Gehaltskalkulation für entsandten Arbeitnehmer

Tipps und Fragen von Auswanderungswilligen und Leuten, die es schon in Brasilien geschafft haben / Wirtschaftliche Unabhängigkeit

Gehaltskalkulation für entsandten Arbeitnehmer

Beitragvon arminius » Di 25. Jan 2005, 12:32

Mal eine Frage an die Leute die sich von ihrem Arbeitgebern nach Brasilien entsenden lassen haben:
Wie wurde das neue Gehalt in der Ferne kalkuliert?

Uns wird jetzt (für Sao Paulo) vorgerechnet:

(Laufende Kosten bisher) =
(Bisheriges Gehalt)
- (alles was man bisher spart)
- (Miete, Steuern, Sozialvers. etc)


Gehalt Neu = (Laufende Kosten bisher) * 65%
+ (alles was man bisher spart)
+ (Miete neu, Sozialversicherung nach heimischem Standard)
+ gute Krankenversicherung

Die Firma scheint mir dabei ja ein ganz gutes Geschäft zu machen statt Mehrkosten zu haben. Ist sowas üblich?
Wie werden normalerweise Einbussen (Einkommen, Karriere) des Ehepartners finanziell berücksihtigt?

Danke für Eure Erfahrungen,

Arminius
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Beitragvon Bagi » Di 25. Jan 2005, 16:37

Hallo Arminius,

diese mehr als arbeitgeberfreundliche Gehaltskalkulation ist unüblich!

Ich kenne mich mit dem deutschen Arbeitsrecht nicht aus, aber ich habe Zweifel, dass es überhaupt zulässig ist Deinen Gehalt einfach mal zu kürzen.

Ich kann Dir aber mal sagen, wie es bei unserem Konzern in Deutschland geregelt wird:

Der Entsandte bekommt nach wie vor seinen vollen Gehalt in Deutschland.
Zusätzlich bekommt er eine tägliche Verpflegungspauschale. Die Pauschbeträge für die Verpflegungsmehraufwendungen werden vom Bundesfinanzministerium ausgewiesen und liegen für São Paulo und Rio de Janeiro bei 47 Euro. Für den Rest von Brasilien bei 38 Euro. Diese Pauschbeträge sind steuerfrei.
Je nach Länge der Aufenthaltsdauer, welche zwischen einigen Tagen und bis zu mehreren Jahren liegen kann, werden die Hotelkosten bzw. eine Wohnung in voller Höhe bezahlt.

Für diejenigen, welche nur ein paar Tage im Lande sind werden die anfallenden Taxikosten beglichen, ansonsten wird ein Mietwagen- oder Firmenwagen zur Verfügung gestellt.

Familienheimflüge gibt es zwei pro Jahr (Lebenspartner mit inbegriffen)


Sind die Arbeitnehmer mehr als 180 Tage in Brasilien, werden sie in Deutschland steuerbefreit, da sie eigentlich in Brasilien ihre Steuern zahlen müssten. Das ist aber reine Theorie. Zahlen tut natürlich niemand was an den brasilianischen Fiskuss – der blickt da einfach nicht durch.



Diese Regelung wird so – oder ähnlich auch von anderen Firmen gehandhabt.
Bis dann
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Beitragvon patecuco » Di 25. Jan 2005, 16:41

@Arminius

ich kenne die Firma nicht, die Dich ins Ausland schicken will, Du scheinst aber bei GEIZ IST GEIL anzufangen.

Es kommt natuerlich zuerst mal auf den Zeitraum an, fuer den Du entsandt werden sollst. Erst bei laengeren Aufenthalten , so ab einem Jahr, macht man ja diese Vertraege fuer entsandte Mitarbeiter.

Ein Freund sollte 1999 fuer Audi nach Curitiba, damals bot Audi nur einen nationalen und keinen expat Vertrag an, 80.000 R$ pro Jahr. Sicherlich in BR nicht schlecht, doch eben erheblich weniger als er in D verdiente. Er hat zum Glueck abgelehnt. Die Entwertung des R$ haette ihn sicherlich geaergert.

Ich bin oft im Ausland gewesen und habe viele Vertraege mit Firmen geschlossen, am liebsten bin ich jetzt als freier Mitarbeiter beschaeftigt, also selbststaendig.

Eine uebliche Kalkulation sieht so aus

Gehalt waehrend der Zeit im Ausland =
Bruttogehalt in D
+ Laenderzuschlag lt. Tabelle vom Finanzamt (enthaelt Kaufkraftausgleich)
+ kostenlose Auslandsversicherung (Krankheit, Flugrettung, Impfungen etc)
+ ein Zuschlag zum bisherigen Gehalt fuer evtl. Ueberstunden (+15%)

Dann kommen noch so Kleinigkeiten wie,

Ein Heimflug pro Jahr,
Zuschuss zur Wohnung im Ausland (max. begrenzt je nach Land) falls Wohnung in D beibehalten wird.
Falls keine moeblierte Wohnung gestellt wird, dann Zuschuss zu Moeblierung, ansonsten Kosten des Umzugs (Volumen oder Summe beschraenkt)
Firmenfahrzeug zur Privatnutzung
Evtl. Schulgeld (anteilig) fuer schulpflichtige Kinder

Falls Dir das viel vorkommt, dann musste mal bei Botschaftsangehoerigen oder Lehrern an Auslandsschulen nachfragen. Ein Bekannter verdiente 1991 als Deutschlehrer 14.000 DM steuerfrei, Umzug und Auto im Container bezahlt. Vertrag fuer 5 Jahre. Und Ferien ueber Ferien...

Das zahlt leider kaum eine Firma und die meisten Firmen koennen und wollen das heute auch nicht mehr bezahlen. Erstens ist sonst die Konkurenz aus dem Ausland billiger, und zweitens haben sie irgendwo solche Rechnungen wie Dir praesentiert in einem Seminar fuer Unternehmens- oder Personalfuehrung gelernt.

Ich hatte mal von einem Banker gehoert, wenn Sie in der Zeit im Ausland nicht soviel sparen koennen wie Sie in D verdienen, hat es sich nicht gelohnt. Bei mir stimmt das zur Zeit, doch ist es nicht mehr ueblich, dass alle Firmen dies anbieten.

Mein Tipp:

Nicht unter dem bisher in D vorhandenen Lohn akzeptieren.
Auf Nebenkosten schauen (Schule, Fluege...)
Lebenshaltungskosten im jeweiligen Land rausfinden und zwar fuer deinen Lebensstandard, nicht fuer Bettler.

Falls das nicht in das Gehaltsschema der Firma passt, anbieten als freier Mitarbeiter zu arbeiten.

Falls Die Firma immer noch kein Einsehen hat, ablehnen. Wenn sie nichts bezahlen wollen, liegt ihnen auch nichts an diesem Projekt.

In diesem Sinne, viel Erfolg und nicht mit Pokerface verhandeln sondern alle Punkte offen praesentieren und erklaeren. Wenn die Firma mehr weiss als Du, bist Du im Nachteil.

Ganz wichtig, alles im Vertrag schriftlich festhalten. Was Du nicht schwarz auf weiss hast, ist nie vereinbart worden. Stillschweigend wird nichts rechtskraeftig.
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Beitragvon Lemi » Di 25. Jan 2005, 17:00

Hi Arminius,

Bagi hat das schon recht gut dargestellt. Natürlich gilt für jede Firma eine andere Regelung. Fakt ist aber, dass Lohnkürzungen aufgrund niedrigerer Lebenshaltungskosten im Ausland völlig unüblich sind, sondern eher das Gegenteil.

Ich selber hatte bis vor kurzem auch noch einen sogenannten Entsendevertrag mit einer deutschen Firma, der in etwa wie folgt aussah:

1 - Altes Gehalt wird in Deutschland in Euro steuerfrei weitergezahlt (die Versteuerung ist bei mehr als 183 Tg. / Jahr im Ausland Sache des AN´s)

2 - Sozialversicherungen werden weiterhin vom Lohn einbehalten.

3 - Krankenversicherung kann wahlweise in Deutschland oder in Brasilien bei einer Privatversicherung abgeschlossen werden. Die Firma erstattet die Kosten.

4 - Auf das Gehalt wird ein Auslands-AUFSCHLAG von xx % gezahlt (den Satz, den das Finanzamt des AG´s anerkennt, liegt bei 20%).

5 - Jährlich 1 Heimreise für die ganze Familie sollte von der Firma bezahlt werden (normalerweise im Verbund mit einer Dienstreise).

6 - Je nach Stellung bekommt man einen Dienstwagen gestellt, der u.U. auch privat genutzt werden kann.

Karriere- oder Einkommensverluste von Familienangehörigen können durch die Firma im Grunde genommen nicht mitgetragen werden.

Ich finde, dass sind ganz komfortable Bedingungen, die ich aber trotz all der angenehmen Seiten Brasiliens gerecht finde, da ich als Spezialist mit quasi perfekten Portugiesichkenntnissen, reichlich Berufserfahrung in Brasilien und mit bras. Dauervisum in der Tasche eingestellt wurde.
Man sieht sich,
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Beitragvon Trem Mineiro » Di 25. Jan 2005, 17:51

Oi Gente

Zu den Konditionen von "Geiz ist Geil" würde ich auch nicht ins Ausland gehen. Was Bagi und Lemi geschrieben haben, ist vollkommen im Rahmen. Gehalt + 20 % Auslandszulage sind üblich (Tagegelder etc. werden vom Deutschen Fiskus bei längeren Entsendungen nicht akzeptiert, dazu gibt es ja dann die Auslandszulage).

Das Schlüsselword aber ist die "Entsendung" Ich gehe mal davon aus, das Firma "Geiz ist Geil" die Mitarbeiterin in eine Filiale oder Tochtergeselllschaft entsendet. Das geht aber so nicht. Entsendungen gehen nur auf Baustellen, im Rahen von Auftragabwicklungen oder für spezielle Projekte etc.

Nur in eine Auslandsfiliale oder Tochter geht es eben nicht, selbst dann nicht, wenn das Gehalt von der deutschen Mutter gezahlt wird oder mit der deutschen Mutter verrechnt wird. Im Falle einer solchen "Verschickung" fällt man aus der deutschen Sozialversicherung. Ob das schlimm ist, muss jeder im Einzelfall selber wissen)

Nach 180 Tagen Aufenthalt entsteht Steuerplicht für das Welteinkommen in Brasilien. Oder man muß nachweisen, das man in Deutschland versteuert hat (Doppelbesteurungsabkommen) So locker wie früher ist das heute alles nicht mehr.

Laßt euch mittelfristig nicht vom AG erzählen, ihr habt ja den Vorteil keine Steuern zahlen zu müssen. Das holt euch ganz schnell ein.

Gruß

Manfred
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Beitragvon arminius » Di 25. Jan 2005, 23:01

Tja, erstmal vielen Dank euch allen! Als Zusatzinformation muss ich euch wohl sagen dass meine Frau bei GEIZ IST GEIL arbeitet und nach Sao Paulo geschickt werden soll. GEIZ IST GEIL ist ein grosser schweizer Maschinenbaukonzern und wir wohnen auch in der Schweiz.
Tja, für mich stellt sie die Frage was eigentlich mit mir passiert. Bei DEN Einbussen die ICH hinnehmen müsste MUSS sie einfach deutlich mehr nach Hause bringen. ICH BIN DOCH NICHT BLÖD ;-)
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