Ein zwölfjähriger Waisenjunge lebt zur Pflege beim alten Shlomo. Dort lernt er auch das Judentum kennen.
Von Holger Kreitling
Das Jahr, als meine Eltern im Urlaub waren (Regie: Cao Hamburger). Brasilien 1970, das ist Pelé in Mexiko: die triumphale Weltmeisterschaft, der Sieg im Endspiel gegen Italien.
Die Militärdiktatur in Brasilien dieser Jahre ist weitgehend vergessen. Auch der zwölfjährige Mauro bekommt von Unterdrückung und Verfolgung wenig mit. Er ist 1970 allein in Sao Paulo, seine Eltern haben ihn abgegeben, um unterzutauchen. Doch der jüdische Großvater ist gestorben, Mauro muss mit dem alten Shlomo auskommen. Und er lernt, widerwillig, das Judentum kennen.
Der brasilianische Film erzählt zurückhaltend und konsequent aus der Sicht des Jungen. Die lähmende, bedrückende Prägung durch die Diktatur wird an kleinen Beobachtungen sichtbar. Und alles, was wir sonst von Brasilien wissen, Strände, Bossa Nova, viel Sonne, Zuckerrohrschnaps und leichtes Leben, muss es in einem anderen Land geben. Hier nicht. Ein Sommerdiktaturmärchen, bitter und zart und beeindruckend.
http://www.welt.de/data/2007/02/10/1206610.html