Einreise mit Maschinenteilen

Fragen zur Gesetzeslage in Brasilien, Einwanderungs-, Einfuhr- und Zollbestimmungen sowie Steuerfragen

Einreise mit Maschinenteilen

Beitragvon Scar666 » Fr 18. Jul 2014, 14:32

Tach!!!!

Ich glaube jeder von uns weiss hier, dass das Importieren von Waren von Deutschland nach Brasilien unter Umstaenden richtig teuer werden kann. Ich habe zum Beispiel ein Maschinenteil entdeckt, dass wir hier gut gebrauchen koennten, aber mit dem Zoll wuerde das ganze dann 67% mehr kosten und dann ist man so ungefaehr wieder beim alten Preis.
Habt ihr schonmal versucht irgendetwas hier her liefern zu lassen, habt ihr damit irgendwie Erfahrung? Oder wuerde es sich lohnen da igrendeinen Mitabeiter hinzuschicken und solche Teile dann im Koffer mitzunehmen und darauf hoffen dass der Zoll nix merkt ?
Was denkt Ihr ?
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Re: Einreise mit Maschinenteilen

Beitragvon Gunni » Fr 18. Jul 2014, 14:46

Leider hast du nichts über das Teil gesagt, um das es geht - ist also schwer, dir da was konkretes zu sagen.

Ich deklariere Teile mit hohen Einfuhrzöllen dann als "Komponente" und versuche diese mit brasilianischen "Komponenten" zu einem finalen "Produkt" zu ergänzen - da brasilianische "Komponenten" nicht verwendet werden könnten, falls ich die dazu auswärtige "Komponente" wegen hoher Straf- oder Importzölle nicht ins Land bekomme, wird bei richtiger Argumentation (Arbeitsplätze etc.) der Zoll auf die Teile dann schnell reduziert.

Die Wörter in Anführungszeichen sind natürlich eine juristische Auslegung der Sache (Anwaltskanzleien wie Pinheiro Neto helfen da enorm ;-) ). - - Manchmal reicht auch schon, wenn man in Europa eine Dichtung entfernt und dann in Brasilien eine Dichtung aus lokaler Fertigung einbaust.

Vielleicht ist das ja eine Idee ?
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Re: Einreise mit Maschinenteilen

Beitragvon Trem Mineiro » Fr 18. Jul 2014, 14:48

Ein Maschinenteil unbemerkt als Paket liefern wird kaum klappen, das wird über Gewicht/Volumen schon auffallen. Wenn's dann auch nicht richtig deklariert ist, wird es wegen Zollstrafen erst recht teuer.

Für den Koffertransport gilt das gleiche, wenn es schwer und teuer ist, fällt es auf, weil auch da so Gewicht/Volumen Regeln gelten und wenn das nicht passt geht's automatische zum Durchleuchten, bzw. du hast irgendwo einen Aufkleber/Markierung am Koffer, wegen dem sie dich dann am Zoll rausfischen. Und auch da: vorher nicht deklarieren kostet außer Zoll auch noch Strafe. Mit Glück flutscht man da aber auch durch.

Wenn schon, dann per Luftfracht und mit Zoll-Despachanten, bei gewerblicher Einfuhr günstig klassifiziert kann der Zollsatz so zwischen 2-14 % liegen, manchmal natürlich höher, da kann man mit spielen. Allerdings fallen dann die innerbrasilianischen Steuern ICMS/IPI/PIS/Cofins an, die kann man aber als Firma/Verkäufer so als eine Art Vorsteuer absetzen.
Es gibt schon Gründe, warum importierte Waren so teuer sind, wobei in der Regel die Importeure auch noch 30-100 % Gewinn draufschlagen.

Gruß
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Re: Einreise mit Maschinenteilen

Beitragvon Scar666 » Fr 18. Jul 2014, 15:04

Das mit der Dichtung ist schon ne ganz nette Idee. Also geht es mehr darum, dass man zwar Teile aus Deutschland bestellen kann, aber das GANZE, die MASCHINE in BRasilien zusammenbauen muss. Also man koennte den Preis schon alleine dadurch druecken, dass man da mit zwei Leuten rueber geht und das Maschinenteil auseinander baut und die ganze Sache dann in getrennten Koffern, mit getrennten Personen rueber schickt und das ganze dann nur so bis ca. 20% verzollt wird ? Habe ich das richtig verstanden?
Die Mschinen um die es geht sind LAserschneidanlagen aus Deuthscland und der SChweiz. Primaer geht es da eher um Reflektorspiegel, Faltenbaelge..Also keine 80kg Motoren oderso....Es soll nur halt billiger sein.
Ich wuerde gerne etwas in Deutschland kaufen und dann mit ein oder zwei weiteren Personen rueber die ganzen sachen in den Koffer packen und wieder zuruek nach Brasilien. Aber ich wuerde das ganze gerne machen OHNE dass ich eventuell irgend eine Strafe zahlen muss wenn man dann doch rausgezogen wird. Dann doch eher 14% oder 20% bezahlen. Kann mir mal einer diesen Prozess erklaeren, also ne kleine Anleitung schreiben was ich dann machen muss um das ganze "legal" zu verzollen ?

Nur als Beispiel nehmen wir an ich moechte einen Schneidkopf fuer eine Laserschneidanlage importieren, die kann man auseinander bauen.

Vielen Dank
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Re: Einreise mit Maschinenteilen

Beitragvon Trem Mineiro » Fr 18. Jul 2014, 21:29

Nee, privat geht das nicht, da kommst du immer (bis 3.000 Reais oder US$) auf diese Pauschale Zoll/Steuergebühr von 60+ %.
Um das gewerblich einzuführen brauchst du eine Firma, deren Zweck auch Importe und Weiterverarbeitung ist, und eine Lizenz für Importe.
Mein Weg ist, dass über einen Einfuhrspediteur zu machen, der die Einfuhr, Deklaration und Versteuerung für dich erledigt. Solange du dann aber die Vorsteuern nicht absetzen kannst wird das ja nicht billiger wegen der Steuern: ICMS (18%), IPI (8%), PIS/Cofins (7%)+ Zoll. Die Guthaben kann man allerdings verkaufen.
Und der Import-Spediteur (Despachante) will ja auch noch Geld haben. Und wer so einführt, muss die Ware natürlich auch offiziell gegen Handelsrechnung bezahlen und das Geld via Banco Central überweisen und dafür den Gegenwert in Reais vorher deponieren, für solche Zahlungen ins Ausland braucht man auch wieder eine Registrierung.
Es gibt viele Gründe, Geschäfte in Brasilien erst gar nicht anzufangen, solange man das nicht in großem Maßstab macht. Dann lohnt sich auch ein Stab von Sped.-Kaufleuten, Buchhalter, Steuerspezialisten und dass ist der Grund warum Formen soviel administratives Personal haben. Es geht nicht ohne.

Also pack die Sachen in den Koffer und lass dich nicht erwischen.

Gruß
Trem Mineiro
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Re: Einreise mit Maschinenteilen

Beitragvon Gunni » Fr 18. Jul 2014, 23:47

Stimmt...Trem Mineiro hat recht - man muß unterscheiden zwischen gewerblich und privat ! - - Wenn du mit 20 bis 30 brasilianischen Arbeitsplätzen bei "Komponenten" argumentieren kannst, werden ganz schnell die Zölle geändert - aber als Privatperson ist sowas natürlich nicht machbar.
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Re: Einreise mit Maschinenteilen

Beitragvon BrasilJaneiro » Sa 19. Jul 2014, 06:18

Scar666 hat geschrieben:Tach!!!!

Ich glaube jeder von uns weiss hier, dass das Importieren von Waren von Deutschland nach Brasilien unter Umstaenden richtig teuer werden kann. Ich habe zum Beispiel ein Maschinenteil entdeckt, dass wir hier gut gebrauchen koennten, aber mit dem Zoll wuerde das ganze dann 67% mehr kosten und dann ist man so ungefaehr wieder beim alten Preis.
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Was denkt Ihr ?


Früher konnte man Maschinen nur einführen, wenn diese Maschinen nicht in Brasilien hergestellt werden oder man die fiscais bestochen hatte. Es wird wohl heute auch sehr schwierig sein Maschinen einzuführen. Vielleicht eine im Umzugscontainer. Das war es dann aber schon.
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Re: Einreise mit Maschinenteilen

Beitragvon zagaroma » Sa 19. Jul 2014, 15:07

Das mit dem Einfuhrzoll wird immer sehr irreführend dargestellt.

Die Perzentualen von 14% - 60% beziehen sich nämlich NUR auf die Einfuhrsteuer, dann kommen jede Menge andere Steuern, Lagergebühren, Bearbeitungsgebühren, Abfertigungsgebühren und meistens noch eine willkürlich verhängte Strafe dazu, und nach unserer Erfahrung werden aus den 60%, die wir auf unsere Ware zahlen, am Ende IMMER 120 %. Die Gebühren werden nämlich auch nach dem Warenwert berechnet, bleiben also nicht etwa konstant. Und es dauert auch mit Importa Facil der Post 3 - 4 Monate.

Da man das boleto des Zolls bezahlen muss, bevor man die Ware oder die Abrechnung überhaupt zu sehen bekommt, kann man auch keinen Einspruch einlegen. Diebe, Räuber und Ganoven sind die beim Zoll.
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Re: Einreise mit Maschinenteilen

Beitragvon Trem Mineiro » Sa 19. Jul 2014, 16:41

Oi BasilJaneiro
Du berichtest aus einer Zeit, als für jeden Import eine Import-Lizenz notwendig war, die erst genehmigt wurde, wenn wie du schreibst das Ding nicht in Brasilien hergestellt werden konnte. Da das auch noch 3-4 Monate dauerte (Veröffentlichung und Einspruchsfrist lokaler Lieferanten)legten sich viele Kunden Reserveteile auf Lager (in einem Fall eine komplette FF-Auskleidung für einen Hochofen, Wert 20 Mio. US$ - Der Ofen hielt dann besser als gedacht und als er zur Neuzustellung kam, war das Konzept so veraltet, das man das Zeug verschrotten musste und neu kaufte). Es gab schon Gründe warum sich Brasilien bei der Entwicklung meist selbst ein Beinchen stellt. Ist heute in vielen Teilen nicht viel besser.

Sei 1995 gibt es diese Pflicht zur widerspruchslosen Einfuhr-Lizenz nicht mehr, man beantragt sie aus statistischen Gründen und zur Zoll-Klassifikation und bekommt sie nahezu automatisch. Nur die damit verbundene Bürokratie stört und behindert.
In letzter Zeit gibt es aber Bestrebungen, diese alte Lizenz-Regelung mit selektiver Genehmigung wieder einzuführen, natürlich auf Wunsch der lokalen Industrie, die sich lieber geschützt sieht als Wettbewerbsfähig zu werden.

Die hohen Einfuhrkosten (wie Zagaroma) schreibt kommen natürlich auch durch die Steuern (die wie Inlandssteuern) auf den Import gerechnet werden müssen (hab ja mal gezeigt wie viel das sind).

Ohne dieses Importschutz und Steuersystem wären brasilianische Waren mit ihrem schlechten Produktivitäts-Faktor auch im Inland kaum konkurrenzfähig.

Die Industrie in Brasilien hat kein Konjunkturproblem, dass man auf die Weltkonjunktur schieben kann. Die haben ein Struktur-Problem (unabhängig von den Infrastruktur-Problemen) und ich sehe derzeit nicht, wo irgendeine Regierung das in die Hand nehmen will.

Dazu verdienen die Donos der Industrie sehr gut, die Profite in diesem geschützten Markt sind nicht schlecht (sind ja nur ein paar hundert Familien). Was fehlt ist der Wille zum Wachstum, den internen Markt mit günstigen Preisen und anständigen Löhnen zu erschließen und den Export auszuweiten. Das ist aber den stinkreichen Donos viel zu riskant und mühselig (von Ausnahmen abgesehen). Die investieren lieber ihr Kapital in internationale Großkonzerne. Gesellschaftliche oder Soziale Verantwortung liegt denen so fern und keine brasilianische Regierung wird die jemals dazu zwingen. Das ist eine andere Kultur als in Europa. Ehr amerikanisch, aber die haben halt nicht so einen niedrigen Lebensstandard und ausreichend Konsumenten und qualifizierte Job's, im Gegensatz zu Brasilien.

Nix mit Land der Zukunft, weil die paar Brasilianer, die daran schrauben müssten, sich einen Scheißdreck drum kümmern.

Gruß
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Re: Einreise mit Maschinenteilen

Beitragvon BrasilJaneiro » Sa 19. Jul 2014, 17:35

Trem Mineiro hat geschrieben:

Sei 1995 gibt es diese Pflicht zur widerspruchslosen Einfuhr-Lizenz nicht mehr, man beantragt sie aus statistischen Gründen und zur Zoll-Klassifikation und bekommt sie nahezu automatisch. Nur die damit verbundene Bürokratie stört und behindert.
In letzter Zeit gibt es aber Bestrebungen, diese alte Lizenz-Regelung mit selektiver Genehmigung wieder einzuführen, natürlich auf Wunsch der lokalen Industrie, die sich lieber geschützt sieht als Wettbewerbsfähig zu werden.


Trem Mineiro



Stimmt. Meine Zeit ist lange vorbei. Aber schon damals sagte ich, dass alles wiederkommt. Sollen die nur machen. Dann schmieren wir eben die richtigen Leute am Zoll und die Maschinen habe ich nächste Woche in der Fabrik stehen. Hat früher bei Mercedes, VW und Bosch immer funktioniert.
Gruß
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