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So, und nun mal einige konkrete Informationen:
Die üblichen Kontakte sind DAAD von deutscher Seite und CAPES von brasilianischer Seite. Für Interessierte ist die Konsultation dieser Institutionen ein absolutes Muß. Darüber hinaus gibt es noch die Forschungsförderungsinstitutionen jedes Bundesstaates wie z.B. FAPESP für São Paulo oder FAPEMIG für Minas Gerais.
Für Studenten wird es normalerweise recht schwierig sein, ein Stipendium vom DAAD für ein oder zwei Semester an einer brasilianischen Universität zu bekommen, es sei denn, es handelt sich um ein Promotionsvorhaben. Dennoch bin ich der Meinung, daß es sich aus folgenden Gründen für diejenigen, die Brasilien mögen, lohnt ggf. auf eigene Kosten ein oder zwei Semester an einer brasil. Universität zu studieren:
- Man verbessert seine Portugiesischkenntnisse
- Man lernt Brasilien nicht nur aus der Touristenperspektive kennen, sondern bewegt sich auch in der brasilianischen Studentenszene
- Man lernt ein anderes Hochschulsystem kennen, orientiert an dem der USA (zunächst keine Kommentare von mir zu diesemThema)
- Die brasilianischen, staatlichen Universitäten sind nicht schlecht und wer Brasilien mit all seinen ökonomischen und sozialen Problemen als Tourist kennt, wird möglicherweise positiv überrascht sein über das Niveau der staatlichen Universitäten Brasiliens. Während man im alltäglichen Leben mit Englisch eigentlich nicht wirklich weiter kommt, ist das z.B. an einer staatl. Universität kein Problem.
- Es ist durchaus möglich, daß man an einer brasilianischen Universität in bestimmten Fachrichtungen und in speziellen Fällen mehr lernen kann, als an einer deutschen Universität, vor allem wenn man an Forschungsprojekten interessiert ist. Ich denke da z.B. an Tropenkrankheiten, Biologie, Veterinärmedizin … (alle übrigen Fachgebiete mögen mir meine Inkompetenz bitte verzeihen, aber ich bin mir sicher, daß die o.g. nicht die einzigen sind, in denen es sich lohnt eine brasilianische Universität zu besuchen).
- Wer Brasilien kennen lernen möchte, oder es schon kennt und ein Jahr dort verbringen möchte, lebt dort als Student billiger als in Deutschland und kann ggf. sogar noch Qualifikationen (Scheine) erwerben, die von seiner deutschen Universität anerkannt werden. Unabhängig davon erweitert man noch seine Lebenserfahrung, indem man ein Jahr in einem anderen Land gelebt hat.
So, und jetzt zu den Kosten:
Ein brasilianisches Stipendium (CAPES) für einen Magisterstudenten, um das sich ausländische Studenten allerdings nicht bewerben können, beträgt 850,- R$/Monat und für einen Doktoranden 1.250,- R$/Monat. Ich bin der Meinung, daß 850,- R$/Monat, also ca. 250,-Euro/Monat, nicht viel ist und mir ist es ehrlich gesagt ein Rätsel, wie die Studenten damit auskommen. Aber es scheint möglich zu sein.
Ich mache jetzt einmal folgende Modellrechnung (Anfang 2005 in Belo Horizonte):
Miete in einer WG mit 3-4 Personen: 250 R$
Brasil. Krankenversicherung (falls notwenig): 50 R$
Transport: 100 R$
Ernährung und Hygiene: 300 R$
Restbetrag zur freien Verfügung: 150 R$
Wahrscheinlich kommt man in Deutschland mit 250,- Euro/Monat nicht aus als Student. Wer also ab 300,- Euro pro Monat zur Verfügung hat, kann meiner Meinung nach das Abenteuer, ein Jahr an einer staatl. brasilianischen Universität zu studieren, eingehen. Unter relativ günstigen Bedingungen kann man als Student/in also ein Jahr in Brasilien verbringen, die akademischen Argumente sind durchaus überzeugend (insbesondere, wenn die Eltern als Sponsoren auftreten …) und die Reisemöglichkeiten sowie andere Freizeitgestaltungsmöglichkeiten sind sensationell. Leider hatte ich das in meiner Studentenzeit noch nicht wahrgenommen.
Da ich an der UFMG (Universidade Federal de Minas Gerais in Belo Horizonte) arbeite, könnte ich Kontakte zu verschiedenen Fachbereichen meiner Uni herstellen. Die besten Kontakte habe ich zu folgenden Fachrichtungen:
Sportwissenschaften, speziell Biomechanik (Educação Física)
Veterinärmedizin (Veterinária)
Ingeneurwissenschaften (Engenharia)
Physik (Física)
Biologie (Ciências Biológicas)
Sprachwissenschaften (Letras)
An der UFMG halten sich die Formalitäten in Grenzen. Man benötigt zwei Empfehlungsschreiben, eine Abschrift der bisherigen Studienleistungen, einen Brief mit der Begründung, weshalb der Kandidat an der UFMG studieren möchte sowie die Ausfüllung eines Formulars.
Der (Die) Bewerber/in muß sich dann noch an das zuständige brasil. Konsulat in Deutschland wenden, um ein Studentenvisum zu erhalten. Und damit kann man sich 6 oder 12 Monate in Brasilien aufhalten und beliebig oft ein- und ausreisen. Was will ein deutscher Student, der Brasilien mag, mehr ???
Ich habe auch Kontakte zu mehreren anderen brasilianischen Universitäten und könnte evtl. weitere Kontakte vermitteln. SWK, unser Seitenwandkletterer, ist übrigens auch ein kompetenter Ansprechpartner aus dem Forum und ich bin mir sicher, er wird hier weitere wertvolle Beiträge posten.
Gruß
H-J
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