Filmtipp: O ano em que meus pais saíram de férias

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Filmtipp: O ano em que meus pais saíram de férias

Beitragvon Brummelbärchen » Di 7. Nov 2006, 13:44

Letzten Freitag Abend habe ich auf dem Heimweg spontan zwei Kinotickets gekauft und mir dann mit meiner Freundin O ano em que meus pais saíram de férias angeschaut; ein brasilianischer Film, der diese Woche hier in den Kinos angelaufen ist.

Er handelt von einem Jungen in den siebziger Jahren, dessen Eltern als Linke vor der Militärdiktatur zu flüchten versuchen und ihren Sohn beim Grossvater deponieren. Da diesen am selben Tag das Zeitliche segnet, kümmert sich - eher widerwillig - ein alter, jüdischer Nachbar des Grossvaters um den gestrandeten Jungen.

Während der Junge mit der brasilianischen Fussballmannschaft (Mexiko 1970!) mitfiebert und ind São Paulo auf die Rückkehr seiner Eltern wartet, realisiert er langsam, dass diese nicht in die Ferien gefahren sind.

Die sich langsam entwickelnde Freundschaft zwischen dem Jungen und dem alten Juden erinnert teilweise an Central do Brasil, und auch schauspielerisch sind die beiden auf dem gleichen Niveau wie Fernanda Montenegra und Vinicius de Oliveira. Die Mischung von Komik und Traurigkeit und das (Familien-) Leben unter der Bedrohung der Militärdiktatur hat man zwar auch schon in Filmen wie Sur gesehen, ist hier aber sehr brasilianisch umgesetzt.

Eine der besten Szenen - und in der tieferen Bedeutung vielleicht auch eine Schlüsselszene - spielt vor dem Fussballmatch Brasilien - Tschechoslowakei. Die vor dem Fernseher versammelten linken Künstler und Freunde applaudieren artig als die Tschechoslowakei den Führungstreffer schiesst und versuchen dies als Sieg des Kommunismus über die Dikatur zu feiern. Als dann aber Brasilien den Ausgleich erzielt, siegt der Patriotismus über jeder politische Korrektheit und die Begeisterung kennt keine Grenzen mehr.
Erst recht für den Rest der Bevölkerung stand auch damals Fussball absolut im Zentrum, die politische Situtation wurde allenfalls von einer intellektuellen Elite in den Grossstädten als problematisch wahrgenommen.

Sehr schön fand ich am Film auch die liebevoll-klischeehafte Schilderung des jüdischen Milieus von São Paulo. Es handelt sich hier zweifelslos um einen der stärksten brasilianischen Filme seit 'Central do Brasil', und ich hoffe dass er auch in der Schweiz zu sehen sein wird. Vielleicht noch eine Warnung an alle, die so wie ich nahe am Wasser gebaut sind: Nehmt genügend Taschentücher ins Kino mit...

BB'
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