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[Quelle: http: //www.berlinonline.de/berliner-zeitung/vermischtes/496392.html]
Ein Süppchen vom Piranha für die Potenz
Neue Ideen für weniger geschätzte Amazonas-Fische
Wolfgang Kunath
MANAUS, im Oktober. So richtig perfekt sieht das silberne Tütchen noch nicht aus. Es ist ein bisschen schief und krumm, das rote Etikett fällt schnell ab, weil der Leim nicht hält. "Sopa Instantânea - Piranhas" steht drauf, und links unten, neben der Angabe "10 g", sind drei der berüchtigten Sägesalmler abgebildet. Wegen ihrer Aggressivität gelten sie als der Killer-Fisch des Amazonas: Will man so etwas als Tütensüppchen essen?
Dass die Präsentation nicht perfekt ist, macht nichts. Denn Professor Edson Lessi, der das Piranha-Konzentrat entwickelt hat, arbeitet beim brasilianischen Institut für Amazonas-Forschung in Manaus. Dessen Auftrag ist es, die Umwelt zu schützen und Beiträge zur nachhaltigen Nutzung der natürlichen Ressourcen zu liefern. "Wir vermarkten unsere Ideen nicht", sagt Lessi, "sondern verkaufen das Patent an Firmen, die auf den Markt gehen".
Der Markt - das müsste Asien sein, meint Lessi. Denn sein Demo-Produkt ist nicht einfach ein Süppchen. Piranha-Eintopf stärkt die Manneskraft, so behaupten die Caboclos, die Fluss-Anrainer der Gegend. Das dürften Asiaten interessant finden, sagt Lessi feixend: "Ich hoffe, dass sich die Chinesen eines Tages zwei solche Suppentütchen einstecken und sich damit ins Wochenende stürzen".
Lessis Institut verhandelt derzeit mit einer brasilianischen Firma, die das Pulver in Asien an den Mann bringen will. Dem Professor geht es allerdings weniger um fernöstliche Potenzförderung als um den Schutz der heimischen Umwelt. "Im Amazonasbecken gibt es ungefähr 2 000 Fischarten", sagt er, "aber auf dem Markt hier in Manaus finden Sie höchstens 30, von denen nur acht bis zehn richtig gut gehen".
Dieses Spektrum zu erweitern, würde den ökologischen Druck auf die begehrten Sorten verringern und den Fischern mehr Einkommen verschaffen, weil die heute minderwertigen Fische höhere Preise erzielten. Und würden massenhaft Piranhas nachgefragt, dann käme das vor allem den Stauseen zugute, wo der Fisch fressende Piranha mit fast allen anderen Sorten aufgeräumt hat.
Auch Paulo Lopes hofft auf einen neuen Markt für Amazonasfische, aber er denkt eher ans Geschäft als an die Umwelt. Der Bauunternehmer hat vor 15 Jahren angefangen, als Hobby Fische zu züchten, jetzt ist es längst ein Geschäft. Tambaqui heißt seine Sorte - ein gewaltiger Brocken, der bis zu 30 Kilo schwer wird. "Vom Tambaqui können Sie praktisch alles verwerten", meint Lopes, "selbst die Gräten kann man zu Mehl verarbeiten, das als Fischfutter verwendet wird".
Aber es sind weder die Gräten noch das Fleisch und auch nicht die Schuppen, die für die Herstellung von Nagellack benutzt werden, sondern es ist die Haut, die Lopes fasziniert. "Sie sieht wunderbar aus", schwärmt Lopes, der pro Jahr 1 000 Tonnen Tambaqui aus seinen Teichen fischt, "die hat so einen starken Amazonas-Touch". Das gefällt den Kunden, und sie zahlen ordentlich: 140 Dollar verlangt Lopes bei seinem Abnehmer in São Paulo für eine 100 mal 60 Zentimeter große Partie Tambaqui, die aus lauter handtellergroßen Stücken zusammengeleimt wird.
Aber was um aller Welt macht man mit Fischhaut? "Alles", antwortet er überzeugt und zählt auf: Schuhe und Jacken natürlich, außerdem Sofabezüge, und aus kleineren Stücken Gürtel, Handy-Etuis, Brieftaschen und sogar Bikinis. Aber was Lopes am allerbesten findet: Die amerikanische Motorrad-Fabrik Harley-Davidson testet gerade, ob seine Tambaqui-Häute als Bezug für Motorrad-Sitze taugen. "Tambaqui-Haut ist etwa 80 Prozent so strapazierfähig wie Rindsleder", sagt Lopes hoffnungsfroh, "aber dafür viel schöner".
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