|
Hallo Gemeinde,
hatte vor längerem in einem anderen Thread versprochen, einen "Flugbericht" zu posten, der die aufgetretenen Reisemängel schildert. Habe jetzt meinen Bericht (bzw. gleichzeitig Brief an die TAP) fertig. Seht mir bitte nach, wenn's etwas lang geworden ist, aber die Anzahl aufgefundener Unzulänglichkeiten war nicht zu unterschätzen.
Bin gespannt auf die Antwort, die ich gerne hier einstellen werde.
Fotos kann ich noch nachreichen. Vorsicht beim TAP-Flug, kann man nur sagen!
VG rave_66
Unser Flug:
29.04.07: TP 571 und TP 165
27.05.07 (28.05.07): TP 168 und TP 588
Miles-and-more-member xxxx xxxx xxxx (Gold Status)
Sehr geehrte Damen und Herren,
nach Rückkehr aus Brasilien möchte ich Ihnen nun meine Erlebnisse mit TAP schildern. Ich habe extra einige Zeit verstreichen lassen, so dass dieser Brief nicht ganz so emotionsgeladen ist, wie er direkt nach Ankunft hier gewesen wäre.
Um die Reise optimal vorzubereiten, hatte ich am 14.03.2007 bei der TAP-Reservierung angerufen, um für unseren Sohn ein Kleinkindbett im Flugzeug zu reservieren. Die entsprechenden Sitzplätze in dieser Sitzreihe hatte ich ebenfalls reserviert.
Auf dem Flug FRA-LIS am 29.04.2007 mit TP 571 gab es keine Probleme; wir hatten ordentliche Plätze und die Reise verlief ohne besondere Vorkommnisse.
Anders war es auf dem Flug TP 165 am 29.04.2007 von LIS nach FOR. Man vergab uns die Plätze 29A und 29B, das ist die letzte Reihe hinten links. Hier befindet sich kaum die Möglichkeit der Sitzverstellung. Waren dies die speziell reservierten Plätze für Reisende mit Kleinkindern? Was war mit der Kinderwiege? Die Stewardessen waren bemüht, das Problem zu lösen, allerdings darauf angewiesen, dass andere Passagiere die Plätze tauschen. Dies gelang erst nach über 45 Minuten. Dann erhielten wir auch die Kinderwiege und hatten einen erträglichen Platz für den Flug. Ich habe Verständnis dafür, dass das Bordpersonal nicht für die organisatorischen Unzulänglichkeiten der Platzvergabe verantwortlich ist. Ich habe aber kein Verständnis dafür, dass es diese Unzulänglichkeiten gibt.
Daraus gelernt, dass die Reservierung nicht ordentlich hinterlegt wurde, suchten wir am 14.05.2007 (also ca. 14 Tage vor dem Rückflug) das örtliche TAP-Büro in Fortaleza (Aldeota) auf, um die Reservierung für die Rückreise vorzunehmen. Dabei sagte uns die freundliche Mitarbeiterin, dass lediglich eine Reservierung auf meinen Name vorläge – von einer Reservierung für meine Frau: Keine Spur. Man nahm die erforderlichen Eingaben im System vor. Leider habe ich verabsäumt, mir dies schriftlich bestätigen zu lassen.
Der Rückflug:
Ein paar Tage vor dem Rückflug wollten wir den Flug rückbestätigen. Hierzu gibt es eine 0800er Telefonnummer. Dort ist eine Ansage, dass man eine 0300er Nummer anrufen solle, wo man erfährt, dass TAP-Flüge nicht rückbestätigt werden müssen. Ziemlich verwirrend: Wofür die 2 Telefonnummern? Warum nicht gleich eine richtige Ansage bei der 0800er Nummer? Beim nächsten Flug wissen wir nun, dass diese Telefonnummern völlig unnötig sind.
Am Abflugtag haben wir noch einen TAP-Operator angerufen, um zu erfragen, ob der Flug pünktlich wäre. Dies wurde bestätigt. Der Anruf erfolgte zu einem Zeitpunkt, zu dem die Maschine bereits in LIS gestartet sein müsste. Außerdem gab es an den Tagen vorher zahlreiche Verspätungen bzw. auch Flugausfall, so dass wir bereits vorgewarnt waren. Transportes Atrasados Portugueses war mir bereits von vergangenen Reisen ein Begriff.
Der geplante Abflug der TP 168 am 27.05.2007 war 19.55 Uhr. Wir waren rechtzeitig am Flughafen. Hier erhielten wir folgende Informationen:
1. Der Abflug verzögert sich auf 03:00 Uhr des Folgetages
2. Im System lag wieder nur eine Reservierung vor; nur auf meinen Namen. (Trotz Klärung vor 14 Tagen?!) Für was kümmere ich mich überhaupt, wenn doch nichts passiert?! Für was vergeude ich meine Urlaubszeit, um nicht reparable organisatorische Mängel einer Fluggesellschaft in Angriff zu nehmen?
3. Die Umbuchung des Weiterfluges LIS-FRA war problematisch auf Grund der Buchungsklasse unserer Tickets (wessen Problem ist denn das?)
Die ganze Prozedur des Gepäckeincheckens, Ausstellen der Bordkarten und Erteilung der Informationen dauerte dann 45 Minuten (!). Etwas viel Zeit, finde ich, bei über 200 Passagieren an Bord. Aber es war ja egal, wir haben ja genügend Verspätung, um uns noch Zeit zu lassen. Die Ankunft des Flugzeugs aus LIS war für 23.45 Uhr angekündigt. Was hatte uns der freundliche TAP-Operator am Telefon für Geschichten erzählt von wegen pünktlich? Ob diese Fehl-Information grob fahrlässig oder vorsätzlich erteilt wurde, lässt sich schwer beurteilen.
Die ersten Boardingpässe für die Strecke LIS-FRA waren falsch ausgestellt. Hier waren unterschiedliche Sitzreihen –aber wenigstens am gleichen Flugtag im gleichen Flieger-angegeben. Dies wurde auf Grund meiner Reklamation korrigiert.
Für den Flug FOR-LIS erhielten wir Plätze in der Economy, erste Reihe-Mittelplätze. Das sind die netten Plätzchen zwischen den beiden Toiletten. Zudem wurde uns mitgeteilt, dass diese Maschine keine Vorrichtung für ein Kinderbett besitze. Dementsprechend waren wir für den Rückflug gut motiviert. Mit kurzen Worten: Die Erholung von 4 Wochen war schon zu gut wie dahin. Ich hatte mittlerweile gelernt, dass bei TAP-Flügen die Erholung wirklich erst beginnt, wenn man wohlbehalten am Bestimmungsort gelandet ist; gleichzeitig endet jede Erholungsphase mit jedem Schritt, den man sich dem TAP-Eincheck-Terminal am Abflughafen nähert.
Dann gab es noch ein Angebot, die Zeit bis zum Abflug in einem Hotel zu verbringen:
4/5-Sterne Hotel Oasis am Praia de Iracema. Das Angebot nahmen wir an und erhielten einen Taxi-Voucher. Am Hotel angekommen, erhielten wir an der Rezeption den Schlüssel für Zimmer 283 (4-Sterne-Trakt). Dort trafen wir folgende Zustände an:
1 lebende Kakerlake, 1 textilfressendes Insekt Nähe Schrank, Wasserflecken an der Decke, Duschkopf schmutzig, Bad-Tür defekt (schneidendes sich lösendes Metallstück), Klimaanlageneinlass: cm-dicke Staubschicht (sieht aus wie ein Graufuchs-Pelz!)
Zudem gab es die Möglichkeit, an dem lauwarmen Hotelbuffet zu essen, ein Kaltgetränk inclusive. Das Anrecht auf ein Freigetränk bei 7 Stunden Verspätung erachte ich mehr als dürftig. Hier hatten wir eine deutlich andere Erwartungshaltung an ein 4*/5*-Hotel!
Gegen Mitternacht wurden wir über den bevorstehenden Bus-Rücktransport informiert. Hier gab es im Bus extrem lange Wartezeit vor dem Hotel (über 40Minuten). Zudem war wohl die Klimaanlage des Busses defekt: Es gab nur affig-heiss oder arg-kalt. Dies führte zu unterschiedlichen Beschwerden unterschiedlicher Reisender. Das ganze bei laufendem Motor, versteht sich.
Hier der Bericht über den anstrengenden Rückflug:
FOR-LIS:
Die Sitzplätze lagen zwischen den beiden Toilettenkabinen; an einen ruhigen Flug oder gar zu Schlafen war nicht zu denken. Die linke Toilettentür war defekt. Die Tür stand oftmals während des Fluges offen, ob mit oder ohne Personen drinnen. Ich habe ca. 20-Mal die Tür selbst verriegeln müssen um nicht einer ständigen Geruchs- oder Sichtbelästigung zu erliegen.
In der kompletten Sitzreihe war die Nutzung der Kopfhörer nicht möglich.
An dem Sitz Nr. 7C fehlte überhaupt die komplette Verstellmöglichkeit des Audio-Systems.
Die Sitzlehne lag nur lose auf und ist während des Flugs mehrfach heruntergefallen.
Der angekündigte Film konnte nicht gezeigt werden, da das System und/oder die Kassette defekt waren. Hier spielte man ersatzweise eine Fado-Kassette; da war ich noch froh, dass mein Audio-System nicht funktionierte.
An eine geregelte Verpflegungseinnahme war nicht zu denken mit einem Baby auf dem Arm.
Ich habe zu Gunsten meiner Frau auf die kompletten Mahlzeiten verzichtet. Der Getränkeservice kam nur einmal zur Mahlzeit und dann noch mal mit Kaffee/Tee. Dies ist mehr als dürftig.
LIS-FRA:
Unsere Sitzplätze 14A und 14B waren bereits vergeben. Wir wurden ans Heck des Flugzeugs gebeten, bis sich die Situation geklärt hat. Dort stand die Tür auf und es zog ein eiskalter Wind herein. Dies dauerte ca. 25 Minuten. Ideal, wenn man dort mit einem Baby im Sturm steht. Letztendlich arrangierte man die Plätze 6A/6B für uns. Wunschgetränke waren zum Teil schon kurz nach Abflug nicht mehr erhältlich.
Flughafen Frankfurt:
Von den 5 Gepäckstücken fehlte eines. Dies wurde am nächsten Tag an unsere Adresse geliefert.
Eigentlich sollten wir in Frankfurt am Flughafen von meinem Bruder abgeholt werden.
Mein Bruder war auch zum vereinbarten Zeitpunkt am Flughafen – nur leider wir nicht. Es bestand nicht die Möglichkeit, ihn zu benachrichtigen. Von FOR aus wären es in Deutschland die frühesten Morgenstunden gewesen. In LIS war dazu auf Grund der kurzen Umsteigzeit keine Zeit. De facto waren wir nicht nur ca. 8 Stunden später zu Hause, sondern mussten uns auch noch ein Taxi nehmen.
Fazit:
Von einer europäische Airline und Star-Alliance-Partner hätte ich eindeutig mehr erwartet. Ist dies der Service, den der Flugpreis rechtfertigt? Ich sehe jedenfalls deutliche organisatorische Unzulänglichkeiten. Der Zustand und die Art der Unterbringung in dem beschriebenen Hotel ist doch stark verbesserungswürdig. Das hat eher den Charakter einer Absteige. Einen kompletten Urlaub möchte ich dort jedenfalls nicht verbringen. Auch der Zustand des Fluggeräts ist nicht zum Besten bestellt. Die nun etwas in die Jahre gekommenen Airbus-Maschinen gehören entweder generalüberholt oder am besten verschrottet. Ich hoffe, dass wenigstens die sicherheitsrelevanten Teile am Flugzeug entsprechend gewartet werden. (Wobei 2 Tage vor unserem Abflug ein Triebwerk in FOR in Brand geriet).
Was können wir als Fluggäste tun, um künftig solche Risiken zu vermeiden? Ich bin eigentlich ein recht verständnisvoller Mensch, muss mich aber auch dafür entschuldigen, dass es auf 3 Flügen etwas laut wurde; die Mitreisenden haben das mitbekommen und damit es jeder versteht: auch zweisprachig (deutsch und portugiesisch). Dieser Brief soll dazu dienen, Sie über die Zustände und Unzulänglichkeiten zu informieren. Ich bin jedenfalls gespannt auf Ihre Reaktion.
Ich habe von der Rückreise (insbesondere vom Zustand des Flugzeugs und des Hotels) einige Fotos in digitaler Form. Diese möchte ich Ihnen gerne mailen. An welche Adresse soll ich mich wenden?
Steht im Januar noch das Korn, so isses im Herbst vergesse worn.
|