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Tipps und Fragen von Auswanderungswilligen und Leuten, die es schon in Brasilien geschafft haben / Wirtschaftliche Unabhängigkeit

Beitragvon Seebaer » Do 14. Sep 2006, 17:49

Severino hat geschrieben:
Sind wir doch ehrlich, hier in Europa und auch in der "reichen" Schweiz geht es eher bergab, bzw. um unseren verwöhnten Lebensstandard zu halten müssen wir mehr und härter arbeiten.


Sorry, aber wenn ich so einen Sch... hier immer lese.
Sicherlich gibt es in Europa aufgrund der zunehmenden Globalisierung und der Konsequenzen fuer die Arbeitsmaerkte einige Aenderungen, bei denen sich die meisten Deutschen ja traditionell schwer tun, aber zu Behaupten in Europa geht es bergab und Brasilien ist das Land der Zukunft..... :bprust:

Es scheint ja hier jede Menge "Brasilien Blondinen" zu geben.
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Beitragvon Severino » Do 14. Sep 2006, 18:04

Oi Seebär,
ich bezog das auf meine Situation. Seit über drei Jahren bin ich nämlich in Scheidung. Arbeite mich dumm und dämlich, damit meine zukünftige Ex-Frau bis mittags im Bett liegen kann. Ich hab so keine Zukunft mehr. Und ich bin sicher, dass ich mit der Hälfte der Anstrengungen in Brasilien ein für mich besseres Leben habe. Ich habe keine Lust mehr mit 80 Stunden Arbeit pro Woche hier am Existenzminimum rumzukrebsen. Das kann ich auch in Brasilien. Ich habe nämlich auch keine Lust nach meiner Scheidung das gesparte Unterhaltsgeld trotzdem noch zu verdienen. Und ehrlich: Die Möglichkeiten in der Schweiz sinken immer weiter. Seit jeder Europäer (alte EU) in die Schweiz kommen darf um hier zu arbeiten passiert folgendes: Die Löhne sinken, die Mieten steigen, die Lebenshaltungskosten steigen. Wird das Gesetz erstmal auf die neuen EU-Staaten ausgedehnt, dann wird das beschleunigt weitergehen. Die europäischen Arbeitnehmer kommen hierher, wohnen und arbeiten für zwei/drei Jahre in einfachsten Unterkünften (aktuelles Beispiel 4 deutsche Bauarbeiter in einer zwei Zimmerwohnung) und können sich mit dem so ersparten Geld danach etwas leisten. Aber der, der hier unter normalen Bedingungen leben und arbeiten will, vielleicht mit Familie, dem bleibt eben nix zum Sparen. Das meinte ich. Sorry, wen das blond geklungen hat. Aber auch die Statistikzeigt ein deutliches Bild. Die meisten "Fremdarbeiter" sind Portugiesen und Deutsche. Die Zahl der Auswanderer ist auf einem neuen Rekord.
paz e amor
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Beitragvon Seebaer » Do 14. Sep 2006, 18:49

Moin Severino,

es ging nicht gegen Dich persoenlich, hoffe es ist nicht falsch ruebergekommen, sondern gegen die oft hier allgemein vertretene Meinung. Oft habe ich das Gefuehl, viele machen den Schritt ueber den Ozean, sind sich ihrer Sache in Wirklichkeit nicht sicher. Und versuchen es damit zu rechtfertigen, in Deutschland oder Europa gehe es stets bergab.
Habe schon oft Touristen getroffen, die nach ganzen 2 Wochen im Gastland nur noch uebers Auswandern gefaselt haben, ohne je hinter die Fassaden geschaut zu haben.
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Beitragvon morammarom » Do 14. Sep 2006, 19:13

Habe schon oft Touristen getroffen, die nach ganzen 2 Wochen im Gastland nur noch uebers Auswandern gefaselt haben, ohne je hinter die Fassaden geschaut zu haben.


...na dann rate Ihnen doch, sich hier im Forum zu informieren -
nimmt den Kulturschock glatt vorweg. :wink:
...ich bin wirklich gespannt....auf die Vorderseiten, nach all den Hintergründen!
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Beitragvon Severino » Do 14. Sep 2006, 19:16

Oi Seebaer,
Nein, fühle mich nicht persönlich angegriffen und ja, da hast Du recht, es gibt wirklich viele "Taugenichtse", die nur über die Heimat lästern und weg wollen. Aber ich bin sicher, wer es in der Heimat nicht schafft, der hat im Ausland schon gar keine Chance......und speziell in Brasilien nicht.
Ferien und an einem Ort leben und arbeiten sind zwei paar Schuhe. Insbesondere in Brasilien ist das ein Unterschied wie Tag und Nacht. Das sind dann genau die Brasilien-Blondinen, die das nicht verstehen.
Dazu kommt eben auch noch, dass es für die Einheimischen in Europa in Zukunft ganz sicher härter wird. Kann ja auch nicht ewig mit 35 Stunden-Woche weitergehen, wenn sie z.B. in Brasilien schon 45 Stunden arbeiten müssen um noch nicht Mal über die Runden zu kommen. Das wird sich eben angleichen. Siehe z.B Spanien. Es wird sich auf einem europäischen Durchschnitt einpegeln. Und da sind Deutschland, Frankreich und die Schweiz die grössten "Verlierer"....
Das beste Vergleichsmittel ist der Preis für einen Hamburger bei McDonalds.....und der fällt in der Schweiz von Jahr zu Jahr. Die Zeit, die man dafür arbeiten muss steigt aber gleichzeitig. (Obwohl es immer noch lächerlich ist, wie lange man hier dafür arbeiten muss im Vergleich zu dort)
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Beitragvon Takeo » Do 14. Sep 2006, 19:35

Severino hat geschrieben:Seit über drei Jahren bin ich nämlich in Scheidung. Arbeite mich dumm und dämlich, damit meine zukünftige Ex-Frau bis mittags im Bett liegen kann. Ich hab so keine Zukunft mehr. Und ich bin sicher, dass ich mit der Hälfte der Anstrengungen in Brasilien ein für mich besseres Leben habe.


Aber Du weisst doch auch (hoffentlich), dass Du mit der gleichen Tätigkeit in Brasilien nur ein Bruchteil von dem verdienst, was Du in der Schweiz verdienen würdest, oder? Und soviel ich weiss musst Du auch in Brasilien für Deine Ex-Ehefrau weiterzahlen... und wenn Du Dich in Brasilien scheiden lässt, wird direkt so ca. 40% von Deinem Salair abgezwackt... es sei denn Du tauchst unter, aber dann kannst Du keine CPF, keine Bankkonto, keine Kredite, Keine Ratenkäufe, Keine besitztümer auf Deinen Namen, etc...

Und das gilt für Alle Anderen:

In Brasilien verdient man relativ viel weniger als in Europa. Mit der gleichen Tätigkeit - wo Ihr Euch in Europa noach Brasilienurlaube leisten könnt, von Brasilien könnt Ihr Euch keine Europaurlaube mehr leisten, nur so als Beispiel. Wenn man sein brasilianisches Gehalt (was hier ja sogar sehr gut sein kann) umrechnen würde, wird es einem teilweise schlecht...
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in Deutschland geschafft? in Brasil geloost?

Beitragvon Sauerkraut » Fr 15. Sep 2006, 00:39

Ich lebe seit 11 Jahren in Brasilien.
Ich koennte einiges schreiben, aber es bringt nicht viel.
Weil es gibt keine Gebrauchsanweisung wie und wo es in Brasilien funktionieren kann.
Auf jeden Fall bekommt man beim durchlesen der Beitraege schnell mit das es verdammt schwer ist in Brasilien Geld zu machen.


Mit Saetzen wie : "Aber ich bin sicher, wer es in der Heimat nicht schafft, der hat im Ausland schon gar keine Chance......und speziell in Brasilien nicht."
kann ich nichts anfangen. Sind damit Penner gemeint oder wie ich annehme schlecht verdienende Arbeiter und Angestellte?

Wann hat man es denn in Deutschland geschafft? Als leitender kaufmaennischer Angestellter, 4000 Euro im Monat, Maerklineisenbahn im Keller, ein Rollmops (Ehefrau) zur Seite..............

Oder der Pizzabaecker (kenne ich) aus Sizilien der kaum lesen und schreiben konnte, in den 70er Jahren nach Deutschland kam und heute mehrere Restaurants hat und muito viel Geld verdient und hat?

So ein Thema erinnert mich immer an Geschichten; USA - vom Tellerwaescher zum Millionaer.

Im Heimatland ist eine gute Ausbildung ein muss um nicht zu den Verlierern zu gehoeren. Das ist in Brasilien nicht anders.
Aber wenn der gut ausgebildete deutsche Auswanderer z.B. Steuerberater nach Brasilien auswandert ist er dort nicht Steuerberater.
Er ist nichts. Der deutsche Baecker oder Metzger kann in Brasilien auch Brot backen oder Worscht mache.
Also das in Deutschland toll sein ist relativ.

Nur Mut, stuerzt euch ins Unglueck.
Ich bin schon eine Zeitlang hier und es geht mittlerweile. Ein grosses Auto und die jaehrlich Reise zum Erdnussflips und Gummibaerchen holen ist im Moment auch drin. Aber es war ein harter Weg.
Mit viel Geld wuerde ich hier abhauen. Nicht weil es hier soooo schlecht ist, sondern weil es nicht soooo der Hit ist.
Immer in Deutschland leben moechte ich aber auch nicht mehr. Die guten Zeiten fuer einen nicht so toll ausgebildeten Menschen sind dort auch vorbei.
Also bleibe mer wo mers Geld verdiene. In der dritten Welt.
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Beitragvon dumpfbacke » Fr 15. Sep 2006, 00:43

Interessant, wie kommt man denn in die brasilianische Mittelschicht, z.B.? Ich meine nicht als Deutscher, sonder als Brasilianer.
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Beitragvon Takeo » Fr 15. Sep 2006, 01:51

Tu doch nich so...

genau so wie in Deutschland auch: Planung, sich etwas zusammenreissen, in die Zukunft denken, das Geld anlegen und nicht verplempern, Verantwortung und Kompromiss haben... dann kommt man auch als Brasilianer in die Mittelschicht... warum denn auch nicht, es gibt Millionen von Beispielen!

Wie man in die Unterschicht kommt kann ich Dir auch varraten: null Kompromiss, null Verantwortung, Probleme auf die Anderen schieben, Morgen Morgen nur nich Heute, nicht an die Zukunft denken, jedes Geld sofort zu verprassen, jeden Job sofort aufgeben wenn's mal etwas schwierig wird, den Weg des geringsten Widerstandes wählen... und das Lieblingsargument anwenden: Chancenlosigkeit...


Sauerkraut schreibt:

"Mit viel Geld würde ich hier abhauen. Nicht weil es hier soooo schlecht ist, sondern weil es nicht soooo der Hit ist."

Das gefällt mir irgendwie, warum? Weil es Brasilien mit seiner Sonne, Sand und Samba auf das Wesentliche reduziert: brasilianischer Alltag ist eben auch nur Alltag, und die Regeln des Lebens funktionieren hier auch nicht anders als anderswo!
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Beitragvon morammarom » Fr 15. Sep 2006, 01:54

na, dann ist ja alles gut :wink:
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