Fragen der Fragen: Welcher Cachaca?

Allgemeine Fragen & Tipps über alles, was dem Gringo in Brasilien passieren kann

Fragen der Fragen: Welcher Cachaca?

Beitragvon Parbo » Fr 18. Okt 2013, 12:58

Liebe Brasilienfreunde,

Ich möchte per Post einen Cachaca (für Caipi) in die Schweiz bestellen (mehr erlaubt der Zoll ja nicht). Keinesfalls möchte ich die bei uns handelsüblichen 51, Ypioca oder Pitu kaufen, die mögen okay sein, aber seit ich andere Cachacas erleben durfte, reissen mich die nicht mehr vom Hocker. Das "wuuuuuooowahnsinn"-Gefühl stellt sich nicht ein, wie bei anderen Cachacas. Grundsätzlich muss ich hier zugeben, dass ich keine Ahnung von Cachacas habe und einfach mal rumprobiert habe.

Ich brachte mal einen DONA BEJA und einen CARVALHEIRA mit. Der Dona Beja war die absolute Wucht. Was für ein Caipi! Bei meiner zweiten Reise habe ich keinen Dona Beja gefunden und nicht viel überlegt. Ich kaufte für viel Geld einen MAGNIFICA RESERVA SOLEIRA, der mir aber einen zu starken Eigengeschmack hat und sich daher für meinen Geschmack nicht so sehr mit den Limetten/ Zucker verträgt. Ich vermute, den trinkt man pur. Dazu kaufte ich noch zwei Flaschen in Ouro Preto, die aus lokalen Brennerein stammten und nicht so einschlugen. Das dritte Mal ging ich "auf Nummer sicher" und kaufte einen SELETA und einen BOAZINHA. Der Seleta ist für meinen Geschmack sehr gut für Caipis geeignet, schmeckt grossartig, dürfte noch etwas kräftiger sein. Den Boazinha fand ich kräftig schmeckend, wenn man es schafft, ihn optimal mit den Limetten und dem Zucker zu mischen, ist er der absolute Wahnsinn. Wenn es nicht gelingt, kann er aber auch nicht so munden. Ich mag da ja auch ein etwas schwieriger Caipi-Trinker sein, aber wer mal einen richtig guten Caipi getrunken hat, ist nicht mehr so schnell zufrieden. Ich frage mich nun, ob jemand von euch einen Geheimtipp hat. Ich suche einen Cachaca, der einen etwas kräftigeren Geschmack hat, als der Seleta, gleichzeitig aber einen nicht so starken Eigengeschmack hat, wie der Boazinha.

Wie sieht es aus mit dem LEBLON? Der wird hochgelobt, ist in Brasilien überall zu kaufen, und wird besonders an den Flughäfen offensiv angeboten. Ist der wirklich so gut? Oder eher der MAGNIFICA TRADITIONAL?

Vielen Dank und Gruss
Parbo
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Re: Fragen der Fragen: Welcher Cachaca?

Beitragvon Trem Mineiro » Sa 19. Okt 2013, 22:00

Wenn du beim Seleta schon nahezu richtig lagst, dann versuche es mit dem Salinas. Wir haben immer die beiden im Haus (nach 17 Jahren Erfahrung) und empfehlen den auch immer unseren Gästen und meinen Kollegen für die Mitnahme nach D.
Ich bevorzuge den Seleta, weil der weicher ist, der Salinas ist ein wenig härter. Den Seleta kann man auch hervorragend pur trinken. Die anderen 100 von den tausenden Minas-Marken, die wir durchprobiert haben, haben uns auch nicht viel weiter gebracht, Vale Verde, Germana und wie sie alle heißen. Sind meist auch gut aber mehr für die Touristen und daher teurer.
Hab auch den Ypioca in Fortaleza in der Fabrik getestet, die haben da eine bessere Hausmarke, die sich sehen lassen kann. Nur der wird wohl in der Regel nicht nach Europa exportiert bzw. dort im Supermarkt verkauft. Und nicht den weißen Zucker vergessen, braunen nimmt in Minas keiner.

Gruß und Prost
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Re: Fragen der Fragen: Welcher Cachaca?

Beitragvon bruno grenz » Mo 28. Okt 2013, 19:26

Auch ich kenne Seleta & Salinas. Ich trinke allerdings kein "Zuckerrohrwasser" pur, sondern nur zusammen mit Coca Zero (sowie manchmal Eiswürfel und Limãoscheibe). Beide sind gut, aber etwas teurer (zumindest in SP & RJ).

Daher bevorzuge ich Ypióca Ouro, welche ich in FOR auch schon in der Fabrik probierte. Das war so gegen 2002 und vorher mischten wir uns die Cuba Libre eher mit Montilla Ouro.

Die Flaschenform bzw. das Etikett dieses Rums finde ich noch heute sehr ansprechend.

Zur Zeit gibs die Literflaschen Montilla Ouro für 12 - 15 Reais bzw. Ypióca Ouro für 8 - 12 Reais in RJ.
Für all diejenigen von Euch, die zur WM nach Brasilien fahren werden...
Hier findet Ihr das Buch über mein Leben im Endspielort Rio de Janeiro: http://brunogrenz.jimdo.com/mein-2-buch/
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Re: Fragen der Fragen: Welcher Cachaca?

Beitragvon Trem Mineiro » Mo 28. Okt 2013, 20:53

bruno grenz hat geschrieben:Auch ich kenne Seleta & Salinas. Ich trinke allerdings kein "Zuckerrohrwasser" pur, sondern nur zusammen mit Coca Zero (sowie manchmal Eiswürfel und Limãoscheibe).


Oi Bruno
machst du das in Minas Gerais, ergeht es dir wie Tiradentes, gevierteilt und gepökelt. Auch Ypioca (Gold) gilt da als Landesverrat. Den gibt es wohl auch kaum in Minas. In Ceara hat er geschmeckt.

Ansonsten: ist alles Geschmacksache. Seit dem Lei Seco komm ich kaum noch zum trinken [-X. Dazu ist Caipirinha kein so typisches Getränk. Cachaca wird in der Regel pur getrunken und da zählt dann die Qualität. Caipi ist was für Touristen und die Schicki-Micki Schicht von Brasilien, die Ausländer nacharmt. Da ist die Cachaca-Qualität dann zweitrangig.

Gruß
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Re: Fragen der Fragen: Welcher Cachaca?

Beitragvon Berlincopa » Mo 28. Okt 2013, 21:21

Also ich wuerde Brasilien eher als Bier-Land denn als cachaca-Land bezeichnen. Und es wuerde mich doch mal interessieren, wie die Cachaca-Koryphaen hier bei einem Blindtest abschneiden wuerden.
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Re: Fragen der Fragen: Welcher Cachaca?

Beitragvon bruno grenz » Mo 28. Okt 2013, 21:30

Trem Mineiro hat geschrieben:
bruno grenz hat geschrieben:Auch ich kenne Seleta & Salinas. Ich trinke allerdings kein "Zuckerrohrwasser" pur, sondern nur zusammen mit Coca Zero (sowie manchmal Eiswürfel und Limãoscheibe).


Oi Bruno
machst du das in Minas Gerais, ergeht es dir wie Tiradentes, gevierteilt und gepökelt. Auch Ypioca (Gold) gilt da als Landesverrat. Den gibt es wohl auch kaum in Minas. In Ceara hat er geschmeckt.

Ansonsten: ist alles Geschmacksache. Seit dem Lei Seco komm ich kaum noch zum trinken [-X. Dazu ist Caipirinha kein so typisches Getränk. Cachaca wird in der Regel pur getrunken und da zählt dann die Qualität. Caipi ist was für Touristen und die Schicki-Micki Schicht von Brasilien, die Ausländer nacharmt. Da ist die Cachaca-Qualität dann zweitrangig.

Gruß
Trem Mineiro

Boa Noite nach MG!
Klar, kann ich verstehen das es bei Euch kaum Ypioca gibt. Da hat´s halt hunderte (guter) Cachaça-Sorten und wer braucht dort dann schon Pinga aus dem Nordosten??? Pur trinke ich nur Bier und Wein, den Rest lasse ich lieber sein. KKK

Deine Caipi-Erklärung fand ich gut, denn nun weiss ich auch warum mir diese Kalorienbombe nicht viel bedeutet. RSRSRS
(Für Schwerdenker bzw. diejenigen, die mich nicht kennen -> Caipirinha não é bom para favelados! :mrgreen: )

Wegen letztem Satz falle ich auch nicht unters Lei Seco :^o , ick muss halt einfach nur steil den Hang hinauf und an den richtigen Ecken abbiegen. Aber das ist mit dreiacht im Turm manchmal gar nicht so einfach...
Abraço do RJ

PS: Pq Galo deixou ganhar esta merda do PUTAfogo??? Naja, wenigstens wird die Mafia Azul Meister und nicht dieser Drecksverein aus meiner Nachbarschaft.
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Re: Fragen der Fragen: Welcher Cachaca?

Beitragvon Trem Mineiro » Mo 28. Okt 2013, 22:01

Oi Berlin Copa
Dann komm mal nach Minas Gerais. Die Cachacas in Minas kann man mit Obstbränden aus Österreich oder dem Saarland vergleichen. Klar auch dort gibt es einen MariaCron vom Aldi.

Minas hat eine lange Tradition im Schwarzbrennen. Hinter den Hügeln gibt es in nahezu jeder kleineren Fazenda eine Alambique (so nennt man den Reaktor)und ein altes Eichenfass. Freude für den, den man da ran lässt. Cachaca dort ist auch keine Kostenfrage, weil mehr ein Hobby. Da zahlt man für die Jonny-Walker-Flasche mit Schraubverschluss ohne Etikett zwischen 1 und 5 Reais. Wer keine Flasche mitbringt, bekommt den Stoff im 5-l-Plastik-Kannister. Deshalb sammle ich auch leere Whiskey-Flaschen. Meine offizielle Quelle ist eine Pousada mit Alambique in Conceicao do Mato Dentro mit Ettikett, teilweise versteuert für 12 - 15 Reais die Flasche, ein Spitzenprodukt, nix für Caipi. Alternativ eine abgezapfte Flasche aus dem Fass des Schwiegervaters eines Kollegen.
Meine verstorbene deutsche Frau hat mal versucht für unseren Freund das vorgenannte Produkt aus Conceicao für eine Cooperative in Deutschland bei einem Großhändler in Frankfurt zu vermarkten. Der hat nur gelacht, der in Deutschland übliche Cachaca kommt im Tankwagen/Tank-Container und kostet im Einkauf noch nicht mal 1 Real FOB Rio, Mengen so ab 50.000 l.

Den Blindenhundtest dürften die meisten Mineiros problemlos überstehen, Qualität in der kleinesten Hütte.

Gruß
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Re: Fragen der Fragen: Welcher Cachaca?

Beitragvon Itacare » Mo 28. Okt 2013, 23:09

Berlincopa hat geschrieben:Also ich wuerde Brasilien eher als Bier-Land denn als cachaca-Land bezeichnen. Und es wuerde mich doch mal interessieren, wie die Cachaca-Koryphaen hier bei einem Blindtest abschneiden wuerden.


Ho! Weiß zwar nicht, ob wir uns mal übern Weg laufen, aber die Wette gilt!
Markantestes Unterscheidungsmerkmal: einen schlechten Tropfen spürt man noch am gleichen Tag, einen mittelmäßigen am nächsten und einen guten gar nicht :mrgreen:
Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.
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Re: Fragen der Fragen: Welcher Cachaca?

Beitragvon Berlincopa » Mo 28. Okt 2013, 23:28

Ok, kann Euren Enthusiasmus teilweise nachvollziehen, Ihr scheint tatsächlich Kenner zu sein. Wahrscheinlich könntet Ihr mir so ab dem 4. Schnaps wohl fast jeden Fusel kredenzen und ich würde ihn hochloben.
Bleibe daher lieber von Anfang an bescheiden beim (bescheidenen) brasilianischen Bier.
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Re: Fragen der Fragen: Welcher Cachaca?

Beitragvon Brazil53 » Di 29. Okt 2013, 19:29

Wenn ich im Sitio bin, kaufe ich den Cachaca unten im Laden an der Straße. Ist der Ortsübliche von Cachoeiras. Mir schmeckt er gut als Caipi.
Vor der Hütte wachsen Limonen mit gelben Fleisch. Ich schäle die Limonen, dazu weißer Zucker und ab in den Fluß.
Ich bin noch nicht dazu gekommen Fachmann zu werden, aber es wird bestimmt noch...

caipi 1.jpg


caipi 3.jpg


caipi 2.jpg


caipi4.jpg
Ich glaube nur Tatsachen, die ich selbst verdreht habe
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