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 Betreff des Beitrags: Ein kleines Hotel am Strand oder Deutsche Lebensträume in Br
BeitragVerfasst: 21 Apr 2007 23:09 
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Wir Deutschen haben nicht gerade den Ruf, das phantasievollste Volk der Welt zu sein. Vielleicht fasziniert uns deswegen Brasilien mit seinen Überlebenskünstlern so. Die Deutschen stehen unter den europäischen Brasilienurlaubern an zweiter Stelle (gleich nach den Portugiesen), und die meisten kommen mehr als einmal. Kein Wunder, daß mancher irgendwann von einem Aussteigerleben unter ewiger Sonne an einem palmenbestandenen Strand träumt. Wie kann ich an einem solchen Paradies leben, und trotzdem Geld verdienen, fragen sich die deutschen Brasilienfans. Und finden flugs eine Antwort: Ja, klar, das ist es – ein kleine nettes Familienhotel an einem idyllischen Ort aufmachen. Wer nicht vom Hotel träumt, macht ein Restaurant auf, und damit ist die Bandbreite der Kreativität auch schon am Ende. Neun von zehn Deutschen, die ich hier treffe, haben ein kleines Hotel am Strand. Glücklich sind viele meiner Mit-Deutschen in Brasilien trotzdem nicht.

Mein Nachbar hat einen halben Lebenstraum verwirklicht. Er besitzt etwas, das mal ein Familienhotel werden will. Auf seinem großen, sorgfältig gemalten Schild heißt es: „Pousada, hier sprechen wir Deutsch“ – beinahe wie im Film von Gerhard Polt. Pousada heißt Pension auf Portugiesisch. Auf dem Schild zeigt ein Pfeil die Richtung, aber eine Pension ist nicht zu entdecken. Statt dessen steht in der Pfeilrichtung ein Rohbau, davor wartet der Betonmischer auf Handwerker, die nie kommen: vielleicht ist dem Besitzer nach dem Schildermalen das Geld ausgegangen. Immerhin steht die Bauruine seiner Träume direkt am Strand – und vielleicht ist mein Nachbar glücklich. Vielleicht wohnt er auch gar nicht mehr hier: Ich habe ihn noch nie gesehen.

Karl hat seinen Lebenstraum aufgegeben. Er hatte sich ebenfalls in einen Strandort verliebt, hat eine Erbschaft gemacht und - ja genau - beschlossen, ein kleines Hotel aufzumachen. Weil Karl nicht – wie der andere - sein ganzes Geld für das Grundstück ausgeben wollte, kaufte er keine Strandlage. Und ist jetzt chronisch pleite und Besitzer eines kleinen Hotels mit neun Zimmern und einem großen Garten, das niemand findet, weil es in einer der kleinen Hinterstrassen des Orts versteckt liegt. Karl stellt schon lange keine Schilder mehr auf oder macht sonstwie Werbung für sein Hotel. Er lebt überwiegend in seinem Garten, wo er Orchideen züchtet und Bananen pflanzt: die Orchideen verkauft er gelegentlich an Sammler und die Bananen kann er immerhin essen.

Thomas hat seinen Lebenstraum satt. Dabei ist sein kleines Hotel fertig gebaut – für die letzten Zimmer hat sich Thomas seine Lebensversicherung auszahlen lassen, denn zurück wollte er sowieso nicht mehr. Dann ist sein Ort vom Geheimtipp für abgebrannte Rucksackreisende zum Lieblingsferienort für hippe Typen aus Europa und Brasilien avanciert und die einst einsame Lage von Thomas’ Hotel zum idealen Standort abseits des Trubels. Das heißt: Thomas kann von seinem Hotel leben. Er muß nicht mal mehr viel arbeiten, Zimmermädchen, Köchin und Gärtner machen ihren Job zuverlässig. Jetzt schaukelt Thomas meistens in der Hängematte und guckt auf den idyllischen Strand. Tolles Leben? Findet Thomas nicht. Die ersten Jahre, als das Geld endlich gereicht hat, seien ja noch ganz nett gewesen, sagt er. Aber immer nur auf den Strand gucken! Manchmal frage er sich schon, warum ihm nichts Besseres eingefallen ist.

Klaus-Dieter ist glücklich ohne Lebenstraum. Sein Traum war die Pension, die er vor zwanzig Jahren von seinen Ersparnissen gebaut hat. Die lief so schlecht, daß Klaus-Dieter sich schon bald als Fremdenführer auf Ökotouren durch den Wald versuchte. Aber den Brasilianern war es zu heiß im Tropenwald – Strandurlauber wollen hier lieber im Schatten sitzen, als bei sportlichen Aktivitäten zu schwitzen. Also hat Klaus-Dieter ein Restaurant aufgemacht. Nachdem er das Restaurant mangels Gästen wieder schließen mußte, hat er eine Räucherkammer gebaut und Hühnerbrüste und Fische geräuchert. Das war so exotisch, daß sich dafür sogar Kunden fanden. Nur zum Leben hat der Verdienst wieder nicht gereicht. Vor einiger Zeit erzählte mir Klaus-Dieter, er habe die Dauerpleite satt, er werde jetzt in die Politik gehen. Kürzlich traf ich ihn wieder: Klaus-Dieter hat jetzt einen Job als Umweltsekretär eines winzigen Ortes und dafür sogar die brasilianische Staatsangehörigkeit angenommen. Als Umweltsekretär verbringt er den halben Tag im eisgekühlten Büro und die andere Hälfte des Tages in stickigen öffentlichen Transportmitteln - am Strand ist er so gut wie nie. Aber glücklich ist Klaus-Dieter. Vielleicht, weil er selbst zum Überlebenskünstler geworden ist.


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 Betreff des Beitrags: Re: Ein kleines Hotel am Strand oder Deutsche Lebensträume i
BeitragVerfasst: 21 Apr 2007 23:54 
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mikelo hat geschrieben:
Glücklich sind viele meiner Mit-Deutschen in Brasilien trotzdem nicht.


ok, das zitat ist zwar aus einem artikel von Christine Wollowski.

dennoch stellt sich den lesern hier im forum natuerlich die frage: was willst DU uns damit sagen?


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BeitragVerfasst: 21 Apr 2007 23:58 
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Also ich verstehe es! :D



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BeitragVerfasst: 22 Apr 2007 00:03 
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brasilblog hat geschrieben:
Also ich verstehe es! :D


was??

ich dachte, DU waerst gluecklich...


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 Betreff des Beitrags: Re: Ein kleines Hotel am Strand oder Deutsche Lebensträume i
BeitragVerfasst: 22 Apr 2007 00:07 
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Diter_Rio hat geschrieben:
mikelo hat geschrieben:
Glücklich sind viele meiner Mit-Deutschen in Brasilien trotzdem nicht.


ok, das zitat ist zwar aus einem artikel von Christine Wollowski.

dennoch stellt sich den lesern hier im forum natuerlich die frage: was willst DU uns damit sagen?


tja, anscheinend stellt sich die frage: warum verstehtst du nichts? dies hier ist ein forum---zur erinnerung. hier wird diskutiert, meinungen und erfahrungen ausgetauscht. wir befinden uns im thread: auswandern. und der beitrag ist genau da wo er hin soll.



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Zuletzt geändert von mikelo am 22 Apr 2007 00:11, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 22 Apr 2007 00:10 
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Ich versteh das auch! Klingt komisch ist aber so. :lol: :lol: :lol:

Hartl


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BeitragVerfasst: 22 Apr 2007 00:15 
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Natürlich bin ich "glücklich".

Ich sage ja nur, dass ich den Text verstehe. Vielleicht interpretiere ich ihn aber auch falsch. Ich kenne zwar keinen der genannten dort, habe aber in vielen Mails und Gesprächen via Skype, etc. - sowie in diversen Internetforen - mit diese "Sorte Auswanderer" Bekanntschaft gemacht.

Es ist halt das was ich immer sage. Leicht hier Fuss zu fassen ist es nicht. Und selbst wenn man es geschafft hat, wird irgendwann die 500. Coco Verde so ekelig, dass man sein Lebtag keine mehr will.

Der Alltag holt auch den Auswanderer in Brasilien ein. Vielleicht sind sie aus einem muffigen Büro aus dem Frankfurter Westend geflohen ins Paradies der Sonne und Sinne - aber nach 5 Jahren geht einem das dann vielleicht auch auf den Geist und wird genauso öde wie inmitten von Mainhattan zu sitzen.

Oder man erlebt eine Pleite nach der anderen, und die ursprünglich genialen Ideen stellen sich als nicht markttauglich heraus. Da verliert man auch schnell die Lust auf Sonne, Strand und Meer.

Es ist klar, Wollowski schreibt es aus ihrer Perspektive im Nordosten. Und das ist auch richtig so. Es darf natürlich nicht verallgemeinert werden. Denn sie schreibt es nicht als redaktionellen Beitrag der Zeit, sondern in ihrem persönlichen Webtagebuch. Dies sollte man bei der Bewertung des Postings berücksichtigen. Eine persönliche Beobachtung ihrer Umgebung. Dass ein Teil davon auch in anderen Regionen Brasiliens anzutreffen ist, kann ich daher nur anmerkend hinzufügen. Nichtsdestotrotz ist es immer wieder interessant, ihre - ganz persönlichen - Berichte zu lesen.



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BeitragVerfasst: 22 Apr 2007 00:20 
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brasilblog hat geschrieben:

Nichtsdestotrotz ist es immer wieder interessant, ihre - ganz persönlichen - Berichte zu lesen.


deswegen veroeffentliche ich ihre berichte. ich finde sie sehr interessant----nicht alle, aber unter anderem eben diesen, weil er meine beobachtungen und erfahrungen deckt.



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BeitragVerfasst: 22 Apr 2007 00:43 
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jetzt habt ihr alle so getan, als ob ich behauptet haette, ich verstuende den artikel von christine wollowski nicht.

mir ist doch nur aufgefallen, dass michael jetzt, im april des jahres 2007, ploetzlich einen artikel hervorzieht, den C.W. bereits im november letzten jahres veroeffentlicht hat.

und da hab ich nichts weiter getan, als zu fragen, was ER (nicht C.W.) uns damit sagen will.

naja, ein ganz klein wenig geantwortet hat er ja, danke, michael:
mikelo hat geschrieben:
ich finde sie sehr interessant----nicht alle, aber unter anderem eben diesen, weil er meine beobachtungen und erfahrungen deckt.


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BeitragVerfasst: 22 Apr 2007 00:46 
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naja, so kams rüber :D

Jetzt weisst du es ja, hier im Forum immer so erklären, dass es auch die ganz blöden verstehen .... :D :D



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