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BeitragVerfasst: 17 Jun 2006 00:03 
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paulista hat geschrieben:
Fahren Junkies nicht mit dem Auto? Und man muß nicht einmal selber autofahren um den Straßenverkehr zu gefährden. Wenn z.B. der bunte Schmetterling in Wirklichkeit ein 40-Tonner ist, der dann durch sein Ausweichen ein paar andere Autos an die Mauer befördert?


das mag ja alles sein.. aber es ist doch nicht der Kern des Problems.

Oder willst Du behaupten in Brasilien seien die öffentlich in ihrem Rausch umherirrenden Koks/Marijuana-Nutzer das große Problem??


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BeitragVerfasst: 17 Jun 2006 00:10 
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lol hat geschrieben:
Brummelbärchen hat geschrieben:
Alle Gegner hier machen denselben Denkfehler: Sie verbinden die hässlichen Begleiterscheinungen wie Verwahrlosung, Kriminalität, Krankheit etc. mit den Drogen. In Tat und Wahrheit sind dies alles Folgen der Illegalität der Droge ...

Genau. Deshalb ist Verwahrlosung, Kriminalität und Krankheit in
Alkoholikerkreisen auch eher die Ausnahme. Absinth soll ja sogar
dem Geist und wahrscheinlich auch dem Sozialverhalten förderlich
sein? :lol: Du trennst Drogen von Sucht. Genau das ist aber wohl die
Definition von Droge.
Brumm Brumm. :D


Und Du vermischst Befürwortung der Legalität der Sucht mit einer Befürwortung der Sucht selbst.
:wink:


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BeitragVerfasst: 17 Jun 2006 01:06 
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Vielleicht sollte man in einer Unterhaltung über die Legalisierung von Drogen erst mal darüber einig werden, welche Drogen legalisiert werden sollen? Alle kann ja wohl nicht Geschprächsgrundlage sein. Oder will hier jemand ernsthaft Drogen wie Crack legalisieren?


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BeitragVerfasst: 17 Jun 2006 07:58 
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thomas hat geschrieben:
Und Du vermischst Befürwortung der Legalität der Sucht mit einer Befürwortung der Sucht selbst.

Genau.
Der Punkt ist der: Wollen wir die Sucht bekämpfen oder die Drogen?

Aber eigentlich ist Drogenpolitik viel zu komplex um sie in einem Forum mit 2 knackigen Sätzen abzuhandeln. Falls sich jemand ernsthaft für das Thema interessiert: http://www.droleg.ch/d_paulb.html.

Etwas würde mich wirklich interessieren: Wir sind uns alle einig, dass man Dritte vor den Folgen von Drogenproblemen schützen muss (Familie, Verkehr etc.). Aber ist es auch Aufgabe des Staates, seine Bürger vor sich selber zu schützen? (Siehe meinen letzten Post). Ich meine: Nein. Aber wie denkt Ihr darüber?

BB'

PS: In Zürich kriegen hoffnungslose Fälle (langjährige Sucht, mehrere erfolglose Therapien) vom Staat Heroin, im Rahmen der Überlebenshilfe. Beim Start des Versuchs (ca. 1992) war dies extrem Umstritten.
Am 1.12.1996 hiess dann aber die Stimmbevölkerung der Stadt Zürich die vorläufige Weiterführung der heroingestützten Behandlung mit 62,9% Ja-Stimmen gut. Am 26. September 2004 stimmten die Stadtzürcher Stimmberechtigten der unbefristeten Weiterführung der heroingestützten Behandlung mit einem Ja-Stimmen-Anteil von 75,1 Prozent zu.

Auch das Undenkbare kann also Realität werden, wenn man den Mut hat neue Wege zu gehen und Experimente zu wagen. Aufgrund der besonderen Situation (ökonomisch, geografisch) der Schweiz glaube ich in der Tat, dass sie ideal für ein Experiment der schrittweisen Legalisierung einiger weiterer Drogen wäre. Und die Erfahrungen könnten dann sicher zumindest teilweise auch auf Länder wie Brasilien übertragen werden.



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BeitragVerfasst: 17 Jun 2006 09:39 
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Brummelbärchen hat geschrieben:
thomas hat geschrieben:
Und Du vermischst Befürwortung der Legalität der Sucht mit einer Befürwortung der Sucht selbst.

Genau.
Der Punkt ist der: Wollen wir die Sucht bekämpfen oder die Drogen?


Und was bitte bringt da die Legalisierung der Drogen? Sind die Verkäufer dann auch Therapeuten?

thomas hat geschrieben:
Oder willst Du behaupten in Brasilien seien die öffentlich in ihrem Rausch umherirrenden Koks/Marijuana-Nutzer das große Problem??


Spätestens dann, wenn sie die Knarre ziehen um dich auszurauben sind sie ein Problem. Ich wiederhole nochmal: Diese Leute haben i.d.R. auch nicht das Geld für einen legalen Kauf von Drogen, insbesondere in Brasilien. Aber vielleicht wäre es dann eine Lösung, wenn man die Drogen, staatlich subventioniert, an die Armen verteilt. Hier wird man in Brasilien, wie auch in den anderen Staaten, sicher grosse Mehrheiten bekommen. Außer vielleicht in der Schweiz....

thomas hat geschrieben:
Nicht zu vergessen die durch das Gewaltklima zunichte gemachten vernünftigen Lebenschancen.


Die Lebenschancen werden Deiner Meinung nach also erst durch das Gewaltklima und nicht durch den Drogenkonsum, der zur Sucht führt, zunichte gemacht? Ist ja eine wirklich überzeugende Argumentation, der eigentlich nichts mehr hinzuzufügen ist....

p


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BeitragVerfasst: 17 Jun 2006 09:50 
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@paulista
Die wenigsten Menschen finden Drogenmissbrauch positiv. Die Frage ist: Trägt Illegalisierung dazu bei, den Drogenmissbrauch zu senken? Diese Frage ist durch die Erfahrung der letzten Jahrzehnte beantwortet und braucht nicht mehr diskutiert zu werden: Nein. Illegalisierung hat - wenn überhaupt - nur einen marginalen Einfluss auf das Konsumverhalten. Es gibt sogar Untersuchungen, die zu belegen versuchen, dass eine Illegalisierung den Missbrauch fördern kann (zB der Reiz des Verbotenen bei Teenagern). Wenn Illegalisierung also nichts bringt, aber ganz extreme Kollateralschäden hervorruft, halte ich es für sehr notwendig, über Alternativen nachzudenken.

BB'



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BeitragVerfasst: 17 Jun 2006 09:56 
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Noch was zu den Kosten:

Illegalisierung führt zu höheren Kosten für die Droge (logisch). Höhere Kosten einer Droge (egal ob Haschisch, Alkohol, Ecstasy; Zigaretten etc.) führt bei den Gelegenheitskonsumenten zu einem Rückgang des Konsums. Bei den Schwersüchtigen, also jenen die körperlich abhängig sind (das ist dann meistens Zeugs wie H, Crack oder manchmal auch Alkohol) hat der Preis nur einen geringen Einfluss auf das Konsumverhalten. Ein höherer Preis erhöht aber direkt die Beschaffungskriminalität, sofern man es sich nicht durch normale Arbeit leisten kann.

Diese beiden Dinge gilt es auseinanderzuhalten. Es wurde schon mal gefragt: Mit welcher der beiden Konsumentengruppen hat Brasilien die grossen, echten Probleme?

BB'



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BeitragVerfasst: 17 Jun 2006 10:03 
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paulista hat geschrieben:
Und was bitte bringt da die Legalisierung der Drogen? Sind die Verkäufer dann auch Therapeuten?

Ja, sofern es sich dabei um medizinisches Personal (Ärzte oder Apotheker, zB) handelt.

Zitat von der Website der Stadt Zürich:
Zitat:
In den beiden Polikliniken Lifeline und Crossline bieten wir
Drogenabhängigen eine heroingestützte Behandlung an. Sie erfolgt ambulant mit psychosozialer und medizinischer Betreuung.

Durch die Entlastung vom Gassenstress können die Klientinnen und Klienten in einem intensiv begleiteten Prozess den langen und steinigen Weg der Resozialisierung angehen.

Wäre das nicht etwas für Länder wie Brasilien? Die wirtschaftlichen Umständen dürften die Resozialisierung allerdings ziemlich schwierig machen. Hmm.

BB'

So, jetzt halte ich meine Fresse. Das Wetter ist viel zu schön um vor dem Rechner zu sitzen :P



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BeitragVerfasst: 17 Jun 2006 10:24 
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Brummelbärchen hat geschrieben:
Zitat von der Website der Stadt Zürich:
Zitat:
In den beiden Polikliniken Lifeline und Crossline bieten wir
Drogenabhängigen eine heroingestützte Behandlung an. Sie erfolgt ambulant mit psychosozialer und medizinischer Betreuung.

Durch die Entlastung vom Gassenstress können die Klientinnen und Klienten in einem intensiv begleiteten Prozess den langen und steinigen Weg der Resozialisierung angehen.

Wäre das nicht etwas für Länder wie Brasilien? Die wirtschaftlichen Umständen dürften die Resozialisierung allerdings ziemlich schwierig machen. Hmm.


Was hat das bitte mit Legalisierung zu tun? Es geht hier um Resozialisierung. Resozialisierung eines Junkies kann nur bedeuten, dass er kurz- oder langfristig von seiner Sucht befreit wird. In diesem Fall wird es halt langfristig versucht. genau wie mit den Methadon-Programmen. Hat aber trotzdem nichts mit Legalisierung von Drogen zu tun. Ein Raucher wird auch dann nicht zum Nichtraucher, wenn er seine Zigaretten umsonst oder billiger bekommt!

Ich bin ein Befürworter für jede Art der Drogentherapie. Und man kann hier auch neue Wege gehen. Nur: das Ziel muss und wird immer die Befreiung von der Sucht sein! Aber das hat mit Legalisierung nicht das Geringste zu tun.

p


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BeitragVerfasst: 17 Jun 2006 12:17 
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paulista hat geschrieben:
thomas hat geschrieben:
Oder willst Du behaupten in Brasilien seien die öffentlich in ihrem Rausch umherirrenden Koks/Marijuana-Nutzer das große Problem??

Spätestens dann, wenn sie die Knarre ziehen um dich auszurauben sind sie ein Problem.

Genau so isses-- und das exakte Problem ist hier die Beschaffungskriminalität, nicht die Sucht!

paulista hat geschrieben:
Ich wiederhole nochmal: Diese Leute haben i.d.R. auch nicht das Geld für einen legalen Kauf von Drogen, insbesondere in Brasilien.

Illegale Drogen sind teuer. Wer sie sich jetzt leisten kann, kann sie sich auch später leisten.
Wer sie sich nicht leisten kann.. fein.. das stört doch nicht wirklich?

paulista hat geschrieben:
thomas hat geschrieben:
Nicht zu vergessen die durch das Gewaltklima zunichte gemachten vernünftigen Lebenschancen.


Die Lebenschancen werden Deiner Meinung nach also erst durch das Gewaltklima und nicht durch den Drogenkonsum, der zur Sucht führt, zunichte gemacht?



In Brasilien auf jeden Fall. Dort gibt es in den Großstädten mittlerweile eine perfide Mischung aus durch Armut verursachte Kriminalitätsbereitschaft und einer mit durch die hohen Profite des Drogenhandelns erfolgten Aufrüstung mit Waffen. Nenn mir eine Favela in Rio, die nicht durch durch Drogengeschäfte finanzierte Mafia kontrolliert wird..!

Das muss man vielleicht auch im Bauch begreifen, bevor man sich an eine solche Lösung wagt: das Problem der Gewaltkriminalität in Brasilien ist absolut außer Kontrolle geraten.

Die Zahl der durch das Gewaltklima Betroffenen ist um ein Vielfaches höher als die durch den bloßen Drogenkonsum Betroffenen. Hinzu kommt, dass viele der Drogennutzer auch im Ausland sitzen. Der Kokser in München/Berlin der 50 EUR für das Gramm bezahlt und damit der Drogenmafia wieder das Geld für ne ordentliche Glock zugeschustert hat.. oder ebenso derjenige in Rio.. sollen die schutzwürdiger sein als die Armen der Dritten Welt?


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