Lemi hat geschrieben:
Moranguinho hat geschrieben:
@ Lemi: "schlimm für Leute, die investieren wollen"
Das kommt darauf an. Gut für Gringos mit Dollar oder Euro, schlecht für Brasilianer, die sich Geld leihen müssen... Für Ausländer, die ernsthaft investieren wolle, ist das eine gute Einstiegsgelegenheit, langer Atem vorrausgesetzt.
Das stimmt nicht ganz, Erdbeerchen. Erstens läuft die Inflation in Brasilien relativ unahängig vom Dollarkurs (siehe momentan: BRL/US$ = 2,59) und zweitens bestimmt die Zinsen 2 wichtige Faktoren:
1 - bei hohen Zinsen bin ich gezwungen, ein Geschäft zu machen, dass sofort Gewinn abwirft, damit das eingesetzte Kapital zumindest im gleichen Masse arbeitet, wie auf der Bank ........... also nix mit Kokosnussplantage, die die 1. Nüsse erst nach 4-5 Jahren trägt. Die 80% Zinsverlust holst du nie wieder rein.
2 - Geschäfte mit Rentabilitäten unter 20% (beim derzeitig Zinssatz) verlieren ihren Sinn, denn wer riskiert sein Geld schon in einem Geschäft, was weniger bringt als eine sichere Bankeinlage.
Das Risiko in Brasilien zu investieren ist damit sehr hoch bzw. die Gewinnerwartung muss überdimensional hoch sein, was gerade für Geschäftsgründer als unkalkulierbar gilt. Resultat: Man hält sich mit Investitionen zurück.
Moranguinho hat geschrieben:
Bei hoher Inflation kannst Du in BR sehr viel Geld verdienen, abends Dein Geld in Overnights anlegen, tagsüber mit Zahlungszielen hantieren... Ich kenne einige Brasilianer, die sich Ende der Achtziger so nach oben katapultiert haben!
Viele Grüße
Moranguinho
Die Overnights sind, wenn ich richtig gehört habe, in diesen Tagen abgeschafft worden. Ausserdem sind die besten Zeiten von denen auch schon lange vorbei ............ seit FHC den Real eingeführt hat. Eigentlich haben die auch nur dazu gedient, dass die Reichen immer reicher wurden und das auch noch rein spekulativ ohne irgendwas zu erwirtschaften.
Hallo,
klar Inflation ist bestimmt nicht gut für eine Volkswirtschaft. Ich bin aber der Meinung, dass einige Gruppen davon profitieren können.
Kurzfristig läuft die Inflation mit Sicherheit unabhängig zum Dollarkurs, langfristig aber nicht, da der freie Wechselkurs die Inflation ausgleicht. Spätestens in der nächsten Wirtschaftskrise, die bei steigender Inflation nicht mehr fern sein dürfte, wird der Real wieder in den Keller rauschen.
Passiert in den Schwellenländern immer wieder.
Zu Deinen Punkten 1 und 2: Gerade durch die Investition in Sachwerte geht die Inflation doch an Dir vorbei. Wenn Du ein Haus kaufst, ist der Wert desselben c.p. vor und nach der Hyperinflation identisch, nur die Anzahl der Nullen auf Deinen Geldscheinen variiert.
Der Witz ist nun, dass Du schon vor der Inflation (oder während, wenn Du aus dem Ausland kommst) genug Geld haben musst, sprich, es ist entscheidend, auf welcher Seite der Gesellschaft Du stehst: Wenn Du ein gewisses Vermögen besitzt, und dieses sinnvoll in Sachwerte investierst, gehörst Du zu den Gewinnern der Inflation. Hast Du wenig und Dein Geld am besten noch in Staatspapiere investiert, dann verlierst Du alles, und stehst in der Schlange, um Deine Milchration zu bekommen.
Das ganze geht aber nur dann auf, wenn Du genug Geld zur Verfügung hat. Bei einer Inflation verlieren gerade die Leute mit wenig Geld alles, weil sie NICHT die Möglichkeit haben, es in Sachwerte zu investieren (oder natürlich in Dollar zu tauschen). Um beim Hausbeispiel zu bleiben: Wenn ein Haus 100.000 Reais kostet, Du aber nur 50.000 hast, dann kannst Du Dein Geld eben nicht in Häusern anlegen. Bleibt vielleicht ein Auto...Wenn Du aber nur 15.000 Reais hast, was machst Du dann? Viel Dosenbier und Kondome kaufen, damit Dir wenigstens noch etwas bleibt...
Der Zinssatz ist für die Bewertung der Investition in diesem Fall übrigens nicht so wichtig, da nicht der Nominal-, sonder der Realzinssatz interessant ist, also die Differenz aus Zinssatz und Geldentwertung. Was bringen mir 85% Zinsen, wenn die Inflationsrate bei 84% liegt und übermorgen eine Währungsreform droht. Nur die Kredite werden teuer, wobei wir wieder bei der Ausgangsthese sind: Inflation ist dann gut, wenn Du schon Geld hast...
Ein Sektor, der von Inflation profitiert, sollte z.B. der Transportsektor sein. Je weiter Du am Ende der Produktionskette steht, desto besser für Dich, z.B. wenn die Ware mit Zahlungsziel kaufst.
Overnights: Wurden abgeschafft? Kann sein, knallt es wirklich, kommt sowas schnell wieder zurück...
Viele Grüße
Moranguinho