Hmmm, also jetzt mal etwas ausführlicher. Bin wieder vom Strand zurück,
Takeo, und werde so ab 17:00 Uhr noch ein paar Stunden ranklotzen. Aber kein PowerPoint. Ach ja, und wen es wundert, dass es so schnell ging. Ich bin hier im Hinterwäldler-Recife genau 80 Meter von diesem entfernt. Nicht alles ist Sao Paulo was glänzt

Zum Thema: Domian ist Dipl.-Inf. und hat gefragt ob er als Freiberufler in Brasilien Sao Paulo eine Chance hat. Die hat er doch, oder? Da sind wir uns doch einig? Klar, die generellen Probleme (Sprache, Visum etc.) blieben bestehen.
Die Chancen hat er nicht, weil das "unterentwickelte Land Brasilien" im IT-Bereich nix auf die Reihe bekommt, sondern weil hier wie nahezu überall auf der Welt gute Informatiker gesucht werden. In Sao Paulo gibt es fähige, nationale IT-Firmen und viele multinationale IT-Konzerne sind dort vertreten.
Erschwerend für seine Absicht als Freiberufler dort sein Glück zu machen, könnten die fehlenden Kontakte sein. Sicherlich können zusätzlich auch kulturelle Aspekte etc. das Leben für ihn erschweren.
Andererseits helfen ihm interkulturelle Erfahrungen und machen ihn gefragt. Interkulturelle Kompetenz ist bei global agierenden Auftragsgebern in einer globalen Branchen ein echter Pluspunkt . Hinzu kommen Vorurteile. Deutsche sind fleißig, zuverlässig, intelligent etc. also zum Glück wird er (arbeitstechnisch) mit positiven Vorurteilen belegt. Auch das hilft.
Sind wir uns bis hierher einig?
Ich habe ca 6 Jahre lang eine kleine Aktiengesellschaft (wie bei uns GmbH) in Schweden aufgebaut und Mitte der 90er verkauft. Die Vorurteile gegenüber Deutschen haben mir dort (zu unrecht) sehr geholfen. Die Schweden sind mindestens ebenso zuverlässig, clever und gut organisiert wie wir. Persönlich fand ich die Leute sogar strukturierter. Schweden sind sehr geschickte Geschäftsleute. Ich bin überzeugt, dass der gleiche Bonus für Brasilien gilt oder hier sogar noch mehr wert ist.
Takeo hat richtigerweise klar gestellt, dass Brasilien kein IT-Entwicklungsland ist. Ich bin der Meinung, hier im Nordosten ist Brasilien jedoch noch ein paar Jahre (und das ist viel im IT-Umfeld) hinterher. Ich bin jedoch nur bedingt qualifiziert, da ich keine Kontakte in die Branche pflege. Ich habe, quasi als Indikator, die meiner Meinung nach schlechten Internet-Seiten als Beispiele herangezogen. Vielleicht etwas übertrieben, aber in der Tendenz stimmt es vermutlich.
Takeo hat auch treffen darauf hingewiesen, dass wir Europäer uns überschätzen. Das sehe ich auch ganz genau so. Ich glaube schon noch an einen technologischen Abstand, aber wie gesagt. Der ist nicht entscheidend. Mit anderen Worten: Ein schlechter IT-ler ist auch in Brasilien schlecht und ein guter brasilianischer IT-ler, wird auch in DE nach kurzer Einarbeitung gut sein.
Brummelbärchen setzt dem sogar noch eins oben drauf und macht aus Brasilien ein IT Hightech Land. Ich habe vor allem mitbekommen, dass in Curitiba einiges los ist. Im Open Source Bereich gibt es oft Entwickler und Server, die wohl dort mit der Uni verbandelt sind. Jedoch treffe ich in den Fach-Foren kaum auf Brasilianer. Hier sind ganz klar die Amis vorn und erstaunlicherweise recht viele Deutsche (uns helfen aber auch Öschies, Schweizer und Ausgewanderte mit deutsche Namen) mit dabei. Diese Foren sind wirklich ein internationaler Tummelplatz für alle Nationalitäten. Vielleicht liegt es an den schwachen Sprachkenntnissen von Brasilianern. Ich kann mir aber keinen Entwickler vorstellen, der nicht wenigstens das vereinfachte "Fach-Englisch" ein bisschen kann.
Also mir sind keine global agierenden brasilianischen Top IT Firmen bekannt. Klar, Nischen-Spezialisten gibt es immer. Zum Beispiel ist Portugal weltweit führend (mindestens quantitativ, die laufen mir ständig über den Weg

) in der Forschung rund um die Programmiersprache "Prolog". Erstaunlich, für die portugiesischen Nullblicker (Sorry, kleiner Seitenhieb an die Konquistadoren. Mir war gerade danach

.
Also Brummelbärchen, Du hast mich nicht ganz überzeugt, lasse mich aber gerne belehren.
Jetzt nochmal duschen Takeo und dann an die Arbeit...

Und jetzt, Domian, würde ich mal wieder gerne was von Dir hören. Noch immer Interesse an Brasilien?