GESUNDHEIT

Allgemeine Fragen & Tipps über alles, was dem Gringo in Brasilien passieren kann

GESUNDHEIT

Beitragvon tinto » Sa 26. Feb 2005, 09:57

Was sollte man in Brasilien in Sachen Gesundheit beachten????

Hi Admins - ich finde, das ist so ein wichtiges Thema, das hätte scho eine eigene Rubrik hier verdient, den das Thema stellt sich von unterschiedlichen Seiten her:

Welche deutsche Krankenversicherung deckt was ab für Deutsche in Brasilien (Touris oder Entsandte)?

Welche deutsche oder brasilianische Versicherung deckt was ab für Brasilianer in D?

Welche Impfungen sind wo vorgeschrieben?

Welche Krankheiten gibt es in welcher Konzentration wo??

Ansteckungsgefahren, Verhaltensweisen?


Wär doch wichtig, all das mal an
EINER
Stelle zu erörtern, oder?
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Sprachkurs Portugiesisch (Brasilianisch)

Beitragvon tinto » Sa 26. Feb 2005, 11:09

Ich stelle gerade fest, dass das genausogut in die Kategorie "Was man über Brasilien wissen sollte" passt..... während dort auch "Essen" zu finden ist, was an anderer Stelle unter feijoada und caipi erörtert wird. Daher meine Bitte an die Admins: Bitte etwas umstrukturieren... :wink:
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Beitragvon Trem Mineiro » Sa 26. Feb 2005, 12:31

Hallo Admins, Hallo Tinto

Es gibt ja unter Tips schon den Thread Krankenhausbesuch. Vieleicht sollte man dem einen auffälligeren Namen geben der auch auf das Thema Krankenversicherung hinführt. In Brasilien heist ja Arzt ja automatisch Krankenhaus, weil im Gegensatz zu Deutschland hier niemand einen Hausarzt hat und man in der Regel in die Ambulanz der Krankenhäuser geht. Dort praktizieren auch die meisten Fachärzte.

Bis jetzt sind in dem Thread mehr Erlebnisberichte, die aber leider schon einen Teil der Problematik auflisten.
Es wäre auch wichtig zu wissen, in welchen Krankenhäusern jemand positive Erfahrungen gemacht hat. Die sind recht selten.

Bleibt ja Gesund

Manfred
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HIV und AIDS

Beitragvon tinto » So 6. Mär 2005, 08:31

Vielleicht zeigt dieser Beitrag doch auf, dass eine eigne Rubrik sinnvoll ist (siehe TM's und mein Beitrag oben), aber ich finde das hier nicht uninteressant:

Aus dem deutschen Ärzteblatt vom 4.3.2005:
Medizin
Kaiserschnitte und Frühgeburten: Folgen der “Medizinalisierung” in der Geburtshilfe

PELOTAS/BRASILIEN. Brasilien hat vermutlich die weltweit höchste Rate an Kaiserschnitten. Dennoch verharrt die Neugeborenensterblichkeit auf einem ungewöhnlich hohen Niveau. Eine Kohortenstudie im Lancet (2005; 365: 847–54) liefert eine Erklärung für diese Diskrepanz und ist ein Lehrstück für die negativen Folgen der Medizinalisierung in der Geburtshilfe.

Für brasilianische Schwangere scheint es, sofern sie es sich leisten können, mittlerweile eine Selbstverständlichkeit zu sein, ihr Kind per Kaiserschnitt entbinden zu lassen. In Privatkliniken in der Großstadt Pelotas im reicheren Süden des Landes lag die Rate der Schnittentbindungen 2004 bei 82,4 Prozent. Selbst in öffentlichen Kliniken kommt jedes dritte Kind so zur Welt. Auch die vorgeburtlichen Untersuchungen erfreuen sich großer Beliebtheit. Im Durchschnitt 8,3 Mal besuchten die Schwangeren im Jahr 2004 ihren Gynäkologen, was Gesundheitsforscher an sich begrüßen. Doch die Qualität der Vorsorge scheint nicht besonders hoch zu sein.

Denn während 97 Prozent der Schwangeren Ultraschalluntersuchungen durchführen ließen, waren vaginale Untersuchungen schon seltener (77 Prozent) und die Gabe von aktiviertem Tetanustoxoid bei nicht-immunisierten Frauen wird in den meisten Fällen für überflüssig gehalten. Andere Studien hatten gezeigt, dass Syphilis-Tests kaum angefordert werden, obwohl es in Pelotas in den letzten vier Jahren 29 Fälle einer konnatalen Syphilis gegeben hat. Alle Mütter dieser Kinder hatten an der unentgeltlichen Vorsorge teilgenommen. Nach Ansicht von Fernando Barros vom Latin American Center for Perinatology and Human Development (CLAP) in Buenos Aires sind die nachlässigen Untersuchungen im besten Fall eine Verschwendung von Geld, im schlimmsten Fall sind es Kunstfehler, die sich die Gynäkologen zuschulden kommen lassen.

Doch warum ist die Neugeborenensterblichkeit seit 1990 kaum gesunken, obwohl die Rate der Schnittentbindungen zugenommen hat. Die Untersuchung von Barros lässt vermuten, dass die Ultraschalluntersuchungen nicht nur nutzlos sind, sondern die Gynäkologen häufig zur Überschätzung des Gestationalters veranlassen. Diese raten den Schwangeren dann vorzeitig zu einer Einleitung der Geburt oder besser gleich zur Schnittentbindung. Ablesen lässt sich dies an einem Rückgang des Geburtsgewichts. Es nahm seit 1982 um 47 Gramm oder wenn die mütterlichen Faktoren berücksichtigt werden um 192 Gramm ab. Aussagekräftig ist auch die Rate der Frühgeburten. Sie stieg von 6,3 Prozent auf 16,2 Prozent.


Die zunehmende Medizinalisierung ist nach Ansicht Barros typisch für Schwellenländer wie Brasilien. Die Bevölkerung orientiere sich in ihren Wünschen an den Industrieländern, wo den Medien zufolge die Kinder von Prominenten nur noch per Kaiserschnitt entbunden würden. Hinzu komme eine Fehlentwicklung im öffentlichen Gesundheitswesen. In Brasilien wurde 1988 per Verfassung die kostenlose Gesundheitsversorgung der Bevölkerung eingeführt. Die zentralen Dienstleistungen werden aber von privaten Trägern angeboten, ohne offenbar effektive Mechanismen zur Verhinderung eines Missbrauchs./rme
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Beitragvon tinto » So 6. Mär 2005, 09:04

Irgendwo las ich folgendes:
Supergringo hat geschrieben: irgendwo im centro rio´s gibt es neuerdings echte laufhäuser, so wie am bahnhof ffm´s ... ein schuss für 10 reais (und wahrscheinlich gratis: aids ) ...


Tja und dazu schrieb noch wer, Brasilianer/Innen beutzen kaum Kondome, ich glaube, zumindest bei GdP's dürfte das anders sein, oder?

Aber wie steht es überhaupt aktuell um die Infektionsrate in Brasilien? Wieviele HIV-positive, Kranke und Verstorbene gibt es?
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Beitragvon Moranguinho » So 6. Mär 2005, 10:18

@Tinto:

die offizielle Rate der HIV-Infizierten ist in Brasilien deutlich höher als in Deutschland, aber nur etwas höher als in den USA.

Brasilien: 0,7%
Deutschland: 0,1%
USA: 0,6%

Allerdings habe ich auch schon andere Statistiken, in denen die USA eine höhere Infektionsrate als Brasilien hatten, gesehen.

Insgesamt gilt die Präventionspolitik in Brasilien als großer Erfolg, da Ende der achtziger Jahre für Brasilien Infektionraten wie unter der schwarzen Bevölkerung in Afrika oder in einzelnen Karibikstaaten erwartet worden sind.

Viele Grüße

Moranguinho


Quelle zu den Infektionsraten: Jahrbuch unter Spiegel-Online
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Beitragvon Jorginho » So 6. Mär 2005, 10:49

Moranguinho hat geschrieben:@Tinto:

die offizielle Rate der HIV-Infizierten ist in Brasilien deutlich höher als in Deutschland, aber nur etwas höher als in den USA.

Brasilien: 0,7%
Deutschland: 0,1%
USA: 0,6%

Allerdings habe ich auch schon andere Statistiken, in denen die USA eine höhere Infektionsrate als Brasilien hatten, gesehen.

Insgesamt gilt die Präventionspolitik in Brasilien als großer Erfolg, da Ende der achtziger Jahre für Brasilien Infektionraten wie unter der schwarzen Bevölkerung in Afrika oder in einzelnen Karibikstaaten erwartet worden sind.



Ich zweifel ziemlich an den brasilianischen Zahlen. Ich glaube, die Dunkelziffer ist dort recht hoch, weil es - wenn ich mich nicht täusche - anders als in D und den USA keine Meldepflicht gibt. Außerdem lese ich immer wieder andere Statistiken und Umfragergebnisse aus BR, die diesen schönen Zahlen krass widersprechen.

Zur "vorbildlichen Präventionspolitik" Brasiliens... ich habe kürzlich gelesen, daß eine der effizientesten AIDS-Hilfeorganisationen in São Paulo kurz davor steht, den Laden dicht zu machen, weil die Regierung ihr nicht nur den Geldhahn immer weiter zudreht, sondern selbst versprochene Gelder der letzten anderthalb Jahre noch schuldet.

Die brasilianische Regierung verbreitet natürlich mit viel Tam-Tam nur die positiven Nachrichten und kehrt scheinbar erfolgreich alle negativen unter den Teppich. Ganz nach der von Lula ausgegebenen Maxime!
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Beitragvon Moranguinho » So 6. Mär 2005, 19:45

Hallo,

solche Zahlen beruhen nicht auf der Gesamtheit der Testergebnisse, sondern auf Hochrechnungen, die sich auf die durchgeführten Tests stützen. Die durchgeführten Tests sind dabei nichts anderes als eine Stichprobe, aus der Rückschlüsse gezogen werden können.

Ein solches gewonnenes Ergebnis wird nie vollständig richtig sein, bewegt sich aber, wenn es handwerklich richtig durchgeführt wurde, in einem realistischen Rahmen. Für Wahlprognosen, z.B. bei Bundestagswahlen, werden ja schließlich auch nicht alle Wahlberechtigten befragt, trotzdem kommen die Prognosen den tatsächlichen Ergebnissen meist recht nahe.

HIV ist in Deutschland übrigens nicht meldepflichtig, im Gegensatz z.B. zu Tuberkulose. Sonst wäre ja die Praxis der anonymen HIV-Test relativ zweckfrei. (Wenn jemand positiv getestet wird, wird dies natürlich weitergemeldet, die Meldepflicht bezieht sich allerdings darauf, dass im Zuge der Meldung auch persönliche Daten, anhand derer der Infizierte identifiziert werden kann, weitergegeben werden)

Auch wenn es mit Sicherheit viele Beispiele für Versäumnisse gibt: Die Präventionspolitik (und von der habe ich gesprochen) ist in Brasilien (besonders für brasilianische Verhältnisse) sehr gut.

Viele Grüße
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Beitragvon Hans-Joachim Menzel » Fr 18. Mär 2005, 18:58

Hallo,

man kann wohl davon ausgehen, daß der Gebrauch von Präservativen und damit einhergehen die HIV-Infektionsrate entspechend der sozialen Herkunft (Bildungsniveau und ökonomische Situation) in Brasilien stark schwankt.
Diejenigen denen es echt dreckig geht, werden sich wohl nicht allzu viele Gedanken um HIV machen, während die Infektionsrate in den ökonomisch besser gestellten Schichte wahrscheinlich geringer ist. Aufklärung wird jedenfalls schon in den Schulen ganz groß geschrieben.

Gruß

H-J
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