Doppelte Staatsangehörigkeit für Brasilianer/innen

Fragen zur Gesetzeslage in Brasilien, Einwanderungs-, Einfuhr- und Zollbestimmungen sowie Steuerfragen

Doppelte Staatsangehörigkeit für Brasilianer/innen

Beitragvon Itacare » Mo 5. Okt 2009, 22:56

Da rief neulich eine Freundin meiner Frau an, sie hätte jetzt alle Einbürgerungstests gemacht und damit die deutsche Staatsangehörigkeit mit deutschem Pass und allem pipapo bekommen.

So weit so gut…aber das Ganze, ohne dass sie ihre brasilianische Staatsbürgerschaft aufgeben muss, sie sagt sie hätte jetzt lebenslang beide Staatsangehörigkeiten. Sie hatte vorher schon den Aufenthaltstitel, hat meine Frau auch. Stimmt das, geht das?
Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.
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Re: Doppelte Staatsangehörigkeit für Brasilianer/innen

Beitragvon bruzundanga » Mo 5. Okt 2009, 23:03

Soweit mir bekannt ist: ja
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Re: Doppelte Staatsangehörigkeit für Brasilianer/innen

Beitragvon cabof » Mo 5. Okt 2009, 23:21

Meine Frau und viele aus unserem Kreis haben mittlerweile beide Staatsangehörigkeiten, kein Problem
und auch kein Versuch seitens der hiesigen Behörde die brasil. Staatsangehörigkeit abzuschwatzen,
die Damen sind auf der sicheren Seite, Staatsbürger wie wir. Weiß aber nicht zu sagen ob diese jetzt
hohe politische Ämter besetzen dürfen. Eine Brasilianerin als Bundeskanzlerin, das hätte was.
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Re: Doppelte Staatsangehörigkeit für Brasilianer/innen

Beitragvon bruzundanga » Di 6. Okt 2009, 01:59

dimaew möge mich berichtigen: Wenn ein Deutscher eine andere will muss er die Deutsch abgegeben. Dazu hat der d. Staat das Recht. Will aber ein Brasilianer die deutsche Staatsbürgerschaft müsste die bras. Seite die cidadania zwicken was aber hier in Br. nicht geschieht.

Ergo, Brasilianer können zwei haben, der Deutsche muss "reinrassig" bleiben. :mrgreen: oder anders gesagt:

Wenn einer eine neue Staatbürgerschaft haben will bestimmt das Recht des "Ursprungslandes" ob er die urpsrüngliche abgeben muss oder nicht.
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Re: Doppelte Staatsangehörigkeit für Brasilianer/innen

Beitragvon dimaew » Di 6. Okt 2009, 02:41

Früher verlor ein Deutscher automatisch seine deutsche Staatsangehörigkeit, wenn er die Staatsangehörigkeit eines anderen Staates beantragte und erhielt. Das ist heute nicht mehr so. Nach § 25 Staatsangehörigkeitsgesetz kan der Deutsche seine Staatsangehörigkeit behalten, auch wenn er eine fremde Staatsangehörigkeit erwirbt, wenn er dies vor der Beantragung der frremden Staatsangehörigkeit beantragt hat und dem Antrag stattgegeben wurde. Das Staatsangehörigkeitsgesetz führt aus, dass bei der Prüfung des Antrags die öffentlichen und privaten Belange gegeneinander abzuwägen sind. Wer beispielsweise auch nach der Beantragung der fremden Staatsangehörigkeit noch Steuern in Deutschland zahlt, meinetwegen für Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung, hat gute Chancen die deutsche Staatsangehörigkeit zu behalten.

§25 Staatsangehörigkeitsgesetz hat geschrieben:§ 25
(1) Ein Deutscher verliert seine Staatsangehörigkeit mit dem Erwerb einer ausländischen
Staatsangehörigkeit, wenn dieser Erwerb auf seinen Antrag oder auf den Antrag des
gesetzlichen Vertreters erfolgt, der Vertretene jedoch nur, wenn die Voraussetzungen
vorliegen, unter denen nach § 19 die Entlassung beantragt werden könnte. Der Verlust
nach Satz 1 tritt nicht ein, wenn ein Deutscher die Staatsangehörigkeit eines anderen
Mitgliedstaates der Europäischen Union, der Schweiz oder eines Staates erwirbt, mit
dem die Bundesrepublik Deutschland einen völkerrechtlichen Vertrag nach § 12 Abs. 3
abgeschlossen hat.
(2) Die Staatsangehörigkeit verliert nicht, wer vor dem Erwerb der ausländischen
Staatsangehörigkeit auf seinen Antrag die schriftliche Genehmigung der zuständigen
Behörde zur Beibehaltung seiner Staatsangehörigkeit erhalten hat. Hat ein Antragsteller
seinen gewöhnlichen Aufenthalt im Ausland, ist die deutsche Auslandsvertretung zu
hören. Bei der Entscheidung über einen Antrag nach Satz 1 sind die öffentlichen und
privaten Belange abzuwägen. Bei einem Antragsteller, der seinen gewöhnlichen Aufenthalt
im Ausland hat, ist insbesondere zu berücksichtigen, ob er fortbestehende Bindungen an
Deutschland glaubhaft machen kann.
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Re: Doppelte Staatsangehörigkeit für Brasilianer/innen

Beitragvon bruzundanga » Di 6. Okt 2009, 17:26

@dimaew

Seit wann gilt dieses Gesetz? Interessant für bestimmte Fälle. Die grundsätzliche Überlegung ist aber immer:

Ob doppelte Staatsbürgerschaft möglich ist, entscheidet das "Ursprungsland".
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Re: Doppelte Staatsangehörigkeit für Brasilianer/innen

Beitragvon tinto » Di 6. Okt 2009, 18:08

Auch ich kann die Vorredner bestätigen. Früher galt der völkerrechtliche Grundsatz, nur eine Staatsangehörigkeit zu haben. Damit sollte im Konfliktfall verhindert werden, dass jemand verpflichtet ist, zwei Herren zu dienen.

Jetzt ist das offener und freier geworden. Für Brasilianerinnen, die hier mit einem deutschen verheiratete sind, nicht getrenntlebend und mit gesichertem Lebensunterhalt sich hier aufhalten uohne straffällig geworden zu sein, können bei Nachweis der Sprachkenntnisse, also erfolgreichem Test nach Integrationskurs recht unproblematisch eingebürgert werden und brauchen nicht auf die brasilianische Staatsangehörigkeit zu verzichten.
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Schöne Grüße,
tinto
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Re: Doppelte Staatsangehörigkeit für Brasilianer/innen

Beitragvon dimaew » Di 6. Okt 2009, 19:39

bruzundanga hat geschrieben:@dimaew

Seit wann gilt dieses Gesetz? Interessant für bestimmte Fälle. Die grundsätzliche Überlegung ist aber immer:

Ob doppelte Staatsbürgerschaft möglich ist, entscheidet das "Ursprungsland".


Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, wann die Änderung des Staatsangehörigkeitsgesetzes vorgenommen wurde. In der ab dem 01.01.2005 geltenden Fassung war der entsprechende Absatz 2 bereits drin.

Wie Du und auch Tinto aber zu Recht bemerken, hängt es letztlich vom "Goodwill" des zuständigen Organs ab, ob jemand die deutsche Staatsangehörigkeit behalten kann, wenn er eine andere annimmt.
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Re: Doppelte Staatsangehörigkeit für Brasilianer/innen

Beitragvon yens » Mi 7. Okt 2009, 04:25

dimaew hat geschrieben:Früher verlor ein Deutscher automatisch seine deutsche Staatsangehörigkeit, wenn er die Staatsangehörigkeit eines anderen Staates beantragte und erhielt.


Das ist richtig.

dimaew hat geschrieben:Das ist heute nicht mehr so. Nach § 25 Staatsangehörigkeitsgesetz kan der Deutsche seine Staatsangehörigkeit behalten, auch wenn er eine fremde Staatsangehörigkeit erwirbt, wenn er dies vor der Beantragung der frremden Staatsangehörigkeit beantragt hat und dem Antrag stattgegeben wurde.


Auch dies ist richtig. Das magische Wort ist "Beibehaltungsgenehmigung".

dimaew hat geschrieben:Das Staatsangehörigkeitsgesetz führt aus, dass bei der Prüfung des Antrags die öffentlichen und privaten Belange gegeneinander abzuwägen sind. Wer beispielsweise auch nach der Beantragung der fremden Staatsangehörigkeit noch Steuern in Deutschland zahlt, meinetwegen für Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung, hat gute Chancen die deutsche Staatsangehörigkeit zu behalten.


Deinentwegen kann man Steuern zahlen wann und wo man will, hat aber nix mit der Beibehaltungsgenehmigung zu tun. Denn auch als amerikanischer Staatsbuerger koenntest Du fuer ein vermietetes Haus in Deutschland Steuern zahlen. (Ohne in Details abdriften zu wollen, Steuern _koennten_ _EINER_ der Gruende sein, wenn Du z.B. ohne Staatsbuergerschaft nicht erben koenntest oder deutlich mehr Erbschaftssteuern zahlen muesstest). Was es fuer Gruende gibt und was genehmigt wird und was nicht, dafuer gibt es im Internet ausfuehrliche Diskussionsgruppen. Google ist Dein Freund.

Was Du vergessen hast zu erwaehnen: Das Land muss ein aehnliches Wertvorstelllungs und Staatssystem wie Deutschland haben. Fuer einen (weiteren) EU Pass und die Schweiz musst Du nicht mal mehr eine Genehmigung stellen (automatisch). Fuer die USA ist die Genehmigung noch noetig, aber alles andere als trivial. Ob sie fuer Brasilien zu bekommen ist? Ich glaube das ist sehr sehr schwierig. Fast haette ich gesagt unmoeglich, aber ich habe mal ein paar Infos dbz. in der dt. Botschaft in Brasilien gesehen. D.h. es gibt Leute, die versuchen das. Ob mit Erfolg?
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Re: Doppelte Staatsangehörigkeit für Brasilianer/innen

Beitragvon yens » Mi 7. Okt 2009, 04:30

bruzundanga hat geschrieben:@dimaew

Seit wann gilt dieses Gesetz?


Seit rot/gruen

bruzundanga hat geschrieben:Die grundsätzliche Überlegung ist aber immer:

Ob doppelte Staatsbürgerschaft möglich ist, entscheidet das "Ursprungsland".


Deutschland wird sich da, im Gegensatz zu anderen Laendern (mit ganz wenigen speziellen Ausnahmen, wie z.B. dem Iran), nach den Gesetzen des Ursprungslandes richten.
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