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 Betreff des Beitrags: erinnerungen einer brasilianischen ex-domestica
BeitragVerfasst: 29 Nov 2004 09:54 
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Registriert: 28 Nov 2004 18:40
Beiträge: 1548
hier der erlebnisbericht einer brasilianischen domestica. kapitel I-XXIV waren bereits an anderer stelle veröffentlicht ... ich hoffe die informations-qulle schreibt fleissig auch für unsere neue plattform weiter ...

kapitel I - V

"Wie ich sehe, wurde schon viel zum Thema geschrieben...
Ich habe diesen Thread bisher nur beobachtet und finde es echt schade, dass sich keine Brasilianerin zu Wort meldet.
Es liegt wahrscheinlich daran, dass die wenigsten meiner Landsleute die Deutsche Sprache richtig beherrschen oder ihnen das Thema einfach zu peinlich ist.
Die Mehrheit von ihnen will nicht über den eigenen Lebensweg sprechen.
Es ist komisch, jede Brasilianerin, die ich in Deutschland kennengelernt habe, will ihre Vergangenheit so weit, wie möglich, verheimlichen.
Leider liegt das wohl aber auch darin begründet, dass es besonders zwischen den in Europa lebenden Brasilianern viel Neid und Missgunst gibt.
Aber das hat nichts mit dem Thema zu tun.
Ich habe lange überlegt, ob ich wirklich meine Geschichte hier ins Forum schreiben soll.
Aber ich fand es interessant, dass eurer Ansicht (Version) nach jede Frau in Brasilien bereit wäre, gleich mit Euch ins Bett (Boden, Sofas, Autos etc.) zu springen."


"Ich bin in einer grösseren Familie aufgewachsen oder besser gesagt hinein geboren.
Wir haben bis ich ca. 3 Jahre alt war, in einem kleinen Haus in einem Vorort Rio´s gewohnt.
Wir waren eine Familie der unteren Mittelschicht.
Doch mein Vater war leider spielsüchtig und hat viel zu viel verloren. Unter anderem: unser Haus.
So sind wir in einer Favela gelandet.
Der Anfang war sehr schwierig, v.a. weil wir es als Weisse und als Ex-Angehörige der classe media (auch wenn wir dafür nichts können) nicht einfach hatten, von den anderen Bewohnern akzeptiert zu werden.
Es wurde viel gehänselt und manchmal wurde es auch wirklich gefährlich. Besonders für meine Brüder."


"Mit 9 Jahren habe ich mich entschlossen zu arbeiten. Nicht allein aufgrund der Tatsache, dass wir das Geld gut gebrauchen konnten, sondern auch weil ich endlich mal vernünftiges Essen wollte und Schulsachen brauchte.
Damals haben meine Brüder schon gearbeitet (Sie waren 14, 11, 10 und 7).
Zum Glück fand ich eine nette Familie, die mich als Hausmädchen engagierte.
Es war eine sehr schön Zeit … ich durfte zur Schule gehen (Morgens von 7 bis 11 Uhr ) und danach habe ich den Haushalt gemacht.
Ausserdem musste ich auf die beiden Kinder (3 Jahre und 9 Monate) aufpassen. Und natürlich musste ich auch kochen."


"Leider ist diese Familie nach 1½ Jahren umgezogen und so war ich wieder arbeitlos.
Die Familie wollte sogar, dass ich mitgehe, aber meine Eltern (besser gesagt meine Mama, Papa war immer unterwegs) waren dagegen.
Also habe mich erneut auf der Suche gemacht.
Ich habe bei Bekannten des ersten Arbeitgebers nachgefragt und schliesslich durch Mundpropaganda eine neue Familie gefunden.
Bei denen habe ich es aber nicht lange ausgehalten.
Es war die Arroganz und die Art wie sie mich behandelt haben.
Ich war trotz allem sehr stolz und wollte mich von Niemandem demütigen lassen.
Ein kleines Beispiel: Bei dieser Familie wurde das Geschirr und das Besteck, das für mich vorgesehen war, mit einem roten Kreuz markiert.“


„Als nächstes bin dann nach Vila Isabel zu einer anderen Familie gegangen.
Damals war ich 12 und habe die Schule verlassen.
Nicht weil ich nicht mehr lernen wollte, sondern weil die Familie darauf bestand, dass ich praktisch rund um die Uhr arbeite.
Es war nicht einfach, die Arbeit mit dem Lernen zu kombinieren.
Das Geld haben wir dringend gebraucht und „lernen“ könnte ich ja immer noch nachholen, so dachte ich.
Bei dieser Familie war ich dann insgesamt 2 Jahre.
Als "pau pra toda obra". Oder auf deutsch: als Mädchen für alles (bis auf die "Spielchen")."


kapitel VI - X

"Dann bin wieder zurück zu meiner Familie in die Favela, weil meine Mutter schwer erkrankt war.
Nachdem sie wieder gesund wurde, habe mich ein weiteres Mal auf die Suche nach einer Stelle als Hausmädchen gemacht.
Jetzt war es nicht mehr so einfach, eine Stelle zu kriegen … Ich wurde eben grösser ... und reifer ... und das war nicht zu übersehen .
Innerhalb eines Jahres habe ich bei 3 unterschiedlichen Familien gearbeitet.
Bei der ersten gab es von Anfang an einen sehr aufdringlichen „Herrn“ ..."


„Bei der ersten neuen Stelle gab es von Anfang an einen sehr aufdringlichen „Herrn" ...
Der meinte, er müsste mir unbedingt ein paar Dinge beibringen …
Meine Ablehnung war ihm egal und die Tatsache, dass ich minderjährig war, hat ihn auch nicht interessiert …
Ehrlich gesagt, würde ich sogar behaupten, dass die meisten Männer in Brasilien Lolita-Fans sind .
Die Aussage, sie ist 13 Jahre (14, 15, usw.), aber sieht aus wie 18 (je nach Alter des "Interessenten" , kann sie auch aussehen wie 20, 24 usw.) ist üblich.
Da ich wirklich null Interesse an den Lehrstunden von Seu Eduardo hatte und seine Familie (Frau und 2 kleine Kinder) eigentlich sehr nett zur mir war, habe ich gekündigt.
Zu meiner grossen Überraschung lauerte mir Seu Eduardo eines Abends vor meiner Haustür auf.
Da bin ich sauer geworden … natürlich habe ich mich bei der Bewältigung des Problemchen an meine Brüder gewandt ...“


"Überlebt hat er das Eingreifen meiner Brüder, denn sie haben ihn nur zur Rede gestellt ... Seu Eduardo hatte natürlich das Glück, dass in Brasilien die Unterschicht normalerweise die „Doktoren und Madames“ "respektieren* (ein „pobre coitado“ hätte das wahrscheinlich nicht überlebt …).
*aber das hat eigentlich nicht wirklich mit Respekt zu tun, sondern mit Gehorsamkeit. Wir müssen die Klappe halten, entendem?


So wurde ich den Chato mit Hilfe meiner Brüder los …
Bei der anschliessenden Stelle haben sich die Eheleute kurze Zeit später getrennt und damit war ich erneut arbeitslos.
Recht schnell wurde ich einer anderen Familie empfohlen.

Die Hausherrin war Psychologin, hatte einen wunderbar durchtrainierten Körper. Aber dafür war sie ziemlich hässlich.
Am meinem ersten Arbeitstag befahl sie mir, eine altmodische, hässliche, schwarze Uniform anzuziehen, weil das in Ihrem Haus für Domesticas so üblich sei.
Ausserdem würde das meine eigenen Klamotten schonen, meinte sie. Die Uniform war neu und in meiner Grösse extra für mich gekauft worden.
Meine Haare musste ich auch streng zurückbinden.
In Wahrheit wollte sie, dass ich nicht zu sexy aussehe und nicht auffalle."
"Seu Alvaro, war aber ein richtig netter Mann und er hat nie versucht, etwas mit mir anzufangen.
Doch die Psychologin war sehr eifersüchtig und hat immer nach „Indizien“ gesucht …
Eines Tages, de saco cheio, hatte ich die Schnauze voll und bin einfach weggegangen.
Ich hatte keine Bock mehr auf ihre ständigen Verhöre.


Unter finanziellen Gesichtspunkten betrachtet, war mein Weggang natürlich nicht vernünftig.
Zudem wurde es auch immer schwieriger, einen neuen Job zu bekommen.
Da normalerweise die Mehrheit der domésticas schwarz ist, wurde ich natürlich auch nicht immer sooo einfach akzeptiert.
Was mir ebenfalls aufgefallen ist, dass die domésticas in der branche etwas besseres sind, als einfache faxineiras. Und governantas sind gewissermassen Arrogantes domésticas."

kapitel XI – XV

„Weil die domésticas oder faxis oft auch eine Freundin oder Verwandtschaft mitbringen durfte, habe ich einige andere Familien besucht. Die meisten waren sehr nett, aber andere waren auch sehr arrogant und eingebildet.
Was mir noch ganz besonders aufgefallen ist, war die Tatsache, dass der Körperkult, das schön sein wollen, schon sehr früh ausgeprägt war.
Klar, jeder will in Brasilien hübsch und gostosa sein ... aber die Schicki-Micki´s waren fast besessen von der Idee, „schön“ zu sein ..."


"Was ich vergessen habe, zu erzählen ist, dass ich im Alter zwischen 11 und 12 "arbeitslos" war und meiner Mutter geholfen habe.
Sie war auch doméstica und arbeitete abends zusätzlich als Köchin in einem Restaurant.
Morgens habe ich sie zur Arbeit begleitet, damit die Aufgaben schneller erledigt werden konnten.
Ausserdem hatte ich so die Möglichkeit etwas vernünftiges zu Essen zu bekommen. Ich erinnere mich noch heute gut: ich war damals eigentlich immer hungrig ... Ja, das ist auch die schlimmste Erinnerung, die ich an meine Kindheit habe: Hunger zu haben ... Hungern ist furchtbar ...

Der Sohn der Arbeitgeberfamilie meiner Mutter war damals ca. 19 Jahre alt.
Er war sehr nett, hat aber jede Gelegenheit genutzt, mich zu begrapschen.
Als ich mich eines Tages bei seiner Mutter beschwerte, meinte sie bloss, das sei normal, ihr Sohn sei schliesslich ein Mann.
Solange er mich "nur" anfassen würde, hätte ich keinen Grund, mich zu beschweren.
Ich sollle nicht so blöd sein, hätte bei ihr die Möglichkeit, meine Arbeitsweise zu verbessern, bekämte zu essen und schliesslich bräuchte meine Mutter den Job. Ich war damals gerade mal 11 Jahre alt."


„Im Restaurant habe ich meiner Mutter dann beim Geschirrspülen, Kartoffelschälen und anderen Kleinigkeiten geholfen.
Ich musste mich dabei immer ein wenig verstecken, arbeitete heimlich, damit uns nicht das juizado de menores (Jugendamt) auf die Schliche kommt.
Manchmal habe ich auch die Toilette geputzt, um extra Geld zu verdienen (vom Besitzer und zudem von den Kunden Trinkgeld).
Eines Abends wurde ich von Seu Raul, dem Besitzer des benachbarten Motels, der öfter ins Restaurant kam, gefragt, ob ich etwas zu trinken möchte, er würde mich einladen.
Da es noch relativ früh war (so gegen 22:00 Uhr) und ich sehr müde war, habe ich akzeptiert und eine Cola bestellt.
Das ist nicht schlecht, wenn man müde ist und ich durfte schliesslich nicht einschlafen.
Bin aber erst nach fast zwei Stunden aufgewacht. Meine Mutter und die Gattin des Restaurant-Besitzers beugten sich über mich und versuchten mich zu reanimieren …“

[daraufhin habe ich nachgefragt: das musst Du mir näher erklären: bist Du vor erschöpfung eingeschlafen, in ohnmacht gefallen ... ???]

„Seu Raul hat eine Droge in mein Getränk gemischt. In Brasilien nennt man das "bola“ oder „bolinha", ich weiss aber nicht exakt, um was es sich dabei handelt ...

[ich frage erneut nach: ich nehme also an, er wollte Dich missbrauchen ???]

„Genau.
Aber es ist nicht passiert ... mir ist schlecht geworden, ich bin zu meiner Mama gelaufen und mitten im Restaurant in Ohnmacht gefallen.
Nachdem ich aufgewacht bin, haben sie mich gefragt was passiert ist.
Sie stellten dann Seu Raul zur Rede und er gab zu, mir etwas ins Getränk gemischt zu haben.
Der Restaurant-Besitzer und seine Frau empfahlen meiner Mama aber nicht zur Polizei zu gehen. Es würde nichts nützen, mir wäre nichts passiert (natürlich war ich damals noch "intakt") und es wäre eine schlechte Propaganda für beide Lokale. Ausserdem dürfe nicht vergessen werden: ich war minderjährig und habe nachts gearbeitet. Nicht nur der Restaurant-Besitzer hätte Ärger gekriegt, wenn das ans Licht gekommen wäre ... Auch meine Mutter hätte Schwierigkeiten bekommen.“


"Nach diesem Vorfall, durfte ich nicht mehr dort arbeiten, denn die Gattin des Besitzers befürchtete, dass so etwas wieder passieren könnte.
Sie machte sich in erster Linie natürlich Sorgen um ihr Geschäft.
Ich bin dann zu hause geblieben und habe Klamotten für GPs gewaschen und gebügelt.
Die Mädels arbeiteten in einem „inferninho“ (so werden öfters in Brasilien Bordelle genannt), nicht weit von dem Restaurant entfernt, in dem meine Mama arbeitete.
Für einige GP´s haben wir (eigentlich die ganze Familie) auf deren Kinder aufgepasst."


"In dieser Zeit habe ich viele Dinge gesehen. Jedesmal, wenn ich mit meiner Schwester dort im Bordell war, um schmutzige Wäsche zu holen oder frische zu bringen, um die Kinder wieder bei der Mutter abzugeben oder das pagamento abzuholen, hatte ich das Gefühl eine inferno (Hölle) zu betreten.
Es waren diese leeren Blicke der Frauen, dieser Geruch nach Bier und Schnaps.
Ich glaube es war die Zeit, in der ich wirklich anfing, über meine Zukunft nach zu denken.
Und natürlich war ich oft depressiv und traurig. Wenn ich das näher erklären müsste, könnte ich das nicht.
Aber diese Eindrücke waren für mich wie ein Bild aus Dante Alighieri´s "Inferno", das ihr mit grösster Wahrscheinlichkeit kennt."


mehr über Dante Alighieri und das "inferno":

http://k-ho.de/1_galleries/5_galleries/dante.php

http://www.arches.uga.edu/~redman/

kapitel XVI – XX

"Besonders schlimm fand ich, wie sich die Frauen dort mit ihrem Schicksal abgefunden hatten.
Dass es schwierig ist, aus diesem Teufelkreis zu kommen, wusste ich, aber, es nicht einmal zu versuchen??

Madalena zum Beispiel war ca. 34 Jahre alt, hatte 3 Kinder (von verschiedene KUNDEN) ... als ich sie mal fragte, warum sie nicht aus dem Beruf aussteigen würde, antwortete sie: „Lieber bediene ich einen Mann auf diese Art, als für eine Madame das Haus zu putzen. Ausserdem verdiene ich auch mehr, wenn ich Glück habe.“
Glück? Kann man das wirklich Glück nennen?

Eine ihrer Töchter (Janaína, damals 9 Monate alt) war bei uns als Pflegkind. Sie war ein wunderhübsches Mädchen mit grossen schwarzen Augen.
Sie war unser Liebling.
Als sie 3 Jahre alt war, hat sie Madalena wieder zu sich und ihrem neuen Lover mitgenommen. Da habe ich selbst nicht mehr bei meiner Mutter gewohnt.
Aber ich bin oft zu Besuch gekommen und habe mich gefreut, sie wieder zu sehen.
Die Nachricht ihres Fortgangs habe ich sehr bedauert. Besonders, als ich erfuhr, dass Madalena, nachdem sie sich wieder von ihrem Lover getrennt hatte, ihre Tochter mit ins Bordell mitgenommen hatte.
Bei meinem vorletzten Urlaub in Rio (1995) habe ich Janaina wieder getroffen.
Sie war jetzt um die 16 Jahre alt.
Sie sah wesentlich älter aus, war gerade zu alt geworden und hatte mittlerweile selbst 2 Kinder bekommen (auch von verschiedenen Kunden).
Und sie war hässlich geworden."


jorginho hat geschrieben:
"Wir" kennen Dantes Inferno vielleicht, aber bei einer brasilianischen Hausangestellten habe ich da so meine Zweifel. :mrgreen: Die kennt bestenfalls Joes Dantes infernalische Filme. Oder ist die "Göttliche Komödie" vielleicht schon als Telenovela verfilmt worden? :wink:


"Ich kann SOLCHE Kommentare nicht unbeantwortet stehen lassen.
Das ist ein typisches Vorurteil, das ich nicht leiden kann:
"Domésticas sind „burras“ und gehirnlose Wesen."
Ich kann mir gut vorstellen, dass viele von ihnen ganze andere Schicksale hätten, wenn sie Alternativen gehabt hätten.

Ja, Seu Jorginho, es kann sein, dass viele von denen nicht Dante Alighieri kennen. Aber unterschätzen sollten sie die domésticas nicht.
Es gibt auch welche unter ihnen, die mehr Interessen haben, als nur Kloos zu putzen.
Und keine Schule zu besuchen, bedeutet auch nicht immer gleich, ungebildet zu sein.
Sonst hätte ich es auch nicht geschafft, diesen Text zu schreiben. In ihrer Sprache.

PS: Joes Dantes kenne ich gar nicht."


"Weiter mit den Erinnerungen ...
Carla war auch eine GP, ich schätze mal, sie war damals so um die 21 … ich kannte sie fast nur mit blauen Augen (nicht die natürliche Augenfarbe, versteht sich) …
Sie war Asiatin (die brasilianische rasse "japonesa") und hatte eine Tochter namens Priscila, die auch bei meiner Mutter aufwuchs. Zumindest war sie 6 Jahre bei ihr gewesen.
Carla konnte ich nicht leiden. Sie war irgendwie gemein. Sie war sehr gierig, kaltherzig und berechnend (sie dachte nur ans Geld).
Wie gesagt, sie hatte immer ein blaues Auge, bekam regelmässig Schläge von ihren Kunden (Die Prügel mussten die Kunden extra bezahlen).
Aber sie behauptete, dass es ihr nichts ausmachen würde.
Sie wurde schwanger (ich werde nie verstehen, wie sich GPs von ihren Kunden schwängern lassen können). Es waren Zwillinge.
Dann - im vierten Schwangerschaftsmonat ist sie zu "Dr. R." in Bonsucesso (den Doktor kennt jeder, auch die „autoridades“, er ist der grösste „Metzger“ in Rio.).
So weit ich weiss, ist sie dann direkt nach dem Eingriff zu ihren Eltern in den Norden. Und so weit ich gehört habe, ist sie auch nicht mehr am Leben. Es gab Gerüchte, dass sie als Folge der Abtreibungerlitt innere Blutungen erlitt.
Priscila blieb bei ihren Grosseltern. Und ist mit 14 oder 15 selbst in die inferninho-Branche eingestiegen."


"Für heute ist es genug und morgen komme ich wieder zurück auf meine faxi-Geschichten (eigentlich: domestica-Geschichte).
Aber ich will noch kurz erzählen, dass der Bordellbesitzer mir einmal das Angebot machte, mit einem Kunden ins Hinterzimmer zu gehen.
Der Kunde hatte mich gesehen, als ich gerade Wäsche zu den Mädels brachte.
Aber er wollte gar nicht mit mir schlafen.
Sondern ich sollte es mit seinem Sohn machen.
Er war auch da und es wäre sein erstes mal gewesen.
Er war 9.
Ich war 13."


"Ich bin während meinem letzten Job als doméstica in Vila Isabel selten nach hause gefahren, weil ich nur 2 freie Tage im Monat hatte.
Als ich ein Wochenende da war, bin ich zum „inferninho“ gegangen.
Ich sollte für meine Mutter einen Teil der Wäsche abgeben und einen anderen abholen.
Seu Manoel (ein in Portugal geborener Deutscher, natürlich hiess er nicht wirklich "Manoel" ...), bat mich, mit ihm ins Hinterzimmer zu gehen, dort warteten ein Mann und ein Junge, der mich etwas schüchtern und ängstlich anschaute.
Der Vater bot mir einen bestimmten Geldbetrag an.
Ich sollte mit seinem Sohn ins Bett gehen ... es wäre sein erstes Mal ... Der Bordellbesitzer versprach mir, nichts meiner Mutter zu verraten.
Um es kurz zu machen, meine Mutter erzählte mir später, seu Manoel hätte sich bei ihr massiv beschwert, weil ich angeblich einen seiner besten Kunden beschimpft hätte.
Das tat ich wirklich, und "filho da puta" war noch eines von den freundlichsten Worten, die ich ihm an den Kopf warf.
Und auch seu Manoel hat einiges von mir zu hören bekommen.
Aus Spass sagte er meiner Mutter, dass ich nie in seinem Laden arbeiten dürfe, oder er müsse mich als Gata selvagem (Dschungelmädchen) anbieten ...

Ach so, was ich noch dazu sagen möchte: diese Geschichten passierten nicht an der Copa oder sonstwo in der zona sul in Rio. Es geschah an einem sehr bekannten und ehemals sicheren Ort in Rio, wobei das mit dem "sicher" heute leider nicht mehr stimmt."


kapitel XXI - XXIV

„Also das war dann auch das letzte mal, dass ich in dem Bordell war.
Seit diesem Vorfall schickte meine Mutter nur noch meine Brüder dorthin. [äh ... zum Wäsche bringen und abholen, versteht sich ...]
Meine Mutter musste viele Dinge, die sie dort mitbekam, für sich behalten, da sie auf das Geld, das sie dort verdiente, angewiesen war.
Doch ich fand es sehr enttäuschend, als der Bordellbesitzer die Geschichte meiner Mutter erzählte, ihr nichts anderes einfiel, als zu lachen und zu sagen: „Ach, meine Tochter war schon immer so ... ein cabeca dura (Dickschädel).“

Ich frage mich noch heute, was geschehen wäre, wenn mir wirklich was Schlimmeres zugestossen wäre. Wie hätte sich meine Mutter verhalten?
Hätte sie mir (eigentlich „uns“, weil meine Schwester auch öfters dorthin gehen musste) geholfen und zu mir gestanden?

Diese Frage werde ich bestimmt nie los ... klar, wenn ich sie heute frage, würde sie bestimmt sagen, dass sie mich unterstützt hätte ... aber hätte sie sich wirklich so verhalten?
Keine Ahnung, meine Mutter hat sich schnell hinter der Rolle der armen Frau mit 6 Kindern versteckt.“

Auf der anderen Seite verstehe ich ihr Verhalten natürlich auch. Immerhin stand sie alleine da und hatte 6 Kinder zu ernähren ... (hummm, nicht immer, manchmal waren wir auch auf Xepas* angewiesen, wenn das Geld nicht bis Monatsende reichte)."

*Reste und Abfälle von Obst und Gemüse des Wochenmarktes


Careca hat geschrieben:
Wie würdest du deine Mutter beschreiben? Welches charisma hat sie? Was ist deine Meinung, wie sich ihre Reaktion in ihr normales Verhalten einordnen lässt?

"Also, careca, meine Mutter war eine einfache Frau. Sie selbst ist im Norden Brasilien geboren, in einer grossen Familie.
Sie arbeiteten im „Sertäo“. Sie hatte es nicht einfacher als ich.
Mit 12 Jahren ist sie nach Rio gegangen. Mit 19 hat sie meinen Vater kennen gelernt und eine grosse Familie gegründet.
Sonst gibt es nicht viel mehr zu sagen, als das, was ich bisher geschrieben habe.
Diese kurze Zusammenfassung Ihres Lebens nur, damit man sie sich besser vorstellen kann.
Meine Mutter war sehr fleissig und sehr beliebt bei ihren patroas.
Tatsächlich hat sie nur für 2 Familien als doméstica gearbeitet. Weil sie sehr gehorsam war.
Meine Mutter arbeitete als doméstica von morgens um 6:30 bis nachmittags um 17:00 Uhr.
Ab 18:30 Uhr ging sie zum Restaurant. Und dort blieb sie bis 3 oder 4 Uhr nachts. Von Donnerstags bis Sonntags.
Dienstag und Mittwoch blieb sie "nur" bis etwa 1:30 Uhr.
Ich bin mit ihr öfters Donnerstag bis Sonntag ins Restaurant gegangen ...
Ich schätze mal, wäre mir oder meiner Schwester etwas zugestossen, bezüglich meiner vorherigen Geschichte, hätte sie bestimmt ihre mütterliche Seite (Pflicht, Gefühle) gezeigt.
Dass sie uns nie auf „Suche“* geschickt hat, spricht schon allein für ihren guten Charakter.
Aber mich stört halt, dass sie sagte, ich wäre ein(e) cabeca dura :roll:. "

*das heisst nichts anderes als: "dass sie uns nicht auf den Strich geschickt hat ... "


do Leme hat geschrieben:
meine Erfahrung ist, dass eigentlich nie die Mütter den Impuls geben, dass die eigenen Kinder sich prostituieren.

"Seu do Leme, ich will nicht behaupten, dass jede Mutter ihre Kinder zur „prostituicäo“ schickt, aber viele empfehlen ihren Kindern:
„Seja boazinha com o tio“, auf deutsch gesagt:
"Sei nett zum Onkel."
Und jedes Kind weiss, was damit gemeint ist.
Es ist ebenso Usus, dass Eltern ihren Kinder befehlen, betteln und klauen zu gehen.
Und viele werden noch vorgewarnt: "Bringst du nichts nach hause, dann kannst mit eine „surra“ (Tracht Prügel) rechnen."

So, zurück zur doméstica Geschichte:

Wie ich schon mal sagte, je älter ich wurde, desto schwieriger war es, eine Stelle zu bekommen. Grund war natürlich mein nicht gerade unattraktives Aussehen.
Vielleicht klingt das so, als wäre ich sehr eingebildet gewesen, aber das stimmt nicht. Damals fand ich mich selbst alles andere als hübsch.
Ich entspreche sowieso nicht dem brasilianischen Schönheitsideal.
(Ihr wisst bestimmt, dass in Brasilien Blondinen mit langen glatten Haaren und blauen Augen bevorzugt werden. Erst in den letzten Jahren, sind die morenas und mulatas mehr ins "Rampenlicht" getreten.)
Aber gut, auf jeden Fall war es für mich nicht einfach, eingestellt zu werden.
Dann bekam ich von Maria, einer Bekannten meiner Mutter, das Angebot, sie zu vertreten, weil sie nach Recife zu ihren Eltern fahren musste. Geplant war, dass ich sie für zwei Monate ersetzen sollte.
Aber aus persönlichen Gründen blieb noch weitere 6 Monate in Pernambuco. Die Arbeit war einfach, es war ein Herr aus Chile, und so einen Mann findet man selten. Er war der erste Gringo den kennen lernte, und wohnte in Icaraí ,Niterói.
Er ist einer der besten Menschen, die ich kenne und ich werde ihm immer dankbar sein. Er hat mir viel Mut gemacht.
Wir haben über Gott und die Welt gesprochen. Er hat immer zu mir gesagt, ich wäre eine gute Schülerin, und ich sollte zurück zur Schule gehen.
Er hat mich als Mensch betrachtet und behandelt, nicht als Kind (oder "Frau") oder als „doméstica“.
Er war geschieden. Seine Kinder (so alt wie ich) waren auch sehr nett. Sie lebten aber bei der Mutter in Rio.
Nachdem Maria zurückgekommen ist, hat sie mir eine andere Stelle vermittelt.
Die Familie hiess Souzas, der Mann war Fussball-Reporter, arbeitete aber auch bei einer Bank und sie war Architektin.
Sie hatten zwei Kinder und waren super nett.
Ich hätte gerne weiter für die Beiden gearbeitet. Aber wir hatten ausgemacht, dass ich ihre doméstica (Rosaura) nur während ihres Urlaubs (1 Monat) ablöse.
Sie haben mich dann zu einem Restaurant geschickt, mit dessen Besitzer sie befreundet waren
Seu Cézar war eine außergewöhnlich ruhiger und netter Mann. Er hat mir ohne Probleme den Job gegeben. Ich sass an der Kasse. Es war eine kleine Pizzaria. Damals habe ich angefangen zu rauchen.
Dort arbeitete auch Seu Nogueira, um velho safado (ein alter Lüstling), Igitt.
Aber er hat immer nur Blödsinn erzählt und mit mir nichts versucht, Gott sei dank.
Eines nachts sind die Leute vom Jugendamt aufgetaucht. Sie haben mich an der Kasse erwischt. Es war 2:30 Uhr.
Ich war noch nicht mal 15 Jahre alt 8-[ .
(Es war knapp, sie wollten mich zunächst zur Funaben*mitnehmen -o<)

*Funaben = Fundação Nacional do Bem-Estar do Menor. Das ist so etwas, wie ein Heim für minderjährige Schwerverbrecher :? . Ich glaube aber, es existiert nicht mehr.“



„Ich habe gelogen und gesagt, meine Mama würde mich jeden Abend abholen.
Seu Cesar hat auch gelogen. Um mich zu schützen, hat er behauptet, ich wäre seine Freundin.
(Das war aber dumm, denn das hätte auch sehr böse für ihn ausgehen können).
Natürlich haben sie uns getrennt voneinander befragt, so dass der eine den anderen nicht hören konnte.
Zum Glück war einer der Männern ganz ok. Er fragte mich, warum ich dort arbeite.
Ich habe ihm natürlich die Wahrheit gesagt und er hat seine(n) Kollegen überredet, mich nach hause zu begleiten.
Sie haben dann meine Mutter geweckt und gewarnt: würden sie mich abends beim Arbeiten wiedersehen, wäre sie mich los."


kapitel XXV

"Ja, ich werde und möchte gerne weiter die doméstica-Geschichte erzählen ... Ihr könnt vielleicht gar nicht glauben, wie gut das mir tut. Es ist eine Art Therapie. Aber ich will auch sagen, dass ich auf keinen Fall verbittert bin. Ich bin fröhlich, ich mag das Leben, ich mag Menschen, ich liebe Kinder.
Denn diese Erlebnisse waren durchaus auch hilfreiche Erfahrungen in meinem Leben."


kapitel XXVI

"Bei Familie Souza war ich nur einen Monat (siehe Kap. XXI-XXIV).
Und dann habe ich durch Rosauras Schwester einen „ambulante“ kennen gelernt. Der hat nach jemanden gesucht, der ihn beim Verkauf im Zentrum von Rio hilft.
Eines Tages war ich in der Rua do Ouvidor auf meinem Stand und sehe seu Marcelo (den Familienchef der Familie Souza), der mich ganz herzlich begrüsst und sagt, ich sollte seine Frau besuchen, sie wolle dringend mit mir sprechen.
Ich bin dann noch am selben Abend zu ihr gegangen.

Sie verriet, dass ihr Vater etwas mit mir etwas abklären wolle. Ich sollte ihn auf jeden fall aufsuchen, aber sie empfahl mir, meine Eltern mitzunehmen.
Ich habe dann meine Mama gebeten, mit mir zu gehen.
Dort sagt uns der Herr des Hauses, er war Coronel (Oberst), dass er in seinem Haus Schmuck vermissen würde. Es wären Familienenstücke und seine Tochter, die jüngere Schwester meiner „patroa“, die noch bei ihrem Vater lebte, war sicher, die Teile nicht verloren zu haben. Doch glücklicherweise mochte sie mich und stand mir bei.

Da sie selbst keine domésticas hätten, könnte nur ICH es gewesen sein .
Und er forderte den Schmuck zurück.
Als ich antwortete, dass ich ihn nicht geklaut hätte, sagte er zu meiner Mutter, es wäre besser, wenn ich das Geständnis bei ihm zu hause machen würde.
Sonst würde er mit uns zum „delegacia“ (Polizei-Revier) fahren.
Meine Mutter, gehorsam wie immer, versuchte mich zu überreden, mich schuldig zu bekennen .
Dann sagte ich: "Ta bom, dann wir fahren zur Polizei."
Meine Mutter ermahnte mich, ich solle mir das lieber noch einmal überlegen, es könnte meiner ganzen Familie Schwierigkeiten bereiten .
Seu Carvalho war schliessich ein „Coronel“.
Ich sagte: "Stimmt ... und ich bin schiessich deine Tochter. Und ich gestehe nicht, was ich nicht getan habe, nur um einem Coronel zu dienen.

Das wichtigste Detail: ich war NIE zuvor in seinem Haus gewesen."


kapitel XXVII – auf der delegacia

„Auf der „delegacia“ verhörte mich der „delegado“ und versuchte mit allen Mitteln und Tricks, dass ich gestehe.
Meine Mutter haben sie weggeschickt, um einen Freund [sg hakte nach, na verdade: um namoradinho] von mir zu suchen, denn es könnte doch auch sein, dass ich ihm dem Schmuck zum Verstecken gegeben hätte.

Während sie weg war, haben mich die beiden Herren darüber „aufgeklärt“, dass es sich um ein paar Tausend „cruzeiros“ handeln und die „seguro“ bei einfachem Verlust nicht bezahlen würde.

Bei Diebstahl gäbe es jedoch die Möglichkeit, wenigsten den größten Teil des Wertes zurück zu kriegen. Ich wäre noch minderjährig und mir könnte nicht passieren. Ich würde höchsten 2 Monaten bei der „Funaben“ absitzen müssen. Aber der „Coronel“ würde mir in dem Fall schon helfen.

Der „delegado“ sagte nur: „So eine tolles Angebot, solltest du dir nicht entgehen lassen.“

Ich dachte, lieber gehe ich in den Knast, als von solchen filhos da puta ausgenutzt zu werden.

Als meiner Mutter zurück kam, habe ich dann laut gesagt, ich würde lieber zur „Funaben“ gehen, als mich auf dieses Geschäft einzulassen.

Zum delegado, habe ich nur gesagt, er solle seine Pflicht tun. Wenn er mich zu „Funaben“ schicken müsste, solle er es machen. Und als Ergänzung habe ihm noch empfohlen, beim Sohn des Coronel´s nachzufragen. Denn der Sohn war drogensüchtig. Übrigens ein verdammt gut aussehender Typ. Aber drogensüchtig und arbeitslos. Er stand vor der Glastür des Vernehmungszimmers und beobachtete uns.

Verstehst Ihr, um was es geht? Nicht er würde mir helfen ... ich sollte ihm helfen.

Sein Schmuck war weg und ohne mein Geständnis würde er kein Geld von der Versicherung bekommen. Dafür sollte ich mein Leben kaputt machen ... für wen? Für was? Um seinen missratenen Sohn den Arsch zu retten? Glaubt mir, ich hatte nie so eine Angst in meinem Leben gehabt. Ich war machtlos.

Meine Mutter hatte Angst, weil wir arm waren und dass uns deshalb niemand glauben würde. Und ich müsste dann ins Heim.

Aber Logik war Gott sei dank, immer meine Stärke ... wenn ich so wie so ins Heim gehe müsste, bitte schön. Aber dem filho da puta würde ich nicht noch helfen.

Natürlich behauptete nach meiner Aussage der Coronel, ich wäre sehr frech und würde ein paar „erzieherische Maßnahmen“ verdienen, na ja so was, wie „surras“ (eine Tracht Prügel).

Dona Yara, meine ex-patroa der Familie Souza, ist später auch noch gekommen. Gott sei dank glaubte sie mir und sagte, sie hätte in ihrem Haus immer ihre Sachen liegen lassen können und nie sei etwas verschwunden. Ausserdem bestätigte sie noch, dass ich nie bei ihrem Vater war. Somit könnte ich es nicht gewesen sein.

Was passierte dann? Nichts. Sie konnten mir nichts beweisen.

Der Sohn beichtete kurz darauf seiner Schwester den Diebstahl. Sie erzählte es mir später und sagte, dass sie froh gewesen ist, damals ihrem Gewissen und nicht der Familiepflicht gefolgt zu sein.“


kapitel XXVIII

"Am Ende liessen sie mich natürlich laufen ...was hätten sie sonst machen sollen?
Jedoch bitte nicht vergessen: das war vor ca. 20 jahren :? . Und so einfach wie heute, waren die Dinge damals nicht.
Aber ich hatte Zeugen, ich war stur und ich war nicht dumm oder käuflich ...
ich war nur arm ... wäre ich reich, wäre ich bestimmt eine Revolutionärin gewesen ...
Rebellin bin ich heute noch ... :oops:

Und Scheisse!!!

Ich hatte damals verdammte Angst. Es ging um mein Leben ...

[auf Nachhaken von sg:]
Nein, heute habe ich kein Angst mehr ... aber damals ... heute habe ich nur ... keine Ahnung .... vielleicht Mitleid oder Mitgefühl ... mit den Menschen, die noch solch ein Leben führen müssen ... ich habe verdammt viel Glück gehabt. Werden sie auch Glück haben?"


Titel: kapitel XXIX

„Was ich bis jetzt noch nicht erwähnt habe, ist mein paralleles Leben. Natürlich war ich öfter in der Favela. Dort kannte ich natürlich auch sehr viele Leute.
Schliesslich sind Einige mit mir in die Schule gegangen. Heute weiss ich, dass viele der Jungs, die damals mit mir zur Schule gingen, mittlerweile tot sind.
Aber damals waren sie noch sehr lebendig. Ich kann und will nicht sagen, dass mir der eine lieber war der andere.
Denn ich könnte sowohl von der Zeit VOR ihrem Banditenleben als auch AUS diesem berichten.

Als Kind (als Favela-Kind versteht sich) sieht man alles, was so in seiner Umgebung passiert ... man denkt nicht viel, warum das jetzt so oder so ist ... man nimmt die Sache einfach so, wie sie kommt ...
Natürlich liegt das vielleicht daran, dass wir andere Sorgen haben. Hunger zum Beispiel.
Ich habe mich aber immer gefragt, warum Menschen auf die Welt kommen und alles haben. Und andere nichts. Aber meine Frage drehte sich nicht um das "Warum" sie das haben, sondern warum die Leute, die nichts haben, wie Dreck behandelt werden.
Ich kannte kleine Jungs, die ihren Körper für ein Stück Brot verkauft haben. Ich glaube, Ihr wisst, was ich damit sagen will.

Wenn Ihr den Film "cidade de Deus" gesehen habt, Ihr könnt mir glauben ... genau so war es!
Viele der mir bekannten Brasilianer(innen), waren empört über diesen Film, weil er so brutal sei und nicht das wahre Leben in Brasilien zeigen würde.
Stimmt. Er zeigt nicht das wahre Leben der Oberschicht.
Aber das der favelados zeigt der Film ganz genau.
Und für die favelados waren die 70er-Jahre* die "Goldenen Jahren". Heute ist es die Hölle.“


Lemi hat geschrieben:
Bitte SG, frag doch mal nach, weshalb die 70-er Jahre so golden waren !
ich denke mal, das ist überspitzt gesagt, und ein vergleich mit der heutigen situation ... wie Du vielleicht im film erkennen konntest ("cidade de Deus") verstärkte sich die gewalt (trotz ... oder gerade ?) nach dem ende der militärdiktatur in den favelas ... ende 60er und anfang der 70er wird ja noch geradezu in "romantischer" western-athmosphäre erzählt, während die schrillen 70er schon höhere gewaltbereitschaft (v.a. untereinander) einläuten. in den 80ern wandelte es sich schliesslich langsam zum sodom und gomorra ...

ich werde unsere begnadete erzählerin aber noch einmal darauf ansprechen ...


kapitel XXX – neném

„Wie gesagt, ich kannte viele Jungs, die in der Favela lebten ... als Banditen.

Neném war unser Nachbar.
Ein sehr rebellischer Typ. Er hat mit der Schule aufgehört, als er ungefähr 10 Jahre alt war.
Mit 12 habe ich ihn schon mit einer Pistole in der Hand gesehen. Damals waren die gefährlichsten, die es gab, 38er (Pistolen), heute sind es M15, glaube ich.
4 Jahre später war er tot. Er hatte mit einer meiner Nachbarinnen einen Sohn (der heute auch Bandit ist und ich glaube, er lebt sogar noch).“


kapitel 31 - andre & carlao

"Andre war ein anderer Junge aus der Favela und er war in mich verliebt. Wie waren ein paar mal Tanzen. Mehr nicht. Aber er hat mir ständig Liebeserklärungen gemacht. Er war sehr nett. Er war ein anständiger Kerl. Er war ein trabalhador.
Sein Bruder dagegen wurde Chef der Favela. Für seine Feinde war er ein Alptraum. Für seine Bekannten jemand, den man besser respektieren sollte.
Er hatte viele Freundinnen. Die Mädels waren alle aus der Favela. Einige hässlich, aber mit einer super Figur. Andere waren sehr hübsch. In der Favela gibt es ein ungeschriebenes Gesetz. Wenn ein Mödchen vom Chef ausgesucht wird, gehört sie ihm.
Er kannte mich. Und Carläo "mochte" mich ..."


kapitel XXXI

"Erst mal meine Antwort an seu (do) lemi(e) ...
SG hat es schon sehr gut geklärt.
Für uns waren diese Jahre "golden", weil im Vergleich zu heute die Favelas in den 70er Jahren wirklich harmlos waren.
Drogenhandel gab es, aber nicht so massiv.
Für uns (Kinder) waren die grösseren Gangster die „maconheiros“* ... coitados ... :pimp: "
*= Kiffer

„Carläo war einer der meistgesuchtesten Banditen in Rio.
Er hatte einen sehr passenden Spitznamen: Hulk. Weil er gross und kräftig war.
Als Mensch war er auch nett, als Bandit aber kaltherzig. Als Chef do morro (es gab damals auch eine Unterscheidung zwischen favelas und morros. Niemand wollte in der favela wohnen. Die morros waren die „bessere Gegend“) war er „normalweise“ korrekt.
Das heisst, wenn ein Bewohner mit einem Problem (mit dem Nachbarn, dem Ehegatten, mit Kindern etc ...) zu ihm kam, hat er die Sache schnell geklärt.
Was auch nicht immer gut war: Bewohner müssen ihre Probleme immer mit dem Chef absprechen. Polizei zu rufen, war verboten.
Kriegt ein Bewohner Probleme mit einem der Jungs, existiert praktisch keine Chance das zu Überleben.“


Lemi hat geschrieben:
Du schriebst doch in einem deiner vorherigen Kapitel, dass Carlão ein Auge auf dich geworfen hatte.

logisch, lemi, die geschichten werden vollständig erzählt, hier also der "jeitinho" von unserer berichterstatterin:


kapitel XXXIII-XXXV

„Ich besuchte öfters meine Mutter in der favela.
Carläo war immer da (wir wohnten genau am Eingang des „boca de fumo“). Er hat mich immer freundlich angelächelt und begrüsst. Er war immer nett. Eines Tages sagte er zu mir, dass ich immer hübscher würde. Ich war nicht naiv und wusste gleich, dass sein Interesse an mir wächst.
Von dem Tag an, versuchte ich, so gut es gin, nur abends zu meiner Mama zu kommen. Und ich zog mich absichtlich schlecht an. Ich wollte nicht, dass er mich als Frau sieht.
Denn ich wollte nicht zu seinem „Harem“ gehören. Meine Brüder hat er auch immer „cunhado“ genannt (Schwager).
Eine seiner Freundinnen hatte mal mit einem anderen Mädchen Streit. Sie wurde mit der ganzen Familie aus der favela gejagt.
Also, als es mit Carläo nicht besser wurde und ich langsam Angst bekam, entschloss ich mich, nicht mehr in die favela zu gehen.
Obwohl - ich muss auch erwähnen - belästigt hat er mich nie.
Es waren die normalen Komplimente, die jeder Brasilianer einer Frau macht.
„Oi coisa linda, que bom te ver.“
"Oi Gata, tá crescendo e ficando um mulheräo“.
„você é a nora dos sonhos da minha mäe“ etc. etc. ..."

*Hey, hübsches Ding, schön Dich zu sehen ...
..Hey Katze, Du wirst immer mehr zur Frau ...
..Du bist die Traumschwiegertochter (eigentlich: Freundin) meiner Mutter ...

"Wie gesagt, ich bin nicht mehr in die favela gegangen.
In dieser Zeit half ich einer Freundin von mir, die zwei Kinder hatte und nicht weit weg von der favela wohnte.
So konnte meine Mutter mich fast täglich besuchen und erzählte, was dort „oben“ so los war.
Abends konnten wir oft die Schüsse von den "Hügeln" hören. Es waren die Banditen zweier verfeindeter favelas.
Und manchmal gab es auch Schiesserein mit der Polizei.
Eines Tages bekamen wir mit, dass die favela von 4 Hubschrauben überflogen und von mehreren „camburöes“ (Grössere Panzerwagen der Polizei) umzingelt wurde."

„Sie suchten Carläo, und sie haben ihn gefunden und bis zur Hütte seiner Mutter verfolgt.
Und sie haben ihn getötet. Es wurde viel darüber gesprochen, wie alles passiert ist.
Die Art und Weise, wie die Polizei ihn umbrachte, muss grausam gewesen sein.
Seine Mutter war auch dabei und musste alles mit ansehen. Sie war eine ganz liebe Frau.“


kapitel XXXVI

„Um ehrlich zu sein, über sein tot war ich nicht besonderes traurig, aber auch nicht froh.
An der favela, man weiss nicht wer als nächsten kommt.
Und es könnte auch die Polizei die kontrolle übernehmen.
Aber was ich schlimm fand war dass Andre, der Bruder, so empört war dass er die stelle als Chef übernimmt.
Die erst mal dass ich ihn sah, war ich traurig. Er sass dort wo sein Bruder früh sass. Mit eine riesig gewähr in Hand.

Er grüsste mich und wir unterhielten uns ein bisschen.
Ich wusste, dass er noch in mich verliebt und auch verletzt war, aber ich war mir sicher, dass er mir nie etwas antun würde.
Es war sein Charakter. Er war nicht so wie sein Bruder, er war ein guter Mensch.
Ich frage ihn, warum er so etwas machen würde, es wäre nicht sein Welt.
Er meinte nur, ich hätte nicht gesehen, was die Polizisten mit seinem Bruder gemacht haben.
Und er erzählte auch von seiner Mutter.
Er wollte die beide Angehörigen rächen.
Zwei Monate später war er tot.“


Lemi hat geschrieben:
Puuuuh - ich frag mich, warum die Jungs diesen Job machen, wenn sie wissen, dass ihre Lebenserwartung dadurch gegen NULL driftet.

Ist es Berufung zu Höherem, der Lockruf des Geldes oder wirklich nur die Sucht nach Vergeltung/Rache ?

Maninha hat geschrieben:
Lemmi, ich wurde sagen es ist die Hoffnung.
Auf was, fragst du bitte nicht.
Ich kann das auch nicht verstehen.

:(



XXXVII

"Wie schon gesagt, ich wohnte zu dieser Zeit bei einer Freundin mit ihrem Mann und zwei Kindern.
Meine Freundin wollte wieder arbeiten gehen, ich brauchte ein Dach über dem Kopf, so haben wir uns gegenseitig geholfen.
Doch ich war dort auch nichts anderes als die doméstica und babá (Kindermädchen).
Maurício, Laurinha`s Ehemann war ein gaúcho, 37 Jahre alt.
Wir waren mehr als paträo, patroa, empregada. Ich kannte Laurinha schon über 12 Jahre.
Wir haben uns sehr gut verstanden und abends waren Laurinha und ich öfter unterwegs.
Ich schlief im Wohnzimmer. Es war ein Übergangszimmer.
Eines nachts wurde ich wach, weil ich glaubte, etwas an meinem Körper zu spüren. Es war so, als ob eine Kakalake über meine Beinen krabbeln wurde.
Und ich hasse Kakerlaken, ich habe regelrecht Angst vor ihnen.
Komisch war, dass Maurício neben dem Sofa stand und so tat, als wäre er gerade „vorbeigekommen". Aber ich merkte, dass er die Tür seines Schlafzimmers zugeschlossen hatte ... von aussen.
Am nächsten morgen sagte ich Laura, dass ich lieber in einem anderem Zimmer schlafen möchte.
Sie nahm mich dann mit in ihr Schlafzimmer (wer Brasilianer kennt, weiss, dass das nichts ungewöhnliches ist).
Dort, so dachte ich, würde Maurício bestimmt nichts mit mir "versuchen".
Das war ein Fehler ... Laura nahm immer Schlaftabletten.
Und in der zweiten Nacht kam Maurício wieder zu mir ..."


kapitel XXXVIII

"Er wollte mich küssen und anfassen ... ich sagte, er solle aufhören (wir schliefen zu fünft im Zimmer, ihre Kinder waren auch da.), ich wollte das nicht und ich mochte auch nicht, was er machte.
Ich stand auf und verliess das Zimmer. Er lief mich nach. Ich sagte ihm dann klipp und klar, dass, wenn er nicht aufhören würde, ich Laura alles erzählen werde und dass ich das bislang noch nicht getan hätte, weil ich ihrer Ehe nicht schaden wollte.
Ich zog dann zu meiner Patentante, die nebenan wohnte (sie war tatsächlich auch die alte doméstica, sie diente dieser Familie schon sehr lange, hatte die Kinder gross gezogen, unter anderem auch Laura).
Ich habe Laura nichts davon erzählt, ich wollte der Ehe keine Schwierigkeiten bereiten.
Es dauerte keine Woche bis Maurício nachts an mein Fenster klopfte. Nur mit einem Handtuch eingewickelt ... Als ich aus dem Fenster blickte, nahm er sein Handtuch herunter und zeigte mir seinen erigierten Schw***, und sagte, dass er könne nicht schlafen könne, weil er an mich denken müsse ... und wie ich ihm „helfen“ könnte ...

Ich schloss das Fenster vor seiner Nase zu. Und ich überlegte, was ich nun am besten mache sollte.
Wenige Minuten später klopfte es erneut ans Fenster. Dieses Mal war es aber Laura. Sie wollte wissen, was los sei ... was machte Maurício nachts in meinem Zimmer ... oder besser gesagt, an meinem Fenster."


kapitel XXXIX

„Ich habe ihr dann alles erzählt, es gab noch andere Details, die ich hier nicht erwähnt habe. Laura war sehr traurig.
Maurício fragte, ob er kurz mit mir unter vier Augen sprechen könnte. Sie stimmte zu. Er sagte mir, ich solle lieber gehen, und ich solle besser schweigen, denn würde um seine Ehe und seine Kinder gehen.

Laura lauschte hinter der Tür und hat alles gehört. Und trotzdem gab sie mir die Schuld.

Alle meine vorherigen Versuche, ihm aus dem Weg zu gehen, wurden missverstanden. So wurde mir z.b. vorgeworfen, dass ich - als ich einmal meine Tante besuchen wollte - nur das Zimmer gewechselt hätte, damit Maurício zu mir kommen könne ... und schliesslich glaubten alle, ich hätte das alles wirklich selbst provoziert.

„Maurício tat natürlich nichts dafür um diesen falschen Verdacht aufzuklären. Es war ihm natürlich recht so.
Ich bin dann zurück zu meiner Mutter. Ich erzählte ihr alles. Und sie redete ein paar Tage später mit Laura, die behauptete mich zu hassen. Ich hätte ihrem Mann schöne Augen gemacht (um ehrlich zu sein, der hatte mich null interessiert, auch wenn er "solteiro" gewesen wäre...).
Sie sagte auch, dass sie alles machen werde, um mein Leben zu ruinieren (unter anderem werde sie auch zur „macumba“ zu gehen).

Na ja, Monate später kam er zufällig bei meinem Job als Kassiererin in einem Supermarkt vorbei. Als er mich sah, drehte er sich um und ging.
Ein paar Minuten später kam er wieder und drückte mir einen Zettel in die Hand. Er bat um Verzeihung, er hätte angeblich seiner Frau die ganz Wahrheit gebeichtet. Sie lebten mittlerweile getrennt.“


thomas hat geschrieben:
Schön, dass Du Deine Geschichte weitererzählst !!
Wie alt warst Du zu dieser Zeit ungefähr? Bist Du wieder zur Schule gegangen?
-t
"seu Thomas":
"Ich war 16 und bin damals noch nicht zur Schule zurück....das kommt aber in den folgenden Kapiteln ..."


kapitel XL

„Nach dem Tod von Carläo und Andre bin ich wieder öfter in der favela gewesen. Nach diesem Vorfall mit Laura blieb ich dann bei meiner Mama.
Eines Tages wurde ich von der Cousine meiner Schwägerin geweckt, Polizisten wären bei ihr im „Haus“. Ich ging sofort dorthin.
Wir wohnten auf dem selben „Grundstück“, und ich kletterte direkt ins Fenster ... sofort spürte ich eine „Metralhadora“ (=MG) an meiner Nase. Ich fragte, was los sei?
Der Polizist antwortete nur: "Halt deine klappe sua puta!
Niemand hat dich gerufen. Bist du vielleicht die putinha von Robson (er meinte einen meiner Brüder)?"
"Nein", sagte ich, "ich bin seine Schwester. Und er ist nicht da, er ist arbeiten."
Da lachte er und sagte zu seinem Kumpel:
"Los, bring sie her! Mal schauen, was sie uns so bieten kann!“


kapitel XLI

„Einer der anderen Polizisten brachte mich zum ihm.
Er lachte nur und fing an, seinen Gürtel auszuziehen ... dieser ekelhafte Scheisskerl.
Plötzlich ruft ihn Ivan, ein anderer Polizist, Bewohner der favela.
"Lass sie los! Sie ist ok, sie ist die Nachbarin meiner Mutter."
Seine Mutter arbeitete genau in dem Restaurante, dass Ihr bereits kennt.
"Schade, eu ia gostar de provar desse mel!"


kapitel XLII

„Ivan war an diesem Tag mein Retter ... aber eigentlich war er ein sehr arroganter Arsch ...
Er war stolz, Polizist zu sein und hat jede Möglichkeit genutzt, den Bewohnern zu zeigen, wer hier was zu sagen hat.
Ich mochte ihn überhaupt nicht und ich glaube, er hätte sein Auftreten auch nicht lange überlebt, wenn sein Schicksal ihn nicht geändert hätte.

Sein Bruder Alexandre war aber ein sehr guter Freund von mir. Wir waren beide 16, gingen früher zusammen in die Schule und haben viele gemeinsame Stunden verbracht.
Was ich an ihn besonders gemocht habe, war sein stolz. Er war ein favelado, aber er war anders. Und hübsch war er auch.
Immer wenn ich die favela besucht habe, kam ich auch bei ihm vorbei. In den Zeiten, in denen ich selbst dort lebte, trafen wir uns oft und regelmässig.
Wenige Tage nach der Rettung durch Ivan, hörte ich, dass Alexandre verschwunden sei.
Man sah ihn letztmals beim Fussballspielen mit anderen Jungen, als er und noch ein anderer Junge von der policia civil in einem Auto abgeholt wurde.“


kapitel XLIII

„Alexandre war was besonderes, nicht weil er hübsch war, es war seine Art, wie er mit anderen Menschen umging. Nett, charmant, alle mochten ihn.
Er war damals ca. 16 ½ Jahr alt. Und er ist nicht mehr zurückgekommen. Auch nicht der andere Junge. Die Leichen wurden bis heute nicht gefunden.
Die Polizei hat angeblich nichts gesehen und von nichts gewusst.
Weil Ivan selbst Polizist war, hatte er natürlich so seine "connections" und erfuhr so, dass Alexandre und Julinho vermutlich an einem Überfall beteiligt waren.
Der Überfall fand im Hause eines „coronel“ statt und man hat die Jungs per Überwachungskamera aufgenommen.
Ivan war derart schockiert vom Tod seines Bruders, so dass er aus dem Job ausstieg. Besser gesagt, er verliess einfach das Revier und kam nicht wieder.
Und: Er wurde der schlimmste Gangster im morro.
Der Stolz, auf der Seite des Gesetzes zu sein wurde gegen das Gefühl der Rache getauscht.
Was am schlimmsten war: Jedesmal, wenn die Polizisten ihn mal wieder festgenommen haben, kam ein, zwei Stunden später einer seiner Jungs vorbei, um das "Lösegeld" abzugeben ... schon war er wieder frei ...
Dieses Spielchen ging so ein paar mal ... Heute sitzt er in Bangu I, er ist zu 150 Jahren verknackt worden ... Bin mal gespannt, wann er entlassen wird ... Er war schon als Polizist ekelhaft, als Bandit grausam und er ist immer noch ein Idiot.“


kapitel XLIV

"Die nächste Arbeitsstelle als doméstica war bei Dona Penha e Seu Paulo.
Beide kamen aus Recife, classe média.
Die Arbeit war einfach, weil die beide den ganzen Tag unterwegs waren.
Irgendwann sagte mir Dona Penha, ihr Sohn Rubens würde für ein paar Tage zu ihnen kommen.
Er wohnte zwar im gleichen Stadtteil, aber seine Wohnung würde gerade renoviert werden.
Rubens war ein typischer Brasilianer, moreno, durchtrainierter Körper und ein Macho .
Schon am ersten Tag fing er an, sich für mich zu interessieren.
Es war schlimm, den ganzen Tag mit diesem Mann im Haus arbeiten zu müssen.
Jedesmal, wenn er an mir "zufällig" vorbei lief, fasste er mich "aus Versehen" an. Und am Wochenende versuchte er immer, mit mir ein Date auszumachen.
Er war 29, ich ca. 16 ½ Jahre alt. Als mir die Fummelei zu lästig wurde und er meine Beschwerden ignoriert hatte, sprach ich seine Mutter an.
Sie guckte nur gelangweilt und antwortete:
"Er ist ein Mann. Was erwartest du von ihm? Ausserdem sieht er gut aus, kannst du dir vorstellen, wie vielen Frauen gerne ein Date mit ihm haben würden?
Du bist a empregada, stell dich also nicht so an! Und pass bloss auf, dass du nicht schwanger wirst!"
Am selbst Abend packte ich meine Sachen und ging zu meiner Mutter zurück."


Zuletzt geändert von supergringo am 26 Sep 2006 17:35, insgesamt 1-mal geändert.

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Hi SG,

eine zur Geschichte deiner Informantin passende Meldung aus der heutigen Tagespresse:

Filho de coronel da PM rouba e é preso em SP

A polícia de São Paulo prendeu hoje o filho de um tenente-coronel da Polícia Militar. O adolescente e mais outros dois jovens assaltaram um homem no bairro do Tatuapé, na zona leste. Os menores roubaram cerca R$ 2,5 mil e tomaram o carro da vítima.
Segundo a rádio CBN, o filho do oficial utilizou a arma do pai para praticar o assalto. Eles foram presos quando perderam o controle do veículo e bateram.

Quelle: terra.com.br



Man sieht sich,
Lemi

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BeitragVerfasst: 16 Dez 2004 20:33 
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Ich hätte da mal ne Zwischenfrage an die Autorin. Die Antwort muss nicht jetzt kommen, sondern kann auch am Schluss beantwortet werden oder wenn es passt:

Wie beurteilst du die Männer Brasiliens? Ordne Sie bitte in drei Gruppen ein und schreib deine Ansicht dazu und sage mir danach, welche Gruppen dir am sympatischten ist und wie häufig sie vertreten ist.

Bitte mache danach das gleiche mit den Frauen Brasiliens. Du kannst, musst dich aber nicht in einen der drei Gruppen einordnen.

Du kannst die Anzahl der Gruppen verringern oder vergrössern aber bitte mindestens zwei und maximal fünf.



Abraços
Careca

"No risc, no fun!
MfG Microsoft"


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BeitragVerfasst: 16 Dez 2004 22:54 
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Super, dass Du wieder schreibst! Wir haben schon alle darauf gewartet!

:)

Thomas


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BeitragVerfasst: 17 Dez 2004 00:08 
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Meine Schlüsselfrage kommt erst ganz zum Schluss ...... bisher ist sie noch völlig offen ....... wie es aussieht, ist die Informantin ziemlich charakterstark und beugt sich keineswegs der scheinbaren Übermacht.

Ich bin gespannt ......... :wink:



Man sieht sich,
Lemi

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BeitragVerfasst: 21 Dez 2004 16:43 
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"So, jetzt steckte ich in der Scheisse, denn es wurde nun sehr schwierig, eine neue Stelle zu bekommen.
Es wurde sogar so schwer, dass ich mich entschloss, wieder in die Schule zu gehen.
So komme ich wenigsten vorwärts, dachte ich. Da ich schon über 15 war, konnte ich an der Abendschule teilnehmen und so eventuell tagsüber arbeiten.
Eine Schulkameradin hat mich gefragt, ob ich nicht jemanden kennen würde, der für eine Lehrerin arbeiten wolle.
Natürlich habe ich mich selbst bei der Lehrerin vorgestellt und den Job auch bekommen.
Weil sie eine Lehrerin war und ihren Beruf ernst nahm, war sie auch einverstanden, dass ich weiter die Schule besuchte.
Sie war ganztags unterwegs, so dass ich den Haushalt ganz alleine führte, und alles so organisierte, wie es für alle am besten war.
Alle waren: neben der Lehrerin selbst, die zwei Söhne und ihr Ehemann.

Carlos war 17, so wie ich, und Sandro war 21.
Die beiden waren sehr nett und ich fühlte mich wirklich wohl in dieser Familie, besonders, weil sie mich auch beim Lernen unterstützen.
Es war alles sehr gut gewesen, bis ich merkte, dass ich mich verliebt hatte. In Sandro."


„Und Sandro war verliebt in mich.
Es war irgendwie komisch ... aber es war auch sehr schön.
Wir haben sehr früh gemerkt, zusammen bleiben zu wollen und dass das nicht einfach werden würde.
Seine Eltern wären natürlich dagegen gewesen, das wussten wir. Deshalb haben wir unsere Romanze verheimlicht.
Sein Bruder hat es aber bemerkt und versucht, mich zu erpressen :-s
Er wollte auch ein bisschen Spass mit mir haben ...“


"Carlos hat mich ständig genervt. Er konnte nicht glauben, dass sein Bruder das mit mir ernst meinte.

Sandro war die ganze Woche in Säo Paulo, und kam nur am Wochenende nach hause.
Carlos hat das natürlich ausgenutzt und ich musste ihn häufig aus meinem Zimmer schicken.
Er fing aber an, richtig unverschämt zu werden. Sobald seine Eltern aus dem Haus waren, drängte er mich jedesmal in die Ecke, und versuchte, mich überall anzufassen.
Meine Drohungen, seinem Bruder alles zu erzählen, nahm er nicht ernst. Er wusste ganz genau, dass wir machtlos waren.

Aber nachdem er ein paar mal sein Glied ( :? ) entblösst hatte und es an mir reiben wollte (in Brasilien sagt man: „tirar um sarro“), habe ich die Familie verlassen.
Ich mochte die Familie eigentlich sehr und wollte keinen Streit zwischen den beiden Brüdern.

Natürlich blieb ich trotzdem mit Sandro zusammen. Ich habe ihm aber nichts von Carlos Schweinereien erzählt. Ich bin dann aber doch noch einmal für 2 Monate zu der Familie zurück, als die Mutter sich operieren lassen musste.

Damals war ich schwanger ... Sandro habe ich davon nichts gesagt. Aber ich wollte nicht, dass wir wegen des Kindes Schwierigkeiten bekommen.

Wir waren zu jung, ich war gerade erst 18 geworden, er nicht ganz 23. Komisch war, dass ausgerechnet das bei uns eine Krise ausgelöst hat. Er hätte es gerne gesehen, wenn ich die Entscheidung mit ihm zusammen getroffen hätte. Er wollte das Kind haben. (Sorry, jetzt muss ich aber mal sagen, dass nicht nur die Frauen unberechenbar sind. Normalweise sind die meisten Männer doch froh, wenn die Frauen reagieren würden, wie ich tat ...)

Na ja ... auf jeden Fall waren wir insgesamt fast 4 Jahre zusammen.

Aber für seine Familie habe ich nicht mehr gearbeitet. Ich habe monatelang nach einer Arbeit gesucht, erfolglos. Mein Aussehen machte grosse Schwierigkeiten, bei den Madames eine Stelle zu bekommen. Und ein anderer Job war nur mit vieeeeeeel Glück zu bekommen, weil ich nur den 1 ° grau hatte."
thomas hat geschrieben:
Mann - können brasilianische Männer Schwein sein.

Schade, dass Du ihm nie gesagt hast, wie sich sein Bruder benommen hat. Ich glaube nicht, dass Du ihm damit einen Gefallen getan hast... aber Du kannst das sicherlich am Besten beurteilen.

Deinen Schilderungen nach musstest Du (brasilianische?) Männer zu diesem Zeitpunk ja für zivilisatorischen Müll angesehen haben.. ?

Thomas

HansWerner hat geschrieben:
Von der Unterstellung mal abgesehen das es Männern lieber ist wenn abgetrieben wird; was ist der 1 ° Grau ? Ist das irgendein Schulabschluss ? Und weiter bzw. allgemeiner: Wie ist das brasilianische Schulsystem aufgebaut bzw. organisiert ? Ebenso interessiert mich das brasilianische Sozialsystem. Welche Versicherungen gibt es ? Welche sind Pflicht ? Welche Führerscheine gibt es in Brasilien ?
Sachen die man normalerweise in keinem Reiseführer erfährt und leider auch zu wenig in diesem Forum. Es wäre interessant solche Dinge aus dem brasilianischen Alltagsleben zu erfahren. Es gibt doch auch noch andere Dinge als Frauen und Sex.
In welche Rubrik würden solche Themen passen ? Auswandern ?

Trem Mineiro hat geschrieben:
Hallo HansWerner
Ich kann deine Meinung, das man in diesem Forum zu wenig über Sachthemen schreibt, nicht teilen (Rüffel,Rüffel) Wir haben jetzt bald 3200 Postings, davon beschäftigen sich bald 1000 mit Alltagsinformationen.
Schau nur in die Unterabteilungen: Tipps für den Alltag und tiefer. Gleiches gilt für Auswandern usw.
Da ist über Dokumente, Banken, Kontoeröffnung, Krankenversicherungen, Verhalten bei Polizeikontrollen. Führerscheine, Visumstypen, Firmengründung, Allgemeine Sicherheitsfragen, Kindergärten, Schulsystem, Soziale Projekte, Anerkennung von Schul- und Uni Abschlüssen, Arbeitsrecht. Justizsystem etc. etc. geschrieben.
Ich habe neben meinem Computer einen Zettel liegen, wo ich beim Stöbern mir immer interessante Postings aufschreibe, mit dem Vorsatz, diese später zu lesen. Ich komme mit dem Lesen kaum nach.
Ich muss allerdings zugeben, dass die Themen nicht immer gut in die vorgegebene Struktur reinpassen und die Poster nicht immer eine glückliche Hand bei der Auswahl haben. Auch ich schreibe oft in einer Rubrik am Thema vorbei und würde den Beitrag im Nachhinein gerne verschieben.
Aber das Forum ist ja noch relativ neu, da wird man ja noch dran arbeiten müssen (wir alle!). :discussion:

HansWerner, bitte nimm dir ein wenig mehr Zeit und stöbere. Du wirst dich wundern, was man hier alles so findet. (Es würde mich ärgern, wenn ich den informativen Teil meine Beiträge umsonst geschrieben hätte) Auf der andern Seite hast du den geschilderten Eindruck gewonnen, an deiner Kritik wird schon was dran sein.

Manfred


das bewerbungsgespräch

"Einmal war ich auf eine Zeitungsanzeige hin zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen.

Es war im Zentrum von Rio, Avenida Presidente Vargas.

Der Typ brauchte jemanden, der ihm seine Kunden-Kartei organisierte, Telefonate entgegen nahm, Anrufer registrierte und weiterleitete. Es war damals so ein Art Anrufbeantworter. Es gab in Rio in dieser Zeit Leute, die damit Geld verdienten.

Die meisten Kunden hatten kein eigenes Telefon oder sie waren in vielen Fällen verheiratet. Andere wollten den grossen Firmenboss spielen um einfacher an die Mädels ranzukommen.

Also, der Typ war schwarz, gross und eigentlich sehr nett. Er stammte aus Bahia, wohnte aber schon lang in Rio (er hat der ganz Zeit zu mir „minha irmä“ gesagt, was ich lustig fand).

Erst erklärte er mir, was ich zu machen hatte. Dann erzählte er ein paar Geschichten von seinen Kunden. Irgendwann kam ein Mädchen ins Wohnzimmer (Ja, Wohnbüros, gibt es viele in Rio). Elizeth, war ungefähr so alt wie ich. Er stellte uns vor und sagt, Elizeth wäre meine „Vorgängerin“ falls ich den Job annehmen würde.

Sie wollte jetzt aufhören, weil sie einen seiner Kunden kennen gelernt hatte. Der wollte, dass sie zu ihm zieht. Sie hat „unseren“ Chef sehr gelobt, er hätte ein sehr grosses Herz und sie hätte sehr gerne für ihn gearbeitet. Falls die Geschichte mit den Kunde nicht klappen sollte, würde sie jeder Zeit wieder mit ihm zusammen arbeiten wollen. Dann ging sie und er schloss die Tür.

Da fing er plötzlich an, über Gott zu reden. Einen langen Monolog über Gott und seine Liebe für uns. Und auch darüber, was Gott sich von uns wünschen würde. Dass wir alle zusammen halten und lieb zu einander sein sollen. Elizeth war sehr lieb zu ihm, deshalb habe er ihr auch geholfen.

Er wäre sich sicher, dass ich ein intelligentes und sehr liebes Mädchen war. Und dass wir uns blendend verstehen wurden.

Er gestand auch, fasziniert über meine Oberweite zu sein. Ich solle ihm das jetzt nicht übel nehmen, aber er müsse jetzt onanieren.

Und das tat er. Mitten im Wohnzimmer ... Ich wusste nicht, was ich machen sollte und schaute ihm zu."


sg hakt nach: komm, menina, erzähl die ganze wahrheit ... die möpse hast Du doch mindestens entblösst für ihn, né ... O:)


" :roll:

Ob du es glaubst oder nicht: ich habe ihm wirklich nur zugeschaut und die ganze Zeit gehofft, dass er damit zufrieden ist und mich sonst in Ruhe lässt.
Ich sass aber da mit einem bestimmt "Oscar"-reifen Gesicht und tat so, als ob mir das jeden Tag passieren würde O:) .

Ich habe ihn nicht einmal aufgefordert, aufzuhören - ich hatte schon schlimmeres erlebt - und war froh, das "intakt" zu überleben. Alternativ hätte ich natürlich aus dem Fenster der 15° Etage springen können ...

Er bat mich noch, meinen Busen zu entblössen, er wolle sie nur "anschauen", das tat ich auch. Es hat nicht weh getan, er hat mich nicht angefasst und ich ging sogar erst nach dem Versprechen, wieder zurück zu kommen. Allerdings ging ich direkt zur Polizei.

Ich erzählte alles, der Sargento - ich kann mich sogar heute noch an seinen Namen erinnern - fragte mich, ob ich allein dort war oder ob ich Zeugen hätte. Ohne Zeugen wäre es schwierig, was gegen den Typen zu unternehmen. Ich solle doch froh sein, dass mir nichts passiert sei, der Typ wollte sich nur „entspannen“ und etwas Spass haben.

An diesem Tag habe ich mich entschlossen:

1 - nie mehr allein weg zu gehen
2 - Brasilien verlassen zu wollen"


finale

„Wie ich schon mal erwähnt habe, habe ich auch mal als „ambulante“ in Zentrum von Rio gearbeitet. Das habe ich dann erneut gemacht, bis ich eine bessere Angebot bekommen habe.
Und so bin ich zurück in mein bairro und habe als Kassiererin in einer grösseren und damals sehr angesagten Bäckerei gearbeitet.
Es war ein angenehmer Job. Meine Schwägerin hatte die Arbeit für mich arrangiert. Sie war dort selbst angestellt und hatte mitbekommen, dass ein Arbeitsplatz frei wurde. Sie war (und ist) eine hübsche Frau und hat mich gleich vor unserem Chef gewarnt (übrigens, SG, sie ist momentan solo ... hihihihi).

Seu Joäo war das grösste Arschloch, das ich je kennen gelernt habe (anmerkung sg: das muss schon was heissen). Er war ein ca. 60 Jahre alter Lüstling.
Pfui, war der widerlich ... er hat versucht, jede Mitarbeiterin ins Bett zu kriegen.
Meine Schwägerin hat er gehasst, weil sie ihn öfters zum Teufel geschickt hatte.
Bei mir war das nicht anders, obwohl er immer behauptet hatte, dass ich ihm zu dünn wäre.“


„Zum Glück waren unsere beiden anderen Chefs in Ordnung.
Aber seu Joäo hat uns das Leben wirklich schwer gemacht. Francisca hat es nicht mehr lange durchgehalten und gekündigt.
So war ich dann mit diesem miesen Kerl alleine.
Weil ich mit den Kunden gut zurecht kam, hat er meine Arbeit sehr geschätzt, aber er konnte nicht akzeptieren, dass ich ihn abwies und nicht mit ihm schlafen (besser: bums** wollte) ... (er belohnte die Mädels immer recht grosszügig ...).

Ständig hat er Blitz-Kontrollen in meiner Kasse gemacht.
Er wollte mich „erwischen“, er konnte mein Art nicht leiden. Aber einfach kündigen konnte er mir auch nicht. Antônio, der andere Chef, wäre dagegen gewesen.

Eines Abend wurde die Bäckerei überfallen.“


„Ich spürte die Pistole hinter meinem Ohr. Und eine Stimme sagte, ich solle das Geld hergeben.
Die Stimme kannte ich. Und der Bandit war selbst überrascht, mich an die Kasse zu treffen.
Es war ein ehemaliger Nachbar.“
Lemi hat geschrieben:
Oi,

das ist aber nicht gerade ein Vorteil, wenn man den Gangster kennt. Folge ist dann meist "queima de arquivo" ........ ich meine Zeugenvernichtung, die bei einer eventuellen Gegenüberstellung den Täter identifizieren können.

Nun - wie wir anhand des Threads wissen, ging es unser zwischenzeitlich zur Kassiererin mutierten Domestica nicht so.

Gott sei Dank !

glück gehabt, genau, mein lieber lemi ... und es wurde sogar noch ein super happy end ...

Er nannte meinen Name und sagte, dass ich ruhig bleiben solle. Sie seien nur am Geld interessiert (es waren ungefahr 5 Jungs dabei).
Sie schlossen die Kundschaft in einen Raum, suchten nach dem Tresor und sagten, ich solle nicht von der Stelle weichen, sonst würde ich das bereuen.
Nach ca. 15 min. verschwanden sie wieder und ich traute mich wieder hervor.
Ich öffnete die Tür, um die anderen heraus zu lassen.
Antônio nahm mich beiseite und fragte nach dem Verlust. Er blickte mir tief in die Augen und wollte wissen, ob alles gestohlen wurde. Ich verneinte.
Er sagte: behalte es! Die Versicherung zahlt alles.

Fragt mich bitte nicht, wie ich das geschafft hatte ... es war eine von diesen Sekunden im Leben, in denen man nicht überlegt, sondern einfach handelt.
Und auf einmal war das Geld im Mülleimer der neben meinen Füssen stand.
Ein Wunder, dass Quinho (der Bandit) das nicht bemerkt hat. Wahrscheinlich hat er nicht so gut aufgepasst, weil er dachte, ich würde nicht versuchen, ihn übers Ohr zu hauen.
Hätte ich normalerweise auch nicht.
Auf jeden fall, von den 23.000 novos cruzados (damaliges Währung), blieben 15.000 bei mir.
Antônio hat nicht mal nach dem genauen Betrag gefragt.

Hihihihihi ... ein schlechtes Gewissen habe ich bis heute nicht. Es war keine Absicht und die Erlaubnis des Chef habe ich auch gehabt ...“


Zuletzt geändert von supergringo am 26 Sep 2006 17:44, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 26 Jan 2005 18:09 
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Die Wartezeit zwischen den einzelnen interessanten Geschichten ist eh oft schon so lange :( .
Und jetzt sollen wir auch noch deinen Urlaub abwarten :?:
Könnte ja sein dass du aus nicht vorstellbaren Gründen deinen Urlaub verlängerst :boobs: :mrgreen: :pimpdaddy:
Also ich würde mich ja eventuell als vertrauenswürdige Aushilfe zur verfügung stellen :thankyou: falls Deine Informantin mich akzeptiert.
Damit die Wartezeit nicht so lange ist:

Grüße
Maro


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 Betreff des Beitrags: A estória deva continuar!
BeitragVerfasst: 03 Mär 2005 23:10 
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So, SG, jetzt biste ja wieder zurück.

Wie geht denn nu die Geschichte weiter? Die Schonzeit ist vorbei. Ich persönlich würde ja die Fortsetzung der "Fortsetzung folgt..."-Geschichte lesen. Ein Anrecht habe ich darauf eifreilich freilich nicht. Klaar.
Aber ich hoffe, dass du den neusten Input aus deiner Quelle erhälst ....



Abraços
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belinda.


Zuletzt geändert von belinda am 07 Sep 2007 08:27, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 10 Mär 2005 00:43 
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