Entsendung nach Brasilien:Partner will für dt Firma arbeiten

Fragen zur Gesetzeslage in Brasilien, Einwanderungs-, Einfuhr- und Zollbestimmungen sowie Steuerfragen

Re: Entsendung nach Brasilien:Partner will für dt Firma arbe

Beitragvon Trem Mineiro » Do 15. Jan 2015, 19:26

Oi Gente,
ich wollte erst mal die anderen Antworten abwarten, manchmal haben ja auch andere Erfahrungen mit speziellen Fällen.

Fangen wir mal mit der Dame an. Wenn die als Angestellte einer Deutschen Firma nach Brasilien geht und dort einen lokalen Vertrag unterschreibt, fliegt sie automatische aus der deutschen Sozialversicherung raus. Das scheinen deutsche Firmen immer noch nicht zu wissen. Das würde ich als erstes klären. Dazu muss sie ihren deutschen Gehaltsanteil auch in Brasilien versteuern. Das ist dann auch keine Entsendung mehr.

Jetzt zum Ehemann.
Ich bin 2009 ja nochmal nach Brasilien gegangen, als Berater und Akqistiteur (also Kundenbesuche) meiner deutschen Firma, nachdem ich vorher der GF unserer brasilianischen Filiale war, mich aber zurückgezogen hatte.

Da ich in Gegensatz zu früher mit einer Brasilianerin verheiratet bin, hab ich eine Permanencia als Conguge (Angehöriger) beantragt, die natürlich auch genehmigt wurde.
Da ich aber ja nun im Büro unsere Filiale gesessen habe, mit Schreibtisch. Handy etc. haben wir uns erkundigt, ob ich jetzt auch eine Arbeitsgenehmigung dafür brauchte. Antwort: nein, für diese Art der Arbeit, die ich ja für einen Ausländischen Arbeitgeber ohne Vertrag oder Bezahlung in Brasilien durchführen würde nicht. Und klar, mein deutsches Einkommen hab ich in Brasilien versteuert, somit war bekannt, dass ich einer bezahlten Tätigkeit nachging.
Als ich nach Ende meiner Tätigkeit für meine deutsche Firma noch weiter in Brasilien geblieben bin (Ruhephase meines Altersteilzeitvertrages), hab ich aus KV- und versicherungstechnischen Gründen einen Beratervertrag (wegen der Sozialversicherung auf Basis der deutschen 450 €-Regelung)abgeschlossen. Hierfür brauchte ich dann natürlich eine Arbeitserlaubnis, die ich mit der Perma innerhalb von 1 Woche hatte.

Für ich ist deine Situation absolut mit meiner vergleichbar. Solange du zuhause arbeitest und praktisch nur als Kundenvertreter deiner Firma tätig bist, gilt das nicht als formelle Arbeitsaufnahme in Brasilien.

Gruß
Trem Mineiro


PS: die 70 % Auslandszulage hätte ich auch gerne gehabt, üblich sind wohl 20 % + Auto + Wohnung + Umzug und ein Zuschuss zur Wohnungs-Einrichtung, den Rest regelt man mit einer Erfolgsbeteiligung. Viel wichtiger sind die Auslandsversicherungen, die auch den Partner mit einschließen und die Bedingungen für die Wiedereingliederung wenn's mal zurück geht. Aber das ist ein anderes Thema.
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Re: Entsendung nach Brasilien:Partner will für dt Firma arbe

Beitragvon Itacare » Do 15. Jan 2015, 20:18

Trem Mineiro hat geschrieben:...
Da ich aber ja nun im Büro unsere Filiale gesessen habe, mit Schreibtisch. Handy etc. haben wir uns erkundigt, ob ich jetzt auch eine Arbeitsgenehmigung dafür brauchte. Antwort: nein, für diese Art der Arbeit, die ich ja für einen Ausländischen Arbeitgeber ohne Vertrag oder Bezahlung in Brasilien durchführen würde nicht.
...


war meine Vermutung, aber eben ohne Beweis.
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Re: Entsendung nach Brasilien:Partner will für dt Firma arbe

Beitragvon moni2510 » Do 15. Jan 2015, 21:04

ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, das sich das geändert hat. Heute brauchst du auch dafür eine Arbeitsgenehmigung. Kann aber sein, dass ich mich täusche
---
Woher soll ich wissen, was ich denke, bevor ich es hier aufschreibe.
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Re: Entsendung nach Brasilien:Partner will für dt Firma arbe

Beitragvon Trem Mineiro » Do 15. Jan 2015, 23:52

Oi Moni
mein "Nachfolger" macht das im Moment genauso, ist 90 Tage dort im Büro und berät bzw. besucht Kunden, bleibt dann wieder 90 Tage in D und geht dann wieder nach Brasilien.
Unser Büro drüben ist da sehr vorsichtig, nahezu ängstlich und informiert sich da regelmäßig.
Hinzu kommt aber im Fall des TE auch noch die Tatsache, dass er ja nur verdeckt arbeitet und besucht er Kunden, ist das wiederum keine Tätigkeit, die eine Arbeitserlaubnis erfordert, wäre dann analog zum Business-Visum, wie bei meinem Kollegen.
Das Problem ist aber ein Anderes. Im Entsendevertrag der Dame wird stehen, dass ihr Begleiter nicht arbeiten darf. Insofern wäre das eine Vertragsverletzung mit personalrechtlichen Konsequenzen, wenn es mal auf den Tisch kommt.

Gruß
Trem Mineiro
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Re: Entsendung nach Brasilien:Partner will für dt Firma arbe

Beitragvon moni2510 » Fr 16. Jan 2015, 09:09

ich denke in seiner Aufenthaltsgenehmigung wird stehen, dass Arbeitsaufnahme verboten ist... und da das mit dem Visum der Gattin zusammenhängt, kanns richtig dumm laufen. Wie gesagt, ich würde es nicht machen. Ja, Brasilien ist ein Land, in dem sich wenige an die zu vielen Gesetze halten, aber als Gringo hast du einfach schnell ausgeschissen...
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Re: Entsendung nach Brasilien:Partner will für dt Firma arbe

Beitragvon Adrian » Fr 16. Jan 2015, 11:55

Ich widerspreche bei den Reputationen hier im Forum ja nur ungern, aber die Beispiele von @Trem Mineiro halte ich für alles andere als ähnlich oder vergleichbar mit dem Szenario des Fragestellers.

JinJunJoe hat geschrieben:Kennst Du das Verfahren für eine Handelsvertretung? Berechtigt die dazu eine Arbeitserlaubnis für einen expat zu beantragen?
Natürlich. Aber der Antrag wird streng geprüft (Ihr müsstet schon gut begründen, warum nur Du das kannst) und Du benötigst nicht nur "einfach" eine Arbeitserlaubnis, sondern ein Arbeitsvisum.

JinJunJoe hat geschrieben:Das wäre scheinbar zumindest die einfachste (und einzig realistische?) Lösung. Darf ich dann Steuern in B zahlen? In D bin ich ja ohne Wohnsitz nicht steuerpflichtig...
Genau das ist ja der Punkt. Sobald Du in Brasilien Steuern abführst, machst Du Deine eigentlich illegale Tätigkeit ja öffentlich. Zudem gibt es da meines Erachtens noch eine ganze Menge von offenen Fragen: Krankenversicherung, Bankkonto-Eröffnung, ggf. erforderliche Anpassung/Umwandlung Deines Arbeitsvertrages, etc. Auch Dein Arbeitgeber - ohne echte Dependance in Brasilien - dürfte sich bei Deinen speziellen Gehaltszahlungen (Lohnnebenkosten) recht schwer tun. Wir sprechen nicht von Angestellten mit Wohnsitz im benachbarten Ausland (EU/Schweiz).

Ich wiederhole mich noch einmal: Ich würde einfach alles so lassen, wie es ist. Auslandsaufenthalt halbwegs offiziell genehmigen lassen, ggf. sogar kleinen Bonus aushandeln, Wohnsitz in DE behalten (bzw. ummelden auf Adresse von Famile oder engen Freunden), Auslands-Zusatz-KV bis 365 Tage abschließen, Steuerzahlungen natürlich weiterhin ebenfalls in DE, basta!

Dass dies alles ein mehr oder weniger illegaler "jeitinho" und keine Dauerlösung ist, muss dabei natürlich klar sein.

Als Alternative fallen mir noch zwei (z.T. ebenfalls "abenteuerliche") Möglichkeiten ein (reines Brain-Storming):
- Kein Visum auf Basis Deiner Partnerin, sondern die heir bereits angesprochene Einreise mit Geschäftsvisum (90 + 90 Tage), die sich jedoch neben der pro Jahr insgesamt sechs Monaten Entfernung zur Lebenspartnerin zudem ökonomisch ungünstig auswirkt (realer Wohnsitz bleibt DE mit Miete und Transferkosten).
- Ebenfalls kein Visum auf Basis Deiner Partnerin, sondern Antrag auf ein Journalistenvisum (bis 4 Jahre) beim für Dich zuständigen Konsulat in DE. Die exakten Voraussetzungen musst Du ergooglen oder beim Konsulat erfragen. Grundvoraussetzung ist sicher ein (internationaler) Presseausweis, der aber nicht so schwer erhältlich ist, ich habe auch einen (mittlerweile abgelaufen).
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Re: Entsendung nach Brasilien:Partner will für dt Firma arbe

Beitragvon JinJunJoe » Fr 16. Jan 2015, 12:36

Vielen Dank für die vielen hilfreichen Antworten!

Trem Mineiro hat geschrieben:mein "Nachfolger" macht das im Moment genauso, ist 90 Tage dort im Büro und berät bzw. besucht Kunden, bleibt dann wieder 90 Tage in D und geht dann wieder nach Brasilien.

Hat Dein Nachfolger dann ein Businessvisum und ist nur max 180 Tage im Jahr in B, oder? Das würde in der Tat mein Vorhaben abdecken - aber eben nur für (2x) 90 Tage im Jahr. Und ich wär schon gern das ganze Jahr da :) Aber ein solches Mehr-Jahres-Business-Visum wäre tatsächlich das, was ich bräuchte.

Trem Mineiro hat geschrieben:Das Problem ist aber ein Anderes. Im Entsendevertrag der Dame wird stehen, dass ihr Begleiter nicht arbeiten darf.


Wir haben den Vertrag noch nicht - aber Danke für den Hinweis! Werden das checken!

Adrian hat geschrieben:
JinJunJoe hat geschrieben:Kennst Du das Verfahren für eine Handelsvertretung? Berechtigt die dazu eine Arbeitserlaubnis für einen expat zu beantragen?
Natürlich. Aber der Antrag wird streng geprüft (Ihr müsstet schon gut begründen, warum nur Du das kannst) und Du benötigst nicht nur "einfach" eine Arbeitserlaubnis, sondern ein Arbeitsvisum.


Das ließe sich schon begründen, denke ich. Wo bekomm ich dazu denn weiterführende Informationen? Dazu habe ich überhaupt nichts gefunden und den AHK Publikationen taucht Handelsvertreter auch nur im Sinne eines "brasilianisches Handelsvertreters" und nicht eines entsandten Deutschen auf...

Adrian hat geschrieben:Ich wiederhole mich noch einmal: Ich würde einfach alles so lassen, wie es ist. Auslandsaufenthalt halbwegs offiziell genehmigen lassen, ggf. sogar kleinen Bonus aushandeln, Wohnsitz in DE behalten (bzw. ummelden auf Adresse von Famile oder engen Freunden), Auslands-Zusatz-KV bis 365 Tage abschließen, Steuerzahlungen natürlich weiterhin ebenfalls in DE, basta!


Da es kein DBA gibt, befreit mich das aber nicht von meiner Steuerpflicht in Brasilien, sobald ich mich da dauerhaft aufhalte. Gibt's denn dann noch einen Vorteil von Wohnsitz & Steuerpflicht in D? Sorry, dass das irgendwie so kompliziert ist (wenn man's legal haben will ;))

Mein Arbeitgeber entsendet oft Mitarbeiter, aber immer unter dem Entwicklungszusammenarbeits-Abkommen, unter das ich aber nicht falle. Daher ist alles andere (Auslands-KV, Sozialversicherung, Steuerpflicht in D etc) kein großer Act für ihn. Nur gibt's die Arbeitserlaubnis normal über das TZ-Abkommen - nur für mich nicht, weil ich nicht in einem Projekt arbeite.
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Re: Entsendung nach Brasilien:Partner will für dt Firma arbe

Beitragvon amazonasklaus » Fr 16. Jan 2015, 18:50

Das Geschäftsvisum nutzt dir nichts, weil damit eine Arbeitsaufnahme nicht erlaubt ist. Es ist für Besprechungen, Besuche auf Messen und dergleichen vorgesehen. Wenn man etwas darüber hinaus macht, wird es eben illegal, aber man kann ja Glück haben und es fliegt eine Weile nicht auf.
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Re: Entsendung nach Brasilien:Partner will für dt Firma arbe

Beitragvon JinJunJoe » Fr 16. Jan 2015, 19:59

amazonasklaus hat geschrieben:Das Geschäftsvisum nutzt dir nichts, weil damit eine Arbeitsaufnahme nicht erlaubt ist. Es ist für Besprechungen, Besuche auf Messen und dergleichen vorgesehen. Wenn man etwas darüber hinaus macht, wird es eben illegal, aber man kann ja Glück haben und es fliegt eine Weile nicht auf.


Wenn ich das offiziell machen dürfte, wäre mir schon sehr geholfen!
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Re: Entsendung nach Brasilien:Partner will für dt Firma arbe

Beitragvon amazonasklaus » Fr 16. Jan 2015, 22:47

Meine Empfehlung ist nach wie vor, die Relo-Agentur für die Klärung einzubinden. Nach der oben geführten Diskussion ist immer noch nicht klar, ob du für die geplante Remote-Arbeit eine Arbeitserlaubnis in Brasilien benötigst. Für die Arbeitserlaubnis deiner Frau wird die Agentur mehrfach mit dem Arbeitsministerium in Kontakt sein -- der Gesellschaftsvertrag der Firma muss eingereicht werden, der Arbeitsvertrag, ein Begründungsschreiben, warum kein Brasilianer für den Job in Frage kommt und so weiter, dann gibt es Rückfragen etc. -- da lässt sich ohne weiteres auch mal dein Anliegen informell ansprechen.
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