Gefahren bei Auslandssemenster in Niterói

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Gefahren bei Auslandssemenster in Niterói

Beitragvon cherubina » Mo 19. Aug 2013, 17:10

Hallo liebe Brasilienfreunde!

Ich hoffe, das passt in diesen Teil des Forums, war mir da nicht ganz sicher, weil neu hier ;)

Ich habe vor im Zeitraum von ca. März bis Juli/August 2014 ein Auslandssemester in Brasilien zu machen. Studiere momentan Transnationale Literatur- und Filmwissenschaften im Master in Bremen.
Da meine Uni bzw. mein Fachbereich dort keine Partnerunis hat, kamen von Anfang an wenige Unis in Brasilien für mich in Frage, hinzu kam die Schwierigkeit, ein passendes Studienangebot zu finden. Nach langer Suche habe ich mich mit der UFF in Niterói in Verbindung gesetzt und es würde alles klappen. Soweit so gut.

Nun habe ich in letzter Zeit natürlich viel allgemein über die Probleme in Brasilien gelesen und auch über die in Rio, zum krönenden Abschluss diesen Bericht hier http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/574536/Drogenkrieg-im-Auslandssemester
Habe schon versucht mit der Verfasserin KOntakt aufzunehmen, aber ich wollte auch hier mal fragen, was ihr so von der aktuellen Situation dort haltet.
Ich bin kein ängstlicher Mensch und weiß schon, worauf man sich einlässt, wenn man nach Südamerika geht und wie es dort generell in Großstädten zugeht. War längere Zeit in Argentinien und bin auch einige Monate durch Brasilien gereist, wurde auch immer mal wieder überfallen, mal auf ganz harmlose Weise, mal mit vorgehaltener Waffe, blablabla. Aber es ist ja schon etwas anderes, wenn einem das täglich und dauerhaft passiert, weil die ganze Stadt oder das ganze Viertel so ist.
Ich würde mich freuen, wenn hier jemand vielleicht eine kleine Einschätzung dazu geben könnte, wie ratsam es ist, das Semester dort zu verbringen oder eventuelle doch irgendwo anders hinzugehen. Man kann das von so weit weg immer so schlecht einschätzen...
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Re: Gefahren bei Auslandssemenster in Niterói

Beitragvon cabof » Di 20. Aug 2013, 10:03

Hallo und willkommen im Forum. Na ja, das ist natürlich ein hammermäßiger Artikel - ob das so stimmt, können Dir nur Residents aus Niteroi beantworten... egal wo in Brasilien, nachts knallt es schon mal - mach Dir keinen Kopp und genieße Deinen Aufenthalt.
Cabof
Du hast keine Chance - aber nutze sie
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Re: Gefahren bei Auslandssemenster in Niterói

Beitragvon amazonasklaus » Di 20. Aug 2013, 10:46

cherubina hat geschrieben:War längere Zeit in Argentinien und bin auch einige Monate durch Brasilien gereist, wurde auch immer mal wieder überfallen, mal auf ganz harmlose Weise, mal mit vorgehaltener Waffe, blablabla. Aber es ist ja schon etwas anderes, wenn einem das täglich und dauerhaft passiert, weil die ganze Stadt oder das ganze Viertel so ist.

Damit hast Du bereits viel mehr Erfahrung als manche Forumsteilnehmer, die dreimal in der Zona Sul im Urlaub waren und anschließend behaupten, die Kriminalität in Rio wäre nicht so schlimm, ja wahrscheinlich wäre es dort ungefährlicher als in Frankfurt, wo sie am Bahnhof mal von einem Türken geohrfeigt wurden.

Natürlich ist es in einer brasilianischen Großstadt saugefährlich. Mit geeigneten Vorsichtsmaßnahmen, die man sich am besten von Nachbarn und Kollegen vor Ort sagen lässt, kann man jedoch versuchen, die Wahrscheinlichkeit, Opfer eines Verbrechens zu werden und ggf. dessen Auswirkungen zu minimieren. Auch die Autorin des Artikels scheint ja letztlich mit heiler Haut davon gekommen und um eine wichtige Lebenserfahrung reicher zu sein.
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Re: Gefahren bei Auslandssemenster in Niterói

Beitragvon juba » Di 20. Aug 2013, 20:42

Ich war letztes Jahr fuer drei Monate fuer ein Praktikum in Rio. Ich mag Rio gern und hatte aber auch eh keine grossen Auswahlmøglichkeiten an Städten. Ich hab alles gemacht was ich machen wollte und bin auch weder ueberfallen worden, noch ist mir sonst irgendwas blödes widerfahren. Aber ich finde es schon einschraenkend, wenn ich mir ueber Sicherheit Gedanken machen muss und nicht mitten inner Nacht alleine nach Hause laufen kann. Deswegen fuehl ich mich in Minas Gerais wohler.

Kannst du nicht versuchen mit Studenten oder Lehrern der Uni Kontakt aufzunehmen? Nach ein Bisschen googlen fänd ich Niteroi jetzt auch nich so attraktiv von der Sicherheitslage her, aber wie es tatsächlich ist dort zu wohnen und zur Uni zu gehen kann ja ganz anders sein.
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Re: Gefahren bei Auslandssemenster in Niterói

Beitragvon guelk » Mi 21. Aug 2013, 22:43

Hallo!

Zuerst möchte ich Dir gratulieren zu Deiner Entschlossenheit, kommt nicht häufig vor.

Wie jeder andere Großstadt auch, hat Niteroi sein gefährlicheren und sicheren Ecken. Es gab diese Ecke des Campus, die ist für seine Straßendiebe berüchtigt war: http://www.sidneyrezende.com/noticia/142538+alunos+da+uff+em+niteroi+criam+site+para+alertar+sobre+assaltos, aber der Bericht ist schon von 2011 und die angegebene Website gibt es nicht mehr. Der von Dir zitierte Bericht bezieht sich auch auf dieses Problem. Es ist auch wirklich so, daß sich die Diebe verlagert haben, in alle Richtungen. Inzwischen ist auch eine Favela in Niteroi von der Polizei eingenommen worden, und eine UPP soll dort installiert werden.

Aber, von meinen Arbeitskollegen aus Niteroi würde keiner von dort wegziehen wollen. Die fühlen sich alle unverändert wohl und ärgern sich nur über den Stau auf der Brücke nach Rio. So schlimm kann es also in der Praxis nicht sein. Teilweise nutzen sie auch ÖPNV, geht also auch.

Bei Deiner Wohnungssuche solltest Du möglichst was in der Nähe der Stadtmitte suchen, sonst erwarten Dich ziemliche Staus in den Bussen... Piratininga mit seinem Strand ist sehr schön, aber zur Hauptverkehrszeit steht alles.

Viel Spaß!
Ja, ich bin Rio gegenüber positiv eingestellt.
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Re: Gefahren bei Auslandssemenster in Niterói

Beitragvon Limao » Do 22. Aug 2013, 01:03

guelk hat geschrieben: So schlimm kann es also in der Praxis nicht sein. Teilweise nutzen sie auch ÖPNV, geht also auch.



“...Teilweise nutzen sie auch den öffentlichen Nahverkehr..... So schlimm kann es also in der Praxis nicht sein...”

Nahverkehr nutze ich auch.

Ich muss sagen, dass es bei uns in BH schon erheblich schlimmer geworden ist. Das heisst zumindest man nimmt mehr wahr.

Unser Viertel ist, sagen wir mal so - ein Arbeiterviertel, eine Favela ist es nicht, zwar am Berg gelegen, aber gut erschlossen (die Leute trauen sich zum Teil nicht ihr Haus von aussen schön zu machen, weil das auffällt und erhebliche Mehrkosten für Sicherheitstechnik nach sich zieht, vielen fehlt sebstverständlich auch das Geld um zu Ende zu bauen).

Als ich vor 10-11 Jahren hier zum ersten Mal war, ich glaube einer der ersten Gringos die hier im Viertel aufkreuzten, war ich schon manchmal erschrocken. Einmal auf unserer Party hatten sich “Freunde von “Freunden” ” mit eingeladen, der eine hat mir doch tatsächlich seine Knarre gezeigt, nur mal so um sie zu zeigen, so als wenn er sich gerade ein neues Auto gekauft hätte und natürlich um zu mitzuteilen, wer hier Chef im Ring ist. Damals gabs natürlich auch schon Drogen hier, aber gefühlsmäßig nicht so schlimm. Damals haben wir hier über Einbrüche simpler Art gesprochen. Sind auch 2 mal in unserem ehemaligen Haus was wir zwischenzeitlich verkauft haben, beraubt worden, aber die haben seinerzeit Kochtöpfpfe und ein paar Nike Schuhe mitgenommen. Einmal meinte der Taxifahrer er könne uns wegen zweier Strolche nicht an der Tür absetzen, mussten wir noch in eine Pizzeria anschliessend. Damals! Ab und zu mal einen Erschossenen, vermutlich weil 20 Real nicht bezahlt oder so. In meinen ersten 2 Wochen hier hatte ich auch schon selbst den ersten Toten hier am Straßenrandgesehen, am Primero de Maio. Das haben sie heute überwiegend alles abgerissen, wegen Verkehrsprojekte. (Die Leute haben keine Wohnung sondern Bargeld bekommen, so was Dummes, landet sowieso bei den ex Favela Chefs....ein Teil hatte auch Pech die Ausläufer der Favela gibts immernoch direkt gegenüber einem Krankenhaus, tolles Gefühl da jemanden zu besuchen....)

Heute! Heute höre und lese ich nur noch von Hinrichtungen, so 5-10 Kugeln in den Kopf usw.. was die Magazine so hergeben. Beim Toten Nummer 10 in unserem und in den Nachbarvierteln hier habe ich dieses Jahr aufgehört mit zu zählen. Meistens natürlich wegen Drogen, was man so hört geht es auch nicht mehr nur um ein paar Gramm Hasch, lolo oder sowas sondern es ist knallharter Koks- und Chemodrogenhandel wohl im Kilobereich wenn ich das richtig sehe ?

Die Resultate einer Nacht sind oft im Ticker bei em.com.br nachzuvollziehen. In der Zeitung heisst es meist, meisst die Motive sind noch unklar, aber irgend ein Nachbar meinte, es müsste um Drogen gegangen sein, der Tote, wenn identifiziert, hatte meist auch schon mal eine Passage durch die Polizeistationen... Viele werden aber nicht erfaßt. Man hört nur unten ist in der nacht wieder einer erschossen worden, aber nichts in der Zeitung. Manche werden auch nicht veröffentlicht oder als tot beschrieben, weil sie trotz mehrerer Schüsse in den Kopf und Lunge, dank erfahrener brasilianischer Ärzte überlebt haben, zum Schutz, auch der Familien! Sonst kommt am nächsten Tag wieder einer und “vollendet” das.

Sicher kann man sich nicht fühlen, aber es geht eingermaßen, wenn's einen treffen sollte, Querschläger oder so, ist es eben so, Angst habe nicht. Natürlich gehe ich nachts nicht im Viretel aus, nur in meine Nachbarsbar, aber da kenne ich nach 10 Jahren schon alle. Wir Anwohner müssen jeden Monat auch eine Menge Geld für irgendwelchen Lärmenden Motorradfahrer ausgeben, die Einbrechen abschrecken sollen, ist Quatsch meiner Meinung Nach und man kann kaum schlafen. Polizei gibts hier in Massen – tagsüber - wesentlich mehr als damals. Was mich persönlich an sicherheitsmangel stört ist, das ich hier keine schlechte Laune haben darf, jemand könnte sich angegriffen fühlen, wenn ich ihm meine Meinung über seinen Service im Laden, Rasteaurant oder sonst wo sage....das könnte bitter werden.
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Re: Gefahren bei Auslandssemenster in Niterói

Beitragvon cherubina » Fr 23. Aug 2013, 09:18

Vielen Dank für eure Antworten.

Das beruhigt mich jetzt doch so insgesamt etwas. Gerade wenn man hört, dass es in den anderen Städten ähnlich ist. Ich denke ich werde dann vor Ort mal in Erfahrung bringen und schauen, wo und wie man sich dann dort am besten aufhält. In Rio wohnen und ständig rüberfahren ist glaub ich auch keine so tolle Idee, nur wenn ich wirklich sehr viel Zeit haben sollte :)

Habe gerade gestern erfahren, dass ich wohl auch nach Fortaleza gehen könnte, aber ob das ne Option ist, da bin ich mir noch nicht so sicher...
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Re: Gefahren bei Auslandssemenster in Niterói

Beitragvon Trem Mineiro » Fr 23. Aug 2013, 20:58

Fortaleza - ich glaub schon. kriminal- und strandtechnisch sicherlich. Die UNI, welche ist es denn? ist ok, zumindest die staatliche, wie ich von einem Forumskollegen, dessen Sohn dort studiert, weis. Auch an Kultur mangelt es dort zu meiner Überraschung nicht.

Ansonsten sollte man ein Auslandsemester in Brasilien in Brasilien für den weiteren Karriereweg nicht überschätzen. Ausland ist immer gut, Brasilien?, da haben die Personaler wohl immer noch "falsche" Vorstellungen (oder vielleicht recht).

Ich sehe aber auch keinen echten Grund, nicht in Niteroi/Rio zu verbleiben.

Viel Spaß
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Re: Gefahren bei Auslandssemenster in Niterói

Beitragvon Berlincopa » Fr 23. Aug 2013, 22:30

Generell ist Angst immer ein schlechter Ratgeber. Wenn auch nur eine deutsche Studentin vor kurzem in Niteroi überfallen, vergewaltigt oder ermordert worden wäre, hätte man sicher davon gehört. Denk Dir einfach, daß es viel lohnendere Kriminalitätsziele als Dich gibt und beherzige die hier mehrfach beschriebenen Vorsichtsmaßnahmen.
Zwishen Rio und Niteroi verkehren auch viele Fähren, die Dir täglich eine kurze Kreuzfahrt bieten.
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Re: Gefahren bei Auslandssemenster in Niterói

Beitragvon moni2510 » Sa 24. Aug 2013, 11:17

auch meine Kollegen aus Niteroi wuerden da nicht wegwollen, die kommen alle mit der Faehre zur Arbeit.

Niteroi ist nicht Bremen, aber das weiss Cherubina eh schon. Ich wuerde die Chance auf jeden Fall wahrnehmen. Ob das gut ist fuer die Karriere, weiss ich nicht. Aber ne tolle Erfahrung doch allemal.
---
Woher soll ich wissen, was ich denke, bevor ich es hier aufschreibe.
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