Emigration: Chancen und Risiken

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Emigration: Chancen und Risiken

Beitragvon Fredi » Fr 31. Aug 2007, 09:17

Hi
Seit länerer Zeit verfolge ich die verschiedenen Beiträge hier im Forum. Meistens sind sie informativ und können eine neue Perspektive zu einem spezifischen Thema geben. Betreffend Auswanderung fällt mir auf, dass in der Mehrzahl der Fälle die negativen Aspekte (teuer, Kriminalität, Bürokratie, Schmutz usw.) kommentiert werden. Selten wird von erfolgreichen Projekten berichtet, obwohl aufgrund der Eintäge (> Forumsteilnehmer) und der Tatsache, dass doch einige Ausländer ihr Glück (was auch immer dies bedeutet) in Brasilien gefunden haben; sonst würde es ja dieses Forum in dieser Form auch nicht geben.

Anyway, meine brasilianische Frau und ich beabsichtigen, in nächster Zeit (1-2 Jahre) nach Brasilien auszuwandern respektive heimzukehren. Beweggründe: Viver (Zitat meiner Frau), hier in der CH hat man zwar die Sicherheit, Annehmlichkeiten und einen relativen Wohlstand, aber das eigentliche Leben mit den wertvollen zwischenmenschlichen Beziehung fehlt weitestgehend; alles dreht sich nur um die Arbeit, den Job...

Vor gut 12 Jahren habe ich meine Frau während eines Sprachaufenthaltes im Süden Bahias kennen und lieben gelernt. Seit 10 Jahren leben und arbeiten wir hier in der CH; sie als angestellte Fitnesstrainerin und ich als kaufmännischer Sachbearbeiter bei einer Bank. Beinahe mehrere Wochen pro Jahr verbringen wir Ferien in B. Wir stellen uns vor, dass wir etwas im Tourismus (Grossraum Salvador) machen möchten, z.B. Vermittlung von Ferienhäusern, Immobilientransaktionen, Ausflüge oder ähnliches. Eine Pousada oder Restaurant/Bar möchten wir nicht betreiben. Wir gehen davon aus, dass wir ein Startkapital von rund 300'000 Reais benötigen: jährliche Lebenskosten (ohne Miete) 30' bis 40'000 Reais währen 3 Jahren, ein kleines Haus für 100'000, Initialinvestitionen (Auto, Mobiliar usw.) und Reserve von 80'000.-

Ist dies realistisch?
Gibt es Ideen im Bereich Job?
Auch individuelle (generelle) Erfahrung würden uns interessieren?
??

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Beitragvon Severino » Fr 31. Aug 2007, 10:05

Oi Fredi und willkommen im Forum,
stimme Dir zu, dass häufig die negativen Dinge überwiegen, wenn vom Auswandern berichtet wird - leider. Stimme Dir auch zu, dass in D, CH die Arbeit oft wichtiger ist als das Leben - im Gegensatz zu Brasilien. Und stimme auch mit Dir überein, dass eine selbstständige Arbeit für einen Ausländer in Brasilien eher sinnvoll ist - es sei denn er wird entsandt.
Zu den Lebenshaltungskosten kann ich nur schwer eine Antwort geben, denn einerseits hängt das von der Region ab und andererseits von den Vorstellungen.
Bei mir wird es ein einfaches Leben sein - also so in etwa brasilianischer Durchschnitt. Da wir auch mehrere Kinder haben, müssen wir versuchen mit relativ wenig Kapital ein relativ sicheres Einkommen zu erzielen. Im Wesentlichen werde ich meine Pensionskasse mitnehmen können. Haus, Einrichtung und einen kleinen Fiat haben wir schon.
Die Einkünfte wollen wir über Immobilien realisieren. Ein Teil des Geldes soll in Aktien/Funds/Tesouro investiert werden. Touristen gibt es bei uns kaum. Habe aber Kontakte zu einigen Pousadas, Tourveranstaltern und dort (Pirenópolis) werde ich ab und an ein paar Gelegenheitsjobs bekommen.
Krankenkasse oder Faculdade für die Kinder wird aber unter diesen Umständen schwer realisierbar sein. Aber man darf eben das Leben in der Schweiz nicht mit dem in Brasilien vergleichen. Und man muss ganz klar zwischen Ferien und leben/arbeiten in Brasilien unterscheiden. Aber ich denke dass weisst Du auch. Bist ja kein Brasilien-Neuling. Daher denke ich, dass Du mit den 300.000 R$ durchaus einen guten Start in Bahia erzielen kannst. Aber Du hast keinen Spielraum. Wenn Dich einer abzockt - hast Du ein Problem. Was ich bei Deinen Angaben vermisse ist eine Investition, die Dir den Lebensunterhalt finanziert. Du hast nur Ausgaben aufgezählt - aber immerhin drei Jahre Lebenshaltungskosten berücksichtigt....
Als Tipp: Knüpfe Kontakte vor Ort zu Pousadabetreibern und Hotels. Werbe dann dort als Tourguide.
Ferienhäuservermittlung ist ein hartes Business. Es gibt in der Branche einige schwarze Schafe - insbesondere bei den Eingewanderten.
Für "offizielle" Immobilientransaktionen braucht man die CRECI.
FAZIT: Du hast Kapital, du kennst Brasilien und hast bereits ein paar sinnvolle Ideen. Da sollte das doch realisierbar sein!
paz e amor
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Re: Emigration: Chancen und Risiken

Beitragvon Tudacudaduda » Fr 31. Aug 2007, 11:07

Fredi hat geschrieben:Beweggründe: Viver (Zitat meiner Frau), hier in der CH hat man zwar die Sicherheit, Annehmlichkeiten und einen relativen Wohlstand, aber das eigentliche Leben mit den wertvollen zwischenmenschlichen Beziehung fehlt weitestgehend; alles dreht sich nur um die Arbeit, den Job...


Irgendwas muß ich in meinem Vorleben falsch gemacht haben: Ich habe nämlich auch in Deutschland gelebt (ehrlich gestanden: das Leben dort war sogar sehr viel abwechslungsreicher und aufregender als später in Brasilien) und sehr wertvolle zwischenmenschliche Beziehungen gepflegt. In meinem deutschen Freundeskreis drehte sich nicht alles nur um die Arbeit.
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Re: Emigration: Chancen und Risiken

Beitragvon Severino » Fr 31. Aug 2007, 12:39

Tudacudaduda hat geschrieben:...Irgendwas muß ich in meinem Vorleben falsch gemacht haben: Ich habe nämlich auch in Deutschland gelebt (ehrlich gestanden: das Leben dort war sogar sehr viel abwechslungsreicher und aufregender als später in Brasilien) und sehr wertvolle zwischenmenschliche Beziehungen gepflegt. In meinem deutschen Freundeskreis drehte sich nicht alles nur um die Arbeit.
Ein guter Hinweis, Tudacudaduda. Allerdings ist zwischen dem Freundeskreis und "der Gesellschaft" ein grosser Unterschied.
Dass das Leben in der Heimat, wo man die Sprache zu 100% versteht, die Kultur ebenfalls, abwechslungsreicher und aufregender ist - das erstaunt mich nicht. Dass der "Alltag" in Brasilien durchaus langweilig sein kann ist, kann ich ebenfalls bestätigen. Aber wie gesagt: Man darf nicht vergleichen. Besonders nicht Äpfel mit Birnen. Die Äpfel unter sich aber schon. Und ein mittelmässiger Apfel kann eine gute, mittelmässige oder schlechte Birne sein.
Was mich jedoch immer wieder beeindruckt in Brasilien ist: Zeit. Einerseits positiv beim Treffen mit Freunden, Verwandten und Bekannten - Aber natürlich auch negativ - z.B. bei Behördengängen.
Ist halt so.
Und ein Mann mit einer brasilianischen Frau wird eben in Europa oft schief angesehen - dank der Klischees.
Tudacudaduda was machst denn Du so in Deinem "jetzigen" Leben?
paz e amor
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Sonniges Leben in Brasilien

Beitragvon Felix » Fr 31. Aug 2007, 13:16

Salü mitenand

mir kommen die Tränen, wenn ich so höre, dass in Europa der Mittelpunkt des Lebens die Arbeit ist. Meine Geschwister in der Schweiz haben sicher mehr Freizeit welche sie geniessen können als 95% der Brasilianer.

Mein Tagesablauf sieht ungefähr so aus :

6 Uhr aufstehen, Frühstück, Baustelle fahren und bin abends so um 7 Uhr zurück im Hotel, zu müde um noch auszugehen um ein Bier zu heben.
Wenn ich im Büro bin, ähnlicher Ablauf.

Meine Verwandten treffen sich manchmal am Sonntag zum Mittagessen. das ist die einzige freie Zeit welche sie haben. Es dreht sich auch bei ihnen alles um die Arbeit, aber sie arbeiten umzu überleben, 44 Stunden die Woche plus noch stundenlang im Verkehr um auf die Arbeit zu kommen.

Gruss

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Re: Sonniges Leben in Brasilien

Beitragvon MARCELO » Fr 31. Aug 2007, 16:32

Felix hat geschrieben:Salü mitenand

mir kommen die Tränen, wenn ich so höre, dass in Europa der Mittelpunkt des Lebens die Arbeit ist. Meine Geschwister in der Schweiz haben sicher mehr Freizeit welche sie geniessen können als 95% der Brasilianer.

Mein Tagesablauf sieht ungefähr so aus :

6 Uhr aufstehen, Frühstück, Baustelle fahren und bin abends so um 7 Uhr zurück im Hotel, zu müde um noch auszugehen um ein Bier zu heben.
Wenn ich im Büro bin, ähnlicher Ablauf.

Meine Verwandten treffen sich manchmal am Sonntag zum Mittagessen. das ist die einzige freie Zeit welche sie haben. Es dreht sich auch bei ihnen alles um die Arbeit, aber sie arbeiten umzu überleben, 44 Stunden die Woche plus noch stundenlang im Verkehr um auf die Arbeit zu kommen.

Gruss

Felix


Ist sicherlich richtig. Nur darf man nicht vergessen, dass es bei vielen Jobs in Bra eher so ist, dass man 44h nur anwesend sein muss.

Und mit "es dreht sich alles nur um die Arbeit" ist denke ich der allgemeine wesentlich höhere Leistungsdruck gemeint, was ich in D in der Tat als sehr ätzend empfinde.

Alltag ist überall auf der Welt langweilig, auch in Brasilien. Trotzdem ist hier, ich kann nur für Rio sprechen, die Lebensqualität insgesamt wesentlich höher als in D.
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Re: Emigration: Chancen und Risiken

Beitragvon Timao » Fr 31. Aug 2007, 17:15

Fredi hat geschrieben:Hi
Seit länerer Zeit verfolge ich die verschiedenen Beiträge hier im Forum. Meistens sind sie informativ und können eine neue Perspektive zu einem spezifischen Thema geben. Betreffend Auswanderung fällt mir auf, dass in der Mehrzahl der Fälle die negativen Aspekte (teuer, Kriminalität, Bürokratie, Schmutz usw.) kommentiert werden. Selten wird von erfolgreichen Projekten berichtet, obwohl aufgrund der Eintäge (> Forumsteilnehmer) und der Tatsache, dass doch einige Ausländer ihr Glück (was auch immer dies bedeutet) in Brasilien gefunden haben; sonst würde es ja dieses Forum in dieser Form auch nicht geben.

Anyway, meine brasilianische Frau und ich beabsichtigen, in nächster Zeit (1-2 Jahre) nach Brasilien auszuwandern respektive heimzukehren. Beweggründe: Viver (Zitat meiner Frau), hier in der CH hat man zwar die Sicherheit, Annehmlichkeiten und einen relativen Wohlstand, aber das eigentliche Leben mit den wertvollen zwischenmenschlichen Beziehung fehlt weitestgehend; alles dreht sich nur um die Arbeit, den Job...

Vor gut 12 Jahren habe ich meine Frau während eines Sprachaufenthaltes im Süden Bahias kennen und lieben gelernt. Seit 10 Jahren leben und arbeiten wir hier in der CH; sie als angestellte Fitnesstrainerin und ich als kaufmännischer Sachbearbeiter bei einer Bank. Beinahe mehrere Wochen pro Jahr verbringen wir Ferien in B. Wir stellen uns vor, dass wir etwas im Tourismus (Grossraum Salvador) machen möchten, z.B. Vermittlung von Ferienhäusern, Immobilientransaktionen, Ausflüge oder ähnliches. Eine Pousada oder Restaurant/Bar möchten wir nicht betreiben. Wir gehen davon aus, dass wir ein Startkapital von rund 300'000 Reais benötigen: jährliche Lebenskosten (ohne Miete) 30' bis 40'000 Reais währen 3 Jahren, ein kleines Haus für 100'000, Initialinvestitionen (Auto, Mobiliar usw.) und Reserve von 80'000.-

Ist dies realistisch?
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Ist ein interessantes Thema und keine leichte Entscheidung, denn erst wenn man sein Land verlassen hat und mehrere Jahre die "taegliche Realitaet" des jeweiligen anderen Traumlandes kennenlert , legt man wieder Wert auf die Sachen und Werte die man in Europa hat und hatte. Dabei meine ich auch materielle Sicherheit, aber auch Freunde usw. und es kommt natuerlich auch an das Lebensalter an...

Ich hab 4 Jahre in Brasilien gearbeitet und eine SEHR schoene Zeit gehabt, es aber nicht bereut dann weiterzuziehen um beruflich aufzusteigen und auch mal was anderes kennenzulernen (bin dann beruflich nach Afrika). Die menschliche Waerme hat mir doch sehr zugesagt in Brasilien, mann fuehlt sich nie alleine - nie war es langweilig. Nach jeden Jahr laenger bekam ich mehr Einblick in die Realitaet der Brasilianer, die aber auch sehr traurig ist, umso fazinierender fand ich wie sie trotzdem noch laessig damit umgegen koenne. Alles in allem wars so schoen ,dass ich langfristig wieder nach Brasilien will.
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Re: Emigration: Chancen und Risiken

Beitragvon Africa » Fr 31. Aug 2007, 23:53

Timao hat geschrieben:(bin dann beruflich nach Afrika).


Darf ich fragen, wohin?
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Beitragvon thomas » Sa 1. Sep 2007, 00:41

Hab gerade ein deutsch-bras. Ehepaar getroffen, die nach einem halben Jahr wieder zurück nach Deutschland wollen. Brasilien sei zu langweilig, die Leute oberflächlich usw.usf.
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Beitragvon Africa » Sa 1. Sep 2007, 00:44

thomas hat geschrieben:Hab gerade ein deutsch-bras. Ehepaar getroffen, die nach einem halben Jahr wieder zurück nach Deutschland wollen. Brasilien sei zu langweilig, die Leute oberflächlich usw.usf.


Wo haben die gelebt? Land oder Grosstadt?
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