Doppelbesteuerungsabkommen

Fragen zur Gesetzeslage in Brasilien, Einwanderungs-, Einfuhr- und Zollbestimmungen sowie Steuerfragen

Beitragvon Trapper » So 25. Feb 2007, 13:56

Oi Harry, soweit ich weiß mußt du Dein gesamtes "Welteinkommen" ab 186 Tagen in Brasilien versteuern. Allerdings wissen die brasilianischen Behörden das nicht automatisch bzw. bekommen meines Wissens keine Info aus DE. Wenn Du die gesamte Jahressteuer in Brasilien bezahlen willst mußt Du Dich in Deutschland befreien lassen, das ist kein Problem. Allerdings will das Finanzamt einen Nachweis, daß Dein deutsches Einkommen wo anders versteuert wurde. Ob Du mit dem brasilianischen Steuersatz besser fährst wage ich jedoch zu bezweifeln, hängt davon ab was Du in DE absetzen kannst. Falls Du weiterhin ein Einkommen in DE hast und noch zusätzlich eins in BR hast Du dieses brasilianische Einkommen in DE anzugeben falls Du dort weiterhin steuerpflichtig bist. Dieses wird dann zu Deinem zu versteuernden Einkommen in DE addiert und danach Dein Steuersatz für Dein deutsches Einkommen ermittelt, das Brasilianische wird nicht nochmals versteuert sofern Du nachweisen kannst, daß dieses bereits in BR versteuert wurde. Allerdings erfährt auch das deutsche Finanzamt nicht automatisch von Deinen brasilianischen Einkünften. Falls Du in DE relativ wenig Steuern bezahlst, mein Tipp: Einkommen in DE weiterhin versteuern wie bisher, brasilianisches Einkommen falls nötig hier in BR versteuern und in DE den Mund halten. Ich war 13 Monate in China, habe mich von der Steuer in DE nicht befreien lassen da ich reichlich abschreiben kann und in China wesentlich mehr Steuern bezahlt hätta da ich dort in die für dortige Verhältnisse Kategorie "Großverdiener" gefallen wäre und alle meine Abschreibungen die ich in DE machen kann im Ausland keinen Cent wert sind. Dummerweise habe ich mein chinesisches Einkommen das dort auch versteuert wurde in DE beim Finanzamt angegeben und dachte der Freibetrag der durch meinen Aufenthalt in China entsteht würde das ohnehin aufheben, Pustekuchen. Da ich nicht im klassischen Sinn auf "Montage" war sondern durchgehend in der selben Firma beschäftigt war,(Tochterbetrieb meines Arbeitgebers in DE) waren nur die ersten drei Monate Steuerfrei, der Rest wurde eben wie bereits erwähnt zum zu versteuernden Brutto in DE zur ermittlung meines Steuersatzes dazugerechnet und dadurch habe ich für mein deutsches Einkommen ca. 2000.- Euro Steuer nachgezahlt und ca. 1500.-Euro Rückerstattung verloren. Also insgesamt 3500.- durch meine eigene Ehrlichkeit(Blödheit) verloren.
Weiß nicht wie´s bei Anderen läuft, ich werde jedenfalls in Zukunft so tun als wäre ich das gesamte Jahr in Deutschland zur Arbeit und damit ist der Fall erledigt.
Falls Du allerdings Steuerklasse eins bist und werder Kinder noch andere höheren Beträge abschreiben kannst könnte es auch sein, daß Du in BR besser wegkommst. Jedenfalls gilt Weltweit: Wer sich mehr als 186 Tage pro Kalenderjahr im Ausland aufhält ist in DE grundsätzlich nicht steuerpflichtig bzw. kann sich davon im Voraus oder Nachhinein befreien lassen. Das gilt meines Wissens übrigens auch für die gesetzliche Sozialversicherung. Eine Befreiung hiervon würde ich jedoch mit Vorsicht genießen.
Bla bla bla, das Thema Sreuern geht auch mir seit Jahren auf den Sack, vor allem weil weder das Finanzamt noch sonst irgendwer 100% verbindliche Aussagen machen kann.

Viel Spaß bei Euren Steuererklärungen, Trapper.

P.S.: Für meinen Aufenthalt in BR habe ich durchgesetzt, daß ich steuerfreie Auslöse bekomme, das ist Brutto zwar weniger als mir eigendlich zusteht, andererseits bleibt mir Netto mindestens das Gleiche und ich habe keinerlei Stress mit irgendwelchen Steuern in BR oder DE.
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Sprachkurs Portugiesisch (Brasilianisch)

Beitragvon brasilharry » So 25. Feb 2007, 14:42

Hallo Trapper,

vielen Dank erstmal für Deine ausführliche Antwort. Der Hintergrund meiner Frage war, wie Du schon vermutet hattest, dass ich lieber in Deutschland (weil weniger) Steuern zahle. Also ist es so, dass ich nach den 6 Monaten Aufenthalt theoretisch mein ganzes Jahreseinkommen in Brasilien versteuern müsste. Ich habe Deine Hinweise verstanden und werde sie auch beherzigen.

Vielen Dank
Harry
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Steuerliche Abgaben für beruflichen 1-Jahr Aufenthalt

Beitragvon RalfG » So 13. Mai 2007, 12:29

Hallo,
mit was für Abgaben ist zu rechnen wenn ich mich 1 Jahr in Brasilien arbeitstechnisch engagiere, mein Arbeitsvertrag jedoch in Deutschland gilt und dort auch überwiesen wird?
Gruß Ralf
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Beitragvon Trem Mineiro » So 13. Mai 2007, 12:50

Oi Ralf
Wenn du deinen Lebensmittelpunkt überwiegend nach Brasilien legst, bist du in D von der Einkommenssteuer befreit.
Wenn du in Brasilien lebst, müsstest du dein Welteinkommen in der Regel dort versteuern. Das ist die Theorie und Gesetzeslage.
Im Einzelfall kann es ein wenig anders sein, kommt auf deine Situation an.
In der Praxis läuft das wohl bei jedem ein wenig bis ganz anders, aber das ist nicht immer ganz legal. hängt auch von den Verträgen ab.

Viel Spaß

Manfred
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Versteuerung

Beitragvon Alexsander » Mi 16. Mai 2007, 22:19

Oi,

durch das zur Zeit fehlende Doppelbesteuerungsabkommen sind wohl in beiden Ländern Steuern zu zahlen. Ist traurig aber Realität.
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Re: Versteuerung

Beitragvon enyone » Mi 16. Mai 2007, 23:29

Alexsander hat geschrieben:Oi,

durch das zur Zeit fehlende Doppelbesteuerungsabkommen sind wohl in beiden Ländern Steuern zu zahlen. Ist traurig aber Realität.


Nee nee!,

das ist nicht allgemein richtig!!!

Bitte lesen : " 183- Tage Regelung " gilt definitiv für Ralf´s Fall ( nach 183 Tagen wird deine Steuer in D nicht mehr verlangt sondern dann nur noch im jeweiligen Land das kein DBA hat mit D!
Ausnahme:
Sein Job fählt in ein Gewerbe das vom Finanzamt für die Befreiung nach Auslandstätigkeitserlass anerkannt wird--> ab 1 Tag im anderen Land ist nur dort noch die Steuer nach örtlichen Steuerrecht zu zahlen!!!

Fakto :wink:

Abracos,
Enrico
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Beitragvon Trem Mineiro » Do 17. Mai 2007, 01:39

Oi Gente
das mit D ist richtig, aber.....
in B ist er steuerpflichtig, wenn er in B ein Arbeitsvisum hat, besteht eine geringe Chance, dass er wegen seines Welteinkommens/Steuer angesprochen wird. Früher mit DB konnte man sich herausreden, dass man in D Steuern zahlen würde, manchmal verlangten die einen Nachweis. Heute würde das sowieso nicht mehr zählen, allerdings tun die Behörden so, als gäbe es das DB noch.

Das Risiko ist gering, kippt man auf, holt sich der Brasilianische Staat das Geld von Arbeitgeber in B (mit Strafen und Zinsen) Darum steht in den Entsendeverträgen meist, dass man in B seine Steuer zu zahlen hat.

Gruß

Manfred


Wie man das in der Praxis im Eintelfall macht gehört nicht hierher.
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Re:

Beitragvon Neosi » Mo 15. Okt 2007, 18:41

Severino hat geschrieben:Wer also in Deutschland wohnt und arbeitet und sein deutsches Einkommen bei der brasilianischen Steuererklärung verschweigt, macht somit Steuerhinterziehung. Das Merkel man sich!


Hallo Severino,

als ich das gelesen habe, habe ich erstmal einen Schreck bekommen und irgendwie verstehe ich das nicht. Also ich arbeite ja in Brasilien, habe aber so ein 1-Jahres-Visum (erstmal) das mich als Trainee auszeichnet, d.h. ich verdiene kein Geld in Brasilien, allerdings erhalte ich normal mein Gehalt in Dt. auf mein dt. Konto und nebenbei bin ich auch noch normal in Dt. gemeldet... Hm, betreibe ich jetzt Steuerhinterziehung in Brasilien??? #-o Wieso ??? Ich muss doch keine Steuererklaerung fuer 2007 hier in Brasilien machen oder?
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Re: Doppelbesteuerungsabkommen

Beitragvon Severino » Mo 15. Okt 2007, 19:04

Oi Neosi,
das Thema ist nicht ganz so einfach, wie ich oben lapidar schrieb....
Normalerweise ist jemand, der im Ausland lebt und arbeitet von der deutschen Steuer befreit. Es gibt da eine Regel von (so glaube ich) 180 Tagen.
Das ist in der Schweiz und auch in Brasilien anders. Dort muss das weltweite Einkommen angegeben und dementsprechend versteuert werden. Die Schweiz kennt hier aber auch ein Recht des "gewöhnlichen Aufenthaltes". Brasilien kennt das eigentlich nicht. Wer in Brasilien eine Steuererklärung ausfüllen muss (und das ist jeder, der eine CPF hat) müsste eigentlich sein weltweites Einkommen angeben und auch in Brasilien versteuern. Nur wer unter 12.xxx Reais im Jahr verdient ist offiziell von der Steuer befreit. So zumindest mein Wissensstand. Trotzdem mache ich jedes Jahr die DAI in Brasilien - und bisher ist die Receita Federal ruhig - also muss es wohl doch auch irgendwie noch was geben, was ich nicht weiss.....
paz e amor
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Re: Doppelbesteuerungsabkommen

Beitragvon bruzundanga » Mo 15. Okt 2007, 19:15

Hm!

Ohne jetzt direkt asuf den Fall von Neosi einzugehen:

Das Zitat wurde ein bisschen aus dem Zusammenhang gerissen, aber dennoch?

Ein Deutscher, der in Deutschland lebt und arbeitet. Nebenbei besitzt er noch eine Immobilie in Brasilien. Dort verbringt er gerade mal die Ferien. Hat keine Perm. Muss ich mir das jetzt so vorstellen, dass er sein Einkommen ein 2. mal in Brasilien versteuern muss?

Abraços

Lese gerade das Posting von Severino. Trotzdem glaube ich nicht, dass (auch unter offiziellen Gesichtspunkten) eine 2. mal versteuert werden muss. Nicht in diesem Fall.
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