliche rückwirkend für 5 Jahre nachweisen musste. Gott sei Dank bestand da das DBA mit Brasilien noch, was alles ein wenig einfacher machte.
Du solltest also wissen, worauf die dich einlässt, wenn du beim Finanzamt wegen 200 Euro vorstellig wirst.

Gruß
Trem Mineiro
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Re: Doppelbesteuerungsabkommen

Beitragvon Karmapa » Fr 4. Jan 2013, 20:40

Lieber Moderator,

kann man nicht mal eine Art Bewertung für die treads abgeben?
Ich würde nämlich diesem tread hier die volle Punktzahl geben.
Sachlich, fundiert,hilfreich ohne Hähme, Spott oder sonst einem negativen Beigeschmack.
Echt gut, ich freue mich soetwas hier zu finden! =D>
Fora Cunha !
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Re: Doppelbesteuerungsabkommen

Beitragvon Campinense » So 6. Jan 2013, 17:23

Karmapa hat geschrieben:Ich würde nämlich diesem tread hier die volle Punktzahl geben.

Und wer hat ihn eröffnet? :mrgreen:

Ok, die Sache mit dem Doppelbesteuerungsabkommen hätten wir geklärt. Es gibt keins mehr zwischen Dtland und Brasil.

Die dt. Steuererklärung bekomme ich alleine (online) hin. Muss nur noch die notwendigen Formblätter für Ausländer finden...

Allerdings macht mich noch 1 Antwort bzgl. der Gebühren meines Buchverlags stutzig:

"Das Steuergesetz sah bislang für Brasilien einen Steuerabzug von 25 % zzgl. 5,5% Solidaritätszuschlag vor. Dieser Steuersatz wurde aber für kommende Abrechnungszeiträume auf 15% zzgl. 5,5 % Solidaritätszuschlag gesenkt."
WURDE DER PROZENTSATZ TATSÄCHLICH GEÄNDERT ODER WOLLEN DIE MICH NUR VERARSCHEN?
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