PoisonYvi hat geschrieben:
Das mit den Bettlern an der Beira Mar ist schon wieder schlimmer geworden.
Es werden aber nun immer mehr Kinder und alte Menschen.
Was ich auch schlimm finde, besonders am Praia do futuro sind die Camelos. Dort in Ruhe ein Buch zu lesen ist fast unmöglich geworden, weil die Camelos inzwischen nicht mehr einfach nur weitergehen, sondern penetrant neben dir auf den gehobenen Daumen und das gemurmelte "belezaaa!" warten. Ansonsten können die da laaaange rumstehen und schreien, klopfen oder läuten.

Das betteln ist wohl in Brasilien nicht wegzudenken. Das gibt es schon lange und wird es auch noch lange geben. Dass es schlimmer geworden ist an der Beira Mar.......... weiss es nicht. Meiner Meinung nach ist es immer etwa dasselbe. (Seit 15 Jahren)
Zu den Camelôs an der Praia do Futuro habe ich auch ein gespanntes Verhältnis. Man gewöhnt sich aber daran (oder auch nicht) und ist aber froh, dass sie hier nur Ware verkaufen wollen um zu leben. (Ueberleben besser gesagt). Mir ist es alleweil lieber "gestört" zu werden am Strand, als bei der Hin- oder Rückfahrt dahin überfallen zu werden.
Wer Fortaleza kennt, weiss dass die ersten paar Kilometer vom Strand weg alles ok ist. Dann
beginnen allerdings die Probleme. Armut, schlechte (oder gar keine) Ausbildung. Viel Landflucht wegen der Trockenheit im Hinterland...... Zustände die man sich nicht vorstellen kann. Ueberall nur Armut und H U N G E R.(Ich schätze das noch niemand von den Lesern hier H U N G E R gehabt hat). Die kommen dann in die Grosstadt und von dem
Regen in die Traufe. Fazit : Die Favelas werden immer grösser, die Kriminalität steigt.
Der Nordosten wird nicht umsonst das "Armenhaus" von Brasilien genannt. Viele "überleben"
nur dank der "Bolsa-Escola", es gibt im Interior Fälle dass an dem Ort 50% des Gesamteinkommens der Bevölkerung von diesen Hilfsprogrammen des Gouverno kommt.
Das kann sich ein Europäer nicht vorstellen, dass man Stunden in einer Schlange vor einer Casa Lotérica an der prallen Sonne verharrt, um 30 - 90 Reais zu erhalten.
Desshalb muss man auch nicht fragen, wieso unser Präsident Lula hier so viele Stimmen bei seiner Wiederwahl im Nordosten bekommen hat.
Es gibt aber auch hier Widerstand gegen solche Programme mit dem Hinweis : "Es genügt nicht Fische zu verteilen. Es müsste eigentlich gezeigt werden, wie man fischt !!"
Das da natürlich die prostitution "blüht" ist einer der Nebeneffekte, leider. Die Mädchen möchten doch ein besseres Leben als ihre Verwandten. Ob sie DAS mit Vergnügen tun, ist eine andere Frage.Für sie ist ein "Gringo" (ich hasse dieses Wort) ein Milionär !!!!! Dann werfen sie sich einem solchen an den Hals, gehen nach Europa und kommen nochmal auf die
Welt. Der Kerl, der hier jede Menge Zeit gehabt hat für sie (Praia,Shopping,Restaurant) muss
jeden morgen in den "Stollen". Wenn sie Glück hat ist der Mann der sie mitgenommen hat (oder kommen liess) nicht Beziehungsgestört. Was aber fehlt ist das Umfeld für das Girl mit
Freundinen und Familie.Dazu kommt noch eine andere Kultur und das Klima. Dann hockt sie also alleine zu Hause wenn der Herr arbeiten geht, muss eine Sprache lernen (sie kennt ja meistens kaum die eigene, geschweige Gramatik) mit dem Druck sich einzuleben. In den meisten Fällen geht es aber nicht gut. Die sind froh wenn sie wieder nach Brasilien zurückkommen können um hier wieder dem selben Beruf nachzugehen.
Das mein bescheidener Beitrag zu dem Thema.Ich weiss dass ich ein bisschen vom Thema abgekommen bin, bitte aber um Nachsicht.
abraço
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