Jetzt soll Militär Brasiliens Banden bekämpfen

Alles über Brasilien aus der internationalen Presse (Beiträge bitte max. anreissen, unbedingt die Quelle verlinken sowie ein eigenes kurzes Statement abgeben).

Jetzt soll Militär Brasiliens Banden bekämpfen

Beitragvon pedro_araguaia » Do 4. Jan 2007, 02:26

Jetzt soll Militär Brasiliens Banden bekämpfen

Kurz vor Silvester wurden 20 Menschen in Rio ermordet
Im Kampf gegen die ausufernde Bandenkriminalität in Brasilien kommt nun auch die Militärpolizei im Grossraum von Rio de Janeiro zum Einsatz.
Gouverneur Sergio Cabral Filho, ein politischer Verbündeter von Präsident Luiz Inacio Lula da Silva, kündigte an, neben der Militärpolizei auch zusätzliche Bundestruppen anfordern zu wollen, um der Gewalt in Rio Herr zu werden. Die Sicherheitskräfte sollten zunächst an der Grenze des Bundesstaates zum Einsatz kommen.

«Wir müssen nun geschlossen handeln. Wenn sich die öffentliche Hand erst einmal organisiert hat, kann kein Verbrecher gewinnen», sagte Cabral auf einer Pressekonferenz.

Viele Mordopfer kurz vor Jahreswechsel

Bei Überfällen und Bandenkämpfen waren in Rio de Janeiro kurz vor Silvester etwa 20 Menschen getötet worden. Präsident Lula da Silva hatte die Anschläge als Terrorismus bezeichnet, der mit der starken Hand des brasilianischen Staates bekämpft werden müsse.

Rio ist Austragungsort der Panamerikanischen Spiele

Als zweitgrösste Stadt Brasiliens richtet Rio de Janeiro in wenigen Wochen ein Gipfeltreffen von Vertretern des südamerikanischen Handelsabkommens Mercosur aus. Im Juli sollen in der auch bei Touristen beliebten Küstenstadt zudem die Panamerikanischen Spiele stattfinden.

Quelle: http://tagesschau.sf.tv/content/view/full/69533
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Beitragvon Brummelbärchen » Do 4. Jan 2007, 10:33

Tja... da berichtet ein Journalist aus Brasilien und weiss nicht, dass die Militärpolizei in Brasilien nicht dem Bund sondern den Gliedstaaten unterstellt sind? Und mit den Bundestruppen ist auch nicht das Militär sondern die Bundespolizei gemeint... Kopfschüttel.

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Beitragvon Lemi » Do 4. Jan 2007, 11:54

Das mit dem Militär in Rios Favelas hatten wir vor ca. 1 Jahr schon einmal. Ging gründlich in die Hosen. Nicht zuletzt, weil sich die Favela-Bewohner unter der Herrschaft der Drogenbosse sicherer fühlen als unter der Polizeigewalt. Ausserdem kommt den Drogenbossen - so makaber es auch klingen mag - eine soziale Komponente zugute.

Problematisch ist im Prinzip nur das Aufeinandertreffen von Polizei und Drogengangs bzw. der Krieg zwischen verschiedenen Dealer-Fraktionen. Punkt 2 betrifft allerdings hauptsächlich Rio. In anderen Städten gibt es meist nur eine Fraktion oder relativ klare Verhältnisse zwischen den Gangs. Kleine Schiesserein gibt es da immer wieder, logisch ... aber die Opfer sind zu 99% unter den Dealer selbst zu finden. Die Staatspresse berichtet natürlich gerne von sogenannten Querschlägern mit Opfern oder Verletzten, um seine Polizeiaktionen zu rechtfertigen .... meist gibt es bei den Polizeiaktionen mehr zivile Opfer als bei den Drogenkriegen.

Davon will Vater Statt aber nichts wissen .... im Prinzip ist dieser Kampf für den Staat sowieso verloren. Wer einmal durch das Favelameer Rios oder São Paulos gefahren ist, weiss, dass man da keine Chance mehr hat, irgendetwas in die richtige Richtung zu biegen. Der Anteil der Armen und Verwahrlosten ist in Brasilien ins Unermessliche gewachsen.
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Beitragvon Brummelbärchen » Do 4. Jan 2007, 13:00

Die fehlende Staatsgewalt in den Favelas mag für einige Favelabewohner vielleicht zweitrangig sein, aber für die restliche Bevölkerung ist sie es nicht. Praktisch alle Raubüberfälle auf Privatpersonen, Banken, Apotheken etc. werden aus dem Schutz und der Deckung der Favelas heraus ausgeführt, und die meisten Verfolgungsjagden zwischen der PM und den Banditen enden hier damit, dass sich letztere in eine Favela absetzen.

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Beitragvon Lemi » Do 4. Jan 2007, 13:22

Brummelbärchen hat geschrieben:Die fehlende Staatsgewalt in den Favelas mag für einige Favelabewohner vielleicht zweitrangig sein, aber für die restliche Bevölkerung ist sie es nicht. Praktisch alle Raubüberfälle auf Privatpersonen, Banken, Apotheken etc. werden aus dem Schutz und der Deckung der Favelas heraus ausgeführt, und die meisten Verfolgungsjagden zwischen der PM und den Banditen enden hier damit, dass sich letztere in eine Favela absetzen.

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Der Staat sollte sich mit der Bekämpfung der Wurzeln der sozialen Unterschiede beschäftigen und nicht nur "Schadensbegrenzung" betreiben.

Wenn ein Mensch einen gewissen Grundkomfort im Leben hat (Arbeit und einen anständigen Lohn oder Arbeitslos und ein soziales Netz), dann geht er nicht mehr auf die Strasse und raubt andere Leute aus.
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Beitragvon Moranguinho » Do 4. Jan 2007, 13:32

Lemi hat geschrieben:Wenn ein Mensch einen gewissen Grundkomfort im Leben hat (Arbeit und einen anständigen Lohn oder Arbeitslos und ein soziales Netz), dann geht er nicht mehr auf die Strasse und raubt andere Leute aus.


Dann dürfte es in Deutschland eigentlich keine Kriminellen geben...
Ganz so einfach ist es zwar nicht, im Prinzip hast Du aber Recht.
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Beitragvon Lemi » Do 4. Jan 2007, 13:37

Moranguinho hat geschrieben:
Lemi hat geschrieben:

Wenn ein Mensch einen gewissen Grundkomfort im Leben hat (Arbeit und einen anständigen Lohn oder Arbeitslos und ein soziales Netz), dann geht er nicht mehr auf die Strasse und raubt andere Leute aus.


Dann dürfte es in Deutschland eigentlich keine Kriminellen geben...
Ganz so einfach ist es zwar nicht, im Prinzip hast Du aber Recht.


Es wird immer und überall Kriminelle geben, aber in Brasilien basiert ein Grossteil der Kriminalität auf Hunger, Perspektivlosigkeit und Niedriglöhnen (und damit ist dann auch die Verführung in Drogenhandel und Prostitution gegeben, da man dort schnelles Geld machen kann, ohne gebildet sein zu müssen).

Der Kreis schliesst sich also immer wieder bei der fehlenden Bildung des Grossteils der Bevölkerung. Wer Tims Berichte liest ( http://www.tim-brasil.de ) wird verstehen, dass öffentliche Schulen meist nicht mehr als die Alphabetisierung in den 8 Jahren Grundausbildung zustande kriegen. Wenn ich mir Briefe von Kindern aus der 4 oder 5. Klasse durchlese, komme ich zur selben Auffassung.
Zuletzt geändert von Lemi am Do 4. Jan 2007, 13:52, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Moranguinho » Do 4. Jan 2007, 13:49

Lemi hat geschrieben:aber in Brasilien basiert ein Grossteil der Kriminalität auf Hunger, Perspektivlosigkeit und Niedriglöhnen


Grossteil ist das Wort, dass mir in Deinem vorherigen Post gefehlt hatte. :wink:
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Beitragvon timbelo » Do 4. Jan 2007, 14:09

Bei all der Armut, die ich bei Familien in der Favela gesehen habe, wundert es mich sogar noch, wie gross der Anteil der friedlichen Favela-Bewohner ist.

Wenn ein 16jähriger merkt, dass seine Schulbildung höchstens für einen Job als Gärtner reicht, kann man es ihm doch gar nicht verdenken, dass der überall um ihn herum blühende Drogenhandel eine Verführung, nüchtern gesagt sogar eine Option darstellt. Schliesslich haben viele ein paar ältere Kumpels, die dabei gut verdienen und noch massenweise Mädels abschleppen - für welchen 16jährigen ohne grosse Perspektive wäre das nicht verlockend?!?

Ich merke bei meiner Arbeit in der GAC-Tagesstätte immer wieder, dass diese Ungerechtigkeit im brasilianischen Bildungssektor besonders den Kindern wehtut, die intelligent sind und das Zeug zu mehr hätten als nur Gärtner oder Putzfrau.


P.S.: Meine Homepage http://www.tim-brasil.de ist jetzt wieder aktualisiert. In letzter Zeit gibt es vor allem fröhliche Bilder aus der Tagesstätte von Weihnachten feiernden Kindern... ;-)
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Beitragvon Severino » Do 4. Jan 2007, 14:53

Bei all der Armut, die ich bei Familien in der Favela gesehen habe, wundert es mich sogar noch, wie gross der Anteil der friedlichen Favela-Bewohner ist.
Würde das eher so formulieren: Bei all der Armut, die ich bei Familien in Brasilien gesehen habe....
Dort ist es nämlich genauso arm, wie in der Favela. Aber die Verlockung des grossen Geldes durch Drogen und Prostitution ist bei den "normalen" Familien nicht so nahe und nicht so spürbar. Erst, wo es dem Nachbar viel besser geht entsteht der Neid, der jemanden in die Kriminalität treibt.
Dazu das ewige "se Deus quiser"... Nur deswegen haben die Politiker in Brasilia noch die Rübe dran. Mit deutschem Kampfesgeist gäbe es das nicht. Der Schweizer würde auch zuerst Mal ein bisschen zuschauen und der Brasilianer kann ja eh nichts ändern, liegt ja alles in Gottes Hand....
Wer im Übrigen glaubt, dass die Bosse in der Favela nicht sehr eng mit einigen korrupten Polizisten zusammenarbeitet - war wohl noch nie in einer "echten Favela", sondern höchstens in einer "Barackensiedlung".
Und dort treibt niemanden Hunger, Perspektivlosigkeit oder Niedriglohn in die grosse Kriminalität. Dort sind aber auch keine Touristen, die ein lohnendes Ziel abgeben, so wie in Rio oder Recife. Auch keine Geschäftsmänner, wie in Sao Paulo und Belo Horizonte. Dort ist Brasilien zwar arm aber in seiner ganz eigenen Art zufrieden....
paz e amor
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