interessanter Artikel:Exkursionen im Pantanal

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interessanter Artikel:Exkursionen im Pantanal

Beitragvon brasilmen » Mi 7. Jun 2006, 05:55

Brasilien: Exkursionen im Pantanal
von Gisela Gebhard | Moers | 33 mal gelesen
Pantanal - nicht ohne Gefahr, aber voller Überraschungen
An jedem Tag mehrere Exkursionen abwechselnd mit unseren einheimischen Führern. An diesem Nachmittag Aufbruch mit José und Claudine. Im Wald treffen wir auf braunrote Brüllaffen. Hoch in zwei Bäumen turnt eine Familie, ernährt sich von den Blattknospen, äugt immer wieder zu uns herunter, neugierig, aber auch vorsichtig. Die Mutter drückt ihr Baby fest an sich.-Plötzlich Rascheln im trockenen Laub.Ein kleines Gürteltier! José ergreift es. Da gibt’s vor Schreck seinen Darminhalt von sich. Er setzt es ab, und wieselhaft flink entschwindet’s zwischen den Bäumen.

Die schräge Sonne malt schöne Bilder. Die größten Papageien, Hyazinth-Aras, im gemeinsamen Flug, dann schnäbelnd und sich gegenseitig rufend hoch in einem Baum.Später die großen Roten Aras, ebenfalls ein Paar. Diese Vögel bleiben ein Leben lang zusammen. Wenn ein Vogel stirbt, geht der andere keine neue Partnerschaft ein, selbst wenn er sich vorübergehend einigen anderen seiner Art anschließt.

Danach über eine riesige Grünfläche voller Löcher und Kuhfladen.Das Land gehört zu einer Estanzia, der zweitgrößten im südlichen MATO GROSSO. 16000 Zebus leben auf einem Gebiet, das 27 km² umfasst. Die Tiere bleiben das ganze Jahr über hier, sind eine harte Rasse, die auch bis zum Bauch im Wasser stehend überlebt und sich da von Wasserpflanzen ernährt.- In der Ferne entdecken wir zwei Ricken der seltenen Sumpfhirsche, später einige Wildschweine.-Das Gras steht hoch, ist durchsetzt von blühenden Stauden, die dicht beieinander weiße und blaue Knopfblümchen tragen.

Als wir umkehren, erreicht die Sonne fast schon den Horizont. Dunkelheit senkt sich. Für mich beginnt ein Alptraum. Das Gras kniehoch und höher. José stapft ohne sich umzusehen vorneweg. Eckehard und Michael können ihm gerade noch folgen. Wir andern bleiben zurück. Löcher in der Wiese und immer wieder Gräser wie Fußangeln! Hinter uns Claudine. Die fragt, ob jemand eine Taschenlampe dabei hat. Das ist wohl ein Witz? Wer solange mit uns unterwegs sein wollte, müsste selber eine mitnehmen! --Glühwürmchen fliegen. Aber die geben uns ja kein Licht! José ist jetzt fast verschwunden. Wir protestieren!

Da merkt er endlich, was los ist, hält an. Er nimmt mich an der Hand, geht nun vorsichtig, biegt Dornen und Gestrüpp zur Seite. Er ist barfuß. Die andern folgen im Gänsemarsch. Mir scheint der Marsch endlos in dieser Dunkelheit. Nur rauschende Gräser um uns und die Glühwürmchen, sonst nichts. Langsam erscheinen die Sterne. – Irgendwann meint Josè: „Es ist nicht mehr weit. Jetzt geht’s durch Wasser.“ Wir sind auf dem Hinweg nicht durch Wasser gekommen! „Wie tief?“ wird gefragt.“Wie lange?“ – „Knietief, vielleicht etwas mehr, ca. 10 Minuten.“ Kein Licht vom Lager dringt zu uns. „So nicht!“ – „Dann aber ein weiter Umweg, im Bogen nach dort.“ Er zeigt nach links. Selbst die jungen Männer entscheiden sich spontan für den Umweg. Also weiter stapfen und tasten! Mir wird ganz elend dabei. Ich glaube, ich schaffe es nicht, bin fast nachtblind.

Da hören wir, dass jemand Holz hackt. Die Schläge werden deutlicher. Schließlich sehen wir Feuer. Wir rufen und bekommen Antwort. Man läuft uns entgegen, fürchtete schon für uns; denn beim Lager tauchte ein Jaguar auf. Selbst die Einheimischen hatten Angst.An vier Ecken des Lagers brennen die Feuer.

Das Abendessen wartet. Der Tisch ist bereits gedeckt. Laternen leuchten und geben den Bäumen um uns fahles Licht. Zwei kleine Eulen unterschiedlicher Art schauen uns zu, die eine fast über uns, die andere im nächsten Baum.

Anschließend neuer Aufbruch: Kaimane suchen mit Taschenlampen. An vielen Stellen der Lagune werden ihre Augen leuchten. Ich habe keine Lust mehr, möchte schlafen. Aber Werner überredet mich, obwohl wir uns nicht viel davon versprechen. – Es leuchten dann im Scheinwerferlicht tatsächlich Augen. Pedro und José greifen danach. Aber die Tiere entwischen. Dann bringen sie zwei kleine, die kläglich schreien.- Wir wollen zurückgehen. Was soll diese Fangerei? Martina hält uns auf.“Bitte bleibt. Für die Guides ist es eine Sache der Ehre, uns ihr Können zu zeigen.“

Da hat Pedro plötzlich ein Tier gepackt, ca. 1.20 m lang. Er hält den Kaiman von hinten fest um den Hals gepackt. Die helle Bauchseite leuchtet uns entgegen. Das offene Maul zeigt wütend die scharfen Zähne. Bis in die Schwanzspitze hinein steht das Tier unter Spannung. Da legt es Pedro vorsichtig auf den Rücken, hält es mit einer Hand fest und streicht mit der anderen Hand zart über die Kehle. Das Tier liegt ruhig. Pedro löst auch die andere Hand und streichelt weiter, nun über die ganze helle Unterhaut des Tieres, von der Kehle über den Bauch zum Schwanz hin. Die verkrampften Glieder lösen sich, fallen zur Seite wie bei einem schlafenden Kind.-
Wir stehen staunend. Pedro nimmt meine Hand. Ich soll den Kaiman auch streicheln. Ich tu’s. Der Bauch fühlt sich weich und glatt an, ohne jegliche Spannung, hypnotisiert.-

Nach einer Weile dreht Pedro den Kaiman wieder vorsichtig um. Das Tier rührt sich nicht. Pedro massiert mit einige Griffen die Kehlseiten. Man sieht das Erwachen. Ein kleiner Klaps bringt das Tier zur Besinnung. Der Kaiman bewegt sich langsam, tapst, wird schneller und entschwindet dann in der Dunkelheit.

Wir wandern im Licht unserer Lampen zurück zu den Zelten. Warum hat uns Martina vorher keinen Tipp gegeben? Nicht einmal sie hat eine Kamera mitgenommen.Was wir gesehen haben, erscheint noch immer unglaublich. Keiner hat’s im Bild festgehalten. Wir hätten so gut mit Video filmen können.

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Sprachkurs Portugiesisch (Brasilianisch)

Auf Lastwagen ins Sumpfgebiet des Pantanal

Beitragvon brasilmen » Mi 7. Jun 2006, 05:57

Brasilien: Auf Lastwagen ins Sumpfgebiet des Pantanal
von Gisela Gebhard | Moers | 71 mal gelesen
Mit einer Fläche von 100 000 km² liegt das PANTANAL östlich vom Fluss PARAGUAY an der westlichen Grenze Brasiliens zu Bolivien. Es ist die Heimat von...
...mehr als 600 Vogelarten, 350 Fischarten und einer Vielzahl von Säugetieren und Reptilien. Die beste Zeit für eine Reise dorthin ist während der kühleren und trockneren Wintermonate Juni, Juli und August. Sobald während dieser Monate das Wasser nach Süden abzieht, bilden sich im nördlichen Pantanal breite Sandbänke. Am besten erkundet man das Sumpfgebiet von CORUMBA aus.

Da haben wir übernachtet. Wärend des Frühstücks erscheint Claudine, die aus der Schweiz stammende Frau des Expeditions-Unternehmers. Sie berichtet, dass die Piste befahrbar ist. In einer halben Stunde werden wir abgeholt. Martina, unsere Reiseleiterin ist zuversichtlich, denn auf Claudine ist Verlass. Sie hat extra einen Unternehmer gewählt, dessen europäische Frau sich um die Organisation kümmert. Südamerikanische Zusicherungen differieren sonst oft um Stunden.

Um 7.30 Uhr fährt ein stämmiger indianischer Fahrer mit offenem Lastwagen vor. Begleitet wird er von Pedro, einem jungen Mann aus dem Pantanal, Claudine und Sohn Stefano, reichlich ein Jahr alt und ausgesprochen agil. Der zweite Lastwagen mit dem Patron ist bereits unterwegs. Wir verstauen unser Gepäck, steigen dann selbst auf die Ladefläche und plazieren uns auf die seitlichen, mit Decken gepolsterten Holzbänke. Beim Fahrer vorn sitzt Claudine mit dem Baby.

Auf holpriger Straße gehts flott voran. Bald aber verlassen wir den Asphalt und kommen auf rote Erdpiste voll ausgefahrener Spurrillen. Dann häufig Löcher und Schlamm. Wenn wir fotografieren wollen, muss einer aufs Führerhaus donnern, damit der Fahrer weiß, dass er anhalten soll.
Rechts und links nun Feuchtgebiet, von Bäumen und Büschen gesäumt. - Sittiche, Greife, Rohrdommeln, Schwarzkopfgeier, Schlangenhalsvogel, Caracaras und immer wieder Wasserschweine, Einzeltiere, Mütter mit Jungen, ganze Familien. Wasser fließt über die Straße.
Kurz darauf sitzen wir fest in der Matsche. Pedro dirigiert den Fahrer. Aber nichts geht mehr. Also runter vom Auto! Steine sammeln und unter die durchdrehenden Räder legen. Schieben! Steine hinschmeißen! Schieben! -Hauruck! – Dreck spritzt uns voll. Die Karre fährt! Schnell wieder rauf!

Interessante Pflanzen am Wege. Dann graue Ibisse, Rothaubenkardinal, Goldband-Aras, Kiebitze, Blatthühnchen, Hyazinth-Sittiche, Frosch- und Schneckenhabicht. Verschiedene Eisvögel.
Am Rio Paraguay müssen wir übersetzen. Wir warten auf die Fähre. Da kommt hinter uns, laut hupend, ein roter Kleinlaster mit Boot auf dem Dach! Unser Patron mit Koch und englisch sprechendem Guide! Sie sollten längst vor uns sein, haben aber soviel Lebensmittel und Trinkwasser geladen, dass sie an steiler Stelle nicht hochkamen. So mussten sie einen Teil abladen, hochfahren und die Ladung hinterhertragen. – Der Patron, nicht mehr der Jüngste, breit, braun, beleibt, nur in roter Lufthose, die unter dem Bauch hängt, ist barfuss.

Die Fähre naht und legt an, nicht wo wir stehen, sondern bei einer „Insel“ im Fluss. Der Rio Paraguay führt Hochwasser. Die Anlegestelle ragt gerade noch raus. Also durchs Wasser dorthin. Alle müssen laufen. Pedro geht voraus und dirigiert den Lkw, damit der nicht von der Bahn rutscht. Das Auto des Patrons muss rückwärts auffahren, wird bei uns angebunden. Dann kommt noch ein kleiner Lastwagen, und wir schippern über den Fluss. – Drüben fängt Pedro eine Anakonda zum Filmen und Fotografieren, ein schönes Tier, knapp 2 m lang. Er entlässt sie wieder ins Wasser.

Nun weiter auf unserer Straße. Die sehen wir nicht, nur links und rechts Büsche und Bäume. In der Mitte strömt Wasser! Der Patron fährt mit Vollgas hinein, Wasser schwappt bis übers Dach. Er kommt durch! Wir mit Vollgas hinterher! Auch unser Indio schaffts! – Später ab und an trockene Stellen. Dann wieder Pfützen und Matsche. Dazwischen viele kleine, oft geländerlose Holzbrücken, die eben das Auto fassen. – Kormorane rauschen in schwarzen Schwärmen auf. In der Ferne ein Jabiru (hier Tuiuiu genannt), der größte lebende Storch (mannshoch) mit schwarzem Kopf und Hals, einem tiefroten Halsband und weißem Gefieder.- Silberreiher.

Pedro sitzt jetzt auf dem Dach und gibt dem Fahrer bei jedem Wasserloch und jeder Matschsuhle seine Anweisung. Er kennt dieses Land wie kein Zweiter. Im Sand müssen wir nochmals runter.-
Rechts und links liegen Aligatoren oder Wasserschweine in der Sonne. Manchmal sitzt ein Tyrannenvogel als Madenhacker drauf. Pedro entdeckt winzige Kaimane, greift einen und bringt ihn zu uns. Dieses Baby schreit kläglich. Gleich kommts wieder ins Wasser. Ein großer Leguan faucht und verschwindet.

Um 14 Uhr erreichen wir den einzigen Kreuzweg. Hier steht eine Kneipe (Bar Curva do Leque) mit Laden und richtigem WC. Mittagsrast. Der Patron ist weitergefahren, hat aber den Koch hier gelassen. Der werkelt. Claudine hilft. Um 15 Uhr gibts dann Reis, Nudeln, Salat und eine Fleischsoße, danach süßen Kaffee. – Anschließend gehts weiter.

Das Land verändert sich, wird trockener. Schließlich ist der Matsch unserer Straße eine harte Spur zwischen Löchern. Die Sonne kommt nun schon schräg, wirft rötliches Licht in Land, Palmen und Büsche. Sittiche suchen kreischend Schlafplätze auf. Schnell senkt sich Dunkelheit.-
Wir verlassen den Weg. Pedro dirigiert ins Dunkel hinein. „Rechts!“ – „Links!“- „Voran!“-„Quer!“- Plötzlich sitzen wir im Sand! Später im Wasser! Pedro ist sauer. Der Fahrer hat zu spät geschaltet. Pedro springt barfuss durchs Gelände, bricht Holz, legt unter, dirrigiert:“Vorwärts! – Zurück!“ Er springt wieder auf.- Es geht nicht! Alle runter ins Dunkel! Schieben! – Wir schaffen’s tatsächlich und sind wieder flott.

Weiter durch die Nacht im trüben Scheinwerferlicht. Rechts, links, quer durchs Gelände mit Bäumen, Gesträuch, hohem Gras, -- bis in der Ferne endlich ein Licht leuchtet. Wir riechen den Rauch eines Feuers. – Unter Palmen steht der Lastwagen des Patrons.

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