Doppelbesteuerungsabkommen

Fragen zur Gesetzeslage in Brasilien, Einwanderungs-, Einfuhr- und Zollbestimmungen sowie Steuerfragen

Beitragvon Lemi » Mi 12. Okt 2005, 01:03

Hi Bagi,

tja, was passiert nach dem DB-Abkommen ?

Erstmal ist ja noch gar nicht klar, dass es kein neues Abkommen gibt und zweitens habe ich mal die Auskunft vom Finanzamt und auch der Buchhaltung meines Betriebs bekommen, dass man in Deutschland nicht mehr lohnsteuerpflichtig ist, wenn man sich mehr als 183 Tage pro Jahr im Ausland aufhält. Nach dem Land wurde da nicht gefragt.

Ich weiss auch von unseren Baustellenleuten, dass sie ihre gesamte Lohnsteuer zurückerstattet bekommen, wenn sie übers Jahr verteilt durch die Welt "rumtrödeln". Meist sind es ja nur Baustellen von 1-2 Monaten, aber eben mehrmals im Jahr und in verschiedenen Ländern.

Logischerweise zahlen die in den jeweiligen Aufenthaltsländern keinerlei Lohnsteuer, ausser glaube ich, in Australien gabs mal eine Nachfrage von den Behörden.

In Brasilien sollte man aber auch aufpassen mit Steuerbetrug, v.a. wenn man noch keine Permanencia hat. Deswegen habe ich in meinem 1. Beitrag auch erstmal nicht erwähnt, dass man natürlich die Steuerbehörde (gesetzeswidrig) umlaufen kann.

Der Boris hatte das doch auchmal versucht ........... :idea:
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Beitragvon Seebaer » Mi 12. Okt 2005, 01:18

Moin,

soweit ich informiert bin muss aber ein Doppelbesteuerungsabkommen existieren, wenn jemand weiterhin in Deutschland gemeldet ist, und diese DB Abkommen sind von unserer Bundesregierung, der Alten, alle einseitig gekuendigt worden, wie Thomas schon erwaehnt hat.
In der Seefahrt gab es ein DB mit dem Staate Liberia, was die Arbeit auf Schiffen unter liberianischer Flagge finanziell sehr attraktiv gemacht hat, das ist aber leider, Dank unserer abgewaehlten Regierung, vorbei.

Ich wuerde mich auf jeden Fall beim zustaendigen Finanzamt in dt. klug machen, wenn Du Dich in Dt. nicht abmeldest , da Dank unserer neuen loechrigen Bankgesetze das Finazamt sehr viel in Erfahrung bringen kann.
Und die warten nicht gerne auf ihre Kohle!!!
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schwieriges Thema...

Beitragvon brasilmen » Mi 12. Okt 2005, 07:38

Soweit ich das weiss, sind die 183 Tage, der Zeitraum ab dem eine Steuerpflicht in Brasilien beginnt.
Entsendung bedeutet für mein Verständnis das man steuerpflichtig in Deutschland bleibt. Im Sinne des §4 SGB IV ist das auch zeitlich nicht begrenzt.
Dazu gibt es eine Infobroschüre zu dem Thema von AHK.
Leider zu gross zum anhängen.
Link:
http://www.ahkbrasil.com/deutsche/sogehts/sogehts.asp?
Gruss brasilmen Thomas
http://www.brasilmen.de
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Beitragvon thomas » Mi 12. Okt 2005, 10:10

@Bagi:

Es kommt nicht direkt zu einer doppelten ESt-Zahlung.

Gibt es keinen DBA, gilt § 34c EStG. D.h. Du kannst Dir die gezahlte brasilianische Steuer auf Deine deutsche Steuer anrechnen lassen und zahlst dann nur die Differenz. Ist das nicht prima? :bnoo:

Leider gilt das nur für die IRPF.

Die Situation ohne DBA ist total beschissen, für Firmen gilt dies noch zehn Mal mehr. Denn PIS/COFINS/CPMF/+ sind alle nicht anrechenbar-- und wer will schon deutsche Steuersätze zahlen?

§34c gilt nur, wenn man noch einen dt. Wohnsitz hat.
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Beitragvon Lemi » Mi 12. Okt 2005, 10:41

Du wirst lachen Thomas, ich wollte während meiner Entsendung nach Brasilien weiterhin in Deutschland Steuern bezahlen, weil das für mich günstiger war. Jaja, so ist es, denn als Familienvater mit Frau und Kindern fällt man im Steuersatz soweit runter, dass man weniger zahlt als in Brasilien, denn dort ist denen Wurscht, ob du verheiratet bist und wieviele Kinder du hast. Lohnsteuergruppen gibts nämlich in Brasilien nicht und den Pauschalbetrag, den du für "Dependentes" absetzen kannst ist lächerlich.

Also: Ich wollte weiterhin in DEU Lst. zahlen, aber mein AG, das Finanzamt und auch der Steuerberater haben mir haargenau das gleiche erzählt: der deutsche Staat will deine Steuer nicht mehr. Es gibt keinen Weg. Du musst in BRA zahlen.

Zur Erklärung: Damals hatte ich einen Entsendevertrag mit amtlicher Meldung des Wohnsitzes in Deutschland. Der Wohnsitz war notwendig (obwohl ich ihn gar nicht wollte), damit ich Sozialabgaben wie ALV und RV bezahlen konnte (Auskunft meines AG´s).

Die obige Info von Brasilmen ist falsch. Entsendete sind eben nicht in DEU steuerpflichtig, sondern im Ausland. Die Steuerpflicht beginnt auch nicht erst nach 183 Tagen, sondern sofort. Wenn man natürlich weniger als 12 Monate pro Kalenderjahr im jeweiligen Land arbeitet, bekommt man beim Lstj-ausgleich eine Portion der eingezahlten Steuer zurück.
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Beitragvon tinto » Mi 12. Okt 2005, 14:11

Der Beitrag von brasilmen bezieht sich nicht unmittelbar auf das Steuerrecht, sondern auf das Sozialrecht. Es geht um die Sozialversicherungspflicht - und berechtigung bei der Entsendung (sog. Ausstrahlung)..
_________________________________
Schöne Grüße,
tinto
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Doppelbesteuerungsabkommen

Beitragvon Greg » Mi 12. Okt 2005, 15:58

Hallo lemi und natürlich auch die andern,

erstmal danke für eure Antworten.
Soweit du es beschrieben hast ist das ganze mir einleuchtend , aber wenn du sagst das ich am Ende des Jahres sowohl das jahreseinkommen wie auch die Einkommensseteur angeben muß, woher weiß der staat (brasilien) wieviel ich verdiene? da kann ich ja irgendwelche angaben machen , da sie keinen zugriff auf meine daten haben, oder? sie wissen nicht wieviel ich in D verdiene.
mein arbeitgeber denkt über eine Auslandstätigkeitserlasses nach und sagte damit müßte ich in D keine steuer bezahlen. Jedoch sind sie sich auch nicht 100% sicher.
momentan habe ich nur ein problem das ich noch kein wort portugisisch rede, und von daher schlecht irgendwelche bedingugen von brasilien lesen kann :-)
kommt ja vielleicht noch.
durch die kündigungen der Doppelbest. sieht ja vieles anders aus.
hast du bzw. ihr einen genauen fahrplan wie ich am besten vorgehen kann? ich habe nächste woche ein treffen und würde hierzu gerne besser bescheid wissen.
achja, wohnsitz wollte ich wahrscheinlich behalten, zumindest ist die notwendig wegen den ganzen anderen abgaben rente, sozialversicherungen etc.. sohat mein AG mir es zumindest gesagt. das heißt wohnung würde ich aufgeben und somit wieder bei papa einziehen :-) nach vielen jahren.
danke
gruß
Greg
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Beitragvon patecuco » Mi 12. Okt 2005, 17:37

Hallo Greg,

Ich rate Dir, dein zustaendiges Finanzamt anzurufen und eine Auskunft fuer deinen Fall zu verlangen. Man kann da einige Fehler machen, die dann im Nachhinein teuer werden.

Dein Arbeitgeber muss in D die Befreiung von der Abfuehrung deiner Lohnsteuer beantragen und darf die nicht einfach so einstellen. Dazu gibt es sogar Formblaetter. Falls Du in D gemeldet bleibst, bist Du weiterhin sozialversicherungspflichtig. Das geht auf Bismarck und das Reichsversicherungsgesetz von 1885 zurueck.

Ein Hoch auf das moderne Deutschland !!

ich lebe z.Z. in Afrika,
es gibt kein Doppelbesteuerungsabkommen,
zahle keine Steuern, nicht hier und auch sonst nirgendwo,
die Steuerpflicht in D endete mit der Ausreise (bzw. Abmeldung in D)
zahle auch nicht in den gesetzlichen Renten-Kettenbrief,
keine KV,
keine ALV,
keine PV,

und darf einfach all mein Geld fuer mich behalten.... ganz legal !
:wink:
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Beitragvon Viva Floripa » Mi 12. Okt 2005, 18:39

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Beitragvon Lemi » Mi 12. Okt 2005, 22:03

tinto hat geschrieben:Der Beitrag von brasilmen bezieht sich nicht unmittelbar auf das Steuerrecht, sondern auf das Sozialrecht. Es geht um die Sozialversicherungspflicht - und berechtigung bei der Entsendung (sog. Ausstrahlung)..


Grundsätzlich sollte man beide Themen - also Steuerrecht und Sozialversicherungsrecht - voneinander trennen, da sie unabhängig voneinander sind und für Entsendungen auch noch unterschiedliche Regeln für beide gelten. Grob gesagt: die Steuerpflicht entfällt, die SV-Pflicht nicht.

Greg hat geschrieben:Soweit du es beschrieben hast ist das ganze mir einleuchtend , aber wenn du sagst das ich am Ende des Jahres sowohl das jahreseinkommen wie auch die Einkommensseteur angeben muß, woher weiß der staat (brasilien) wieviel ich verdiene? da kann ich ja irgendwelche angaben machen , da sie keinen zugriff auf meine daten haben, oder? sie wissen nicht wieviel ich in D verdiene.


Das Finanzamt kann (muss aber nicht) einen Einkommensbescheid von dir als Nachweis verlangen. Dies ist davon abhängig, ob du in die "Malha fina" gerätst. Wenn also einer der Finanzbeamten Zweifel über deine gemachten Angaben hat, kann er verschiedene Nachweise von dir verlangen. Dazu gehört u.a. auch ein Einkommensnachweis oder auch Angaben zu Konten sowohl in BRA als auch DEU.


Greg hat geschrieben:mein arbeitgeber denkt über eine Auslandstätigkeitserlasses nach und sagte damit müßte ich in D keine steuer bezahlen. Jedoch sind sie sich auch nicht 100% sicher.


Ja, so wurde einer meiner Kollegen auch "übers Ohr gehauen". Bei den Lohnverhandlungen wurde immer wieder behauptet, dass er ja in Brasilien keine Lohnsteuer mehr zahlen bräuchte und dadurch Netto fast gleich Brutto wäre. Ist aber völliger Quatsch. Im Arbeitsvertrag stand dann auch der nette Satz drin: "Der AN ist für Versteuerung seines Einkommens selber verantwortlich." Mache dir selber ein Bild, wer der Gelackmeierte war !

Greg hat geschrieben:momentan habe ich nur ein problem das ich noch kein wort portugisisch rede, und von daher schlecht irgendwelche bedingugen von brasilien lesen kann :-) kommt ja vielleicht noch.


Das ist nicht so schlimm. Jeder fängt einmal an.

Greg hat geschrieben:durch die kündigungen der Doppelbest. sieht ja vieles anders aus.
hast du bzw. ihr einen genauen fahrplan wie ich am besten vorgehen kann? ich habe nächste woche ein treffen und würde hierzu gerne besser bescheid wissen.


Es gab hier mal einen Thread in dem ziemlich genau drin stand, wie die Bedingungen für Auslandseinsätze in verschiedenen deutschen Unternehmen geregelt sind, u.a auch für Entsendete. Grundsätzlich solltest du aber Zusatzleistungen des AG in Anspruch nehmen können, falls du eine verantwortliche Position im Unternehmen hast. Wenn der AG dir von vorn herein erzählt, dass Brasilien ein Billigland ist und du dort mit deinem Gehalt zur Upper Class gehörst solltest du vorsichtig sein.

Greg hat geschrieben:achja, wohnsitz wollte ich wahrscheinlich behalten, zumindest ist die notwendig wegen den ganzen anderen abgaben rente, sozialversicherungen etc.. sohat mein AG mir es zumindest gesagt. das heißt wohnung würde ich aufgeben und somit wieder bei papa einziehen :-) nach vielen jahren.


Ja, so ist es bei mir auch gelaufen. Wohnsitz der Eltern als Hauptwohnsitz angeben, um die SV-Pflichten erfüllen zu können. Für die fälligen Müllgebühren, die ja pro gemeldeten Kopf auf jeden Haushalt anfallen, kannst du bei der Gemeinde/Stadt eine Befreiung unter Vorlage des Entsendevertrags beantragen. Bei mir wurde sie stattgegeben. Waren wohl so ca. 100 Euro pro Jahr.


patecuco hat geschrieben:Ich rate Dir, dein zustaendiges Finanzamt anzurufen und eine Auskunft fuer deinen Fall zu verlangen. Man kann da einige Fehler machen, die dann im Nachhinein teuer werden.


Dies rate ich dir auf jeden Fall auch. Die beissen dich dort nicht. Ich habe jedenfalls immer fachkundige Auskunft bekommen.

patecuco hat geschrieben:Dein Arbeitgeber muss in D die Befreiung von der Abfuehrung deiner Lohnsteuer beantragen und darf die nicht einfach so einstellen. Dazu gibt es sogar Formblaetter. Falls Du in D gemeldet bleibst, bist Du weiterhin sozialversicherungspflichtig. Das geht auf Bismarck und das Reichsversicherungsgesetz von 1885 zurueck.


Das bestätigt das oben von mir geschriebene noch mal.
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