Helikopterflug über Rio de Janeiro

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Beitragvon supergringo » Mo 19. Mär 2007, 10:36

Takeo hat geschrieben:Es sind aber doch die schwarzen Kinder, die auf schwarze Kinder schiessen, und diese wiederum fliegen nicht im Helikopter... Ihr begreift aber auch garnichts!!!
Takeo hat geschrieben:Darf man als europäischer, amerikanischer oder japanischer Tourist sich nicht in einen Hubscharuber setzen um die Stadt Rio auch mal von Oben zu betrachten?
Warum die ganze Aufregung? Ich hatte nur gesagt, ich könnte Harts Empörung verstehen, wenn man vom Heli aus auf schwarze Kinder schießen würde. Sonst nicht. Solche "Exekutionen" (auf schwarze Kinder schießen) passieren sowohl (und natürlich mehrheitlich) in den Metropolen ALS AUCH im Hinterland. Das widerspricht sich auch nicht damit, dass sich die Kids neben der Polizei überwiegend gegenseitig kalt machen.
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Sprachkurs Portugiesisch (Brasilianisch)

Beitragvon Lemi » Mo 19. Mär 2007, 12:43

Takeo hat geschrieben: Ausnahme Rio: da wird jeder überfallen. Letztens habe ich mich mit meinen Arbeitskollegen über dies und jenes unterhalten - alles Brasilianer - und als die Sprache auf Rio kam meinten die alle unisono: um Rio kann man heute nur noch einen grossen Bogen machen, denn die Gewalt die dort abgeht, auf die hat keiner Lust...


Ich finde, dass Takeo ein recht reelles Bild von Brasilien zeichnet. Ganz im Gegenteil dazu steht der Inhalt (wenn man überhaupt davon sprechen kann). Dort wird Rio de Janeiro in letzter Zeit geradezu als Paradies dargestellt - immer wieder werden Naturdenkmäler eingeblendet und "Rio bei Nacht" aus der Luft gezeigt. Die eigentliche Handlung spielt dann in irgendeiner inexistenten Strasse Rios mit tollen 2-3 stöckigen Häuserblöcken, schicken Kneipen und schön angestrichenen Fassaden. Die Innenaufnahmen der Wohnungen erinnern mich stark an amerikanischen Serien wie "Reich und Schön" oder J.R.s Drittwohnung in Texas.

Fakt ist, dass Rio anhand der Novelas vermarketet werden soll. Fakt ist auch, dass Rio bis in die 40-iger Jahre des vorigen Jahrhunderts eine schöne Stadt war. Mittlerweile ist es ein stinkendes Moloch voller Ungewissheiten ... vor allem der Ungewissheit, wo die derzeitige Entwicklung der Gewalt noch hinführt ... die Ohnmacht der Gesetzgeber und die Korruptheit der Polizei haben einen massgeblichen Beitrag zum derzeitigen Zustand.

Die Bevölkerung Rios sehnt sich nach Frieden ... der krampfhaft aufrecht erhaltene Slogan "Cidade Maravilhosa" verliert nicht nur an Glanz, sondern bröckelt gewaltig.

Man kann nur hoffen, dass ausländische Touristen sich richtig vor ihrer Reise informieren ... inländische fahren ja schon lange nicht mehr nach Rio ...

P.S.: sogesehen ist der Helikopterflug ein probates Mittel Rio "kennen zu lernen".
Man sieht sich,
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Beitragvon lol » Mo 19. Mär 2007, 18:37

Lemi hat geschrieben:..... Fakt ist auch, dass Rio bis in die 40-iger Jahre des vorigen Jahrhunderts eine schöne Stadt war. Mittlerweile ist es ein stinkendes Moloch voller Ungewissheiten ... ...

Na ja, Lemi, so alt bin ich zum Glück noch nicht (noch nicht mal im Kopf)
als dass ich dem ersten Teil deiner Aussage widersprechen könnte. Beim
zweiten Teil kann ich es schon. Ich finde nämlich Rio (immer noch) Klasse
und stinken tuts dort auch nicht mehr als anderswo :lol:
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Beitragvon mikelo » Mo 19. Mär 2007, 19:53

Takeo hat geschrieben:Okay... also so war das gemeint.

Meinetwegen...: Kinder!

Aber seht ihr? Um wieder zurückzukomen zum Ausgangsthema: es sind nicht etwa reiche Oberschichtler oder so, die Kinder abknallen würden, die Gewalt passiert in Brasilien fast ausschliesslich zwischen der Unterschicht selbst. Ausnahme Rio: da wird jeder überfallen. Letztens habe ich mich mit meinen Arbeitskollegen über dies und jenes unterhalten - alles Brasilianer - und als die Sprache auf Rio kam meinten die alle unisono: um Rio kann man heute nur noch einen grossen Bogen machen, denn die Gewalt die dort abgeht, auf die hat keiner Lust... und wenn wir alle (wie Ihr ja letzlich auch!) das ganze Jahr arbeiten, hat keiner von uns Lust, sich im Urlaub von irgendwelchen Riobanden überfallen zu lassen oder mindestens ständig auf der hut sein, dass sowas nicht passiert... Im Inland, wenn man sich weitgehendst fernhält von irgendwelchen Botecos in irgendwelchen Suburbs (wer hat da auch schon Lust drauf!) lebt man weitgehendst relativ normal.

Aber Klaus Hart hätte trotzdem Einwände, wenn sich europäische Touristen in einen Sightseeinghubschrauber setzen würden... das nur um Euch mal die gesamte Heuchelei der vereinten Linken aufzuzeigen, wenn es auf Lateinamerika zu sprechen Kommt.

- Darf man in Brasilien kein Geld verdienen und ein normales Leben in der Mittel- oder (wie manche) sogar Oberschicht führen?
- Darf man als europäischer, amerikanischer oder japanischer Tourist sich nicht in einen Hubscharuber setzen um die Stadt Rio auch mal von Oben zu betrachten?
- Muss man in Brasilien sein Leben nur als sozial engagierter entwicklungshelfender Franz von Assisi in der Favela verbringen, um hier eine Daseinsberechtigung zu haben?


takeo-- klaere mich doch mal ueber diesen klaus hart auf. will nicht dumm sterben und moechte wissen wer das ist.
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Beitragvon tinto » Mo 19. Mär 2007, 21:30

Takeo hat geschrieben:

- Darf man in Brasilien kein Geld verdienen und ein normales Leben in der Mittel- oder (wie manche) sogar Oberschicht führen?
- Darf man als europäischer, amerikanischer oder japanischer Tourist sich nicht in einen Hubscharuber setzen um die Stadt Rio auch mal von Oben zu betrachten?
- Muss man in Brasilien sein Leben nur als sozial engagierter entwicklungshelfender Franz von Assisi in der Favela verbringen, um hier eine Daseinsberechtigung zu haben?


Schöne rhetorische Fragen.

Zur ersten Frage: man darf, wenn man es nicht raubt.

Zur zweiten: man darf und ich habe das nie bestritten. Ich find aber Hubschrauberflüge über Sao Paulo geiler.

Zur dritten Frage würde ich sagen, ja, nur wer sich irgendwie sozial engagiert, hat seine Daseinsberechtigung. Aber das ist wohl eher zugleich die Frage nach dem Sinn des Lebens.
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Beitragvon Takeo » Mo 19. Mär 2007, 22:05

mikelo hat geschrieben:takeo-- klaere mich doch mal ueber diesen klaus hart auf. will nicht dumm sterben und moechte wissen wer das ist.


Wenn Du nicht dumm, oder besser: mit dem Kopf voller linker Agitationspropaganda im Stil der frühen 70'er Jahre sterben willst, solltest Du tunlichst vermeiden, Klaus Hart und seine Genossen zu lesen... für ihn ist die Welt schön eingeteilt in: Arm = gerecht, arbeitsam, ausgenutzt versus Reich = korrupt, ausnutzer etc... leider ist aber unsere Welt nicht schön geordnet in 'Schwarz' und 'Weiss' - 'gut - böse' - ja noch nicht mal in 'Arm' - 'Reich' ... aber dann wird's den ewig gestrigen Che Guevarra linken und Baader Meinhof Sympatisanten natürlich zu kompliziert...
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Beitragvon Takeo » Mo 19. Mär 2007, 22:20

Habe mir am Wochenende den Film "Idiocarcy" ausgeliehen. Handlung: vollkommen mittelmässiger Typ, wird bei einem Hibernationsexperiment von der amerikanischen Armee im Experiment vergessen, und wacht statt ein Jahr später genau 500 Jahre später auf, in einer Welt, in dem die normalen Selektionskomponenten wie Geist, und alle die Vorteile, die uns Menschen bisher zu dem gemacht haben, was wir eigentlich sein sollen: intelligente Wesen mit bestimmten gesellschaftlichen Vorteilen, nicht mehr greifen, weil sich ab dem Jahr 2005 nur noch die Dümmsten der Gesellschaft verstärkt vermehrt haben... Resultat: im Jahre 2505 ist die Menschheit strohdoof, der amerikanische President ist ein Ex-Pornostar und Wrestlingkämpfer, das amerikanische Kabinett ist ein Sammelsurium aus Vollidioten und Nullcheckern, in dem unserer vollkommen mittelmässiger Typ plötzlich mit seiner haushoch überragenden Intelligenz (IQ 100) die Welt zu retten hat und es auch teiweise schafft...

Okay, der Film ist 'ne witzige Komödie... aber oft, sehr oft habe ich mich an Brasilien erinnert gefühlt: nur noch die ärmsten und dümmsten in unserer Gesellschaft bekommen mächtig Nachwuchs, und brasiliens Bevölkerung wird immer mehr aber immer dümmer... in den 60'er Jahren sieht man Bilder aus der Innenstadt São Paulos, wo die Männer mit weissen Tropenanzügen und Strohhüten durch die Innenstadt flanieren - heute sieht man nur noch düstere Pé de Chinellos, und man kann sich als normaler Mensch kaum noch in die stinkende Innenstadt trauen... Rio haargenau das Gleiche: früher eine wunderschöne Metropole an der Atlantikküste - heute? Eine Stadt in der Raub und Totschlag herrscht und kein Brasilianer noch Bock hat, dort länger zu verbringen als er unbedingt muss... ... Idiocracy???
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Beitragvon tinto » Mo 19. Mär 2007, 23:02

Takeo hat geschrieben:
mikelo hat geschrieben:takeo-- klaere mich doch mal ueber diesen klaus hart auf. will nicht dumm sterben und moechte wissen wer das ist.


Wenn Du nicht dumm, oder besser: mit dem Kopf voller linker Agitationspropaganda im Stil der frühen 70'er Jahre sterben willst, solltest Du tunlichst vermeiden, Klaus Hart und seine Genossen zu lesen... für ihn ist die Welt schön eingeteilt in: Arm = gerecht, arbeitsam, ausgenutzt versus Reich = korrupt, ausnutzer etc... leider ist aber unsere Welt nicht schön geordnet in 'Schwarz' und 'Weiss' - 'gut - böse' - ja noch nicht mal in 'Arm' - 'Reich' ... aber dann wird's den ewig gestrigen Che Guevarra linken und Baader Meinhof Sympatisanten natürlich zu kompliziert...


Aus meiner Sich stellt Klaus Hart vieles sehr treffend dar, seine Texte sind unbequem aber oft steckt da ziemlich viel Wahrheit drin.

Brasiliens bewußte Fahrlässigkeit
im Luft-und Straßenverkehr
Viel zuwenig Fluglotsen – Monatsverdienst brutto
rund 620 Euro. Über 35000 Verkehrstote
von Klaus Hart

Wer seit den neunziger Jahren brasilianische Medienberichte über den haarsträubenden Zustand der Flugsicherung des Tropenlandes gelesen hatte, saß nur noch mit sehr mulmigem Gefühl zwischen Chui und Oiapoque im Flieger. Zumal die Regierungen derartige Veröffentlichungen stets schlichtweg ignorierten. Doch die Zivilluftfahrt der zehntgrößten Wirtschaftsnation erlebte erst die letzten Wochen das größte Chaos ihrer Geschichte. Nach dem tragischen Flugzeugabsturz von Ende September, bei dem 154 Menschen den Tod fanden, revoltierten die Fluglotsen zum ersten Mal, nahmen ihre extrem schlechten Arbeitsbedingungen nicht länger hin und machten Dienst nach Vorschrift, gemäß internationalen Regeln. Die Folge: Tausende Flüge verspäteten sich stark, 1170 wurden sogar ganz abgesagt. Auf den Flughäfen ein beinahe unbeschreibliches Durcheinander. Die Lula-Regierung steht am Pranger, weil sie in den letzten Jahren die Mittel für Flugsicherheit stark gekürzt hat.

Achtundneunzig Prozent aller Länder der Erde lassen kommerzielle Flüge auf ihrem Territorium durch zivile Fluglotsen überwachen. Doch Lateinamerikas größte Demokratie klammert sich dagegen nach wie vor an ein Relikt aus der Diktaturzeit, hat in den Kontrolltürmen der zivilen Airports fast nur blutjunge Unteroffiziere stationiert. Die bekommen für die anstrengende, stressige Arbeit allen Ernstes umgerechnet nur etwa 620 Euro monatlich - brutto. Brasilianische Luftfahrtexperten kritisieren, daß Radaranlagen und andere Überwachungstechnik meist hoffnungslos veraltet sind, teils aus den sechziger Jahren stammen und häufig nicht funktionieren, Brasilien statt der rund 2700 mindestens 3500 brauchte. Gefordert wird zudem, die Flugsicherung zu entmilitarisieren. Nur so, heißt es, könnte man endlich die Fluglotsen für ihre anstrengende Arbeit angemessen bezahlen. Denn derzeit dürfen die Unteroffiziere in den Kontrolltürmen aus Gründen der militärischen Hierarchie nicht mehr verdienen als Offiziere.

Als Fluglotse zu arbeiten, ist in Brasilien höchst unattraktiv. Nach der Arbeit gehen die „Controladores do trafego aereo“ nicht etwa nach Hause, sondern werden in die Kasernen zurückgebracht, müssen Befehlen gehorchen, werden sogar zu Militärparaden beordert, sind zuerst Soldaten, dann erst Fluglotsen, wie Experten betonen. Gewöhnlich verlassen die Controladores möglichst schnell die Streitkräfte und suchen sich einen besser bezahlten Beruf. Europäische Fluglotsen haben langjährige Erfahrung, die brasilianischen nicht. Die meisten sind Mitte zwanzig. In Brasilien werden allen Ernstes für die Luftwaffe und die Zivilluftfahrt die selben Radaranlagen benutzt. Staatschef Lulas Verteidigungsminister Waldir Pires hat jetzt versprochen, mit der Entmilitarisierung des Luftverkehrs anzufangen. Von den Problemen der Flugsicherung will er angeblich nichts gewußt haben – ein schlechter Witz.

In den letzten Jahren hat zwar Brasiliens Flugverkehr stark zugenommen, doch auch die Lula-Regierung hat die Mittel für Flugsicherung stark gekürzt, zudem 2006 Jahr nur etwa die Hälfte der vorgesehenen Mittel freigegeben. Die Teams der Fluglotsen in den Kontrolltürmen wurden reduziert, statt aufgestockt. Gemäß internationalen Vorschriften darf sich ein Lotse maximal um 14 Flugzeuge gleichzeitig kümmern. In Brasilien sind zwanzig und mehr üblich. Da rutscht den gestreßten Unteroffizieren schon einmal etwas durch. Gemäß bisherigem Ermittlungsstand brachten sie Ende September eine Boeing der nationalen Fluglinie GOL und eine kleinere Maschine auf Kollisionskurs, bemerkten den Fehler nicht. Die Boeing stürzte in den Urwald, 154 Menschen starben. Brasiliens Medien geben den politisch Verantwortlichen die Schuld, nicht den Fluglotsen. Brasiliens populärster Fernseh-und Zeitungskommentator Arnaldo Jabor:

“Die Fluglotsen kämpfen derzeit für die Sicherheit der Flugzeuge und für angemessenen Verdienst. Den bei diesen Löhnen machen viele notgedrungen noch Nebenjobs als Wächter oder Taxifahrer. Jetzt holt die Regierung eiligst sogar Ex-Fluglotsen, die bereits Rentner sind, in die Kontrolltürme, um die Probleme zu lösen. Flugkontrolleure muß man anständig behandeln, auch psychologisch betreuen. Es mußten erst 154 Menschen sterben, um uns alle auf das Desaster der nationalen Flugsicherung hinzuweisen, das zu weiteren Tragödien führen kann.“ Die Qualitätszeitung „Folha de Sao Paulo“ sprach von einem „Carandiru aereo“, spielte damit auf die Erschießung von mindestens 111 Häftlingen in einem Gefängnis von Sao Paulo durch die Militärpolizei an. „Es mußte erst ein Carandiru aereo geschehen, damit wir wissen, daß jedes Mal, wenn ein Flugzeug am Himmel Brasiliens kreuzt, die Passagiere in Lebensgefahr sind.“

--Brutaler, rücksichtsloser Straßenverkehr—

Bewußte Fahrlässigkeit, auch in Bezug auf das eigene Leben, ist für Brasilien recht typisch und wird nicht zuletzt im Straßenverkehr deutlich. Ein Sicherheitsabstand wird nur zu oft nicht eingehalten, Überholen in unübersichtlichen Kurven ist normal, Trunkenheit am Steuer ist häufig zu beobachten. Auffällig, wie aggressiv gerade Mittelschichtsfrauen in Großstädten wie Rio de Janeiro und Sao Paulo fahren, mit einer frechen Hau-ab-Handbewegung selbst bei Ampel-Grün für Fußgänger diese von der Fahrbahn scheuchen – wer nicht zurückspringt, wird halt angefahren, überfahren. Anders als in Deutschland üblich, setzen sich solche Fahrerinnen auch nach drei, vier Caipirinhas, einer Viertelflasche „Johnny Walker“ noch hinters Steuer – jede Nacht in den Kneipenvierteln zu beobachten.

Entsprechend hoch ist die Zahl der tödlichen Unfälle in Brasilien. Gemäß den geschönten amtlichen Angaben waren es 2004 rund 35500 Verkehrstote. In Deutschland wurden 2005 exakt 5361 Verkehrstote registriert. Deutschland hat eine etwa halb so große Einwohnerzahl wie Brasilien. Würde wie in dem Drittweltland gefahren, läge also die Zahl der Verkehrstoten bei über 17000. Zusätzlich bemerkenswert – Brasiliens Autobestand ist viel geringer als der deutsche. Hinzu kommt – im Land der Korruption haben viele Wagenlenker ihren Führerschein nicht gemacht, sondern bei Fahrschulen gekauft. In Wahlkämpfen gehörte zu den Methoden des Stimmenkaufs der Kandidaten, Führerscheine gratis zu verteilen.

Auch in der Megacity Sao Paulo ist es vielerorts üblich, trotz Verbotsschildern über die Eisenbahnschienen zu laufen, statt nahe Überführungen zu benutzen. Errichtet die Bahnbehörde Schutzmauern, werden diese illegal niedergerissen oder mit Durchgängen versehen. Zwischen Januar und Oktober 2006 wurden daher allein in Sao Paulo gemäß den gewöhnlich frisierten offiziellen Zahlen 44 fahrlässige Menschen von Zügen überfahren – keiner davon überlebte. Im nachmittäglichen Berufsverkehr quellen Unmengen von Menschen aus überfüllten Vorstadtzügen, benutzen Unzählige auf den Bahnhöfen jedoch nicht die Überführungen, sondern springen zwecks Abkürzung geradezu massenhaft auf die Gleise, klettern flink auf der anderen Seite die Bahnsteige hoch – ein erschreckender, schockierender Anblick. Bahnverwaltungen oder Polizei halten nicht für nötig, dies zu verhindern.


So, und wenn er sowas anprangert, dann doch zugunsten des Mittelstands, denn wer sonst kann sich Autofahren und Fliegen in Brasilien leisten. Wer leidet unter Flugverspätungen und dem Autochaos, den vielen die besoffen, bekifft, rücksichtslos im Straßenverkehr unterwegs sind- zumeist doch der Mittelstand. Dem gehörten wohl auch die meisten Opfer in der abgestürzten GOL-Maschine an. Aus meiner Sicht eines der vermeidbarsten Flugzeugunglücke in der Zivilluftfahrt überhaupt. Nirgendwo gibt es soviel Platz im Luftraum und im System der Luftstraßen wie an der Unglücksstelle.
Zuletzt geändert von tinto am Mo 19. Mär 2007, 23:16, insgesamt 2-mal geändert.
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Beitragvon mikelo » Mo 19. Mär 2007, 23:05

tinto hat geschrieben:
Takeo hat geschrieben:
mikelo hat geschrieben:takeo-- klaere mich doch mal ueber diesen klaus hart auf. will nicht dumm sterben und moechte wissen wer das ist.


Wenn Du nicht dumm, oder besser: mit dem Kopf voller linker Agitationspropaganda im Stil der frühen 70'er Jahre sterben willst, solltest Du tunlichst vermeiden, Klaus Hart und seine Genossen zu lesen... für ihn ist die Welt schön eingeteilt in: Arm = gerecht, arbeitsam, ausgenutzt versus Reich = korrupt, ausnutzer etc... leider ist aber unsere Welt nicht schön geordnet in 'Schwarz' und 'Weiss' - 'gut - böse' - ja noch nicht mal in 'Arm' - 'Reich' ... aber dann wird's den ewig gestrigen Che Guevarra linken und Baader Meinhof Sympatisanten natürlich zu kompliziert...


Aus meiner Sich stellt Klaus Hart vieles sehr treffend dar, seine Texte sind unbequem aber oft steckt da ziemlci viel Wahrheit drin.

Brasiliens bewußte Fahrlässigkeit
im Luft-und Straßenverkehr
Viel zuwenig Fluglotsen – Monatsverdienst brutto
rund 620 Euro. Über 35000 Verkehrstote
von Klaus Hart

Wer seit den neunziger Jahren brasilianische Medienberichte über den haarsträubenden Zustand der Flugsicherung des Tropenlandes gelesen hatte, saß nur noch mit sehr mulmigem Gefühl zwischen Chui und Oiapoque im Flieger. Zumal die Regierungen derartige Veröffentlichungen stets schlichtweg ignorierten. Doch die Zivilluftfahrt der zehntgrößten Wirtschaftsnation erlebte erst die letzten Wochen das größte Chaos ihrer Geschichte. Nach dem tragischen Flugzeugabsturz von Ende September, bei dem 154 Menschen den Tod fanden, revoltierten die Fluglotsen zum ersten Mal, nahmen ihre extrem schlechten Arbeitsbedingungen nicht länger hin und machten Dienst nach Vorschrift, gemäß internationalen Regeln. Die Folge: Tausende Flüge verspäteten sich stark, 1170 wurden sogar ganz abgesagt. Auf den Flughäfen ein beinahe unbeschreibliches Durcheinander. Die Lula-Regierung steht am Pranger, weil sie in den letzten Jahren die Mittel für Flugsicherheit stark gekürzt hat.

Achtundneunzig Prozent aller Länder der Erde lassen kommerzielle Flüge auf ihrem Territorium durch zivile Fluglotsen überwachen. Doch Lateinamerikas größte Demokratie klammert sich dagegen nach wie vor an ein Relikt aus der Diktaturzeit, hat in den Kontrolltürmen der zivilen Airports fast nur blutjunge Unteroffiziere stationiert. Die bekommen für die anstrengende, stressige Arbeit allen Ernstes umgerechnet nur etwa 620 Euro monatlich - brutto. Brasilianische Luftfahrtexperten kritisieren, daß Radaranlagen und andere Überwachungstechnik meist hoffnungslos veraltet sind, teils aus den sechziger Jahren stammen und häufig nicht funktionieren, Brasilien statt der rund 2700 mindestens 3500 brauchte. Gefordert wird zudem, die Flugsicherung zu entmilitarisieren. Nur so, heißt es, könnte man endlich die Fluglotsen für ihre anstrengende Arbeit angemessen bezahlen. Denn derzeit dürfen die Unteroffiziere in den Kontrolltürmen aus Gründen der militärischen Hierarchie nicht mehr verdienen als Offiziere.

Als Fluglotse zu arbeiten, ist in Brasilien höchst unattraktiv. Nach der Arbeit gehen die „Controladores do trafego aereo“ nicht etwa nach Hause, sondern werden in die Kasernen zurückgebracht, müssen Befehlen gehorchen, werden sogar zu Militärparaden beordert, sind zuerst Soldaten, dann erst Fluglotsen, wie Experten betonen. Gewöhnlich verlassen die Controladores möglichst schnell die Streitkräfte und suchen sich einen besser bezahlten Beruf. Europäische Fluglotsen haben langjährige Erfahrung, die brasilianischen nicht. Die meisten sind Mitte zwanzig. In Brasilien werden allen Ernstes für die Luftwaffe und die Zivilluftfahrt die selben Radaranlagen benutzt. Staatschef Lulas Verteidigungsminister Waldir Pires hat jetzt versprochen, mit der Entmilitarisierung des Luftverkehrs anzufangen. Von den Problemen der Flugsicherung will er angeblich nichts gewußt haben – ein schlechter Witz.

In den letzten Jahren hat zwar Brasiliens Flugverkehr stark zugenommen, doch auch die Lula-Regierung hat die Mittel für Flugsicherung stark gekürzt, zudem 2006 Jahr nur etwa die Hälfte der vorgesehenen Mittel freigegeben. Die Teams der Fluglotsen in den Kontrolltürmen wurden reduziert, statt aufgestockt. Gemäß internationalen Vorschriften darf sich ein Lotse maximal um 14 Flugzeuge gleichzeitig kümmern. In Brasilien sind zwanzig und mehr üblich. Da rutscht den gestreßten Unteroffizieren schon einmal etwas durch. Gemäß bisherigem Ermittlungsstand brachten sie Ende September eine Boeing der nationalen Fluglinie GOL und eine kleinere Maschine auf Kollisionskurs, bemerkten den Fehler nicht. Die Boeing stürzte in den Urwald, 154 Menschen starben. Brasiliens Medien geben den politisch Verantwortlichen die Schuld, nicht den Fluglotsen. Brasiliens populärster Fernseh-und Zeitungskommentator Arnaldo Jabor:

“Die Fluglotsen kämpfen derzeit für die Sicherheit der Flugzeuge und für angemessenen Verdienst. Den bei diesen Löhnen machen viele notgedrungen noch Nebenjobs als Wächter oder Taxifahrer. Jetzt holt die Regierung eiligst sogar Ex-Fluglotsen, die bereits Rentner sind, in die Kontrolltürme, um die Probleme zu lösen. Flugkontrolleure muß man anständig behandeln, auch psychologisch betreuen. Es mußten erst 154 Menschen sterben, um uns alle auf das Desaster der nationalen Flugsicherung hinzuweisen, das zu weiteren Tragödien führen kann.“ Die Qualitätszeitung „Folha de Sao Paulo“ sprach von einem „Carandiru aereo“, spielte damit auf die Erschießung von mindestens 111 Häftlingen in einem Gefängnis von Sao Paulo durch die Militärpolizei an. „Es mußte erst ein Carandiru aereo geschehen, damit wir wissen, daß jedes Mal, wenn ein Flugzeug am Himmel Brasiliens kreuzt, die Passagiere in Lebensgefahr sind.“

--Brutaler, rücksichtsloser Straßenverkehr—

Bewußte Fahrlässigkeit, auch in Bezug auf das eigene Leben, ist für Brasilien recht typisch und wird nicht zuletzt im Straßenverkehr deutlich. Ein Sicherheitsabstand wird nur zu oft nicht eingehalten, Überholen in unübersichtlichen Kurven ist normal, Trunkenheit am Steuer ist häufig zu beobachten. Auffällig, wie aggressiv gerade Mittelschichtsfrauen in Großstädten wie Rio de Janeiro und Sao Paulo fahren, mit einer frechen Hau-ab-Handbewegung selbst bei Ampel-Grün für Fußgänger diese von der Fahrbahn scheuchen – wer nicht zurückspringt, wird halt angefahren, überfahren. Anders als in Deutschland üblich, setzen sich solche Fahrerinnen auch nach drei, vier Caipirinhas, einer Viertelflasche „Johnny Walker“ noch hinters Steuer – jede Nacht in den Kneipenvierteln zu beobachten.

Entsprechend hoch ist die Zahl der tödlichen Unfälle in Brasilien. Gemäß den geschönten amtlichen Angaben waren es 2004 rund 35500 Verkehrstote. In Deutschland wurden 2005 exakt 5361 Verkehrstote registriert. Deutschland hat eine etwa halb so große Einwohnerzahl wie Brasilien. Würde wie in dem Drittweltland gefahren, läge also die Zahl der Verkehrstoten bei über 17000. Zusätzlich bemerkenswert – Brasiliens Autobestand ist viel geringer als der deutsche. Hinzu kommt – im Land der Korruption haben viele Wagenlenker ihren Führerschein nicht gemacht, sondern bei Fahrschulen gekauft. In Wahlkämpfen gehörte zu den Methoden des Stimmenkaufs der Kandidaten, Führerscheine gratis zu verteilen.

Auch in der Megacity Sao Paulo ist es vielerorts üblich, trotz Verbotsschildern über die Eisenbahnschienen zu laufen, statt nahe Überführungen zu benutzen. Errichtet die Bahnbehörde Schutzmauern, werden diese illegal niedergerissen oder mit Durchgängen versehen. Zwischen Januar und Oktober 2006 wurden daher allein in Sao Paulo gemäß den gewöhnlich frisierten offiziellen Zahlen 44 fahrlässige Menschen von Zügen überfahren – keiner davon überlebte. Im nachmittäglichen Berufsverkehr quellen Unmengen von Menschen aus überfüllten Vorstadtzügen, benutzen Unzählige auf den Bahnhöfen jedoch nicht die Überführungen, sondern springen zwecks Abkürzung geradezu massenhaft auf die Gleise, klettern flink auf der anderen Seite die Bahnsteige hoch – ein erschreckender, schockierender Anblick. Bahnverwaltungen oder Polizei halten nicht für nötig, dies zu verhindern.


alles claro. werde mir ein paar buecher aus dem net herunterladen.
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Beitragvon Takeo » Di 20. Mär 2007, 00:25

tinto: zumindest über Brasilien hast Du noch viel zu lernen... ach ja, und über den Luftraum über Mato Grosso/Pará natürlich auch... ... viel Spass bei Eurer "unbequemen" Klaus Hart Lektüre.

PS.: "unbequem" sind für mich lediglich falsche Fakten, falsche Schlussfolgerungen und der tiefe Glauben, aus europäischer Sicht die Welt verstehen zu können!
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