Filmtipp 'Tropa de Elite'

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Re: Filmtipp 'Tropa de Elite'

Beitragvon Surfista » Do 1. Nov 2007, 13:22

Habe den Film gestern mit meiner Frau im Kino gesehen und war doch recht sprachlos.
Blieb nach dem Film noch bestimmt 5 Minuten sitzen um diesen zu verdauen !
Abgesehen davon, daß der Film für mich nur zu ca. 70 Prozent verständlich war, hat meine Frau mir die nicht verständlichen Szenen nachberichtet, somit habe ich den Film also mehr oder weniger komplett verstanden - ganz harter tobac und eine ganz unerfreuliche Erkenntnis.
BRASILIEN IST EIN VERLORENES LAND - die wenigen HELDEN, die sich nicht korumpieren lassen werden Brasilien nicht retten können. Problem ist wirklich die enge Verflechtung schon nahezu der ganzen Politik mit dem organisiertem Verbrechen, dazu die nahezu bei jedem vorhandene Bereitschaft möglichst viel " abzuzocken " - Ehrgefühl und Ehrlichkeit kennen die wenigsten, die sogenannte Elite der Gesellschaft sowieso nicht.
Warum soll dann der einfache PM oder Beamte nicht auch versuchen die Hand aufzuhalten, macht doch eh jeder und die oberen 10000 sind dabei am raffiniertesten.
Nein, Brasilien hat viele positive Attribute , sicherlich - aber im Bereich der inneren Sicherheit ist das Land auf die Dauer verloren und ich gehe noch weiter und sage aufgrund dessen auch der Staat Brasilien - wobei das absolut für die meisten südamerikansichen Länder gilt.
Die Brutalität die in der Gesellschaft hier fest verwurzelt ist, läßt sich auf kein europäisches Land projizieren ( evtl. Bereiche des Balkans - aber auch nur im Kriegsfall ), ist für normale Mitteleuropäer total unverständlich und schwer vorstellbar.
Die BOPE hat jedenfalls seit gestern 2 Fans mehr, meine Frau und ich sind der Meinung, auch wenn es hart klingt, hart ist und viele in Europa anderer Meinung sein werden - den trafficantes ist hier in Brasilien nur so zu begegnen, nicht anders - keine Chance.
Keiner soll anfangen zu reden von wegen Brutalität sei nicht mit gleichen Mitteln zu bekämpfen. FALSCH - nur so ist den traficantes in dem Kampf in den favelas Paroli zu bieten - Gespräche ,pp. sind nicht möglich - soll mir jetzt keiner daherkommen und von Deeskalation und dergleichen erzählen - alles passè , davon wird hier keiner überleben.
Die Grundprobleme liegen in der korrupten Gesellschaft an sich und an der Mittel - und Oberklasse die die Drogen konsumieren wollen und damit die Existenz der trafficantes erhalten.

Zum Film nochmal : wirklich erstklassige Schauspieler die die ganze Thematik beängstigend realistisch " rüberbringen ", selbst wer kein Portugiesisch versteht soll mal nur den Film auf sich wirken lassen..........
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Re: Filmtipp 'Tropa de Elite'

Beitragvon Severino » Do 1. Nov 2007, 14:46

Gebe surfista Recht. Sehe das (fast) genauso. Nur eines gilt es noch zu beachten. Der Film handelt von Rio. Sicherlich sind die meisten grossen Städte in der Beziehung bereits ähnlich. Allerdings gibt es (noch) idyllische Plätzchen in Brasilien. Das darf man nicht vergessen. Und es gibt auch noch genügend arme Leute, die lieber für wenig Geld arbeiten gehen und nicht nur andere berauben und bescheissen wollen.
Allerdings ist die wachsende Kriminalität auch in der Schweiz ein Thema. Insbesondere bei den Jugendlichen.
Deshalb wünsche ich mir sogar hier manchmal sowas wie BOPE. Das ganze Pack, das auf Steuerzahlers Kosten resozialisiert wird und danach dann doch wieder nichts taugt, wäre mit der Plastiktüte überm Kopf besser dran. Auch für die Altreifenentsorgung werden ja interessante Möglichkeiten gezeigt....
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Re: Filmtipp 'Tropa de Elite'

Beitragvon bruzundanga » Do 1. Nov 2007, 15:23

Man sollte natürlich nicht vergessen, dass ein hartes durchgreifen in der Gegenwart nicht unbedingt im Widerspruch steht mit Massnahmen für die Zukunft.

Jedes technische Probelm löst der Mensch äusserst findig. Sobald aber soziale Probleme auftauchen, ist seit Jahrtausenden anscheinend kein Fortschritt gemacht worden.

Früher hat man Schädlinge mit DDT bekämpft, heute gibt es bessere Möglichkeiten.

Auch bei Tatsachen sollte man über ihre Entstehung nachdenken und somit vielleicht Denkanstösse für die Zukunft ermöglichen.

Ist leider etwas unbequem.

Diese Unbequemlichkeit müssen leider die "afortunados" der Gesellschaft in Kauf nehmen, sonst hilft früher oder später auch keine Bope mehr.

Wider dem Scheuklappendenken und ohne Armutsromantik

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Re: Filmtipp 'Tropa de Elite'

Beitragvon mikelo » Do 1. Nov 2007, 15:35

habe mir den film auf dem pc angeschaut.
irgendwie ist er ein übles machwerk, ein , brutaler und archaischer action-streifen, der jedes, aber auch wirklich jedes machistische Klischee abgreift und völlig ohne ironie darbietet. ironie und komik entsteht da eher unfreiwillig.

tropa de elite ist aber trotzdem ein film, über den man reden muss.
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Re: Filmtipp 'Tropa de Elite'

Beitragvon Severino » Do 1. Nov 2007, 15:53

bruzundanga hat geschrieben:Man sollte natürlich nicht vergessen, dass ein hartes durchgreifen in der Gegenwart nicht unbedingt im Widerspruch steht mit Massnahmen für die Zukunft.

Jedes technische Probelm löst der Mensch äusserst findig. Sobald aber soziale Probleme auftauchen, ist seit Jahrtausenden anscheinend kein Fortschritt gemacht worden.

Früher hat man Schädlinge mit DDT bekämpft, heute gibt es bessere Möglichkeiten.

Auch bei Tatsachen sollte man über ihre Entstehung nachdenken und somit vielleicht Denkanstösse für die Zukunft ermöglichen.

Ist leider etwas unbequem.

Diese Unbequemlichkeit müssen leider die "afortunados" der Gesellschaft in Kauf nehmen, sonst hilft früher oder später auch keine Bope mehr.

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=D> Super Antwort.
Nur leider denkt ja in Brasilien niemand wirklich an die Zukunft und daher befürchte ich, dass es früher oder später zu einem Bürgerkrieg und gleichzeitigem Militärputsch kommen wird.

Und die Tatsachen in Brasilien (bzw. z.B. in den Favelas von Rio) sind ja für Europäer absolut unverständlich. Ich bin mir sicher eine deutsche Polizeieinheit wäre innerhalb einer Woche tot.

Das soziale Problem in Brasilien lässt sich recht einfach benennen: Extreme soziale Ungerechtigkeit, fehlender Mittelstand, Korruption, untaugliches Bildungssystem und vor allem keine Zivilcourage. Man hofft auf Gott.

Das ist wohl der einzige Grund, warum bisher der Bürgerkrieg noch nicht los ging. Letztens waren die brasilianischen Politiker in der Presse, bzw. deren Löhne. Es sind so ziemlich die teuersten der Welt. Der Durchschnittslohn hingegen liegt bei 1.200 R$. Das ist schon für eine dreiköpfige Familie viel zu wenig. Und trotzdem lebt man damit.

Die wenigsten Brasilianer sind wegen Armut kriminell. Es geht um Macht und Gier. Das hat auch "Cidade de Deus" schon gezeigt. "Tropa de Elite" zeigt eigentlich nur den Krieg zwischen der Polizei und den Kriminellen. Und er zeigt auch, wie beide Gruppen nach Macht und Gier streben. Genauso wie die Politiker, Grossgrundbesitzer, usw.

mikelo hat geschrieben:...irgendwie ist er ein übles machwerk, ein , brutaler und archaischer action-streifen, der jedes, aber auch wirklich jedes machistische Klischee abgreift und völlig ohne ironie darbietet. ironie und komik entsteht da eher unfreiwillig.


"Übles Machwerk" finde ich nicht. Der Film zeigt die Realität in den Favelas von Rio de Janeiro. Deswegen wollte ja auch die Policía Militar den Film verbieten lassen. Übrigens ist Bope ja nur eine Sondereinheit der Militärpolizei....
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Re: Filmtipp 'Tropa de Elite'

Beitragvon amarelina » Do 1. Nov 2007, 16:01

als mein mann und ich damals den film "cidade de deus" im kino sahen, sind wir in der pause gegangen. er meinte, er müsse sowas nicht noch im kino sehen, das kenne er aus seinem viertel zur genüge.
ich denke mit dem film "tropa de elite" würde es mir genau so ergehen...
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Re: Filmtipp 'Tropa de Elite'

Beitragvon mikelo » Do 1. Nov 2007, 16:06

amarelina hat geschrieben:er meinte, er müsse sowas nicht noch im kino sehen, das kenne er aus seinem viertel zur genüge.

amarelina


sag ich doch: uebles machwerk. interessant fuer alle, die das aus einer gewissen distanz(europa, etc.) sehen.
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Re: Filmtipp 'Tropa de Elite'

Beitragvon Severino » Do 1. Nov 2007, 16:21

Ach so meinst Du übles Machwerk! Dass ein Film Übles über Brasilien berichtet. Ich hatte zunächst verstanden der Film selbst sein ein "verlogenes Machwerk".....
Meine Frau war jedenfalls von der Brutalität erstaunt, jedoch nicht darüber, dass es korupte Polizisten gibt. Bei uns im cerrado ist es eben zum Glück (noch) nicht soweit, wie im Film....
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Re: Filmtipp 'Tropa de Elite'

Beitragvon mikelo » Do 1. Nov 2007, 16:33

Severino hat geschrieben:Ach so meinst Du übles Machwerk!

jupp
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Re: Filmtipp 'Tropa de Elite'

Beitragvon Nasobem » Do 1. Nov 2007, 17:35

Also ich bin da etwas vorsichtiger. Zum ein glaube ich, dass es gerade umgekehrt auf längere Sicht dem Ansehen der Polizei in der allgemeinen Bevölkerung und damit letzten Endes auch dem Staat mehr schadet, wenn Folter und Hinrichtungen als probates Mittel – selbst im Kampf gegen die Drogenkartelle – Verbreitung finden, und zum anderem ändert dies nichts an der Problematik der Korruption.
Generell sind mir Menschen, die sich für etwas besseres halten zuwider. Und so wie ich das aus dem inneren der PM mitbekomme, ist das gerade bei den Jungen „Soldados“ häufig der Fall, die wollen am liebsten genauso sein, trainieren, agieren, wie die „Helden“ von BOPE. Und nur weil es nicht im Film so dargestellt ist, wage ich mal zu bezweifeln, dass POBE oder andere Eliteeinheiten wirklich frei von jeglicher Korruption sind.

Dabei bin ich eigentlich auch der Meinung, dass gerade ein Land wie Brasilien eine starke und effiziente Polizeigewalt benötigt, die auch hart durchgreifen kann. Und ich finde es gefährlich, wenn das Ansehen der PM in der Bevölkerung durch die Korruption immer weiter verloren geht. Aber wenn eklatant Menschenrechte missachtet werden, oder einer Der-Zweck-Heiligt-Die-Mittel-Mentalität zum Opfer fallen, verliert die Staatsgewalt für mich ihre Legitimation. Dann wegzuschauen oder zu klatschen zeigt doch wieder genau die Einstellung, die man als Europäer den Brasilianer gerne als Vorurteil vorhält: wenn es denn nur nach meiner Nase läuft, ist mir JEDES Mittel recht.
Und wie gesagt, der Kampf gegen die Windmühlen der Korruption ist ein anderer. Dagegen haben, wie es auch im Film dargestellt wird, aufrichtige Polizisten so gut wie keine Handhabe.

Und zu behaupten, dass alle anderen Versuche an den Problemen etwas zu verändern nichts bringen, ist nach meiner Ansicht auch zu eng gedacht. Wenn am Ende x erschossene Körper von Kriminellen dort liegen (+ Kollateralschaden), ist das Ergebnis natürlich für jeden offensichtlich, denn die vielen kleinen Projekte, Bemühungen, Hilfen, etc. hinterlassen natürlich kein offensichtliches Ergebnis. Aber ich glaube nicht, dass sie deswegen nichts bringen.

Und weiter unten an der Wurzel stehen für mich eben auch die riesigen sozialen Unterschiede. Und diese Schere geht immer weiter auseinander. Aber unser Finanzsystem ist Menschengemacht und kann auch von Menschen geändert werden. So, und bevor es zu sehr nach Allerweltsheilsbeschwörung klingt, gebe ich mir eine Pause.
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