Ist Brasilien ein Rechtsstaat oder eine Bananenrepublik?

Fragen zur Gesetzeslage in Brasilien, Einwanderungs-, Einfuhr- und Zollbestimmungen sowie Steuerfragen

Re: Ist Brasilien ein Rechtsstaat oder eine Bananenrepublik?

Beitragvon cabof » Mo 12. Jan 2009, 14:25

easy going Brazil. Hey, versetzt ihr euch doch mal in die Schuldner-Situation (wollen wir zwar nicht hoffen,
kann aber passieren), dann könnt ihr (wir/ich) froh sein einer laschen Justiz zu begegnen und wenn es denn
doch mal knüppeldicke kommen sollte (Knast und so) - ab in den Fliecher und Richtung Heimat.... Trotzdem
weiterhin viel Glück und alles Gute Residents....
Cabof
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Re: Ist Brasilien ein Rechtsstaat oder eine Bananenrepublik?

Beitragvon ptrludwig » Mo 12. Jan 2009, 14:33

Frankfurter hat geschrieben:Klar ist es immer Sch..., wenn man einen materillen oder sogar körperlichen Schaden hat, der durch 3. zugefügt wurde. Schlimm ist es um so mehr, wenn dann kein finanzieller Schadensausgleich erfolgt :twisted:

Zum Rechtsstaat Brasilien mein Erlebnis. Im Belo Horizonte einen Teppich in einem ordentlichen Geschäft in der Nähe des Diamont Shoping erworben. Beim "Gebrauch" stellte sich heraus. Der Teppich fuselt ganz erheblich. Reklamiert.... Antwort des VK ... das legt sich. Es legte sich aber nicht. Wir wollten vom Kauf zurücktreten. Verkäufer widerspricht.

Wir also zu PROCON. PROCON ( super gutaussehende Frau ) telefoniert mit VK. VK gibt nicht nach. Uns wird Gericht empfohlen. Wir gehen also hin. Hier geht es zu wie im Basar. Aber trotzdem sehr flotte Abwicklung. An einem Schalter bekommen wir eine Liste mit allen Unterlagen die notwendig sind.

Am nächsten Tag wieder vorgesprochen. Es wird ein Protokoll aufgenommen und sofort ein Termin für eine mündliche Verhandlung in 3 Wochen angesetzt. ( Zeitaufwand ca 45 min für das Protokoll ) Kosten . NULL.

Nach 3 Wochen: Alle 30 min wird eine Kurzverhaldlung aufgerufen für ca 20-25 Parteien. Diese findet in einem kleinen -sehr kleinen Besprechungszimmer statt. Moderator ein Rechtsanwalt ( Anfänger ? )Unser VK ist da. Wir einigen uns auf einen Vergleich. Und bekommen sofort einen vollsteckbaren Titel. VK zahlt auch wirklich den geminderten Kaufpreis zurück. ( Gerichtskosten usw. KEINE )

Also wenn ich mir so eine Sache hier in D vorstelle. Einfach nicht vorstellbar. Die Kosten der Anwälte hätten da bestimmt schon den Kaufpreis aufgefressen, und unter 6-12 Monaten wäre nichts passiert.

Hier in Deutschland: Mit Auto im April 2008 einen Auffahrunfall unverschuldet. Ich nehme keinen Leihwagen, weil ich Auto von meiner Mutter begekomme. Denke mir doch, da gibt es ein paar EUR wegen Nutzungsausfall ( Rep. durch Feiertage 2 Wochen Dauer ).

Versicherung will nicht zahlen, da Auto im Betriebsvermögen von mir, und da gibt`s nix. Na denn doch Anwalt genommen, und jetzt im Jan 2009 , endlich ca 40 % des Nutzungsausfall bekommen. Natürlich den eigenen Anwalt bezahlt.

Ich / wir suchen uns in D und Br. - soweit es geht - eben die schönsten Seiten raus, und wissen dass es weder in D noch in Br. perfekt ist.

Frankfurter

In einem guten Geschäft in Deutschland hätte man dir keinen Teppich verkauft, welcher fuselt. Wenn wirklich, hätte man ihn umgetauscht oder dir das Geld zurück gegeben.
Und was machst du nun mit dem Teppich fuselt er nun nicht mehr?
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Re: Ist Brasilien ein Rechtsstaat oder eine Bananenrepublik?

Beitragvon Itacare » Mo 12. Jan 2009, 17:41

Fall in D 2008: Lkw wurde kontrolliert.
Befund: Ladung nicht ausreichend gesichert. Ordnungswidrigkeit, € 75.-
Tatsächlich: Polizist kannte sich nicht aus.
Einspruch fristgerecht mit ausführlicher Begründung erhoben, abgelehnt, Bußgeldverfahren.
Rechtsanwalt übergeben, Prozess.
Beschluss des Richters ohne Umschweife: Verfahren wird auf Kosten der Staatskasse eingestellt. Die notwendigen Auslagen des Betroffenen werden der Staatskasse nicht auferlegt.
Mit anderen Worten: der Betroffene trägt seine Anwaltskosten selbst. Verfahrens- und Vergleichsgebühr gesamt über € 600.-

Urteil / Kostenentscheid in keiner Weise anfechtbar. Niemand kann für die entstandenen Kosten belangt werden. Nach dem Motto, halt nächstes Mal gleich das Maul und zahle, sonst wird es wieder teuer.

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Re: Ist Brasilien ein Rechtsstaat oder eine Bananenrepublik?

Beitragvon ptrludwig » Mo 12. Jan 2009, 18:13

Itacare hat geschrieben:Fall in D 2008: Lkw wurde kontrolliert.
Befund: Ladung nicht ausreichend gesichert. Ordnungswidrigkeit, € 75.-
Tatsächlich: Polizist kannte sich nicht aus.
Einspruch fristgerecht mit ausführlicher Begründung erhoben, abgelehnt, Bußgeldverfahren.
Rechtsanwalt übergeben, Prozess.
Beschluss des Richters ohne Umschweife: Verfahren wird auf Kosten der Staatskasse eingestellt. Die notwendigen Auslagen des Betroffenen werden der Staatskasse nicht auferlegt.
Mit anderen Worten: der Betroffene trägt seine Anwaltskosten selbst. Verfahrens- und Vergleichsgebühr gesamt über € 600.-

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Re: Ist Brasilien ein Rechtsstaat oder eine Bananenrepublik?

Beitragvon Itacare » Mo 12. Jan 2009, 21:48

ptrludwig hat geschrieben:..Wer sich auf einen Vergleich einlässt, zahlt die Kosten. Wenn ich unschuldig bin mache ich keinen Vergleich.


o.k. das Missverständnis geht auf meine Kappe, da habe ich zu viele Detailkenntnisse vorausgesetzt.
Problem ist natürlich dass sich hier die deutsche Gerichtsbarkeit einige Hintertürchen geschaffen hat, bei denen eine Zustimmung des Betroffenen in solchen Fällen überhaupt nicht erforderlich ist. Der Richter entscheidet das und fertig. Das ist die Sauerei.
Nur von der Gebührenordnung her gesehen ist es dann ein Vergleich.
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Re: Ist Brasilien ein Rechtsstaat oder eine Bananenrepublik?

Beitragvon Frankfurter » Di 13. Jan 2009, 10:20

@ ptrludwig

der Teppich wird jetzt sicherlich bei jemand anderem fusseln :P . Wir haben den zurück gegeben, und ca RS 150,00 für den "Vergleich" an der Verkäufer gezahlt :mrgreen: Ich bin der Meinung aus 45 Jahre Geschäftsleben:. Ein schlechter Vergleich ist immer besser als ein gewonnener Prozess.

Recht haben und Recht bekommen... sind zwei völlig verschiedene Baustellen.

Was ich damit sagen wollte: Hier in D hätte so eine "Klärung/Auseinandersetzung" bedeutend länger gedauert, wenn ein gerichtlicher Weg eingeschlagen worden wäre. Ein Mahnbescheid in D zu zu stellen dauert ja schon 4-6 Wochen.

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Re: Ist Brasilien ein Rechtsstaat oder eine Bananenrepublik?

Beitragvon donesteban » Di 13. Jan 2009, 13:48

Frankfurter. Gesunde und professionelle Einstellung. Und Dein Beispiel zeigt uns mal wieder, dass Brasilien und Deutschland gar nicht so verschieden sind. Hüben wie Drüben gilt Dein Satz: Recht und Gerechtigkeit sind zwei paar Stiefel. Die Regeln sind die Gleichen, nur wird das Spiel unterschiedlich gespielt.

Ich konnte die letzten zwei Jahre ein Rechtsstreit zwischen einer Brasilianerin und einem Schweden (beide leben in Schweden) und zwei Brasilianern aus Recife aus nächste Nähe beobachten. Die beiden aus Schweden wurden schlichtweg von Ihren brasilianischen Partnern abgezockt. Plump und billig. Das brasilianische Pärchen kommt übrigens nicht "aus schlechtem Hause" und hat gute Kontakte innerhalb von Recife. Jedenfalls hat sich die Richterin voll auf der Seite des schwedischen Pärchens (ohne Kontakte nur mit gutem Anwalt) geschlagen. Auch hier wird es natürlich einen Vergleich geben, jedoch wird der recht gut für die "Schweden" ausfallen. Auch hier werden beide Parteien verlieren. Ist immer so, wenn Partner streiten. Jedoch liegen in diesem Falle Recht und Gerechtigkeit ziemlich dicht beieinander.

Etwas offtopic ist meine eigene Erfahrung mit einem Auffahrunfall. Vor Ort haben die Freunde des Auffahrenden versucht die Polizei von meiner Schuld zu überzeugen. "não é daqui...ele não sabia a estrada bem..." usw. Nach zwei oder drei Minuten hat der Polizist die Sache mit einem rüden Hinweis beendet, dass der Auffahrende immer Schuld hat, egal aus welchem Grund ich gebremst hätte. Und nun sei Schluss mit der Diskussion. Dann war auch wirklich Ruhe in der Rappelkiste.

Also alles ganz, ganz ähnlich wie bei uns. Jedenfalls habe ich niemals von der berüchtigten Benachteiligung von Gringos etwas mitbekommen. Im Gegenteil. Vorzügliche, respektvolle Behandlung von Polizei und vor Gericht. Ausnahmen mögen auch hier die Regel bestätigen.
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Re: Ist Brasilien ein Rechtsstaat oder eine Bananenrepublik?

Beitragvon Männlein » Di 13. Jan 2009, 16:04

bastos hat geschrieben:Hallo Männlein,
Allerdings lese ich aus Deinen (zahlreichen anderen) Beiträgen doch raus, das es Dir in Brasilien nicht gefällt und Du mit den Bedingungen, die Du auch nicht ändern kannst, nicht zufrieden bist.
Ich stelle einfach mal provokativ die Frage, warum Du Deine (Eure) Zelte nicht abbrecht und in die ach so gerechte und bessere BRD geht. Da herrscht noch Zucht und Ordnung.
Bastos



Hallo

Zum ersten Satz zwei Anmerkungen.
Ich habe noch nirgendwo generell behauptet in Brasilien gefällt es mir nicht ich habe immer gesagt was mir nicht gefällt und warum es mir nicht gefällt.
Ich lebe allerdings in der Hoffnung das der " Herr " meine Gebete erhört und die Bedingungen doch noch ändert .
Zum zweiten Satz folgendes .
Ich habe obwohl das ja bei " Braunen " eher nicht der Fall ist . So etwas wie soziales Gewissen soziales Verantwortungsgefühl oder wie auch immer man das nennen will . Ich habe hier eine jetzt 91 jährige Schwiegermutter . Meine Frau behauptet das ist unser 91jähriges Baby . Und solange die noch lebt werde ich nichts machen in Bezug auf einen Standortwechsel . Sicher es gibt auch viele Leute die nach dem Prinzip " Was geht mich meine Schwiegermutter an " leben . Aber das ist halt deren Problem . Du siehst ein Ding hat immer zwei Seiten die Oberfläche und das Innere .

Bis denne und neulich
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Re: Ist Brasilien ein Rechtsstaat oder eine Bananenrepublik?

Beitragvon Männlein » Di 13. Jan 2009, 16:13

ptrludwig hat geschrieben:Wer sich auf einen Vergleich einlässt, zahlt die Kosten. Wenn ich unschuldig bin mache ich keinen Vergleich.


Hallo

Gute Einstellung . Kann aber u.U böse in die Hose gehen . Ich meine das im Bezug auf unschuldig .

Bis denne und neulich
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Re: Ist Brasilien ein Rechtsstaat oder eine Bananenrepublik?

Beitragvon Antiaging » Fr 23. Jan 2009, 21:52

Nach meiner Erfahrung wird das Recht in Brasilien respektiert. Gerade in gravierenden Angelegenheiten.
Hier werden nicht die Minikoruptionen im Bereich der Strassenkontrollen gemeint, das ist ein anderes Thema.
Eine Ausnahme stellt für mich das 2 Klassen System bei Inhaftierungen.
Personen mit höheren Bildung werden in speziellen besseren Gefängnissen inhaftiert, als ein ungebildeter Bürger.
Eingetlich ist es Paradox. Verbrecher ist Verbrecher, ob ein Tagelöhner oder Uni Prof.
Vor einem gebildeten Bürger erwarte ich aber mehr Kultur und Anstand- daher in Konsequenz beim gleichen Verbrechen eher eine härtere Strafe.
Und zum Vergleich Deutschland?
BRD ( Bananen Republik Deutschland) sorry!!
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