Chata hat geschrieben:
nun, keiner von Euch hat mir bisher echte Arbeitsalternativen genannt. Welche Möglichkeiten hat in Brasilien ein Mensch ohne Bildung eine andere Arbeit zu finden?
Politiker ........... siehe Lula.
Mal im Ernst: Es geht hier nicht darum, Alternativen zu suchen, sondern erstens den Grund des Übels beim Namen zu nennen (was ich schon getan hatte: ungerechtes Bildungssystem) und jedem Menschen das Recht einzuräumen, human behandelt zu werden. Daher verstehe ich auch Maninhas Einwände.
Chata hat geschrieben:
Plantagen? Fabriken? Alles ebenfalls für den Salario mÃnimo. Dafür haben sie mindestens genau so "schlechte" Arbeitsbedingungen wie als Haushaltshilfe, oder?
Ja, genau das ist Brasilien. Wir sind hier in keinem tropikalen Paradies ! Ca. 60% der Bevölkerung bekommen Salario minimo. 2% der Bevölkerung hingegen bekommen mehr als 20 Salario minimos pro Monat.
Chata hat geschrieben:
Und ich habe nie behauptetet, das 100 R$ eine Menge Geld wären. Nur zwischen Arbeit in der Plantage oder Fabrik und Haushaltshilfe, würde ich die Haushaltshilfe wählen.
Behauptet nicht, aber so getan als ob ! Warum willst du nicht in Plantagen oder Fabriken arbeiten ? Ist dir das etwa zu schmutzig ? Ich habe beides schon gemacht und lebe immer noch. Zur Not würde ich auch als Faxi oder Caseiro arbeiten, wenn es nötig wäre. Das sind in Brasilien ganz normale Jobs. Die Unfairness geht vom AG bzw. der Sozialpolitik der Regierung aus.
Chata hat geschrieben:
Die Mädelz von meinen Eltern sind in der Regel zwischen 5 und 10 Jahren bei uns geblieben. Die haben auch bei uns gewohnt und sie kamen oft aus dem Amazonasgebiet. Meine Mutter hat ihnen alles beigebracht, von Körperhygiene, Kochen bis hin zum Geldsparen. Keine ist "arm" von uns gegangen. Alle hatten über die Jahre für ihre Verhältnisse eine schöne Summe Geld angespart, mit der sie sich später ein kleines Häuschen in ihrer Heimat kaufen konnten. Und alle kommen immer noch hin und wieder zu Besuch. So schlecht können sie also nicht behandelt worden sein, oder?
Warum musstet ihr die Faxis aus dem Amazonas einfliegen lassen ? Waren euch die örtlichen Fachkräfte etwa zu "anspruchsvoll"? Anscheinend ja, denn laut deiner Aussagen konnten sie ja rein gar nichts (ausser vielleicht fischen und auf Bäume klettern).
Eure Faxi muss total abgeschottet gelebt haben, wenn sie sich anschliessend soviel leisten konnte. Oder sie hatte einen Nebenjob !? War sie denn abends immer zu Hause ?
P.S.: Meine Schwager haben auch keine Ausbildung, aber waren sehr schnell reich .................. denk mal an die Illegalität !
Chata hat geschrieben:
Wie macht ihr das mit Euren Haushaltshilfen?
Wir lassen sie arbeiten. Novelas gucken darf sie aber nicht.
Chata hat geschrieben:
Schickt ihr sie in die Schule? Zahlt ihr ein Gehalt von dem sie sich eine adequate Wohnung, Kleidung und Essen leisten können?
Du wirst lachen. In B.H. besuchen tatsächlich viele Faxis die Abendschule, um wenigstens ihren 1. Grau nachzuholen. Nennt sich hier Supletivo und ist kostenlos für Faxis.
Adequates Gehalt ? Genau, ein für Brasilien adequades Gehalt + SV.
Chata hat geschrieben:
@lemi
Wenn Du in Kolumbien deine Haushaltshilfe entläßt oder sie von selbst geht, das spielt keine Rolle, denn sie wird immer behaupten, Du hättest sie entlassen, dann zahlst du Preaviso ( 1 Monatsgehalt) + CesantÃa = Arbeitslosengeld (3 Monatsgehälter) + den anteiligen Urlaub + Seguridad Social für die 3 Monate cesantÃa. Eine Haushaltshilfe geht also immer mit mindestens 4 Monatsgehälter.
Ja dann ist das in Kolumbien eben anders. Wir sprachen hier bisher immer von Brasilien. Eine Faxi wird im Regelfall mit "Aviso previo sem justa causa" entlassen. Das ist für sie der günstigste Fall,wonach sie das bekommt, was ich oben beschrieben habe. Falls jemand aber "com justa causa" entlassen will, braucht er nichts mehr zu zahlen. Anlässe, wie z.B.Diebstähle oder Unpünktlichkeit und Nichterscheinen gäbe es zur Genüge, aber i.a. wird trotzdem "sem justa causa" entlassen, sozusagen als letzte soziale Hilfestellung.