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Condor




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 Betreff des Beitrags: Gesprächspartner gesucht
BeitragVerfasst: 09 Dez 2005 11:17 
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Registriert: 09 Dez 2005 10:44
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Hallo, oi, bom dia und guten Tag.

Aufgrund einer freundlichen PM (vielen Dank) wurde ich auch auf dieses Forum aufmerksam.

Mein Partner und ich reisen am 12. Dezember für 3 Wochen nach Natal. Einerseits möchten wir ein wenig entspannen, andererseits suchen wir möglichst viele Kontakte, um geschäftliche Perspektiven auszuloten.

Natal deshalb, weil es nicht unsere erste Reise in diese Region ist (ein Geschäftsfreund hat in Buzios seine Schwiegereltern), und weil es uns dort unheimlich gut gefällt und sich der Raum Natal zur Zeit zu einer Tourismusattraktion für Europäer u.a. mausert.

Wenn ich von geschäftlichen Perspektiven spreche, so meine ich nicht gerade die vielzitierten Kneipen und Pousadas (obwohl man sicher auch darüber nachdenken kann, denn Kneipe ist nicht gleich Kneipe). Wir befassen uns einerseits mit der industriellen Wasseraufbereitung und verfügen hier über eine kleine Produktpalette, die gerade ihre 3-jährige Feuertaufe im Testmarkt Frankreich bestanden hat. Andererseits handeln wir mit zahnmedizinischen Versorgungsgütern und -einrichtungen.

Warum wollt ihr dann nach Brasilien, werdet ihr vielleicht fragen.

Der Dentalmarkt in D wird seit letztem Jahr von amerikanischen Investoren aufgekauft und teilweise zerschlagen, die Gesundheitsreform trägt ihr übriges dazu bei. Fazit: Umsatzrückgang in der Branche 10% in 2004 und 30% (dreißig, das ist kein Schreibfehler) in 2005. Ihr glaubt nicht, wieviele Zahnärzte ihre Rechnungen nur noch schleppend oder garnicht mehr bezahlen. Unser kleines Depot hat in diesem Markt keine Überlebenschance. Übrigens, einer der größten Gerätehersteller gehört inzwischen Amerikanern und wird nach Brasilien verlagert.

In der Wasseraufbereitung gestaltet es sich ähnlich. Die 2 mit uns vergleichbaren Wettbewerber liefern sich seit letztem Jahr in D eine mörderische Preisschlacht, so daß wir uns die Markteinführung unserer Produkte wirklich schenken können. Leider zählt zur Zeit nicht Qualität, es geht alles nur noch über den Preis, und zwar zu Konditionen, die teilweise nicht einmal die Kosten decken.

Aufgrund der schlechten Marktlage und -perspektive haben wir inzwischen alle festen Mitarbeiter (es waren 5) entlassen müssen. Wir hatten schon überlegt, alles an den Nagel zu hängen, nur......wer gibt in D Leuten über 50 einen Job???
Sollen wir etwa unsere Reserven verfuttern, bis wir Hartz 4 beantragen dürfen? Und dann warten, bis es irgendwann Rente gibt?

Es wäre also wirklich toll, wenn wir unter euch Gesprächspartner finden könnten, oder aber der Eine oder Andere uns an Interessenten weiterleiten könnte. Denkbar wären beide Wege: Wir arbeiten weiter in D und haben Partner in Brasilien, oder aber wir packen einfach unsere Koffer.

Also, wäre schön, von euch zu hören, hier oder per PM.

Es grüßt herzlichst
Marion


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BeitragVerfasst: 09 Dez 2005 13:54 
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Marion hat geschrieben:
Sollen wir etwa unsere Reserven verfuttern, bis wir Hartz 4 beantragen dürfen? Und dann warten, bis es irgendwann Rente gibt?

Hallo Marion
Eure Einstellung, es auf einem anderen Markt zu versuchen ist so, wie sie sein sollte. Die Reserven könnt Ihr immer noch verfuttern, wenn was schief geht. In Brasilien würde die Reserve ein wenig länger reichen.
Dieses Thema wurde vor einigen Tagen diskutiert unter
http://www.brasilienfreunde.net/viewtop ... sc&start=0

Lest Euch das aufmerksam durch und macht euch vorab Gedanken über die KV und die bedarfsorientierte Grundsicherung im Alter.

Wenn Ihr ein paar Kilo Freigepäck übrig habt, besucht mae Roshina oder das Altenheim mit Euren aussortierten Klamotten:
http://www.mae-rosinha.de/html/claudia_und_gorden_.html



Viva Floripa


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BeitragVerfasst: 09 Dez 2005 14:57 
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Hi,

Wasseraufbereitung ist sicherlich ein Thema in Brasilien-- allerdings sind öffentliche Mittel knapp (65,8 Mio Bundesmittel für Wasseraufbereitung in 2003-2004) und der Markt ist selbstverständlich auch hier voller Konkurrenz.

Von einem Einstiegsversuch in eine so industrielle Branche muss man euch als Kleinstunternehmer ohne Infrastruktur abraten. Auch für reine Vermittlung gibt es heute immer weniger Raum und ihr habt kein Kundennetzwerk in Brasilien.

Vielleicht solltet ihr euch wirklich nochmal den Tourismussektor anschauen.

Viel Glück
Thomas


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BeitragVerfasst: 09 Dez 2005 15:09 
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Und weil das bestimmt nicht das ist, was Du hören wolltest:

Nationale Wasserbehörde
http://www.ana.gov.br

Konferenz zu Best Practices in der industriellen Wasseraufbereitung 2003
http://www.ana.gov.br/Eventos/default2-ev2003.asp

Eventuell bekommt man die Teilnehmerlisten. Die ANA macht einiges im Bereich Reuso. VW hat übrigens in Taubaté eine ganz tolle Wasseraufbereitungsanlage für ihr Werk hingesetzt. Vielleicht bekommt man durch die Verantwortlichen dort auch noch einiges über den Sektor raus. Meistens sind sie ja sehr offen und freundlich.


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BeitragVerfasst: 09 Dez 2005 23:44 
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In den Dentalmarkt einzusteigen wird alles andere als leicht sein. Nur ein winziger Bruchteil der Zahnarztpraxen kann es sich leisten mit hochwertigen Instrumenten aus Deutschland zu arbeiten und die anderen arbeiten mit billigen nationalen Produkten.
Irgendwo im Forum ist zu lesen, dass das Zahnziehen zwischen 2- 10R$ kostet. Da kannst Du Dir ausrechnen wie viele Zähne der Zahnarzt ziehen muss bis er seine Kosten gedeckt hat, wenn er mit einer AESCULAP- Zange arbeitet. ;-)

Das Geschäft mit der Wasseraufbereitung für Industriewassersysteme halte ich schon für erfolgsversprechender. Aber konkurrenzlos dürfte es auch in Brasilien nicht sein.

Unabhängig von der Geschäftsidee, es scheitert meisten an den typischen brasilianischen Problemen. Dieser Risikofaktor wird immer zu gering eingeschätzt. Das passiert aber auch den Großkonzernen hier.



Bis dann
Bagi


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 Betreff des Beitrags: Danke für Euer Interesse
BeitragVerfasst: 10 Dez 2005 12:09 
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@ Bagi

Die Situation auf dem Dentalmarkt ist mir auch von anderer Seite schon als nicht sehr aussichtsreich beschrieben worden. Liegt auch nahe, wenn ich mir die Auswirkungen sinkender Kaufkraft hier bei uns ansehe.

Stichwort Wasseraufbereitung, natürlich ist es nicht konkurrenzlos, in keinem Land dieser Welt. Wir haben ja nicht das Rad neu erfunden.

Aber was sind typisch brasilianische Probleme? Könntest du mir dazu mehr sagen, genau darum geht es uns unter anderem nämlich.


@ thomas

Na super, natürlich wollte ich sowas nicht hören :mrgreen:

Aber Scherz beiseite, es ist immer schwierig, gegen große Firmen oder Konzerne anzutreten. Das Erfolgsgeheimnis liegt, zumindest in Europa, in der Flexibilität kleiner Unternehmen. Das Spiel David gegen Goliath kennen wir und macht uns keine Angst. Infrastruktur....müssen wir eben schaffen, Kundennetzwerk....kein Problem, wenn man die richtigen (Fach)Leute findet, die beim Aufbau mithelfen.

Ist natürlich niemals so leicht getan wie jetzt gesagt. Und uns fehlt das Wissen um die Besonderheiten des einheimischen Marktes und Mentalitäten der Leute. Aber genau das wollen wir nun in Erfahrung bringen. Und letztendlich ist auch das Investitionskapital nicht unbegrenzt.

Vielleicht müssen wir 2-gleisig fahren? Cocktails an Touristen verkaufen und parallel einen Vertrieb aufbauen? Die Idee ist nicht unsympathisch. :)

Vielen Dank für die beiden Links, hochinteressant, allerdings streikte da mein portugiesisch #-o :oops: (mut du lernen :alright: )

Viele Grüße
Marion


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BeitragVerfasst: 10 Dez 2005 12:44 
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Das ist jetzt reine Spekulation:

Ich vermute, dass das typisch brasilianische Problem in der Wasseraufbereitung ein finanzielles ist.

In der öffentlichen Wahrnehmung ist es kein wichtiges Thema und der Druck auf Unternehmen daher gering, sich darum zu kümmern. Da es für Firmen auch sonst nicht zum Kerngeschäft gehört, wird das Interesse sehr gering sein.

Bei der Finanzierung solcher Anlagen muss vollständig auf Eigenkapital zurückgegriffen werden, da die Zinssätze und Konditionen brasilianischer Banken absurd sind, wenn man überhaupt für ein solches nicht zum Kerngeschäft gehörendes und Gewinn generierendes Seitenprojekt einen Kredit bekommt. Eigenkapital ist notorisch gering.

Geht es um öffentliche Kunden, haben diese erst recht kein Geld. Die größeren Wasseraufbereitungsprojekte sind fast alle von der Weltbank o.ä. finanziert.

Ich würde den Markt einfach als klein und schwierig einschätzen. Da braucht man viel finanzielles Durchhaltevermögen. Vielleicht schätze ich eure Vermögenslage ja falsch ein und ihr könnt ein paar Jahre Vermögensverzehr in Brasilien locker durchhalten :P


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BeitragVerfasst: 10 Dez 2005 14:46 
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Hallo,

ich bin der Partner von Marion, mein Name ist Ronald. Marion muß nun packen. :mrgreen:

@Thomas

Vielen Dank für deine Hinweise, ich glaube, ist muß da etwas aufklären. Unsere Produkte sind zwar auch für die Großindustrie und Kraftwerke geeignet, allerdings, da gebe ich dir völlig Recht, ist es da schwer ranzukommen und hat häufig mit den zur Verfügung stehenden Budgets der Betreiber zu tun. Und wir verfügen nicht über die erforderlichen "Gleitmittel".

Unsere Klientel ist eher in mittleren Betrieben zu finden, die, um ein Beispiel zu nennen, wie Großbäckereien viel Energie benötigen und dazu Dampferzeuger einsetzen. In derartigen Industriewasseranlagen führen im Laufe der Betriebszeit Korrosion und Kalkablagerungen, im Ernährungsbereich auch Keime, zu Störungen oder verminderten Wirkungsgraden und damit u.a. zu höheren Energiekosten. Irgendwann muß dann die Anlage wegen Revisionsarbeiten abgeschaltet werden und das kostet dann richtig.

Es gibt immens viele Industriezweige, in denen Wasser eine wesentliche Rolle spielt. Hier befindet sich unser Ansatz, d.h., wir verkaufen Additive für dieses Industriewasser zur Kostenreduzierung auf einer fast chemiefreien Basis. Diese sehr beratungs- und vertriebsintensive Tätigkeit könnte grundsätzlich eine ganze Reihe Arbeitsplätze für technisch orientierte Brasilianer schaffen, aber das geht nicht von heute auf morgen und für uns beide ist der Brocken zur jetzigen Zeit zu groß. Auch schläft der internationale Wettbewerb nicht und die Amis hätten gern unsere Rezepte. :mrgreen:

Und nein, du hast unsere Vermögenslage nicht falsch eingeschätzt, denn sonst könnten wir einfach die Beine hoch legen.

Wasser und Müll sind in der öffentlichen Wahrnehmung in Brasilien scheinbar wirklich absolut nachrangig, den Eindruck habe ich auch bekommen. Fährt man über Land, trifft man auf 2 kleine Häuser und - einen Berg Unrat gleich neben der Straße. Aber soll das denn so bleiben?

Sollten wir nun im Verlauf der nächsten Wochen herausfinden, daß Brasilien kein Markt für uns ist, müssen wir halt neu nachdenken. :riding:
Deshalb ist alles, was bislang hier gesagt wurde oder auch als PM bei uns hereinkam, für uns ungemein wichtig und informativ, danke nochmals.

Marion und Ronald


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BeitragVerfasst: 11 Dez 2005 17:04 
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Marion hat geschrieben:
Aber was sind typisch brasilianische Probleme?


Sprachprobleme, hohe Einfuhrzölle, extreme Kursschwankungen, Beamtenwillkür, sehr langsame Justiz, Korruption, der berühmte "jeitinho brasileiro", Mentalität, usw.



Bis dann
Bagi


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BeitragVerfasst: 12 Dez 2005 14:56 
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Beiträge: 1000
Wohnort: Belo Horizonte - Wiesbaden
Oi Gente
nicht zu vergessen eine ausufernde Verwaltung und ein Bürokratismus, vieleicht noch schlimmer als in Deutschland.

Hinzu kommt noch, das die Betriebe hier ihre Anlagen in der Regel fahren, bis sie in den Schrott gehen oder irgendwie weiter improvisieren. Bei den hiesigen Zinsen und Kreditmöglichkeiten muß man jede Investition vorher verdienen. Vorausschauende Wartung oder Ersatzteil-Tausch ist gibt's kaum, da fehlt halt die Kapitaldecke.

Trotzdem viel Glück

Manfred


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