Eure positive Erfahrung als Ihr ausgewandert seid

Tipps und Fragen von Auswanderungswilligen und Leuten, die es schon in Brasilien geschafft haben / Wirtschaftliche Unabhängigkeit

Beitragvon Sauerkraut » Fr 15. Sep 2006, 16:57

Severino hat geschrieben:Oi Sauerkraut,
Danke für die Zahlen. Endlich mal einer der Tacheles redet. Genauso habe ich es auch im Sinn.....Wohne zur Not auch im quintal, wenn ich das Geld von der Miete fürs Haus zum Leben brauche.....
Ich sehe ja auch immer mit wie wenig die Brasis durchkommen (müssen). Also: Schaffe, schaffe Häusle in Brasilien bauen. Wenns für drei/vier Häusle reicht, kannste von den Mieteinnahmen Deine Lebenskosten bestreiten. Noch ein paar Geschäfte nebenbei und Du kaufst nochmal ein Lote auf Abzahlung. Bis das abgezahlt ist kannst dort ja Geflügel züchten oder Rinder weiden....
Danach baust Du noch ein Häuschen und kannst dann endlich aus der Garage ausziehen....
Endlich ist leben wieder wichtiger als arbeiten... :lol:



Hallo Severino,

ist wahrscheinlich nicht alles woertlich gemeint was Du da schreibst aber hier ein Rat!

Wenn Du Dein Geld mit vermieten verdienen willst, dann vermiete keine Haeuser.
Du hast kein Zutritt mehr auf das Grundstueck und ins Haus sowieso nicht.
Das laedt geradezu zum nicht zahlen ein.

Kann sehr schwierig, teurer und lange dauern bis Du jemand aus dem Haus geklagt hast. Wenn noetig.

Wohnungen sind besser. In ein Gebaeude kommst du immer rein.
Am besten du wohnst obendrauf.
Alle Hauptstrom-u. Wasserleitungen sollten durch einen abschliessbaren Raum oder die Wohnung des Besitzers oder Verwalters fuehren.
Ist natuerlich verboten den Mietern den Saft abzudrehen.
Aber hier ist Brasil. Ist eben ein defekt und kein Geld da um zu beheben.
Ohne Wasser und Strom bleibt keiner lange.
War bei uns auch noch nie noetig.
Ich vermiete schon 10 Jahre. Wohne allerdings im Gebaeude. Ich muss sagen, bis heute so gut wie keine Probleme.
Wenn uns einer nicht gefaellt, dann wird gesagt; wir brauchen die Wohnung fuer den Bruder oder so.....
Bis heute sind auch alle ruckzuck raus. Es bleibt mal eine Stromrechnung liegen. Aber das ist auch alles.
Der Trick:(wir) Besitzer wohnt im Haus und Suedbrasilien.

Nordbrasilien tickt anders. Ich wollte keine Wohnungen in Afrika oder Nordbrasilien vermieten.
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Sprachkurs Portugiesisch (Brasilianisch)

Beitragvon Takeo » Fr 15. Sep 2006, 17:05

Severino hat geschrieben:Der brasilianische Alltag, den ja die Touristen gar nicht kennen, ist eben im Vergleich zum deutschen Alltag schon sehr hart.
Dazu kommt, dass ein Brasilianer eigentlich in seine Schicht hineingeboren wird. Der Europäer hat da von seiten der Ausbildung ganz andere Möglichkeiten.


Also... in Ahnlehnung von Sauerkrauts "sooo cool ist's hier auch nicht kann ich auch nur sgaen: sooo hart ist der brasilianische Alltag jetzt auch wieder nicht... zumindest nicht viel härter als in Deutschland (... bitte kommt mir jetzt bitte nich mit irgendwelchen Favelatypen oder so.)

Und ausserdem: schon zweimal gelesen ("Super Interessante" und "Forbes"): in Brasilien funktioniert der "soziale Aufzug" besser als in Europa oder den USA - wenn der Einzelne sich zusammenreisst (ja okay... ich weiss schon...) hat er mehr Möglichkeiten einen sozialen Aufstieg zu erleben (keiner sagt wie weit...) als in Europa, was sich demagogisch nicht auswirkt, weil die Unterschicht äusserst fertil ist...
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Re: GELD

Beitragvon Takeo » Fr 15. Sep 2006, 17:13

Gunni hat geschrieben:Der Vergleich hinkt natürlich - denn der Brasilianer ist mit einer "Fusca" zufrieden, kann die ganze Woche von Reis mit Bohnen leben, braucht kein Gästezimmer und Blick auf's Meer von seinem Haus und will auch nicht 3 mal im Jahr einen 2 Wochen Auslandsurlaub machen oder mit Designerklamotten durch die Gegend laufen und immer den neuesten Flachbildschirm im Wohnzimmer haben.


Ohhh, der Vergleich hinkt ganz schön, warum?

1.) Der "Brasilianer" geht oft lieber zu Fuss als sich in einen Fusca zu setzten...
2.) Er kann tatsächlich die ganze Woche mit Reis und Bohnen überleben...
3.) Braucht Tatsächlich kein Gästezimmer: das ist nicht Teil des bras. Horizonts... schon okay!
4.) Meerblick und Urlaub ist hier tatsächlich völlig anders definiert...
5.) Designerklamotten sind ein MUSS - besonders in der Unterschicht!!!
6.) Laut Elektronikindustrie wurden die meisten Flachbildschirme gerade in die Unterschicht verkauft...
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Beitragvon Brummelbärchen » Fr 15. Sep 2006, 19:59

Severino hat geschrieben:Ein Arbeitersohn kann durchaus Arzt werden. Sowas geht in Brasilien nicht. Der Sohn wird so mit 14 wohl mithelfen müssen den Lebensunterhalt zu verdienen. Es ist kein Geld da für eine "gute" Ausbildung.

Der Vater meiner Freundin kommt aus einer einfachen Familie vom Land. Er war nur auf öffentlichen Schulen, hat gebüffelt wie ein Besessener, einen Studienplatz gekriegt, vor- und während dem Studium geschuftet um es zu finanzieren... und er hat seinen Traum realisiert, er ist Arzt.

Talent und eiserner Wille haben ihn dorthin gebracht. Wenn ich nur 10% davon habe mache ich mir um meine Zukunft in BR auf jeden Fall keine Sorgen.

BB
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Beitragvon robertwolfgangschuster » Mo 18. Sep 2006, 18:03

Der Vater meiner Freundin kommt aus einer einfachen Familie vom Land. Er war nur auf öffentlichen Schulen, hat gebüffelt wie ein Besessener, einen Studienplatz gekriegt, vor- und während dem Studium geschuftet um es zu finanzieren... und er hat seinen Traum realisiert, er ist Arzt.

Talent und eiserner Wille haben ihn dorthin gebracht. Wenn ich nur 10% davon habe mache ich mir um meine Zukunft in BR auf jeden Fall keine Sorgen.

Vollkommen richtig, in Brasilien sind die Aufstiegmöglichkeiten grösser als in Europa aber arbeiten muss man hier und dort. Der Unterschied ist dass in Brasilien niemand dazu verpflichtet wird und das trennt natürlich die Spreu vom Weizen.
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Beitragvon dietmar » Mi 20. Sep 2006, 03:37

Jetzt habe ich alles gelesen und glatt den Thread vergessen ... achja ... positives über Brasilien ....

Humbug .... oder genau wie in Deutschland ... es gibt positives wie negatives ... und je nach Einstellung überwiegt das eine oder das andere ...

Takeo hat es schon richtig gesagt: Der Alltag in Brasilien ist eben Alltag. Wenn man Arbeiten muss, dann in Deutschland wie in Brasilien ... vielleicht mit anders gearteten Problemen, aber eben auch mit Problemen. Gibt sich im Endeffekt nichts.

Ich weiss, es will keiner hören, aber es ist nun einmal so: Ich lebe gern hier!

Wenn man mich fragt, fallen mir immer tausend Dinge dazu ein, aber in Wirklichkeit weiss ich es gar nicht. Mit gings mal beschissen (alte Leser erinnern sich sicherlich an meine Postings) --- inzwischen geht es mir besser und ich plane inzwischen sogar einen Hauskauf ... (vielleicht sogar das, in dem Sauerkraut schon gepennt hat) ... und die alltäglichen Sorgen schiebe ich beiseite wie ich es in Deutschland (und viele andere bestimmt auch) schon gemacht habe!

Ich habe aufgehört Vergleiche anzustellen. Ich will auch nicht leben wie in Deutschland weil ich eben nicht in Deutschland bin. Ich will aber auch nicht wie ein Brasilianer leben, weil ich eben keiner bin. Ich versuche mein eigenes Leben zu gestalten, mit allen Hürden und Hindernissen. Manchmal mache ich die Faust in der Tasche und stehe einfach eine miese Situation durch, manchmal bin ich der Lebemann.

Ich behaupte von mir, dass ich eigentlich nie einen Kulturschock hatte. Vielleicht liegt es daran, dass ich mit 3.500 Dollar (glaube ich zumindest) damals 2001 ausgewandert bin. Und dass ich bis auf meine depressiven Forumsphasen eigentlich immer ziemlich optimistisch bin. Gerade gestern habe ich erfahren, dass ein anderer Deutscher nach einem Jahr Brasilien wieder nach Deutschland zurückkehrt. Ich weiss warum und ich kann ihn verstehen. Es hat keinerlei üblen Beigeschmack. Ich könnte es nicht und würde es wirklich nur unter Zwang machen.

Viele Gründe halten mich in Südamerika und es ist schwer, dies in Worte zu fassen. Ich habe für zwei Länder hier die Aufenthaltserlaubnis, könnte sogar frech noch wählen, wem ich den Vorzug gebe. Trotzdem habe ich kaum Geld in der Tasche. Und trotzdem fühle ich mich wohl.

Was ist das, was mich hier festhält? Was fasziniert mich so? Frauen sind es mit Sicherheit nicht, ich habe die EINE und die würde mir folgen wohin ich gehe. Ist es dieses ominöse Lebensgefühl? Der Geruch der Möglichkeiten? Der Geschmack der Enge entkommen zu sein?

Vielleicht ist es aber auch ganz profan und ich denke mir innerlich, zurück nach Deutschland zu gehen heisst versagt zu haben. Ich weiss es wirklich nicht genau.

Hier im äussersten Südwesten fällt man als Europäer nicht auf. 95% der Menschen hier sind deutscher oder italienischer Abstammung. Die Freundlichkeit der Nachbarn hat mich zuerst verunsichert, da ich nach mehreren Jahren Paraguay doch einen Schutzmechanismus aufgebaut hatte. Dort war ich zwischen den Indios doch halt immer der geldspuckende Gringo. Ich könnte mir vorstellen, dass dies im Nordosten hier auch der Fall ist.

Doch hier ist es etwas anders. Ich hatte nix und habe nix und zudem hatte ich die gleichen Probleme wie alle Nachbarn. Und so fiel die Integration leicht. Wir regen uns gemeinsam über die Stromrechnung oder den Bürgermeister auf. Wir gehen gemeinsam auf die Stadtfeste und legen beim Churrasco zusammen. Wir tauschen Limonen gegen Guiaba und Orangen gegen Maracuja. Unsere Nachbarin leiht uns ihr Inhaliergerät für unsere Tochter und ich kämpfe beim Uralt-PC des Nachbarn stundenlang mit WIN95 rum. Es geht alles seinen Gang. Ruhig und beschaulich.

Vielleicht mag ich meine neue Heimat deshalb so gerne. Vielleicht sehe ich deshalb auch nicht die Gefahren. Vielleicht will ich sie auch gar nicht sehen. Vielleicht ist dies verantwortungslos.

Vielleicht habe ich hier im Kampf ums Überleben die Ruhe gefunden, die ich brauche, um die Schlacht, inmitten der ich stehe, zu gewinnen.

P.S.: An einen besonderen Freund: Anfang nächsten Jahres falle ich bei dir ein wenn du an der Kasse sitzt. Und halte ich dir keine Knarre unter die Nase sondern eiskaltes Skol. Halte solange durch. Jemand anderen verliere ich schon am 12.10. ....

P.P.S.: Shit, wurde das lang ... einfach runterscrollen, ihr habt nichts verpasst ...
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Beitragvon palmito » Mi 20. Sep 2006, 10:18

@ Brasilblog:

hast du mega schön geschrieben.

Ich mag die Leute, die einfach mal was riskieren, in ihrem Leben, um
etwas zu verändern. :wink:

Ich wünsche dir, dass du weiterhin gerne in Brasilien bist,
und deine Träume dir erfüllen kannst.

Gruss
Palmito
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Beitragvon Jacare » Mi 20. Sep 2006, 14:23

Wenn man sich durch den Thread liest, stellt man immer nur wieder fest das Brasilien sich nicht personifizieren bzw. pauschalisieren läßt. Jeder tickt eben anders und das ist auch gut so. Was dem einen eine Freud, ist dem anderen ein Greul, was beim anderen wunderbar funktioniert geht beim anderen in die Hose. Vielleicht muß der Eine ja erst nach BR gehen um zu realisieren, daß er D eigentlich doch mag . Wer kann es fassen ?
Das ganze Leben ist eine Erfahrung und wir haben alle nur eins. Es gilt eben das Beste daraus zu machen. Das Beispiel Brasilblog zeigt sehr gut, daß jeder seinen eigenen Weg in BR gehen und seinen eigenen Platz im brasilianischen Alltag finden muß. :wink:
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Beitragvon amarelina » Mi 20. Sep 2006, 15:07

bom dia brasilbloq,
hast mir direkt aus dem herz gesprochen. es geht mir aehnlich.
was mir hier in den 15 jahren brasilien schon alles passiert ist, geht auf keine kuhhaut und trotzdem, jedesmal wenn ich in der schweiz bin, will ich so schnell als moeglich wieder abhauen, zurueck nach brasilien... es ist dieses gewisse unbeschreibliche etwas, diese sehnsucht und ueberhaupt finde ich, ist man da zu hause wo man gerade ist...

schoens taegli

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"Wenn man sich mit einem langweiligen, unglücklichen Leben abfindet, weil man auf seine Mutter, seinen Vater, seinen Priester, irgendeinen Burschen im Fernsehen oder irgendeinen anderen Kerl gehört hat, der einem vorschreibt, wie man leben soll, dann hat man es verdient."
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ja!

Beitragvon niko » So 22. Okt 2006, 20:22

... ich lebe nach vielen jahren in brasilien nun endlich mal wieder in deutschland.

ja glaubt es oder nicht, mir gefällt es auch sehr, wieder in deutschland zu sein, ja echt!!!

deutschland hat gegenüber brasil auch sehr sehr viele vorteile,
ihr wisst alle wovon die rede ist!

manchmal denke ich, brasilien ist nämlich auch ein echtes !&@*$#!,
ja das ist es...
avanca brasil, fome zero , exporta brasil ,
toda crianca na escola, pais do futuro ,
é hexa ...
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