Freiwillige Einzahlung in brasilianisches Rentensystem?

Fragen zur Gesetzeslage in Brasilien, Einwanderungs-, Einfuhr- und Zollbestimmungen sowie Steuerfragen

Re: Freiwillige Einzahlung in brasilianisches Rentensystem?

Beitragvon Moleque da Favela » Mo 2. Aug 2010, 20:11

Viva Floripa hat geschrieben:Hat hier irgendjemand eine Idee, einen Anhaltspunkt oder Erfahrungen damit, wie man in solch einem Fall vorgehen kann?


Grundsätzlich ist Euere Situation tatsächlich so wie Du schon sagst. Ob das nun nach dt. Empfinden lächerlich ist oder nicht. Zumal auch die bras. Gesetzlage dementsprechend ist das die CTPS (CARTEIRA DE TRABALHO E PREVIDÊNCIA SOCIAL) also das Arbeitsbuch vorgelegt werden muss, bzw. entsprechende Bescheinigungen der ehemaligen AG, sollte die CTPS verloren gegangen sein. Soweit ich weiss sind die AG verpflichtet die Unterlagen 30 Jahre aufzu bewahren, problem bei stillgelegten oder erloschenen Firmen die Person oder den Lagerort der Dokumente ausfindig zu machen.

Wie alt ist Dein Mann denn und wieviele Jahre hat er denn überhaupt mit CTPS gearbeitet ? Bzw. in welcher Branche war er tätig? Evtl. kann die zuständige Gewerkschaft (Sindicato) weiterhelfen oder hat sogar Unterlagen, bzgl. der ehemal. AG!?
Vielleicht sollte Ihr mal einen Experten für INSS und Rentenrecht aufsuchen, der mal eine unverbindliche Simulation macht, wieviel ungefähr Dein Mann an Rente zu bekommen hätte, wenn alle Unterlagen vorhanden wären. Dann seht Ihr ob und in wie weit sich der ganze Aufwandt überhaupt lohnt, in BRA Rente zu beantragen.

Übrigens, Ihr seid nicht die einzigen denen es so geht. Evtl. gibt´s Beratungsstellen die EUch weiterhelfen können. Aber vorsicht vor übereifrigen Anwälten und DESPACHANTES die Euch den Himmel auf Erden versprechen und nichts halt. Da werden dann nur grosszügige Honorar fällig, aber gearbeitet wird nichts.

:cool:
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Re: Freiwillige Einzahlung in brasilianisches Rentensystem?

Beitragvon eberlein » Mo 2. Aug 2010, 21:04

Amanzonasklaus: Vor einigen Jahren habe ich mir die Daueraufenthaltsgenehmigung geben lassen, da der Prozess zur Erhaltung der Permanencia von Deutschland aus über das Konsulat viel unbürokratischer und schneller über die Bühne geht als wenn wir schon in Brasilien gelebt hätten. Bei mir ging das von der Einreichung der Papiere beim Konsulat bis zur Abholung der Permanencia bei der Bundespolizei etwas mehr als 6 Monate. Alle in meinem Bekanntenkreis (11 Personen) mit brasilianischen Frauen machen das so. Das hat den Vorteil einer legalen Bankkontoeröffunung, Brasilianischer Führerschein, CTPS wenn man mal dort lebt und arbeiten will- dient auch weitgehend jetzt schon als Ausweis, schnelle Einreise über die brasilianische Schlange, kurzentschlossen nach Brasilien auswandern ohne Bürokaratie, usw.
Schade ist jetzt wirklich das Wegfallen des zollfreien Umzugsgutes; hierzu gehört auch nach meinen Informationen das Einführen von einem gebrauchten Auto (hätte ein gutes Geschäft sein können).
Tuxua: Meine brasilianische Verwandtschaft die gerade bei mir zu besuch ist (Flug haben die selber bezahlen können ) haben eine Rente zwischen 1900,- Real (Krankenschwester) und 3000,- Real (Milität/ Beamter). Deshalb kam ich auch auf das Thema. Erstaunlicherweise sind die nicht mal 60 Jahre alt. Dies ist für den Nordosten in der Provinz viel Geld und eine enorm hohe Rente.
Zu der Steuererklärung: Die Rezeita hat uns gesagt, wir (meine Frau und ich) müssen keine DIRPF abgeben, da sich der Wert unseres Hauses und unser Barvermögen innerhalb der Freigrenze bewegt, auch wenn wir in Brasilien einreisen (allerdings nicht länger als etwa 180 Tage pro Jahr dort sind). Also dass wir weder Steuern zahlen, noch eine DIRPF abgeben müssen. Vielleicht muss ich aber für die genauere Abklärung mal einen geeigneten Rechtsanwalt fragen. Oft können die einem (aus eigener Erfahrung) auf den Ämtern nicht immer zuverlässig mangels fundierten Sachkenntnissen oder Willen Auskünfte geben. Die Informationen von der Web Seite der Receita sind für mich als nicht Jurist nicht exakt zu verstehen.
Danke für eure Antworten

Ach noch eine Frage: wie finanziert ihr Residents euer leben in Brasilien, wenn ihr mal alt seit und evtl. nur eine kleine deutsche Rente erhaltet (vielleicht sogar bei sinkendem Eurowert)?
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Re: Freiwillige Einzahlung in brasilianisches Rentensystem?

Beitragvon amazonasklaus » Di 3. Aug 2010, 13:30

eberlein hat geschrieben:Schade ist jetzt wirklich das Wegfallen des zollfreien Umzugsgutes; hierzu gehört auch nach meinen Informationen das Einführen von einem gebrauchten Auto (hätte ein gutes Geschäft sein können).

Solange Du zusammen mit Deiner Frau nach Brasilien übersiedelst, ist das kein Beinbruch, denn zurückkehrende Brasilianer dürfen ihren Hausrat auch zollfrei mitbringen. Mit der Einfuhr des Gebrauchtwagens wäre es sowieso nichts geworden - das wäre mit soviel Aufwand verbunden, dass es in der Praxis unmöglich ist.

eberlein hat geschrieben:Tuxua: Meine brasilianische Verwandtschaft die gerade bei mir zu besuch ist (Flug haben die selber bezahlen können ) haben eine Rente zwischen 1900,- Real (Krankenschwester) und 3000,- Real (Milität/ Beamter). Deshalb kam ich auch auf das Thema. Erstaunlicherweise sind die nicht mal 60 Jahre alt. Dies ist für den Nordosten in der Provinz viel Geld und eine enorm hohe Rente.

Ehemalige öffentliche Angestellte kassieren in Brasilien unverschämt hohe Pensionen. Wenn ich dazukomme, suche ich gelegentlich mal raus, welchen Anteil des Budgets der Staat für Pensionszahlungen aufwendet. Brasilien hat eine recht junge Population und kann sich das noch leisten. Jedoch geht der Staat ungedeckte, langfristige Pensionsverpflichtungen in gigantischen Ausmaße ein, die sich bei der absehbaren Alterung der Gesellschaft (Rückgang der Geburtenrate) als unhaltbar erweisen könnten.

eberlein hat geschrieben:Zu der Steuererklärung: Die Rezeita hat uns gesagt, wir (meine Frau und ich) müssen keine DIRPF abgeben, da sich der Wert unseres Hauses und unser Barvermögen innerhalb der Freigrenze bewegt, auch wenn wir in Brasilien einreisen (allerdings nicht länger als etwa 180 Tage pro Jahr dort sind). Also dass wir weder Steuern zahlen, noch eine DIRPF abgeben müssen.

Wie @Moleque da Favela richtig sagt, sind die Steuerpflicht und die Verpflichtung zur Abgabe der DIRPF unterschiedliche Dinge. Ein Steuerpflichtiger ist von der Abgabe der DIRPF freigestellt, solange er nur gewisse Arten von Einkünften hat und damit unter der Einkommensgrenze bleibt. Mit Deinem Schweizer Einkommen dürftest Du jeweils nach den ersten drei Wochen eines Jahres diese Grenze überschreiten. :)

Nach meinem Kenntnisstand nach ist es folgendermaßen:

  • Die Steuerpflicht beginnt für Inhaber eines Dauervisum mit dem Tag der Einreise. Ausschlaggebend ist das Datum des Einreisestempels im Reisepass.
  • Die Steuerpflicht umfasst immer das Welteinkommen.
  • Um die Steuerpflicht zu beenden, muss man bis zum Ausreisetag eine Declaração de Saída Definitiva bei der Receita Federal einreichen. Bei Nichtabgabe dieser Erklärung riskiert man einerseits eine Strafe und nimmt andererseits in Kauf, dass die Steuerpflicht nach der Ausreise noch 12 Monate andauert.

@Moleque da Favela: Die 180-Tage-Regel (genauer gesagt 183) kenne ich nur für Inhaber eines temporären Visums. Meiner Erachtens hat sie für Inhaber eines Dauervisums keine Bewandtnis, aber man lernt nie aus, gerade bei der Steuergesetzgebung. Kannst Du einen Verweis auf das entsprechende Gesetz angeben?
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Re: Freiwillige Einzahlung in brasilianisches Rentensystem?

Beitragvon lobomau » Di 3. Aug 2010, 15:30

Mein Vater (mit Permanencia) hatte knapp 35 Jahre lang für sich und seine Frau Geld für die Rente eingezahlt.
Ich weiß leider nicht den Betrag, der eingezahlt wurde.
Heute bekommt meine Mutter Rente und Witwenrente. Das sind immerhin 2 x 1.800 R$ pro Monat.
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Re: Freiwillige Einzahlung in brasilianisches Rentensystem?

Beitragvon amazonasklaus » Di 3. Aug 2010, 16:22

amazonasklaus hat geschrieben:Wenn ich dazukomme, suche ich gelegentlich mal raus, welchen Anteil des Budgets der Staat für Pensionszahlungen aufwendet.

Da haben wir's schon. Quelle: Economist, 1.7.2010.

Economist hat geschrieben:Fábio Giambiagi, an economist at the National Development Bank (BNDES), notes that although only 6% of Brazilians are of pensionable age, the country spends 11.3% of its GDP on them; in the United States, by contrast, the 12% of the population who are pensioners receive around 6% of GDP.

Ebenfalls bemerkenswert:
Economist hat geschrieben:[...] the government transfers ten times more money to pensioners than to children.
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Re: Freiwillige Einzahlung in brasilianisches Rentensystem?

Beitragvon Elsass » Di 3. Aug 2010, 18:08

und wieviele Omas fuettern ganze Familien durch mit dem einen oder zwei salarios?
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Re: Freiwillige Einzahlung in brasilianisches Rentensystem?

Beitragvon Frankfurter » Do 5. Aug 2010, 16:16

Angeregt duch die verschiedenen Posts hier, haben wir bei der "Rentenstelle" in Brasilien Heimat in MG nachgefragt:

Grundsätzlich sind 30 Jahre Einzahlung notwendig um br. Rente zu bekommen. Die Einzahlungen können natürlich auch auf freiwilliger Basis erfolgen. So kann es dann auch sein, dass MANN/FRAU schon mit 50 Altersjahren in Rente gehen kann. Natürlich nicht die volle Rente, sondern nur ausgehend von 60 /Frau -- 65 Mann anteilig.

Wenn hier auch weiter oben die Einzahlung in das br. Rentensystem als wenig sinnvoll bezeichnet wird: Ich persönlich kann weder für das dt. noch für das br. System garantieren ( das konnte nur unser Minister Nobbi Blüm ), dass dies was auszahlt. Daher haben wir ( ich bin bereits in dt. Rente ) für meine Frau die br. Rente eingezahlt. Eben als 2. Bein [-o<

Sinnvoll ist es, sich bei der INNS-Stelle vor Ort schlau zu machen. Denn es werden hier im Forum manchmal auf den einzelnen persönlichen Fall Infos gegeben, die für einen anderen Fall nicht zutreffend sein können
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Re: Freiwillige Einzahlung in brasilianisches Rentensystem?

Beitragvon amazonasklaus » Do 5. Aug 2010, 16:32

Man muss womöglich ein wenig differenzieren, weil es tatsächlich unterschiedliche Arten von Renten gibt, unter anderem die aposentadoria por tempo de contribuição und die aposentadoria por idade. Darüber hinaus gelten für Männer und Frauen jeweils unterschiedliche Beitragszeiten und Altersgrenzen. Außerdem werden "normale" und "rurale" Arbeitnehmer unterschiedlich behandelt.
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Re: Freiwillige Einzahlung in brasilianisches Rentensystem?

Beitragvon safadao » Di 7. Dez 2010, 03:25

ich zahle jedes Jahr große Beträge an die INSS weil auf die (ansonsten steuerbefreiten) Gewinnausschüttungen meiner Firma (regime simples) 11% INSS fällig werden.
Mein Buchhalter meinte aber dass ich davon nie etwas wieder sehen werde :-(
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Re: Freiwillige Einzahlung in brasilianisches Rentensystem?

Beitragvon ManausTip » Di 7. Dez 2010, 11:28

Eberlein hat geschrieben:Ach noch eine Frage: wie finanziert ihr Residents euer leben in Brasilien, wenn ihr mal alt seit und evtl. nur eine kleine deutsche Rente erhaltet (vielleicht sogar bei sinkendem Eurowert)?




Eine Idee wäre das Geld wo man für die Rente zahlt in Kapital anlegen. z.b. Mietwohnungen.
Wenn ich könnte würde ich mir sogar meine deutsche eingezahlte Rente auzahlen lassen und hier anlegen
das wäre ein schönes Sümmchen was ich jetzt schon als Mieteiname hätte :(
Der € kann auch mal wieder steigen das kannn niemand vorausagen was in 10 oder 20 Jahren ist, dann lebt es sich hier mit einer kleinen Summe besser wie in Deutschland mit einer großen Summe.

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