Doppelbesteuerungsabkommen

Fragen zur Gesetzeslage in Brasilien, Einwanderungs-, Einfuhr- und Zollbestimmungen sowie Steuerfragen

Doppelbesteuerungsabkommen

Beitragvon Bagi » Di 24. Mai 2005, 02:21

Übrigens:
Das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und Brasilien wurde gekündigt und tritt Anfang 2006 außer Kraft.
Bis dann
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Beitragvon Careca » Di 24. Mai 2005, 06:05

Äh, und was sieht das vor? Habe keine Ahnung was das ist. Bitte klär mich mal auf.
Abraços
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MfG Microsoft"
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Beitragvon Seebaer » Di 24. Mai 2005, 07:48

Wenn Du in einem der Laender nachweislich Steuern bezahlt hast brauchst Du es nicht ein 2tes Mal in dem Anderen.
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Beitragvon Mazzaropi » Di 24. Mai 2005, 12:33

Das mag ja in der Theorie ja schön und gut sein, aber in der Praxis hat das für den einfachen Brasilienfreund der z.B. Geld von D nach BRA transferiert nichts gebracht.
Denn der ganze Aufwand um in BRA nachzuweisen das für einen Betrag X der von D nach BRA überwiesen wurde in D bereits Steuern bezahlt wurde ist ja viel zu gross. Wie willst Du denn z.B. nachweisen das von den € 10.000,- oder € 20.000,- die Du zum Kauf einer Immobilie nach BRA überwiesen hast, bereits in D Steuern bezahlt wurden, wenn Du z.B. das Geld über Jahre hinweg angespart hast ???

Oder ist hier im Forum etwa jemand (Privatperson KEINE Firma) der soetwas schon mal durchgezogen hat ? :roll:
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Re: Doppelbesteuerungsabkommenn

Beitragvon Mazzaropi » Di 24. Mai 2005, 12:34

Bagi hat geschrieben:Übrigens:
Das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und Brasilien wurde gekündigt und tritt Anfang 2006 außer Kraft.


Gibt´s dazu auch eine ofizielle Quelle oder wo hast Du diese Info her :roll: :?: :?: :?:
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Beitragvon Bagi » Di 24. Mai 2005, 14:25

Hallo

Die Information habe ich von der Deutsch- Brasilianischen Handelskammer.

Die Kündigung des Doppelsteuerabkommen betrifft natürlich in erster Linie die deutschen Investoren und Unternehmen (Zinsen die an deutsche Banken gezahlt werden, Dividenden, etc). Gezahlte Steuern in Brasilien werden nicht mehr in Deutschland angerechnet oder umgekehrt.


Aber auch der Arbeitnehmer der einen Wohnsitz in Deutschland und Brasilien hat kann sich nicht mehr auf das Abkommen berufen um einen einzigen steuerlichen Wohnsitz festzulegen. Um die negativen Auswirkungen einer eventuellen Doppelbesteuerung zu vermeiden, muss er sich für einen Wohnsitz entscheiden.

Besonders für diejenigen, die von einer in Deutschland ansässiger Firma in Brasilien arbeiten (z.B. mit Entsendevertrag) dürfte es sehr schlecht sein.
In der Praxis läuft es nämlich momentan so:
Der deutsche Arbeitnehmer legt dem deutschen Finanzamt eine Bestätzung seiner Firma vor, dass er in Brasilien arbeitet (mehr als 180 Tage) und aufgrund des Doppelbesteuerungsabkommen nicht mehr in Deutschland steuern zahlen wird, sondern in Brasilien. Das deutsche Finanzamt fordert keinen Nachweis, dass die Steuern in Brasilien bezahlt werden. Der deutsche Arbeitnehmer meldet seinen Wohnsitz selbstverständlich nicht in Brasilien an und zahlt deshalb auch keine Steuern in Brasilien. Der brasilianische Fiskus hat da absolut keinen Durchblick.
Bis dann
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Beitragvon tinto » Di 24. Mai 2005, 14:51

Noch ein paar Hintergrundinfos aus denen ich den Schluß herleite, dass es noch in diesem jahr ein neues Abkommen geben wird.

Die Bundesregierung hat am 7.4.2005 das Doppelbesteuerungsabkommen mit Brasilien gekündigt. Die Kündigung wird zum 1.1.2006 wirksam.

Die Bundesregierung begründete die Kündigung damit, dass das aus dem Jahr 1975 stammende Doppelbesteuerungsabkommen zahlreiche einseitig wirkende Regelungen enthalten habe, die mittlerweile nicht mehr der deutschen DBA-Politik und der DBA-Praxis entsprächen. Es habe der deutschen Wirtschaft in der Praxis nicht mehr den im Abkommen vorgesehenen Rechtsschutz geboten.

Die Kündigung ist wohl notwendig geworden, weil Brasilien eine Änderung des bestehenden Abkommens verweigert hat. Eine deutsche Delegation hatte sich im Februar in Verhandlungen mit einer brasilianischen Delegation vergeblich um eine Revision des Abkommens bemüht. So sei die Kündigung unabwendbar geworden.

Angesichts der auch ohne DBA nach den nationalen Steuerrechten bestehenden steuerlichen Anrechnungsmöglichkeiten seien keine nennenswerten Wirkungen auf die engen deutsch-brasilianischen Wirtschaftsbeziehungen zu erwarten. Deutschland habe Brasilien informiert, dass es jederzeit bereit sei zu Verhandlungen über ein neues DBA.

So die Info aus dem Auswärtigen Amt.
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Schöne Grüße,
tinto
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Beitragvon thomas » Di 24. Mai 2005, 19:15

Ja-- sie wollten sich nicht auf die Abschaffung der Anrechnung der fiktiven Quellensteuer einlassen.

Brasilianische Anleihen sind jetzt also ein Stück weniger attraktiv.

t.
Zuletzt geändert von thomas am Mo 22. Aug 2005, 20:11, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon patecuco » Mi 25. Mai 2005, 11:17

Bagi hat geschrieben:In der Praxis läuft es nämlich momentan so:
Der deutsche Arbeitnehmer legt dem deutschen Finanzamt eine Bestätzung seiner Firma vor, dass er in Brasilien arbeitet (mehr als 180 Tage) und aufgrund des Doppelbesteuerungsabkommen nicht mehr in Deutschland steuern zahlen wird, sondern in Brasilien. Das deutsche Finanzamt fordert keinen Nachweis, dass die Steuern in Brasilien bezahlt werden. Der deutsche Arbeitnehmer meldet seinen Wohnsitz selbstverständlich nicht in Brasilien an und zahlt deshalb auch keine Steuern in Brasilien. Der brasilianische Fiskus hat da absolut keinen Durchblick.


Nicht unbedingt Bagi, es kommt schon mal vor, dass das deutsche Finanzamt nachfragt, ob der Steuerpflichtige auch wirklich im Ausland Steuern bezahlt. Besonders wenn der Wohnsitz in Deutschland beibehalten wird, und im Ausland gar nichts abgefuehrt wird. Deshalb ist es manchmal besser den Wohnsitz in D aufzugeben.
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Beitragvon Bagi » Mi 25. Mai 2005, 17:50

Das Doppelbesteuerungsabkommen hatte den deutschen Investoren einige Vergünstigungen gewährt, welche sie in Zukunft nicht mehr nutzen können und sind somit im Nachteil gegenüber den Investoren aus den Ländern die mit Brasilien das Doppelabkommen unterhalten.

Bisher war festgelegt, dass Zinsen die an deutsche Banken gezahlt werden unter bestimmten Bedingungen in Brasilien mit 10% besteuert werden, während es bei Banken aus anderen Ländern nach brasilianischem Gesetz 15% sind.
Zinsen welche and die Kreditanstalt für Wiederaufbau oder die Gesellschaft für Wirtschaftliche Zusammenarbeit bezahlt wurden waren durch das Abkommen in Brasilien von der Steuer befreit. Der Import von deutschen Maschinen war für brasilianische Firmen sehr attraktiv. Durch den Wegfall des Abkommen entstehen nun wesentlich höhere Kosten und der Import von deutschen Maschinen wird erschwert.


Die Besteuerung von Dividenden lag bei Doppelbesteuerungsabkommen bei 15%. Die Abschaffung des Abkommen ist in dieser Hinsicht momentan kein Nachteil, weil Dividenden in Brasilien noch Steuerfrei sind (die Betonung liegt bei „noch“). Sollten beliebig hohe Steuern auf Dividenden erhoben werden, wächst die Risikomarge der deutschen Investoren, was wiederum zur Verteuerung der Investition führt. Die momentane Sicherheit entfällt.

Personen mit doppeltem Wohnsitz können sich wie schon im obigen Beitrag gesagt nicht mehr auf das Abkommen berufen um einen einzigen steuerlichen Wohnsitz festzulegen. Die Einkünfte (Gehalt, Rente, etc.) unterliegen unabwendbar der Doppelbesteuerung.
Ferner sieht das deutsche und brasilianische Gesetz nur die Gutschrift der Quellensteuer vor (aber nicht die von Einkommenssteuer) die aufgrund des Wohnsitzes fällig wird. Man muss sich also für einen Wohnsitz entscheiden.

Zur Vermeidung von Doppelbesteuerung sah das Abkommen vor, dass in Deutschland ansässige Personen das Recht haben, verschiedene ausdrücklich konstatierte Einnahmen von der Steuergrundlage auszuschließen.
Falls dies nicht möglich war, konnten die von der in Deutschland wohnhaften Person in Brasilien gezahlten Steuern (auf Einnahmen in Deutschland) gegen die deutsche Einkommens- und Körperschaftssteuer angerechnet werden. Für den Zweck der Anrechnung wurde in einigen Fällen davon ausgegangen, dass die brasilianischen Steuern höher sind als es nach dem brasilianischen Steuerrecht tatsächlich der Fall ist. Dadurch kann ein Investor in Deutschland Steuern anrechnen lassen, die er eigentlich gar nicht bezahlt hat. Dieses wird für den deutschen Investor in Zukunft nicht mehr möglich sein. Ein klarer Nachteil gegenüber der Konkurrenz aus Europa die das immer noch kann.

Vorteilhaft ist die Kündigung des Doppelsteuerabkommen unter anderem in der Besteuerung technischer Dienstleistungen. Auf Grundlage des Abkommens erhebt Brasilien dafür 25% Steuern. Diese Besteuerung ist aber nach Ansicht der deutschen öffentlichen Hand nicht legitim und lehnt es deshalb die in Brasilien gezahlten Steuern anzuerkennen. Mit der Kündigung des Abkommen werden diese Steuern in Deutschland dann bestimmt angerechnet.

Unterm Strich kann man sagen, dass die Kündigung des Doppelbesteuerungsabkommens mehr Nachteile als Vorteile hat. Deutsche Investoren verlieren zu viele wichtige Vorteile gegenüber den Investoren aus anderen Ländern.

Vielleicht liegt Tinto mit seiner Schlussfolgerung gar nicht so falsch, dass es über kurz oder lang ein neues Abkommen geben wird.
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