Freiberufler in Sao Paulo

Tipps und Fragen von Auswanderungswilligen und Leuten, die es schon in Brasilien geschafft haben / Wirtschaftliche Unabhängigkeit

Re: Freiberufler in Sao Paulo

Beitragvon donesteban » Mi 12. Mär 2008, 17:38

Severino hat geschrieben:
donesteban hat geschrieben:....aber gute Informatiker (oder Manager, die erkennen, dass gute Informatiker gebraucht werden) braucht das Land. Jedenfalls hier im Nordosten.

Stimme Dir 100% zu. Aber die braucht es in jedem Land, das ich kenne..... obwohl oft scheitert es ja bereits beim "Mit- bzw. über den Schreibtischrand hinausschauend" und nicht unbedingt an der eigentlichen Qualifikation...
Ganz genau =D> Der Tellerand. Die ganzheitliche Betrachtungsweise einer Lösung...da gibt es wenige, die das können (oder wollen)...so jetzt gehe ich aber wirklich los... :cool:
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Sprachkurs Portugiesisch (Brasilianisch)

Re: Freiberufler in Sao Paulo

Beitragvon Takeo » Mi 12. Mär 2008, 17:46

donesteban hat geschrieben:Ach ja, vor über einem Monat hat mein Toshiba-Business-Notebook ein Problem mit dem on-board Grafik Chip bekommen. Die Hotline in Sao Paulo konnte trotz mehrfachen anrufen nicht mal eine Vertragswerkstatt in Recife nennen geschweige denn sonst irgendwie helfen. Internet hier ist ein Elend. Teuer, langsam, unzuverlässig. Ok, ist langsam Off-Topic. Ich kenne den Informatiker-Markt hier wirklich nicht, finde es aber dennoch seltsam, dass es in Brasilien genügend geben soll, wo man in Europa händeringen gute Leute sucht.

Muss los an Strand. Klinke mich später wieder ein.


Ja... in RECIFE... Schlussendlich diskutieren wir, dass Brasilien sich NICHT so sehr von Deutschland unterscheidet, wie das ein Europäer sich denken würde... IT Spezialisten werden in Brasilen also genauso gesucht wie in deutschland... aber eben nicht mehr.

So nach dem Motto: Ich mach' mein Köfferchen auf, ziehe ein paar Notebooks heraus, und die Leute starren mit grossen neugierifen Augen auf diesen technischen Fortschritt von Übersee.

Was MUSST Du am Strand??? Ich MUSS das Forum schliessen und PowerPoint öffnen... ... und das in Brasilien!!!
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Re: Freiberufler in Sao Paulo

Beitragvon Brummelbärchen » Mi 12. Mär 2008, 18:17

Die IT ist hier in Brasilien ziemlich zweigeteilt. Im ganzen Land findest Du die die Fummler, Schrauber und Installierer, die irgendwie mehr oder weniger lauffähige Systeme und Software herstellen und verkaufen.

In São Paulo und Belo Horizonte, mit Einschränkung noch inRio und im DF und Curitiba sowie einigen Kleinstädten im Süden (sind aber alles Ableger von SP-Firmen) findest Du IT-Firmen auf Weltniveau. Ich arbeite für eine Softwarefirma, die sich hier in BH mit Google um die besten Uni-Absolventen prügelt. Da kann man sich also in etwa vorstellen, dass da ein paar ziemlich helle Köpfe dabei sind. Nur logisch dass die Kunden in Nordamerika und Europa auch entsprechend hohe Erwartungen haben. Praktisch alle grossen IT-Firmen der Welt (Tata, EDS, IBM, Accenture) betreiben in Brasilien Offshore-Zentren. Gleichzeitig outsourcen brasilianischen Unternehmen IT nach Indien (aktuellstes mir bekanntes Beispiel: INSS). Die Integration dieses Segments der IT mit der restlichen Welt ist beeindruckend, und in der IT ist Brasilien (wie zB auch in der Landwirtschaft) definitiv kein Schwellenland mehr sondern gehört zur 1. Welt bzw. Weltspitze.

Daneben habe ich mit meiner eigenen Beratungsfirma auch lokale Kunden, zB aktuell ein Unternehmen das eine medizinische Software entwickelt und vertreibt. Als die Jungs mir eine Demo gemacht haben, sind mir fast die Augen aus dem Kopf gefallen. War einer von Euch schon mal im Spital im Computertomographen und hat dann am Bildschirm vor den 2D-Bildern vom Arzt erklärt bekommen wie er den komplizierten Knochenbruch behandeln will? Ok, stellt Euch eine solche Software vor, nur dass sie auch gleich noch zB bei Jugendlichen oder Kindern das weitere Wachstum simuliert und zeigt was dabei mit allfälligen Implantaten passiert. Alles 3D - und läuft auf einem normalen Bürorechner. Absolut irre.

Da Mangel an qualifizierten Arbeitskräften herrscht ist es grundsätzlich möglich als Ausländer in die Branche reinzukommen, v.a. wenn man Uniabschluss und die entsprechenden Entwicklerzertifikate (zB von Microsoft) vorweisen kann. Hat man Aspirationen auf Projektleitungen läuft ohne PMP gar nichts. Und eine Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung ist auf jeden Fall zwingend, ebenso exzellente Portugiesisch-Kenntnisse, das zweithöchste CELPE-Niveau wäre nicht schlecht. Viele bras. IT-Jungs haben übrigens auch schon im Ausland gearbeitet, fliessend Englisch zu können ist aber auf jeden Fall ein sehr gutes Verkaufsargument.

hope that helps,
BB
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Re: Freiberufler in Sao Paulo

Beitragvon donesteban » Mi 12. Mär 2008, 20:35

Hmmm, also jetzt mal etwas ausführlicher. Bin wieder vom Strand zurück, Takeo, und werde so ab 17:00 Uhr noch ein paar Stunden ranklotzen. Aber kein PowerPoint. Ach ja, und wen es wundert, dass es so schnell ging. Ich bin hier im Hinterwäldler-Recife genau 80 Meter von diesem entfernt. Nicht alles ist Sao Paulo was glänzt ;-)

Zum Thema: Domian ist Dipl.-Inf. und hat gefragt ob er als Freiberufler in Brasilien Sao Paulo eine Chance hat. Die hat er doch, oder? Da sind wir uns doch einig? Klar, die generellen Probleme (Sprache, Visum etc.) blieben bestehen.

Die Chancen hat er nicht, weil das "unterentwickelte Land Brasilien" im IT-Bereich nix auf die Reihe bekommt, sondern weil hier wie nahezu überall auf der Welt gute Informatiker gesucht werden. In Sao Paulo gibt es fähige, nationale IT-Firmen und viele multinationale IT-Konzerne sind dort vertreten.

Erschwerend für seine Absicht als Freiberufler dort sein Glück zu machen, könnten die fehlenden Kontakte sein. Sicherlich können zusätzlich auch kulturelle Aspekte etc. das Leben für ihn erschweren.

Andererseits helfen ihm interkulturelle Erfahrungen und machen ihn gefragt. Interkulturelle Kompetenz ist bei global agierenden Auftragsgebern in einer globalen Branchen ein echter Pluspunkt . Hinzu kommen Vorurteile. Deutsche sind fleißig, zuverlässig, intelligent etc. also zum Glück wird er (arbeitstechnisch) mit positiven Vorurteilen belegt. Auch das hilft.

Sind wir uns bis hierher einig?

Ich habe ca 6 Jahre lang eine kleine Aktiengesellschaft (wie bei uns GmbH) in Schweden aufgebaut und Mitte der 90er verkauft. Die Vorurteile gegenüber Deutschen haben mir dort (zu unrecht) sehr geholfen. Die Schweden sind mindestens ebenso zuverlässig, clever und gut organisiert wie wir. Persönlich fand ich die Leute sogar strukturierter. Schweden sind sehr geschickte Geschäftsleute. Ich bin überzeugt, dass der gleiche Bonus für Brasilien gilt oder hier sogar noch mehr wert ist.

Takeo hat richtigerweise klar gestellt, dass Brasilien kein IT-Entwicklungsland ist. Ich bin der Meinung, hier im Nordosten ist Brasilien jedoch noch ein paar Jahre (und das ist viel im IT-Umfeld) hinterher. Ich bin jedoch nur bedingt qualifiziert, da ich keine Kontakte in die Branche pflege. Ich habe, quasi als Indikator, die meiner Meinung nach schlechten Internet-Seiten als Beispiele herangezogen. Vielleicht etwas übertrieben, aber in der Tendenz stimmt es vermutlich.

Takeo hat auch treffen darauf hingewiesen, dass wir Europäer uns überschätzen. Das sehe ich auch ganz genau so. Ich glaube schon noch an einen technologischen Abstand, aber wie gesagt. Der ist nicht entscheidend. Mit anderen Worten: Ein schlechter IT-ler ist auch in Brasilien schlecht und ein guter brasilianischer IT-ler, wird auch in DE nach kurzer Einarbeitung gut sein.

Brummelbärchen setzt dem sogar noch eins oben drauf und macht aus Brasilien ein IT Hightech Land. Ich habe vor allem mitbekommen, dass in Curitiba einiges los ist. Im Open Source Bereich gibt es oft Entwickler und Server, die wohl dort mit der Uni verbandelt sind. Jedoch treffe ich in den Fach-Foren kaum auf Brasilianer. Hier sind ganz klar die Amis vorn und erstaunlicherweise recht viele Deutsche (uns helfen aber auch Öschies, Schweizer und Ausgewanderte mit deutsche Namen) mit dabei. Diese Foren sind wirklich ein internationaler Tummelplatz für alle Nationalitäten. Vielleicht liegt es an den schwachen Sprachkenntnissen von Brasilianern. Ich kann mir aber keinen Entwickler vorstellen, der nicht wenigstens das vereinfachte "Fach-Englisch" ein bisschen kann.

Also mir sind keine global agierenden brasilianischen Top IT Firmen bekannt. Klar, Nischen-Spezialisten gibt es immer. Zum Beispiel ist Portugal weltweit führend (mindestens quantitativ, die laufen mir ständig über den Weg ;-)) in der Forschung rund um die Programmiersprache "Prolog". Erstaunlich, für die portugiesischen Nullblicker (Sorry, kleiner Seitenhieb an die Konquistadoren. Mir war gerade danach ;-).

Also Brummelbärchen, Du hast mich nicht ganz überzeugt, lasse mich aber gerne belehren.

Jetzt nochmal duschen Takeo und dann an die Arbeit... :-)

Und jetzt, Domian, würde ich mal wieder gerne was von Dir hören. Noch immer Interesse an Brasilien?
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Re: Freiberufler in Sao Paulo

Beitragvon Takeo » Mi 12. Mär 2008, 23:17

Es klang halt komisch: ich MUSS an den Strand... aber ich bin inzwischen mit meiner Arbeit fertig - und brauch mich auch nicht mehr, wie gedacht, an einem Geschäftsessen zu beteiligen, also MUSS ich mir jetzt ein kühles Bier öffnen und kann im Supermarkt Pizza holen gehen UFA!

donesteban: wir sind uns aber einig - und darauf versuche ich immer hinzuweisen - dass Brasilien, und besonders São Paulo, schon lange nicht mehr auf 'deutsche' Fachleute, mit Betonung auf 'deutsche' angewiesen ist. Es gibt viele Leute, und das ich unterstelle ich unserem Freund Lokotrader zwar nicht, die glauben, dass die Brasilianer in Ehrfurcht erstarren, wenn jemand erzählt dass er ein deutscher Ingenieur (oder Programierer) ist. São Paulo ist geradezu das Fallbeispiel, wo es schon alles gibt, alles da war, schon gesehen, schon gehabt etc...

Was wir aber Lokotrader sagen wollen ist Folgendes: Er hat in São Paulo Chancen, weil São Paulo Lateinamerikas grösste Metropole ist, und weil in São Paulo die meisten Firmen und die meisten Geschäfte getätigt werden... er hat aber nicht mehr Chancen, weil er gerade Deutscher ist... vielleicht hat er erweiterte Chancen durch Sprachkenntnisse oder bestimmter Zusatzqualifikationen, und man sollte auch erwähnen, dass ein Ausländer, zumindest unter einem Stapel von Mitbewerbern (was ja als Freiberufler nicht in Frage kommt) zumindest schonmal auffällt.

Also... toi toi toi

Erwähnenswert ist aber, dass sich Brasilianer durch excellente Marketingqualitäten und schnelle Entscheidungsfindung, sowie grosser Innovation auszeichnen (kann man das auch "Jogo de Cintura" nennen?) - ich meine jetzt nicht den barfüssigen Camarãoverkäufer am Strand von Recife, der einem geschickt mehr verkauft als man will, nein, ich meine ernstzunehmende strategische Geschäftlichkeit auf höherem Niveau... und man findet allerhand Brasilianer in grossen Firmen weltweit als sehr gefährliche Strategen (für die Konkurrenz) wieder... während Deutsche ja eher als schwerfällig, langsam und auf Sicherheit bedacht gelten... oder täusche ich mich hier auch wieder???
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Re: Freiberufler in Sao Paulo

Beitragvon donesteban » Do 13. Mär 2008, 03:51

Takeo hat geschrieben:Erwähnenswert ist aber, dass sich Brasilianer durch excellente Marketingqualitäten und schnelle Entscheidungsfindung, sowie grosser Innovation auszeichnen (kann man das auch "Jogo de Cintura" nennen?) - ich meine jetzt nicht den barfüssigen Camarãoverkäufer am Strand von Recife, der einem geschickt mehr verkauft als man will, nein, ich meine ernstzunehmende strategische Geschäftlichkeit auf höherem Niveau... und man findet allerhand Brasilianer in grossen Firmen weltweit als sehr gefährliche Strategen (für die Konkurrenz) wieder... während Deutsche ja eher als schwerfällig, langsam und auf Sicherheit bedacht gelten... oder täusche ich mich hier auch wieder???
Kann sein. Habe ich keine Erfahrung und auch noch gar nicht drüber nachgedacht. Klingt jedoch schlüssig. Und eines ist eigentlich sehr schön und auch deutlich sichtbar in der globalisierten Welt, ohne jegliche sonstige Wertung der Globalisierung. Man trifft im Management, im Internet, in den Fabriken, in sozialen Einrichtungen und sogar am Strand oder im Puff (letzteres nicht ganz ernst gemeint, wenn es auch stimmen mag ;-)), fähige und interessante Menschen aus allen Kulturen und Ländern unserer Erde. Dabei ist jeder gerade wegen seiner eigenen Mentalität gut und erfolgreich. Der Deutsche vielleicht, weil er besonnen und risikoarm agiert, der Brasilianerin vielleicht weil er kreativ und unbekümmert die Sache angeht. Oder der andere Deutsche, weil er kreativ das Risiko vermeidet und weil er von seiner brasilianischen Kollegin gelernt hat, auch mal nach dem Bauch zu handeln oder "vice-versa". Die Grenzen verschwinden langsam, kulturelle Unterschiede treten langsam in den Hintergrund. Mal abgesehen von Gegenbewegungen wie Teile vom militanten Islam.

Im Prinzip ist es doch vereinfacht so, um auf das Thema zurückzukommen. Wir aus der früheren "ersten Welt" haben noch gute aber weniger Chancen als früher in der vermeintlichen "dritten Welt" Fuß zu fassen. Wir müssen uns nun echt anstrengen und der Konkurrenz stellen. Leute aus der vermeintlichen "dritten Welt" haben es hingegen leichter bei uns was auf die Beine zu stellen. Also scheint sich, so betrachtet, die Sache sogar in die richte Richtung zu bewegen, auch wenn die Erkenntnis für manchen Faulenzer oder "Herrenmenschen" bitter ist.

Ok, rosarote Brille, aber ganz von der Hand zu weisen sind solche Beobachtungen auch nicht, oder?
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