Hier endet Europa
Das brasilianische Städtchen Oiapoque liegt an der äußersten Westgrenze der EU - ein heißes Pflaster
VON WOLFGANG KUNATH
Francisco Leal ist 1987 aus Südwest-Brasilien hier hochgekommen in diesen entlegenen, nördlichen Zipfel des Landes, und heute, 18 Jahre und 53 Malaria-Anfälle später, findet er, dass sich eigentlich nichts geändert hat in dem Grenzstädtchen Oiapoque: "Nur die Gewalt und die Arbeitslosigkeit sind größer geworden", sagt er. Er selber hat sich allerdings eine Existenz aufgebaut, von der andere nur träumen können. Vor 14 Jahren ist er auf eine winzige Insel mitten im Oiapoque-Fluss gezogen, die immer bei Flut - denn der Atlantik ist nur anderthalb Stunden mit dem Schnellboot entfernt - noch mal schrumpft. Zusammen mit seiner Frau betreibt er eine einfache Pension, unter deren schiefer Holzterrasse das Wasser gluckst. Und drüben auf dem nördlichen Ufer, das die Brasilianer auf der anderen Seite des Flusses einfach "Frankreich" nennen, bestellt er ein großes Stück Land, mit Orangen, Ananas und 1600 Mahagoni-Bäumen.
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Erstmalig erschienen in der Frankfurter Rundschau am 07.11.2005
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