Geschichte aus dem wahren Leben

Tipps und Fragen von Auswanderungswilligen und Leuten, die es schon in Brasilien geschafft haben / Wirtschaftliche Unabhängigkeit

Re: Geschichte aus dem wahren Leben

Beitragvon Timao » Do 3. Jan 2008, 22:05

"Brasilien ist ein Schwellenland. Kein Dritte Welt Land. Das war mal so. Die klassische "Dritte Welt" findet man heute verstärkt auf dem afrikanischen Kontinent und in Teilen Ostdeutschlands"
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Ist Brasilien wirklich kein Drittland? Wenn ich mich mit den Leuten hier unterhalten und nach ihrem Leben frage sind deren Probleme (bei den meisten) schon typische Drittlandsprobleme und nur weils tolle shoppings und Carrefours gibts ist Brasilien noch lange nicht ein Schwellenland, von der Bildung ganz zu schweigen.

Wieso sind gewiese Teile Ostdeutschlands dritte Welt? Zugegeben es gibts dort leider gravierende Probleme, die haben aber nichts mir der dritten Welt zu tun.
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Sprachkurs Portugiesisch (Brasilianisch)

ich spreche im Forum von Brasilien 2008...

Beitragvon cabof » Do 3. Jan 2008, 22:58

1. -2. -3. Welt, der Versuch (erfolglos) die Erde in Schubladen zu stecken. Alles Quatsch.

Brasilien heute - reicht von der Steinzeit (einige Indianerstämme, die glücklichen) über
tiefstes Mittelalter (Knast = Kerker) (keine Infrastruktur, man kippt die Kake in die Gosse)
feudales Barockzeitalter (High Society mit ihren Annehmlichkeiten), Anfänge des Industrie-
zeitalters (Ausbeutung der Arbeiter, Kinderarbeit) bis hin zur Gegenwart wo der Normalsterb-
liche mit den Unbillen des Lebens zu kämpfen hat oder gar bis zur Zukunft wo es schon heute
futuristische Bauten und Stadtplanungen gibt (ob gut oder nicht, sei dahingestellt). Man kann
die Liste endlos weiterführen (Kolonialisierung = Raubbau) (Coronels/Marajos = Sklavenhaltung)

alles das ist Brasilien für mich heute (stellvertretend für viele andere Staaten dieser Welt).
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Re: Geschichte aus dem wahren Leben

Beitragvon donesteban » Sa 5. Jan 2008, 02:53

Jacare hat geschrieben:..."Viele Menschen sagen mir, daß es es mutig ist mit 55 und und wenig Geld auszuwandern, aber ich sage es wäre genauso mutig von mir hier zu bleiben."...
Ja wo er Recht hat, hat er Recht! =D>
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Re: Geschichte aus dem wahren Leben

Beitragvon donesteban » Sa 5. Jan 2008, 03:09

Timao hat geschrieben:... Wenn ich mich mit den Leuten hier unterhalten und nach ihrem Leben frage sind deren Probleme (bei den meisten) schon typische Drittlandsprobleme und nur weils tolle shoppings und Carrefours gibts ist Brasilien noch lange nicht ein Schwellenland, von der Bildung ganz zu schweigen...
Timao, tausche Carrefours mit Aldi und Lidl und Brasilien mit Mecklenburg-Vorpommern, dann hast Du die Antwort auf Deine folgende Frage. :wink:
Timao hat geschrieben:Wieso sind gewiese Teile Ostdeutschlands dritte Welt? Zugegeben es gibts dort leider gravierende Probleme, die haben aber nichts mir der dritten Welt zu tun.

Ich war Ende 2007 bei einem Familienfest in einem Dorf. Wurde dort in einer "Gaststätte" veranstaltet. ca. 100 km von Stuttgart im Schwarzwald. Junge ich sag es Dir. Das war vielleicht ne dritte Welt. Echt schräg ;-)

Ich halte auch nicht viel von den Schubladen. Schwellenländer, Wachstumsmärkte oder noch schicker "Emerging Markets". Mein Schwellenland hat sich eher auf die wirtschaftliche Entwicklung bezogen. Dennoch. Wenn Europa die erste Welt ist und Brasilien die dritte Welt. Was ist dann zum Beispiel Ruanda? 4. oder 5. Welt. Habe ich noch nie gehört. Also ich finde das mit Schwellenland ganz ok.
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Re: Geschichte aus dem wahren Leben

Beitragvon donesteban » Sa 5. Jan 2008, 11:19

Neto hat geschrieben:...Trotz mancher Problemchen, das Land ist Nota 10...
Nanana, jetzt wollen wir aber auch nicht übertreiben. Aber wer in Brasilien zurecht kommt und wem es liegt, ja der hat viel Fun. Für mich (zur Zeit) nota dez.
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Re: Geschichte aus dem wahren Leben

Beitragvon Timao » Sa 5. Jan 2008, 23:54

nota 9 ist ok. Ich suche die kontakte in brasilien zu den intelektuellen (icht zu den patrecinas)=clase alte uws. Und es gibt auch relativ viele gebildete Brasilianer in BH die mich immerwieder ueberrraschten und es immerwieder Spass macht sich produktiv zu unterhalten und von einander zu lernen. Claro beim "povao" ist man willkommen aber hand auf herz die gepraeche sind schon sehr limitiert (ok im interior in gewissen regionen in der brd mag es nicht anders sein), aber da hilft nur UMAS copinhas um das auszuhalten , oder etwa nicht? - immer der selbe papo mulher , fultebol, cerveija, irgendwann wirds langweilig).
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Re: Geschichte aus dem wahren Leben

Beitragvon Jacare » Mo 7. Jan 2008, 13:25

Oi,Gente !
Das mit Nota 10 für Neto passt schon. Schließlich schrieb er vorangehend "Brasilien ist Himmel und Hölle.....". Für Neto ist Brasilien eben der Himmel. :wink: Was mich angeht, habe ich gerade einen Hauskauf in D kurz vor Notarabschluss geschmissen. Warum ? Der Gedanke 20-30 Jahre an dieses Land gebunden zu sein ist für mich die Hölle.

Gruss
Jacare
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Re: Geschichte aus dem wahren Leben

Beitragvon donesteban » Mi 9. Jan 2008, 04:07

Timao hat geschrieben:... immer der selbe papo mulher , fultebol, cerveija, irgendwann wirds langweilig). ...
Tja Timao, diese Problem wird sich bei Deinen
Timao hat geschrieben:... Ich suche die kontakte in brasilien zu den intelektuellen (icht zu den patrecinas)=clase alte uws. ...
leider wiederholen. Nur halt auf einem anderen Level ;-) Aber stimmt schon. Ein paar anspruchsvollere Gespräche können was Schönes sein. Das haben wir Deutsche aber irgendwie in uns. Ich war sechs Jahre in Schweden. Wenn ich in DE mit meinen Bekannten so richtig schön gefeiert habe, hat der Abend nicht selten mit (pseudo-)intellektuellen Gesprächen oder Diskussionen geendet. In Schweden haben die statt dessen immer gesungen. Echt! immer! Und das waren keine blöden Leute. Anständiges Bildungsniveau etc. Man wie mir das auf den Sack ging... ;-)
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Re: Geschichte aus dem wahren Leben

Beitragvon GdB » Mo 11. Feb 2008, 15:55

Hallo Leute,

ich bin ein Einsteiger in Euer Forum (und auch neu in dieser Online Community) und halte alle Beiträge für sehr interessant und lehrreich (wenn man von einigen Emotionen absieht, die ich für kontraproduktiv halte, da es zum Thema Brasilien eben nicht eine gültige Weisheit gibt, sondern "nur" unterschiedliche Erfahrungen, die je nach Situation für ein und dasselbe Thema völlig konträr ausfallen können)

Ich muß den Leuten aber absout recht geben, die sagen, daß die Einwanderung der "Gringos" und deren Investitionen und Aktivitäten zur Bestreitung des Lebensunterhaltes sehr gut überlegt werden müssen.


Ich sehe hier 3 wichtige Dinge:

1.) Integration (Anpassung an die Lebensgewohnheiten und Eigenheiten):

Dazu gehört selbstverständlich die Sprache, aber nicht nur als "Übersetzung" der Muttersprache, sondern vor allem das Verstehen der "nonverbalen" Kommunikation und Nutzung der landesüblichen Sprachnuancen


2.) Connections zu Einheimischen:

Freunde, vertauenswürdige Personen, Verwandschaft des "angeheirateten" Partners, etc.=> Wenn man den Lebensstil und Eigenheiten der Geschäftswelt nicht wirklich intus hat, sehe ich die Erfolgsaussichten für gering an. Ohne Unterstützung von Insidern ist das wirklich sehr schwer

3.) Herzblut / Liebe zum Land:

Man darf Brasilien nicht einfach als "Einwanderungsland" sehen, sondern muß dorthin gehen, weil das Bauchgefühl es einem sagt und weil man das Land zu lieben gelernt hat. Das bedeutet nicht alleine das Land als neuer Wohnsitz, sondern das Land als Einheit (Leute, Kultur und Wesensart, Schönheit des Landes, der Flora und Fauna, etc.)

Nur dann lernt man mit Problemen, Fehlern, oder sonstigen Unwegsamkeiten als Teil der Kultur umzugehen.


Es gibt für mich 3 Arten von Gringos:

1.) Der Tourist => Kann die Sprache nicht, ist sowieso nur kurz im Lande und kann nach allen Regeln der Kunst ausgenommen werden.

2.) Der besserwisserische Einwanderer => Vergleicht Brasilien mit seinem Mutterland, weiß alles besser, akzeptiert die speziellen Eigenheiten der brasilianischen Kultur nicht

Auch dieser Gringo wird wohl des öfteren ausgenommen, wird nur wegen der Macht seines Geldes akzeptiert (zumindest galubt er das) und hat es sehr schwer einheimische Kontakte aufzubauen

3.) Der angepaßte Gringo => Nimmt das Land wie es ist, natülich ohne seine Herkunft zu leugnen. Kann auch versuchen Verbesserungen aus seinen Erfahrungen durchzusetzen, aber nie besserwisserisch, sondern sozial vertäglich und durch Überzeugung.

Wird von den Einheimischen zwar immer noch als Gringo gesehen, aber nicht im negativen Sinn. Wird akzeptiert und schließt leicht Freundschaft.
Wird aber immer wieder neu auf seine soziale Tauglichkeit "geprüft" (d.h. die Leute testen immer wieder aus, ob er wirklich alle Tricks und kulturellen Eigenheiten versteht => aber das auch wieder auf die liebenswürdige Art)


Nun etwas zu meiner Person zur Aufklärung (ich will mich ja nicht als "Besserwisser" in Euer Forum einschleichen):

Ich bin als junger Bursche von 23 Jahren 1973 nach Brasilien gegangen, weil mich das Land interessiert hat. Ich wollte eigentlich nur 3 Monate bleiben, daraus sind dann 18 Monate geworden.
Während dieser Zeit habe ich meine Frau (Brasilianerin) kennengelernt und wir haben geheiratet.

Wir sind dann Ende 74 nach Österreich zurückgegangen und leben seither ausschließlich in Österreich, besuchen aber alle 1-2 Jahre Ihre Verwandten und unsere Freunde in Brasilien (Staat Sao Paulo).

D.h. ich habe eine sehr enge Bindung zu Brasilien und werde mich wohl in 1-2 Jahren selbständig machen und eine Firma gründen, die ich sowohl in Österreich, als auch in Brasilen betreiben will.

Übrigens: Es ist nicht meine Frau, die nach Brasilien drängt, sondern ich. Sie ist hier in Österreich glücklich und würde nie nach Brasilien zurückgehen => deshalb der Kompromiss: Ein Geschäft, wo wir sowohl in Österreich, als auch in Brasilien tätig sein können.


Zusammenfassung: Es gibt also auch absolut positive Stories über Brasilien, die brasilianischen Frauen und die Beziehungen zwischen dem Mutterland und Brasilien. Man kann alles unter einen Hut bekommen und in beiden Welten gleichzeitig existieren.
Das ist ein Abenteuer, welches einen jung und glücklich erhält

Abracos a todos

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Re: ich spreche im Forum von Brasilien 2008...

Beitragvon Takeo » Di 12. Feb 2008, 01:49

cabof hat geschrieben:1. -2. -3. Welt, der Versuch (erfolglos) die Erde in Schubladen zu stecken. Alles Quatsch.

Brasilien heute - reicht von der Steinzeit (einige Indianerstämme, die glücklichen) über
tiefstes Mittelalter (Knast = Kerker) (keine Infrastruktur, man kippt die Kake in die Gosse)
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Du reduzierst Brasilien mal wieder nur auf seine Klischees!
Und deshalb mögen Brasilianer auch keine Gringos!
Ich mag deshalb auch keine Gringos!
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