Nach Helmut Elsner könnte bald ein weiterer windiger Finanz-Jongleur an die heimische Justiz ausgeliefert werden: Werner Rydl, das "Superhirn".
Der Niederösterreicher, der demnächst auch seinen 50. Geburtstag hinter Gittern verbringen wird, soll in den 90er Jahren die heimische Finanz um wahre Unsummen betrogen haben. Und zwar mit einem raffinierten Trick, um billig importierte und teuer exportierte Waren, bei denen er sich die Umsatzsteuer rückvergüten ließ, aber keine Mehrwertsteuer zahlte. Dann setzte er sich nach Südamerika ab, erhielt die brasilianische Staatsbürgerschaft und wähnte sich in Sicherheit. Im März 2005 stöberten Zielfahnder das „Superhirn“ in Recife auf, seitdem sitzt er in Haft – und sieht sich weniger als Betrüger, denn als Steuerschuldner. Mit Händen und Füßen wehrt sich Rydl gegen die Auslieferung – und gibt dabei sogar eine aberwitzige Steuerschuld zu, die sogar die Bawag-Pleite sprengen würde. Ein ÖSTERREICH*Reporter traf den Finanz-Jongleur im Gefängnis zum Interview.
ÖSTERREICH: Sie wurden als mutmaßlicher Großbetrüger gesucht und verhaftet.
RYDL: Ich bin kein Betrüger. Ich habe Steuerschulden aufgrund von Abgabenerklärungen. Ich habe keine falschen Angaben gemacht und niemanden getäuscht. Ohne Täuschung kein Betrug.
ÖSTERREICH: Um welche Summe geht es eigentlich?
RYDL: Die Höhe meiner Steuerschuld war im Jahre 2005 vier Milliarden Euro, die ich ordentlich und vollständig deklariert habe.
ÖSTERREICH: Das klingt schwer vorstellbar.
RYDL: Denselben Wert gebe ich auch hier in meiner brasilianischen Steuererklärung ab. Laut Finanzstatistik bin ich damit der Brasilianer mit dem höchsten deklarierten Barvermögen, natürlich auch der mit der größten deklarierten Verschuldung.
ÖSTERREICH: Aber die brasilianische Staatsbürgerschaft wurde Ihnen laut den heimischen Behörden wieder aberkannt, damit Sie ausgeliefert werden können.
RYDL (beharrt darauf): Ich bin noch immer Brasilianer, ich habe die österreichische 1995 zurückgegeben. Ausgeliefert werden soll ich nur deshalb, weil man einem einzigen Richter des Höchstgerichts acht Millionen Euro geboten hat, damit der zustimmt. Entscheiden kann aber letztlich hier nur der Bundespräsident, der meinen Fall aber noch nicht kennt.
ÖSTERREICH: Sie haben einmal einen Stapel Geld verbrannt, um gegen die Steuerbehörden in Österreich zu protestieren.
RYDL: Das waren alte, wertlose Schillingscheine. Verschenken konnte ich das Geld ja nicht, das wäre wieder strafbar gewesen.
ÖSTERREICH: Werden bzw. können Sie Ihre Steuerschulden zurückzahlen?
RYDL: Selbst wenn ich das mache, würde kein einziger Cent im Staatsbudget landen, denn die Mächtigen würden sich das Geld unter den Nagel reißen.
ÖSTERREICH: Und jetzt?
RYDL: Ich verrate Ihnen ein Geheimnis. Im März 2006 wurde ich von einem Brasilianer adoptiert; ich bin und bleibe also Brasilianer und bin unauslieferbar.
http://www.oe24.at/zeitung/oesterre...ticle112246.ece