Energiewende in Brasilien?

Alles über Brasilien aus der internationalen Presse (Beiträge bitte max. anreissen, unbedingt die Quelle verlinken sowie ein eigenes kurzes Statement abgeben).

Energiewende in Brasilien?

Beitragvon Brazil53 » Mo 16. Sep 2013, 10:47

Brasilien wendet sich von Atomenergie ab und setzt auf Wind

Es sei unwahrscheinlich, dass die Regierung an ihren bisherigen Plänen festhalte und bis 2030 vier neue Atomreaktoren bauen werde, sagte Mauricio Tolmasquim, Chef der staatlichen Energieplanungsbehörde, in einem am Sonntag veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters.....


http://www.aargauerzeitung.ch/wirtschaft/brasilien-wendet-sich-von-atomenergie-ab-und-setzt-auf-wind-127177603

Ist das wieder so ein Windei, oder gibt es tatsächlich ernsthafte und durchführbare Planungen? Oder wird auch hier der Kuchen solange geteilt bis die Krümel zum Bau von Anlagen nicht mehr ausreichen.

Seit 2009/10 werden vermehrt Windparks geplant und mir Erfolg, dank staatlicher Abnahmegarantien versteigert.
Gibt es bereits genug neue Stromtrassen? Da haben wir ja leidliche Erfahrungen in Deutschland bei unserer Energiewende.
Ich glaube nur Tatsachen, die ich selbst verdreht habe
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Re: Energiewende in Brasilien?

Beitragvon Cheesytom » Mo 16. Sep 2013, 15:13

Das sind ja wirklich gute Nachrichten. Bei Diskussionen in der ARD über den AKW-Komplex Angra habe ich genau das immer gefordert. Brasilien hat ja schon einen sehr hohen Anteil an Strom aus Wasserkraft. Es sind bestimmt auch die Vorreiter wie z.Bsp. die BRD, die dabei helfen, dass andere Länder ihre Energiestrategie neu überdenken.

Inwieweit genügend "intelligente" Stromtrassen zur Verfügung stehen, weiss ich nicht. Brasilien ist ja riesengross und ich denke, dass in dem Bereich noch viel investiert werden muss.
Gruss aus Maceió, Alagoas
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Re: Energiewende in Brasilien?

Beitragvon frankieb66 » Mo 16. Sep 2013, 15:16

Ola Bernd,

Du kennst mich ja, und daher versuche ich zu diesem Thema etwas auführlicher zu antworten.

Fakt ist, dass in Brasilien gerade mal 1,6% (im Vergleich dazu D mit 23,3 % und Frankreich 72,7%) der Energie aus Kernkraft erzeugt werden, da geht es um die leidigen Anlagen in Angra. Natürlich ist Energieerzeugung aus Kernenergie mit Risiken verbunden, aber was damals, also nach dem "Fukushima-Hype" hier in D insbesondere auch hinsichtlich Brasilien abgegangen war, war einfach "unter aller Sau", zumindest "unter der Gürtellinie". Da wurden Erdbebengefahren und Tsunamis für Angra in den Raum geworfen, die schlicht und ergreifend erstunken und erlogen waren bzw. sind ... danach kam Siemensbashing und/oder Regierungsbashing wg. den Hermes-Bürgschaften ... alles purer Populismus.

Ich bin übrigens der Meinung dass man SCHNELLSTMÖGLICH alle KKW vom Netz nehmen sollte, sofern eine ALTERNATIVE Stromerzeugung (die auch Leitungsnetze, etc. benötigt) aufgebaut werden konnte. Also erst funkionstüchtige und praxiserprobte Alternative(n), dann KKWs abschalten.

In Brasilien werden bereits jetzt schon ca. 70% der el. Energie aus Wasserkraft gewonnen. Neue Projekte wie z.B. Xingu, um diesen Anteil sogar noch auszubauen, werden/wurden von Aktivisten blockiert, auch aus D, weil ein paar Indios umgesiedelt werden müssten (und auch noch entschädigt werden) ... aber hier in D ist es gang und gäbe, dass ganze Siedlungen dem Braunkohleabbau weichen müssen ... dazu lese ich übrigens nix in der Presse ... aber ist wahrscheinlich auch so gewollt, denn dann könnte ja die sog. "Energiewende" wieder in Frage gestellt werden ...

Und was die Windenergie in Brasilien angeht: Im Gegensatz zu D gibt es dort durchaus Gegenden, insbesondere im NO, speziell Natal und Ceara, wo solche windparks auch "onshore" errichtet werden könnten, und zwar mit einer wesentlich besseren Windausbeute als irgendwo "offshore" in der Nordsee ohne Kabel ...

"Problem" in Brasilien ist allerdings, dass die "alternativen" Energien insbesondere in der Region südlich von Rio, speziell SP, nicht zuverlässig zur Verfügung stünden (ist halt wie in D, aber wir haben ja Nachbarstaaten, die unseren "Ökostrom" gegen Bezahlung verbraten, den wir dann später wieder als saubergewaschenen Atomstrom teuer einkaufen ). Daher wäre es durchaus nicht verwunderlich, wenn der Bau von KKWs für 2-3% mehr "schmutziger" Energie in dieser Region noch ein paar KKWs hinstellten ... aber wahrscheinlich fehlts eh am Geld ...


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Re: Energiewende in Brasilien?

Beitragvon Cheesytom » Mo 16. Sep 2013, 15:34

Brasilien hat allerdings seine Pläne nicht aufgegeben, sondern nach Fukushima lediglich auf Eis gelegt. Aktuell macht die Atomenergie gerade mal 1 % aus, genausoviel wie die Windenergie. Ca. 75% kommen aus Wasserkraftwerken. Der grösste Teil der restlichen 23% kommt aus Thermokraftwerken, die mit Gas betrieben werden.

Allerdings hat dieses Jahr mal wieder gezeigt, dass Brasiliens Energieversorgung bei Trockenheit anfällig ist. Es musste viel "schmutzige" Energie mit Thermokraftwerken erzeugt werden, die mit Öl und Kohle befeuert werden. Zum Glück war aber kein grösserer Strommangel. Brasilien war deutlich besser auf die trockenheit vorbereitet, als bei der letzten schweren, mit Rationalisierung und Ausfällen.

Durch verbesserte Technik ist der Durchschnittspreis für Windkraft von R$ 148/Megawatt in 2009 auf R$ 110 in 2013 gefallen.

"Das ist der Moment der Windenergie. Es hat eine Revolution in Bezug auf die Kosten stattgefunden", sagte der Energieminister Tolmasquim.

economia.ig.com.br/2013-09-15/brasil-recua-de-usinas-nucleares-e-vai-privilegiar-energia-eolica.html
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Re: Energiewende in Brasilien?

Beitragvon Cheesytom » Mo 16. Sep 2013, 15:36

He, he, he...
da war der Frankie schneller. Woher kommen deine Zahlen?
Gruss aus Maceió, Alagoas
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Re: Energiewende in Brasilien?

Beitragvon Brazil53 » Mo 16. Sep 2013, 16:03

Hallo Frankie, ich sage mal nichts zu deinen Bewertungen.
Nur soviel!
Was Takeo für den Agrarbereich war, bist du für den technikgläubigen Bereich. :mrgreen:


http://www.dw.de/brasilien-holt-auf/a-16821080
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Re: Energiewende in Brasilien?

Beitragvon frankieb66 » Mo 16. Sep 2013, 16:15

Brazil53 hat geschrieben:Hallo Frankie, ich sage mal nichts zu deinen Bewertungen.
Nur soviel!
Was Takeo für den Agrarbereich war, bist du für den technikgläubigen Bereich. :mrgreen:
http://www.dw.de/brasilien-holt-auf/a-16821080

Was willst Du mir damit sagen? Fliegst du nicht im Flugzeug? Fährst Du kein Auto? Dein Strom kommt aus der Steckdose, wie der Strom für pseudosaubere Elektoautos (ist ja auch wieder so ein Hype hier in D)? Sei doch froh, dass es (noch) Leute wie mich mit Technikverständnis gibt, sonst wäre dein, mein, und das Leben vieler anderer, wesentlich "ärmer" oder zumindest wesentlich eingeschränkter ...

Natürlich hat Brasilien seine Windkraftkapazitäten ausgebaut ... aber sie spielen halt trotzdem (noch) keine wichtige Rolle "Destaca-se também a fonte eólica, que apesar de corresponder a 1,7% da capacidade instalada no Brasil, dobrou sua participação na matriz desde 2011." (= kurz übersetzt: Windkraftkapazitäten haben sich seit 2011 verdoppelt und betragen mittlerweile 1,7% der Gesamtenergieerzeugung ...)

... Brasilien setzt hauptsächlich auf Wasserkraft ... und das ist auch gut so! Da sollte sich das Gutmenschschen-Pseudobesserwisserland D mal ne Scheibe abschneiden und nicht immer mit dem Mahnfinger auf Andere zeigen, die vielleicht nicht in der Infrastruktur, aber zumindest bei der Energierzeugung wesentlich fortschrittlicher sind ... bei mir in der Region z.B bekommense es nicht gebacken ein popeliges Pumpspeicherkraftwerk zu bauen ... grünes Mäntelchen bzw. pseudogrüner Populismus, aber bitte nur für Nicht-NIMBYs.

Frankie
Zuletzt geändert von frankieb66 am Mo 16. Sep 2013, 16:38, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Energiewende in Brasilien?

Beitragvon frankieb66 » Mo 16. Sep 2013, 16:16

Cheesytom hat geschrieben:He, he, he...
da war der Frankie schneller. Woher kommen deine Zahlen?

http://www.brasil.gov.br/sobre/economia/energia/setor-eletrico/geracao
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Re: Energiewende in Brasilien?

Beitragvon Itacare » Mo 16. Sep 2013, 16:34

Die Fukushima-KKW´s (Typ 1) basierten im Wesentlichen auf dem Stand der Technik von 1955 und hätten längst abgeschaltet werden müssen.
Heutzutage gibt es Typ 4, und der ist technisch gesehen sicher. Falls da wirklich was durchbrennen sollte, fallen die Brennstäbe in ein Becken aus Bor, das war´s dann.
Was aber nicht sicher ist, ist die Profitgier und Korruption der Betreiber nebst ihrer politischen Helfer. Die Endlagerung ist ebenfalls nicht ausreichend ausgereift.
Aus diesen Gründen bin ich gegen KKW´s, vor allem dann, wenn es saubere Alternativen gibt. Und die gibt es in Brasilen zu Hauf. Auch wenn Wasserkraft und Wind letztlich thermonuklearen Ursprungs sind. :suny: Sowie jegliche Energie, die wir je nutzten oder nutzen werden.
Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.
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Re: Energiewende in Brasilien?

Beitragvon cabof » Mo 16. Sep 2013, 17:43

Frankie - gehst gut ins Detail.... moechte nur den Passus zitieren:

Umsiedlung, Vertreibung der Índios (sehr traurig) zT auch mit Ausrottung der Staemme verbunden...

und hierzu der Vergleich aus dem rheinischen Braunkohlerevier... zT alte, marode Ortschaften wo
Greise an ihrem Kotten haengen,
auch traurig, menschlich gesehen, aber die bekommen neue Ansiedlungen und es wird einiges bewegt in dieser Gegend. Leider ist es VARTA noch nicht gelungen
Batterien herzustellen, die DE mit Strom versorgt... das ist ein grosses Feld was beackert werden muss und das mit der Abschaltung der AKW`s auf die Schnelle ohne greifbare Alternativen zu haben befuerworte ich nicht... was BR angeht gibt es auf dem Weltmarkt Solarindustrie und fuer lokale Gemeinden sicherlich eine gute Alternative, ohne lange Ueberlandleitungen - gute Alternative, damit meine ich Gegenden die ueberhaupt noch keinen Strom haben....
PS das mit dem Braunkohlerevier kenne ich aus eigener Anschauung, wohne in der Naehe, bin aber nicht betroffen.
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