Ein gigantischer Krater als Todesfalle: Zwei Tage nachdem in der brasilianischen Metropole Sao Paulo ein gigantisches Erdloch aufriss und Menschen und Autos verschluckte, gibt es kaum noch Hoffnung, Überlebende zu finden.
Sao Paulo - Die dramatische Suche nach den mindestens sieben Vermissten verfolgten Millionen Menschen seit Freitag gebannt am Fernsehschirm. Aber anders als in den in Brasilien so beliebten Telenovelas wird es wahrscheinlich kein Happy End geben: Die Hoffnung, noch Überlebende in dem 30 Meter tiefen Loch zu finden, ist heute auf den Nullpunkt gesunken. Alle Vermissten seien wohl tot, sagte Feuerwehrmajor Marco Pinto mit Tränen in den Augen.
Am Freitag waren die Wände eines 40 Meter breiten Schachts in einer geplanten U-Bahn-Station in Sao Paulo plötzlich in sich zusammen gestürzt. Erdmassen rutschten nach - ein Krater mit einem Durchmesser von 80 Metern und einer Tiefe von 30 Metern entstand. Augenzeugen zufolge wurde ein Kleinbus mit vier Insassen in das Erdloch gerissen. Vorerst unauffindbar waren nach Medienberichten auch ein Lastwagenfahrer, der auf der Baustelle arbeitete, sowie zwei Passanten.
Regen erschwerte die Suche nach Überlebenden. Das aufgeweichte Erdreich erhöhte das Risiko weiterer Erdrutsche beträchtlich. Ein 100 Tonnen schwerer Kran am Rande des Erdlochs könne zudem auf die Suchteams stürzen, warnten Experten. Die Tiefe des Kraters im Nobel-Stadtteil Pinheiros könne außerdem auf 50 Meter wachsen.
"Das war ein Albtraum, wie ein Katastrophenfilm aus Hollywood", erzählt die 25-jährige Fernanda Garcia, die die Entstehung des Erdkraters direkt vor ihr Haustür mit erlebte. Das vor der Haustür geparkte Auto ihres Vaters sei genauso von der Erde geschluckt worden wie zwei andere geparkte Fahrzeuge, der gerade vorbeifahrende Kleinbus sowie mehrere Lastwagen und Fahrzeuge der Bauteams. Nach dem Erdrutsch sind viele Häuser in dem Stadtviertel schwer beschädigt worden, berichteten Medien. Mindestens 80 Familien seien vorsorglich in Sicherheit gebracht worden.
Die zuständigen Stadtbehörden haben jede Verantwortung für das Unglück von sich gewiesen. Das Erdloch sei wahrscheinlich wegen des heftigen Regens und des aufgeweichten Bodens aufgebrochen, hieß es. Erste Medienberichte, wonach es eine ungewollte Detonation gegeben habe, dementierten die Behörden. Die Ursache solle mit einer Untersuchung ermittelt werden, sagte der Transportminister der Stadt Sao Paulo, José Portella. Arbeiter berichteten, dass eine größere Tragödie verhindert wurde, liege daran, dass sich der Erdrutsch mit "komischen Geräuschen" und mit an der Baustelle herabfallenden Steinchen angekündigt habe. "Wir waren 20 bis 30 Männer in der Baustelle und sind alle gerade noch rechtzeitig weggelaufen", sagte ein Bauarbeiter.
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