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Condor




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BeitragVerfasst: 11 Sep 2006 04:35 
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Trem Mineiro hat geschrieben:
BB: wo kommt deine Liebe zu BH her.

Umgekehrt: Meine Liebe kommt aus BH her. :wink:
Zudem mag ich den Jeito der Mineiros. Nicht so aufgeblasen und hektisch wie die Paulistanos, aber trotzdem fleissig und zielstrebig. Und zudem ein bisschen zurückhaltender und weniger oberflächlich als Cariocas oder Bahianos. Natürlich alles relativ im brasilianischen Kontext gesehen, grins. Es leben die Klischees... aber im Kern wohl war und mit ein Grund warum die Region wirtschaftlich nicht allzu schlecht dasteht.

Nach einiger Zeit Fernbeziehung mit meiner Kleinen hatten wir uns mal zusammengesetzt und ernsthaft über die Zukunft nachgedacht. Da sie 1. zu diesen neumodischen Frauen gehört, die selber Karriere machen wollen, sie 2. die Schweiz nur für Ferien ganz nett findet , ich 3. sowieso im Sinn hatte für eine Weile in Lateinamerika zu arbeiten (zwar eher in Mexico) habe ich dann 4. letztes Jahr einige Zeit in Belo verbracht um zu sehen ob das was werden könnte.

Ein bisschen näher am Meer wäre schon schön, aber wirtschaftlich ist die Region sehr spannend.

BB


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BeitragVerfasst: 11 Sep 2006 12:40 
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Hallo Pocoto,

habe grade dein posting gelesen - kommt mir alles irgendwie bekannt vor :lol:

OK - bin von deiner Idee nicht sehr begeistert, schon garnicht, daß der Beweggrund eine schwangere Brasilianerin ist, die nicht in Europa bleiben möchte (...da kommen noch mehr Probleme auf dich zu, vor allem, wenn du IN BRASILIEN bist) - aber sei's drum, must DU wissen - einige Fragen kann ich dir aus eigener Erfahrung beantworten

Zitat:
Soweit ich weiss, könnte ich dann sofort zu arbeiten beginnen, oder?!?
Zitat:

Geht "nur" wenn du einen Arbeitgeber hast, der dir die entsprechenden Türen öffnet - nach Heirat wirst du erst mal ein Arbeitsbuch brauchen, vorher stellt dich keiner ein. - Vor der Heirat kannst du mit Schreiben des Arbeitgebers ein Arbeitsvisum auf dem Konsulat beantragen.

Damit solltest du wohl zuerst beim pot. Arbeitgeber anfangen.

Was verdient ein Marketing/Sales Manager so im Durschnitt in Brasil?
Zitat:

Wir würden so ca. 4000 bis 4500R$ Brutto im Monat ansetzen (rechne mal mit 20% Abzügen) - wobei du sicherlich NICHT als Manager anfängst und dich zudem noch 4h täglich ZUSÄTZLICH zu deiner Arbeitszeit durch den Straßenverkehr von Sao Paulo quälst.... natürlich alles bei wöchentlichen 45h "Tarifarbeitszeit" und ca. 40 unbezahlte Überstunden wird auch erwartet für deine Zielvorstellungen. Urlaubsanspruch frühestens nach 12 Monaten und KEINE Urlaubsschulden - d.h. frühestens nach 3 Jahren kannst du über die erste Woche selbst entscheiden :twisted:

(....liest sich scheiße, ist aber Realität - außerhalb SP kann ich dir nicht viel sagen, wird aber weniger sein !!)


Wie läuft es mit Versicherung und Pension ab? Welche Varianten gibt es, welche werden bevorzugt und warum?


Krankenversicherung wird vom Unternehmen getragen - nicht aber Zahnarzt und sonstige "selbstverantwortliche" Gebrechen. Bei Unfällen bist du aber abgedeckt.

Rentenversicherung wird auch abgeführt, ebenfalls die sog. Arbeitslosenversicherung bzw. Garantiefundus (du bekommst bei Arbeitslosigkeit eine Einmalzahlung basierend auf den Beträgen die du einzahlst - dazu noch ein kleiner Obulus daß du nicht verhungerst).

Wichtig - Rente - da du NICHT in Brasilien geboren bist, wirst du wohl bis 70 arbeiten müssen bevor du überhaupt ANSPRUCH hast... :wink: - Abgaben bezahlen wirst du trotzdem, aber nach Gesetz hast du erst nach mind. 30 Jahren Brasilien Anspruch :!:

Tip - mit deinem brasilianischen Gehalt weiter deine Beiträge in Europa bezahlen (was aber evtl. verdammt teuer kommen kann wegen Inflation und weil du sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer nach Europa abführen mußt).

Zitat:
Wie läuft das Ganze dann in Hinblick auf Zeugnisse von Uni und letzten Arbeitgeber ab? Muss man die übersetzten und beglaubigen lassen und gleich dem CV mitbeifügen? Wird das alles überhaupt anerkannt?


ALLES ÜBERSETZEN und amtlich beglaubigen lassen von brasilianischem Cartorio oder Konsulat - laß das am besten in Europa machen - dann bekommst du auch ne brauchbare Übersetzung.

ANERKENNUNG wirst du bekommen - aber leider haben deine Papiere nicht den Stellenwert wie in Europa da Titel nicht geschützt sind und viele Scheinpapiere unterwegs sind und Leuten mit Titeln hausieren, die sie sich nie verdient haben in Brasilien. - - Ein europäisches Diplom ist aber in der Regel deutlich angesehener als ein brasilianisches. :!:

Zitat:
Akzeptieren internationale Konzerne in Brasilien, sagen wir in den ersten 2-3 Monaten business english zur Kommunikation zumindets Firmenintern?


NEIN - es sei denn, du fängst mit etwa 50% von deinem Gehalt an - Schulungen können dann evtl finanziert werden. - - Allerdings gibt es in SP genügend Firmen, bei denen Englisch und Deutsch fast schon geläufiger sind als portugiesisch - auch hier gilt wieder, woanders wird es schwerer und "portugiesischer" :!: - Es sei denn, du hast genau DAS, was der Konzern brauchen sollte...dann kannste auch ne Weile mit Englisch klar kommen - aber es gibt genügend einheimische Fachkräfte, die zudem auch noch billiger sind.

(ein Brasilianischer Ingenieur ist schon für 1400 bis 2500R$ zu haben, deutsche Ingenieure nicht unter 4000R$ - somit kann ich in der Regel mind. 2 für dein Geld einstellen, auch wenn diese nur 50% bringen sollten)

Zitat:
wenn mein Kind in Brasilien geboren wird, ist es dann automatisch auch Österreicher oder gibt es da keine Chance auf Doppelstaatsbürgerschaft?


Dein Kind wird NICHT automatisch Doppelstaatsbürger - wenn es in Brasilien geboren wird, ist es Brasilianer. - Du kannst DANACH eine Anerkennung beim internationalen Jugendamt in deinem Herkunftsland machen bzw. bei der Botschaft deines Landes. - Damit bekommt das Kind dann auch irgendwann mal einen Pass aus deinem Land. - ALLERDINGS hat das Kind dann auch alle Rechtsansprüche nach deinem Land. - - TIP - mache das erst, wenn es notwendig wird wie bspw. Volljährigkeit - im Extremfall können dir noch Unterhaltszahlungen drohen und verändertes Erbrecht :!:


Nochwas zum ARBEITGEBER finden:

Auch wenn man dir in Brasilien was anderes erzählt, DU bist der Konkurrent, der einen gutbezahlten Job will und nicht richtig portugiesisch spricht - zudem studieren fast alle in Brasilien "Administracao de Empresa" (BWL) und es gibt ein Überangebot an "billigen" und guten Akademikern - den Rest macht der m.E. übertriebene Nationalstolz - etwa wie "Brasilien den Brasilianern".... wird also hart.

(stell dir einfach vor, ein Türke würde aus Istambul nach Wien kommen - studiert aber mit wenig Deutsch - und wird DEIN Chef ..oder will es werden !! - ...so in etwa wird es dir in Brasilien ergehen :twisted: )

Am besten die nimmst dir einige Wochen Urlaub, fliegst hin und stellst dich PERSÖNLICH bei den Firmen vor (nach vorheriger Kontaktaufnahme) - alles andere bringt keine oder nur negative Antworten


FAZIT - Ich würde es nicht tun. Habe selbst lange genug dieses Leben gelebt und für mich ist heute ZEIT wichtiger als alles andere. Die habe ich aber nicht, wenn ich in Brasilien arbeite..... wie oft hat es mich angekotzt, Deutsche zu sehen, die 6 Wochen Urlaub und Rundreise in Brasilien machen .... soviel Freizeit hatte ich als "Einheimischer" das ganze Jahr über nicht.... und dann nur NACHTS leben können und außer Frauen und Kneipen hocken sonst keinerlei "kulturelle Herausforderungen"...mit der Zeit ödet dieses Niveau an (auch wenn es anfangs ganz lustig sein kann, speziell natürlich für Typen, die in Ihrer "Heimat" nie ne Frau abbekommen haben oder auch da schon nix anderes gemacht haben als in den Dorfkneipen rumhängen 8) 8) ).....selbst das Leben mit den Freunden und Bekannten ist auf ein Minimum reduziert - mehr als Einmal die Woche war in der Regel nicht drin....

Naja - ...das alles verändert dein Leben - ich würde eher schauen, daß die Frau nicht DOCH nach Europa kommt - damit hast du auch mehr Zeit
für dein Kind und nicht zu Kosten des Jobs... es gibt genügend Möglichkeiten, aus deiner Frau noch was zu machen in Europa.

Gerne kann ich dir weitere Infos geben - schreib einfach

Viele Grüße

Gunni

PS: Mir ist es egal ob Brasilien, Österreich oder Grönland sofern ich mich geistig und beruflich entwickeln kann und eine Basis wird für ein vernünftiges Familienleben habe - leider sehe ich gerade letzteres in Brasilien als sehr "fragwürdig" an.


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BeitragVerfasst: 11 Sep 2006 12:53 
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Nochwas (sorry - ist mir grad' eingefallen)


Oft genug konnt' ich Bewerbungen lesen von Europäern in etwa nach diesem Stil - "...meine Frau kommt aus Belo Horizonte und weil sie sehr familiär ist habe ich mich entschieden nach Brasilien zu kommen" ...oder so ähnlich...

...und KOMISCHERWEISE will genau DIESER Bewerber dann in Curitiba arbeiten oder in Sorocaba....obwohl er schreibt, daß seine Frau eigentlich aus Belo garnicht weg will....

...spricht man Ihn deswegen an, so ist alles gaaaaaaanz einfach - man nimmt ein Flugzeug am Wochenende etc..... immer die gleichen Sprüche.

....dann meint der Bewerber echt daß wir sowas wie die "Zentrale Anlaufstelle für Asylbewerber in Brasilien" sind :?: - sorry, aber so doof kann man garnicht sein - der "Herr" oder "Dame" bewirbt sich bei uns, weil er woanders nichts bekommt - denkt aber, so wird er, sobald er im Land ist, logischerweise schauen, daß er näher zur Frau kommt.... und wir haben die Kosten und weg ist er ..... soooo nicht !!!

TIP - ....erwähne möglichst WENIG von deiner Frau und wenn man dich fragt, dann sei HOCHFLEXIBEL und SIE kommt nach Curitiba etc...

Lug und Trug gehören zum Alltag - kannst dich schon mal dran gewöhnen 8) ...hehe...


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BeitragVerfasst: 11 Sep 2006 15:23 
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Oi Gunni,

vielen, vielen Dank für deine Tips! Jetzt hab ich viel mehr den Durchblick über die ganze Sache, da ich die Infos hab die ich brauche.

Ich habe in meinem Leben beruflich schon echt viele Dinge bewegt (Markteinführung einer großen Versicherung in Osteuropa oder Börsengang durch mein Projekt bei der Formel 1 eines Catering Unternehmens), aber das hier scheint echt ein Himmelfahrtskommando
zu werden, ohne Netz und Boden.

Was hilft es gut zu sein, wenn keiner will, dass du gut bist!

Ich habe bei petrobras schon ein Jahr Erfahrung gesammelt, dass ist aber schon 6 Jahre her und ich hab anscheinend schon ganz vergessen, wie es war. Allerdings läuft es als Praktikant ganz anders runter als wenn du dich oben possitionieren willst.

Bei mir ist es leider genau so, dass ich nur Erfolge bringen kann, wenn man mich lässt. Sperrt man mich ein und gibt man mir das feeling, dass ich der dumme Gringo bin, der sowieso hier nichts zu suchen hat, bedeutet das, dass ich daran zugrunde gehen werde.

Ich hab jederzeit der Kraft und den Mut wieder unten anzufangen, allerdings nur, wenn ich auch Chancen habe, mich wieder dort zu positionieren wo ich erfolgreich sein kann.

Ich werde nun folgendes versuchen. Ich werde die österreichischen, schweizer und deutschen Konsulate anschreiben, damit sie mir Kontaktadressen geben von Unternehmen die in Brasilien operieren.

Danach sende ich Blindbewerbungen an diese Unternehmen. Daraus ermittle ich dann ob es Sinn macht unter diesen Voraussetzungen und mit europäischem Feedback etwas drüben zu machen.

Derzeit habe ich ein Nettoeinkommen von ca. EUR 4000,- pro Monat, schaffe ich es einen Job zu finden mit einem drittel weniger, dafür aber europäische Urlaubsansprüchen, Kranken-, und Pensiongeld sowie den Sprachkurs und die Position in dem Unternehmen die ich benötige, habe ich denke ich mal Chancen es zu schaffen.

Alle Punkte werden sich nicht erfüllen, danach muss ich Prioritäten setzen und abwiegen.

Ich bin in Sachen Frauen ein gebranntes Kind. Ich habe keine Angst, dass ich verlassen werde oder Unterhalt zahle, denn ich bin mir meinen Pflichten und Verantwortungen sehr wohl bewusst.

Worst case Kalkulationen gehören zu meinem Job wie zu meinem Leben.
Auch ich arbeite aber teilweise nach dem Motto "no risk, no fun" zumindest im privaten Bereich. So war ich auch schon in den Favelas von Rio oder im Getho von Kingston (Jamaica).

Um ein Volk verstehen zu können, muss man eben wissen wo es herkommt. Die Brasilianer sind erst zu durschauen, wenn man sie versteht und damit meine ich nicht die Sprache!

Vergleichbar ist es keinesfalls mit hier. Wer geht hier schon hungrig schlafen, muss Touristen überfallen um leben zu können oder in ein Loch sch . . . weil es kein fließend Wasser gibt? Und das ist bekanntlich nur die Spitze des Eisberges.

Es sind die zwei Welten die in Brasilien dominieren. Die einen fliegen mit dem Hubschrauber in die Arbeit und die anderen haben nichtmal mehr die Kraft zu gehen, weil sie so hungrig sind.

Ich liebe meine Freundin und sie mich. Das ist fix, derzeit!
Es wird auch Verträge geben in denen sie unterschreibt auf Ihre Ansprüche im Trennungsfall zu verzichten. Was mit dem Kind sein wird im Trennungsfall wird auch von europäischen Anwälten genauestens geprüft werden.

Hört sich zwar nicht fair an, muss aber so sein, denn sonst wäre ich nicht besser als alle anderen, die zahlen für eine Sache die vielleicht herausgefordert worden ist oder sich am Schluss so ergeben hat.

Gunni, was arbeitest du in SP oder bist du mittlerweilen Unternehmer?
Wie bist du auf die Idee gekommen in BR zu arbeiten?
Wie lange willst du das noch machen und bist du verheiratet in Brasilien.
Was haltest du (ihr) von meiner Strategie?

Muito obrigardo!

Mario



Paz, Justiça e Liberdade


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BeitragVerfasst: 11 Sep 2006 17:37 
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Oi pocoto,
du schreibst hier, was mir schon seit längerem duch den Kopf geht. Aber mittlerweile hast Du denke ich kapiert, wie es in Brasilien läuft. Insbesondere auch die Hinweise von Gunni trefen den Nagel auf den Kopf. Für mich wird es genau deshalb unmöglich sein, einen Job in meinem Beruf zu bekommen. Dazu müsste ich nämlich nach Sao Paulo oder Belo oder Curitiba. Aber ich will nach Goiás (so gross wie Deutschland, 4 Millionen Einwohner). Also wird mir dort nichts anderes übrigbleiben, als selbstständig zu arbeiten. Wahrscheinlich geht es in die Baubranche / Immobiliendienstleistung. Erste Kontakte konnte ich bereits knüpfen.
Für mich käme ein Leben als brasilianischer Angestellter zu diesen Bedingungen sowieso nicht in Frage. Dafür bin ich aber auch bereit auf Einiges zu verzichten. Aber nicht auf die Aussicht auf Erfolg, und genau das wäre meine Zukunft als Lohnempfänger in Brasilien. Unten anfangen wäre sicher nicht mein Problem, aber nicht mitdenken dürfen, geschweige denn meine Ideen einbringen zu können, daran würde ich zugrundegehen.
Zitat:
Ich hab jederzeit der Kraft und den Mut wieder unten anzufangen, allerdings nur, wenn ich auch Chancen habe, mich wieder dort zu positionieren wo ich erfolgreich sein kann.



paz e amor
Severino


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BeitragVerfasst: 11 Sep 2006 19:18 
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Oi Pocoto
Ich sehe, die Postings gehen alle in die gleiche Richtung und du ziehst die richtigen Schlüsse daraus. Als Arbeitnehmer in Brasilien ist es ziemlich übel. Und als Selbständiger brauchst du außer einer Idee halt auch Kapital, das ist in Brasilien nicht zu bekommen. Wenn du es durchziehen willst, wird es die erste Zeit auf verdammt niedrigen Niveau sein, ohne Garantie dass du dich durchsetzt. – Trotzdem viel Glück

BrummelB.
Ja die Mineiras – Ich habe das ganze Berufsleben erst mal hinter mir, hat sich für mich gelohnt, aber ich bin auch den leichten Weg gegangen. Meine Mineira wird, wenn sie es durchhält, 4 Jahre in D sein, dann geht’s zurück nach Belo Horizonte (ich will ja eigentlich in ein Häuschen 100 m hinter einer Düne, nördlich von Salvador, aber es wird wohl nichts) Aber ich komme als Früh-Rentner zurück, mit ausreichender Absicherung und der Möglichkeit, zur Not mal wieder nach D zu gehen, keine Kinder sind gerne in Brasilien, im Urlaub, aber bleiben in D, dort habe ich also immer eine Basis.

Gruß

Manfred


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BeitragVerfasst: 11 Sep 2006 20:13 
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Oi Severino,

die Frage ist, was macht ein brasilianisches Unternehmen erfolgreich, wenn es doch teilweise nur von einem oder maximal von einem Familienclan dirigiert wird?

Wo findet die Weiterentwicklung statt? Eines ist sicher, eine Person oder durch Freunderlwirtschaft gezüchtetes Unternehmen, ohne den Backgound wahrer Leistung und Wissen, kann nicht Konkurrenzfähig sein, sofern es sich um einen freien Markt handelt.

Jede Firma mit anderen Background und Ambitionen würde sie ja sofort in Grund und Boden stampfen.

VW zeigt uns aber das der Hase auch nicht läuft, wenn man unsere Leute dort einsetzt. Warum zucken die Leute aus, sobald sie dort sind, warum lehnen sie sich an das System an, obwohl sie es doch anders gelernt haben?

Habe selbst auch schon über das Unternehmer sein in Brasil nachgedacht, komme aber zu dem Schluss, dass es da unten Faktoren gibt, auf die wir überhaupt nicht vorbereitet sind. Allein die Rechtslage würde ich als äusserst undicht ansehen.

Was will man denn machen, wenn die vom CV in Rio plötzlich vor dir stehen und Schutzgeld haben wollen? Machst du mit, gehst du zur PF, wandersts du aus oder stellst du dich?

Es ist doch so das dich keiner da drüben haben will und alle denken, dass wir Geld wie Heu haben. Was für einen Brasilianer kein Problem ist, ist für uns da drüben oft fast unüberwindbar.

Das ist jetzt wieder der worst case, i know, aber man muss da drüben echt mit allem kalkulieren. Von Betrug bis Mord ist alles drin.

Also rein nur BWL studiert haben und hier Erfolg gehabt zu haben, ist meiner Meinung nach kein Garant, da drüben Business zu machen und vor allem erfolgreich zu sein.

Wenn man angenommen einen brasilianischen Geschäftsführer hat, wird man von dem wieder ausgenommen. Man dreht sich also im Kreis.

Ich denke, dass es für mich am besten ist, von einem europäischen Unternehmen direkt hinüberentsand zu werden. Dann ist auch nicht garantiert das ich akzeptiert werden, aber ich hab es wenigstens mit all den europäischen Absicherungen in der Hand.

Sollte wirklich alles nichts nützen kann ich kündigen und den Weg nach hause ohne größere Verluste antreten.


Gruss

pocoto



Paz, Justiça e Liberdade


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BeitragVerfasst: 12 Sep 2006 12:55 
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Hallo Mario,

möchte nicht zuviel "Werbung" über mich selbst machen, denn ich schätze die Anonymität in diesem Forum - ich kann dir aber sagen, daß ich von Europa aus mehrmals (!!) bei brasilianischen Konzernen in Brasilien gearbeitet habe und auch zu Studienzeiten mehrmals dort war.

Heute werde ich von Asiaten gut bezahlt, um mich um deren Angelegenheiten dort zu kümmern - böse Zungen behaupten dabei, daß ich noch "mehr" Brasilianer geworden bin als die eigentlichen Brasilianer (nicht Frauen und Feiern, sondern business !) - - glücklicherweise ist aber inzwischen meine Lebensbasis wieder woanders :wink:

Was ich dir sagen will, ist, daß es einen himmelweiten Unterschied macht, ob du "nur" einen zeitlich befristeten Vertrag oder ein Praktikum hast oder ob es wirklich darum geht, dort Fuß zu fassen.

Bei Ersterem lassen dich die Brasilianer in der Regel in Ruhe - du bist der Gringo, du darst was kennenlernen und wenn du doch mal nervst, so bist du ja bald wieder weg und stellst nicht wirklich eine Gefahr da - also eigentlich "unbedeutend" 8)

Bei Letzterem sieht die Sache anders aus - du kommst, um dir nen Job zu krallen, du willst es besser haben als die, du willst denen sagen wo's lang geht ...und am besten auf Lebenszeit mit Grundstück, Haus und allem was dazu gehört. "Mobbing" bekommt da 'ne ganz neue Dimension und die "lieben" Brasis sind plötzlich ganz und garnicht mehr so lieb, wie man es mal kannte.

Du darfst nicht vergessen, daß die Brasilianer 500 Jahre Erfahrung damit haben - es hat schon immer Leute gegeben, die in das Land kamen, abräumen wollten und dann wieder verschwunden sind.... hier hat man sich in der Regel reserviert, distanziert und freundlich verhalten....

....aber es gab auch diejenigen, die gekommen sind, um zu bleiben, zu profitieren und dabei RICHTIG abzuräumen (sag jetzt einfach mal so) - da gab es sogar Kriege deswegen ...und die Erfahrungen haben über die Jahrhunderte so eine Art Doppelmoral erzeugt.

Zitat:
Derzeit habe ich ein Nettoeinkommen von ca. EUR 4000,- pro Monat, schaffe ich es einen Job zu finden mit einem drittel weniger, dafür aber europäische Urlaubsansprüchen, Kranken-, und Pensiongeld sowie den Sprachkurs und die Position in dem Unternehmen die ich benötige, habe ich denke ich mal Chancen es zu schaffen.


Würde sagen, DAS ist das KO-Kriterium für dich :!: :!:

Das Geld ist schon "schlimm" genug.....bei 4500R$ bleiben dir halt mal "nur" 1500 Euro....und du kannst davon ausgehen, daß alles, was dein Leben lebenswert macht, dort etwa 3mal so teuer ist....

KLAR - mit 4000R$ in Brasilien kannst du besser leben als mit 4000 Euro in Deutschland (wenn du's mal auf Essen, Wohnen und Kleidung reduzierst) - der Grund dafür ist "Du hast keine ZEIT zum ausgeben" ...hehe... und machst es wie alle Brasilianer.... ein Kindermädchen angagieren für deinen Kleinen und den Haushalt, deine Frau gelegentlich mal sehen und wenn das Geld wieder mal zuviel wird, ein Import-Auto kaufen und damit rumprahlen...und kommt dann der ersehnte Urlaub legst du 500R$ pro Nacht für eine mittlere Pension hin, die den Rest des Jahres keine 60R$ kostet.....NUR damit du auch mal Ferien hast....

Beispiel - ich hätte gerne mal meine Schwester in Deutschland besucht - privat - ...dummerweise mußte ich bis 20ten Dezember jedes Jahr warten wegen der sog. Kollektivferien - kamen die dann endlich konnte ich selbst dann nicht fliegen, wenn ich nicht mindestens 5000R$ auf den Tisch gelegt habe.....das ganze Land geht am gleichen Tag in den Urlaub. - Und geschäftlich in Europa wurde so zugeplant, daß man evtl. ein oder zwei Wochenenden privat hatte ...... vergiß nicht, daß der Brasilianer einen ausgeprägten Sozialneid besitzt und sich noch mehr mit dem Leben anderer Leute befasst als sagen wir mal die "Dörfler" in Deutschland. - Schon allein deswegen konnten die nicht sehen, wie auch noch der Gringo den Urlaub in Europa bezahlt bekommt, den sie auch so gerne machen wollten und eigentlich noch viel mehr "verdient" hätten als du ....

Meine HAUPTBEDINGUNG an meinen derzeitigen Arbeitgeber für Brasilien war ZEIT - Urlaub und flexible Arbeitszeit nach europäischem Vorbild - dazu Reduzierung der Mittagspause von 1.5h auf 30min (ich muß meinen Reis nicht daheim essen - will lieber eine Stunde früher raus aus dem Berufsleben und nicht in der Firma absitzen müssen wegen der ganzen "Auswärts-Reis-Fresser") - man hat mir das Gehalt sogar verdreifacht (!!) aber DIESE Forderung war unerfüllbar. Letztendlich habe ich dann deswegen den brasilianischen Vertrag abgelehnt.

"Verzweifelt" hat man mir noch mehr Geld geboten.....aber für was ? Um mir das x-te Haus am Strand zu kaufen, in dem ich nie sein werde....?

(in Sao Paulo hat fast jeder ein Haus oder Apartment am Meer - manche sind aber nur eine Woche im Jahr dort - das sagt doch schon alles, oder ?)

Mit den geringeren Sozialleistungen und schlechter Absicherung konnte ich leben - nicht aber mit dem Fakt, daß die Jahre rumgehen und mehr als 2 bis 4 private Highlights im Jahr nicht drin waren.....

Lange konnte ich mich nicht entscheiden, ob oder ob nicht .....bis ich eines Tages eine sehr simple Lösung fand - zwei Arbeitspläne des Unternehmens...einer für Europa und einer für Südamerika....

....dann hab ich mich hingesetzt und angefangen zu rechnen, Feiertage, Pausen, Urlaubstage, Arbeitstage, Arbeitszeit etc etc.... zuletzt kam ne fette Zahl in Stunden raus...die hab ich dann durch 8 geteilt für Europa...und ich war perplex - 53 ARBEITSTAGE :!: WENIGER im Jahr, wenn ich nach Europa gehe.......mit Wochenenden bedeutet das fast 3 Monate im Jahr MEHR LEBEN....dafür kann man dann schon mal in Brasilien 6 Wochen Urlaub machen, oder ? :wink:

....und "Überstunden" waren da noch garnicht berücksichtigt :!:

Vater bin ich auch und ne brasilianische Frau habe ich auch - aber eines stand fest - ..egal wie schwer das es wird für die Frau, Europa muß als Lebensbasis herhalten, oder Sie muß sich nen Anderen suchen - zu oft haben wir einfach die Basis von Wettbewerbern oder "Kollegen" in Brasilien entzogen, wenn diese "unbequem" wurden ... und ich will nicht, daß es mir eines Tages auch so geht (es gibt immer Leute, denen in Brasilien eine Sache noch mehr wert ist als dir selber und dann wendet sich das Land auch gegen dich....bisher hatte ich nur "Glück" und noch nicht den "Richtigen" getroffen :cry: )

Das heißt ja nicht, daß die Frau deswegen auf Brasilien verzichten muß - im Gegenteil - sie kann öfter hin und hat mehr Möglichkeiten - auch beruflich und wir haben mehr Zeit füreinander, ohne daß ich meine Interessen vernachlässigen muß !!

....aber kann schwer deine Situation und Person beurteilen :?

Wenn du dort hin willst, ist es das beste, dich bei den Firmen vor Ort zu bewerben, bei der du arbeiten willst - möglichst gut vorher über den Laden informieren - ...und idealerweise gleich mit persönlichem Kennenlernen. - - Ist die Firma interessiert an dir, mußt du über die Hintertür (sprich die Firma) an das Konsulat rantreten...

Der umgekehrte Weg ist wegen mangelndem Erfolg nicht zu empfehlen - zuviele Leute, die mal 2 Wochen Urlaub in Brasilien gemacht haben und denken, DAS sei jetzt ihr neues Leben, wenden sich zuerst mal an die Botschaft.... die hat soviele von diesen Anfragen täglich, daß es auch immer die gleichen Standard-Antworten geben wird (wenn man dir antwortet !). .... bei den Firmen trudelt dann eine Bewerbung nach der anderen von diesen "Abenteurern" mit Konsulatsvermittlung ein und wandert eigentlich in der Regel gleich in den Dreckeimer...... (in 99,8% der Fälle steckt da ne Frau dahinter oder der Wunsch nach Strand und Wärme und nem neuen Leben weg von Regeln und Zwängen ..... und die Firma soll dafür auch noch den Weg bereiten...hehehe....)

(Ich wundere mich immer wieder, für wie naiv die Leute doch die Personalleitung eines Unternehmens einstufen ?! - da verkaufen sich Prostituierte auf der Straße aber deutlich professioneller als diese Bewerber)

...willst du was besonderes, mußt du eben auch den besonderen Weg gehen - und arbeiten in Brasilien ist halt was besonderes :!:

Jetzt aber genug geplaudert - die 1.5h Mittag sind rum...hehe

Du hast nichts davon, Frau und Kind hinterherzurennen, wenn du dabei DEIN Leben selbst runterziehst und unzufrieden wirst - damit schadest du letztendlich JEDEM.

Aber gerne können wir uns weiterhin austauschen - kann dir in beide Richtungen evtl. weiterhelfen.

Grüße

Gunni


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BeitragVerfasst: 12 Sep 2006 18:23 
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Hallo Gunni,

ich dachte mir schon, dass du ziemlich viel Erfahrung in dem hast, was du in Brasilien so treibst. Ich denke auch, dass es sehr wichtig ist in diesem Forum Anonymität zu wahren!

Interessant ist, dass dich die Asiaten nach BR entsenden um ihre Interessen zu wahren. Zeigt eigentlich auch nur, dass du weisst was du da machst.

Es hat also deiner Meinung nach nur Sinn mich von Brasilianischen Konzernen in Europa anstellen zu lassen um so den Weg auf der sicheren Seite über den großen Teich zu schaffen?

Irgendwie ganz schön strange das Ganze da drüben?!?! Wundert mich, dass die nicht in Massen bald vor unsere Haustüre auftauchen um hier zu arbeiten? Ähnliches wird uns ja mit der Ostöffnung hier in Europa bevorstehen.

Interessant ist, dass Brasilianer ganz frei reisen dürfen, mit den Bedingungen so wie wir sie hier haben. In Rumänien z.B. musst du EUR 500,- bei der Ausreise vorweisen, damit du überhaupt mal rauskommst.

Mein Freundin ist bisher immer ohne irgendwas ein-, bzw. ausgereist.
Wissen die nicht was bei uns abgeht oder hassen sie Gringos und die Kälte so sehr, dass sie es nicht in Betracht ziehen?

Brasilianer sind bei uns in Österreich kein Problem. Sie werden im Gegensatz zu Türken und Afrikanern nicht angefeindet. Im Gegenteil, mir kommt vor als hätten sie eine art Sonderstatus, ich würde sogar sagen wie Spanier oder Italiener.

Die Brasilianer gehen komsicher Weise mehr nach der Hautfarbe und sehen sich nachher die Nationalität an. Ist genau umgekehrt. Alles nur kein Gringo im Gegensatz zu unserem System, nichts ausser Österreicher wird wirklich akzeptiert und auch da machen wir noch Abstufungen. Läuft aber in Deutschland genau so runter.

Einzig die Schweiz ist da anders. Jeder der es rein schafft und den Druck standhält ist dabei. Ich rede jetzt absichtlich nur von deutschsprachigen Ländern.

Ich hab auch mal 6 Monate in Rumänien gelebt, da ich dort geschäftlich zu tun hatte. Dort ist es wieder anders. Alles was Cash hat rein, alles was arm ist und hinter ihnen ist, raus.

Ich muss sagen das ich zu einer Zeit des Umbruchs unten war und da war es viel äger von der Situation her, wie heute in Brasilien. Es hat keine Hohe und keine Mittelschicht gegeben. Tiriac (ehem. Boris Becker Trainer) und co. und damit meine ich wirklich nicht mehr als 100 Leute haben sich gesund gestoßen und die anderen sind ihrer Nichtbildung und Naivität zum Opfer unserer Banken und Konzernen geworden.

Ich war dabei als sie Leasingsysteme eingeführt haben und die Leute angestanden sind um einen Fernseher, wie um einen Leib Brot im Kommunismus. Nichtsahnend das sich Haus und Hof, Bodenschätze uvm. verlieren werden durch ein System was sie weder begriffen haben noch durchschauen konnten.

Sie hatten keine Entwicklung, sondern mussten Quantensprünge über sich ergehen lassen.

Wer sich denkt, dass dies in BR genauso ist, irrt! Die haben sich schon lange auf ein System untereinander geeinigt. Halten zusammen und verkaufen sich nicht. Die armen werden ärmer und die reichen eben reicher.

Deshalb dachte ich mir, dass der einzige Weg in BR ist sich auf die Seite der reichen zu schlagen und von oben aus zu operieren. Wenn aber Nationalstolz und Rassismus dem weissen Mann gegenüber, über Erfolg, Wissen und den daraus entstehenden Fortschritt stellt, macht alles keinen Sinn.

Fazit: Nur wenn man Deckung aus Europa oder Asien genießt, hat man Chancen dort drüben überhaupt was zu machen.

Was ich für eine gar nicht so gute Idee halte ist, zu versuchen dort Selbständig was zu machen. Das hat einfach zu viel Risikofaktoren in sich.

Denn Urlaub ist dann nie drinnen, weil die Gefahr des betrogen werdens viel zu hoch ist, Freizeit ist null (entweder ich lebe meine Firma oder ich lasse es) und versichern und Pensionsvorsorge, kann man sich sowieso selber zahlen, also auch kein sozialer Schutz.

Damit ich sagen kann, ich hab eine Firma in Brasilien, wo es warm und immer Sommer ist, ich aber nie was davon habe, weil ich ja die ganze Zeit nur arbeite. Nichtmal das Argument das ich meiner Frau nahe sein kann zählt, denn ich bin anscheinend weiter weg, als ich es in Europa je sein könnte.

mario



Paz, Justiça e Liberdade


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BeitragVerfasst: 12 Sep 2006 23:06 
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pocoto hat geschrieben:
die Frage ist, was macht ein brasilianisches Unternehmen erfolgreich, wenn es doch teilweise nur von einem oder maximal von einem Familienclan dirigiert wird?

Wo findet die Weiterentwicklung statt? Eines ist sicher, eine Person oder durch Freunderlwirtschaft gezüchtetes Unternehmen, ohne den Backgound wahrer Leistung und Wissen, kann nicht Konkurrenzfähig sein, sofern es sich um einen freien Markt handelt.

Jede Firma mit anderen Background und Ambitionen würde sie ja sofort in Grund und Boden stampfen.



Genau da liegt das brasilianische Problem, im Prinzip haben sie alle Voraussetzungen, Rohstoffe, halbwegs gut ausgebildetes Personal, an den Küsten ausreichend Infrastruktur und auch Kapital.
Allerdings sind die Kapitalhalter auch so reich, dass sie nicht unbedingt mit Unternehmen risikoreich Geld verdienen müssen. Die haben ihr Kapital aus Sicherheitsgründen im Ausland gehabt (und heute noch) Bis vor 20 Jahren waren die wichtigen Unternehmen Staatsbetriebe, mit wirtschaftlicher Entwicklung hatten die reichen Familien nicht viel zu tun. Dazu haben die privaten Unternehmen im geschützten Raum gewirtschaftet, das hat schlechte Qualität und hohe Preise gebracht, aber international war man nicht wettbewerbsfähig. Einzig Rohstoffe und Agrarprodukte wurden billig verschleudert.
Darauf hat dann in den Jahren ab 90 die neue privatisierte Wirtschaft aufbauen müssen. Und ist sehr schwer in die Gänge gekommen. Von Ausnahmen abgesehen (Petrobras, CVRD) sind die Firmen, die gut laufen, heute auch in ausländischer Hand.
Wenn die Brasilianer mal richtig könnten/wollten würden die uns ganz schön an die Wand spielen....sicher irgendwann später mal......Bis dahin werden sie sich mit ihrer Arbeitsphilosophie und Personalwirtschaft weiterhin ein Beinchen nach dem anderen Stellen
Bis das soweit ist, werden die (wir) Ausländer weiterhin in Brasilien gute Geschäfte machen.

Gruß

Manfred


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