Methode 1: Mein Kumpel Ralf, Ende der 70er in PortugalAlso Ralf ist nicht dumm, nee sogar ganz clever. Er hat jedoch eine extreme Schreib-/Leseschwäche bzw. -faulheit. Nein, nicht Legastheniker. Er kann einfach kaum zusammenhängend lesen oder ein paar sinnvolle Sätze aufs Papier bringen. OK, habe ein bisschen übertrieben. Jedenfalls hat er ohne jemals eine Grammatik zu lesen, ohne in ein Wörterbuch zu schauen, ja ohne einen einzigen Satz Portugiesisch zu schreiben sehr gut die Sprache gelernt. Nur durch Hören und Nachplappern. Klar, die Sprache der Strasse, mit grammatikalischen Fehlern und nix Akademischem. Heute lebt er in Portugal und ist dort erfolgreicher Unternehmer. Versteht alles, kommuniziert alles, jedoch nicht sehr korrekt.
Methode 2: Ich, Anfang der 80er in PortugalIch habe in DE mit traditionellem Langenscheid Lehrbuch und einer Cassette fleißig (vielleicht 5 Stunden pro Woche maximal) Portugiesisch gelernt. Vor Ort konnte ich dann zunächst nicht mal ne Flasche Rotwein bestellen. Ich musste dennoch so weiter machen. Grammatik lernen, Wörter und Sätze auswendig lernen. Geht bei mir nicht anders. Bis heute muss ich neue Wörter aufschreiben und immer wieder schreiben. Sonst geht nix in meinen Kopf. Dann ist es im Kopf und ich muss das gelernte anwenden. Irgendwann ist es dann drin und wird bei Bedarf automatisch, unterbewusst einfach abgerufen und angewandt. Bei mir eindeutig: Theorie lernen/verstehen -> nachdenken und anwenden -> Theorie wiederholen -> wieder anwenden -> gelernt ist es erst, wenn ich nicht mehr nachdenken muss.
Portugiesisch ist schwierigJa ist es! Wer das Gegenteil behauptet ist ein Angeber oder will uns was anderes sagen (Siehe nächsten Abschnitt). Präpositionen, Zeitfolgen, Konjunktiv usw. Ist alles nicht so einfach. Wer keine Übung/Vorkenntnisse hat, muss sich das alles geduldig Schritt für Schritt aneignen.
Portugiesisch ist nicht so schwierigJa stimmt auch. Man muss nur viel, viel Geduld haben, seine eigene, optimale Methode finden und immer wieder lernen, anwenden usw. Ich glaube, jeder kann eine Fremdsprache wie portugiesisch lernen. Geduld und Fleiß vorausgesetzt. Die Frage ist nicht leicht oder schwer. Die Frage ist: will ich und bin ich bereit die Zeit zu investieren. Halte ich Phasen des "Null Fortschritts" oder gar "Rückschritts" (teilweise über Wochen) aus oder gebe ich auf.
Korrekt vs. EffektDas muss jeder mit sich selber ausmachen, vorausgesetzt er will es zum Spass lernen. Ich möchte halbwegs korrekt sprechen können, sage aber lieber was falsches als garnix. Anderen ist es egal. Auf den Effekt kommt es an. Hauptsache man wird verstanden und versteht die anderen.
An eines sollte man denken, wenn man in Brasilien leben möchte. Wir kennen ja alle die Geschichten über vermeintliche "Gringo-Aufschläge", "Gringo-Behandlung", Gringo-Abzocke" usw. Eine gepflegte Sprache von einem Gringo beeindruckt alle Brasilianer. Der Gringo-Nachteil weicht dem Gringo-Respekt. Der öffnet Türen, verkürzt Wartezeiten verschafft Autorität. Dann noch mit langen Hosen und geschlossenen Lederschuhen aufs Amt, auf die Bank oder auch nur ins Shopping Center gepaart mit einer gepflegten Ausdrucksweise. Der Hauptgewinn ist dir sicher!
PS: Ach ja, auch Frauen kann man mit einer gepflegten Ausdrucksweise beeindrucken. Erinnere mich gerade an ein Beispiel bei meinem ersten Brasilienbesuch (nach vielen Jahren Portugal-Urlaub). Ich wollte meine Auserwählte mit einer geistreichen Unterhaltung beeindrucken. Bei einem romatischen Strandspaziergang kam das Thema irgendwie auf voreheliche Liebe. Ich wolle zum Ausdruck bringen, dass man dabei ja (auch als Frau) quasi die Katze im Sack kauft. In etwa ging das dann so (entschuldigt die Rechtschreibfehler) : Fode-se. Não entendo esse povo. Olhe. Depois o cara tem um caralho cheio de caspa, feio e fraco. Melhor foder antes e saber que e que vai ganhar. Nao e amor? Eine zögerliche Zustimmung hat mich bestätigt. Saubere Grammatik, gewählte Ausdrucksweise, fließende Sprechweise. Ja, Portugal hat sich gelohnt. Kein Wunder, dass ihr die nächsten zehn Minuten die Worte fehlten
