Hallo Mario,
möchte nicht zuviel "Werbung" über mich selbst machen, denn ich schätze die Anonymität in diesem Forum - ich kann dir aber sagen, daß ich von Europa aus mehrmals (!!) bei brasilianischen Konzernen in Brasilien gearbeitet habe und auch zu Studienzeiten mehrmals dort war.
Heute werde ich von Asiaten gut bezahlt, um mich um deren Angelegenheiten dort zu kümmern - böse Zungen behaupten dabei, daß ich noch "mehr" Brasilianer geworden bin als die eigentlichen Brasilianer (nicht Frauen und Feiern, sondern business !) - - glücklicherweise ist aber inzwischen meine Lebensbasis wieder woanders
Was ich dir sagen will, ist, daß es einen himmelweiten Unterschied macht, ob du "nur" einen zeitlich befristeten Vertrag oder ein Praktikum hast oder ob es wirklich darum geht, dort Fuß zu fassen.
Bei Ersterem lassen dich die Brasilianer in der Regel in Ruhe - du bist der Gringo, du darst was kennenlernen und wenn du doch mal nervst, so bist du ja bald wieder weg und stellst nicht wirklich eine Gefahr da - also eigentlich "unbedeutend"
Bei Letzterem sieht die Sache anders aus - du kommst, um dir nen Job zu krallen, du willst es besser haben als die, du willst denen sagen wo's lang geht ...und am besten auf Lebenszeit mit Grundstück, Haus und allem was dazu gehört. "Mobbing" bekommt da 'ne ganz neue Dimension und die "lieben" Brasis sind plötzlich ganz und garnicht mehr so lieb, wie man es mal kannte.
Du darfst nicht vergessen, daß die Brasilianer 500 Jahre Erfahrung damit haben - es hat schon immer Leute gegeben, die in das Land kamen, abräumen wollten und dann wieder verschwunden sind.... hier hat man sich in der Regel reserviert, distanziert und freundlich verhalten....
....aber es gab auch diejenigen, die gekommen sind, um zu bleiben, zu profitieren und dabei RICHTIG abzuräumen (sag jetzt einfach mal so) - da gab es sogar Kriege deswegen ...und die Erfahrungen haben über die Jahrhunderte so eine Art Doppelmoral erzeugt.
Zitat:
Derzeit habe ich ein Nettoeinkommen von ca. EUR 4000,- pro Monat, schaffe ich es einen Job zu finden mit einem drittel weniger, dafür aber europäische Urlaubsansprüchen, Kranken-, und Pensiongeld sowie den Sprachkurs und die Position in dem Unternehmen die ich benötige, habe ich denke ich mal Chancen es zu schaffen.
Würde sagen, DAS ist das KO-Kriterium für dich
Das Geld ist schon "schlimm" genug.....bei 4500R$ bleiben dir halt mal "nur" 1500 Euro....und du kannst davon ausgehen, daß alles, was dein Leben lebenswert macht, dort etwa 3mal so teuer ist....
KLAR - mit 4000R$ in Brasilien kannst du besser leben als mit 4000 Euro in Deutschland (wenn du's mal auf Essen, Wohnen und Kleidung reduzierst) - der Grund dafür ist "Du hast keine ZEIT zum ausgeben" ...hehe... und machst es wie alle Brasilianer.... ein Kindermädchen angagieren für deinen Kleinen und den Haushalt, deine Frau gelegentlich mal sehen und wenn das Geld wieder mal zuviel wird, ein Import-Auto kaufen und damit rumprahlen...und kommt dann der ersehnte Urlaub legst du 500R$ pro Nacht für eine mittlere Pension hin, die den Rest des Jahres keine 60R$ kostet.....NUR damit du auch mal Ferien hast....
Beispiel - ich hätte gerne mal meine Schwester in Deutschland besucht - privat - ...dummerweise mußte ich bis 20ten Dezember jedes Jahr warten wegen der sog. Kollektivferien - kamen die dann endlich konnte ich selbst dann nicht fliegen, wenn ich nicht mindestens 5000R$ auf den Tisch gelegt habe.....das ganze Land geht am gleichen Tag in den Urlaub. - Und geschäftlich in Europa wurde so zugeplant, daß man evtl. ein oder zwei Wochenenden privat hatte ...... vergiß nicht, daß der Brasilianer einen ausgeprägten Sozialneid besitzt und sich noch mehr mit dem Leben anderer Leute befasst als sagen wir mal die "Dörfler" in Deutschland. - Schon allein deswegen konnten die nicht sehen, wie auch noch der Gringo den Urlaub in Europa bezahlt bekommt, den sie auch so gerne machen wollten und eigentlich noch viel mehr "verdient" hätten als du ....
Meine HAUPTBEDINGUNG an meinen derzeitigen Arbeitgeber für Brasilien war ZEIT - Urlaub und flexible Arbeitszeit nach europäischem Vorbild - dazu Reduzierung der Mittagspause von 1.5h auf 30min (ich muß meinen Reis nicht daheim essen - will lieber eine Stunde früher raus aus dem Berufsleben und nicht in der Firma absitzen müssen wegen der ganzen "Auswärts-Reis-Fresser") - man hat mir das Gehalt sogar verdreifacht (!!) aber DIESE Forderung war unerfüllbar. Letztendlich habe ich dann deswegen den brasilianischen Vertrag abgelehnt.
"Verzweifelt" hat man mir noch mehr Geld geboten.....aber für was ? Um mir das x-te Haus am Strand zu kaufen, in dem ich nie sein werde....?
(in Sao Paulo hat fast jeder ein Haus oder Apartment am Meer - manche sind aber nur eine Woche im Jahr dort - das sagt doch schon alles, oder ?)
Mit den geringeren Sozialleistungen und schlechter Absicherung konnte ich leben - nicht aber mit dem Fakt, daß die Jahre rumgehen und mehr als 2 bis 4 private Highlights im Jahr nicht drin waren.....
Lange konnte ich mich nicht entscheiden, ob oder ob nicht .....bis ich eines Tages eine sehr simple Lösung fand - zwei Arbeitspläne des Unternehmens...einer für Europa und einer für Südamerika....
....dann hab ich mich hingesetzt und angefangen zu rechnen, Feiertage, Pausen, Urlaubstage, Arbeitstage, Arbeitszeit etc etc.... zuletzt kam ne fette Zahl in Stunden raus...die hab ich dann durch 8 geteilt für Europa...und ich war perplex - 53 ARBEITSTAGE

WENIGER im Jahr, wenn ich nach Europa gehe.......mit Wochenenden bedeutet das fast 3 Monate im Jahr MEHR LEBEN....dafür kann man dann schon mal in Brasilien 6 Wochen Urlaub machen, oder ?
....und "Überstunden" waren da noch garnicht berücksichtigt
Vater bin ich auch und ne brasilianische Frau habe ich auch - aber eines stand fest - ..egal wie schwer das es wird für die Frau, Europa muß als Lebensbasis herhalten, oder Sie muß sich nen Anderen suchen - zu oft haben wir einfach die Basis von Wettbewerbern oder "Kollegen" in Brasilien entzogen, wenn diese "unbequem" wurden ... und ich will nicht, daß es mir eines Tages auch so geht (es gibt immer Leute, denen in Brasilien eine Sache noch mehr wert ist als dir selber und dann wendet sich das Land auch gegen dich....bisher hatte ich nur "Glück" und noch nicht den "Richtigen" getroffen

)
Das heißt ja nicht, daß die Frau deswegen auf Brasilien verzichten muß - im Gegenteil - sie kann öfter hin und hat mehr Möglichkeiten - auch beruflich und wir haben mehr Zeit füreinander, ohne daß ich meine Interessen vernachlässigen muß !!
....aber kann schwer deine Situation und Person beurteilen
Wenn du dort hin willst, ist es das beste, dich bei den Firmen vor Ort zu bewerben, bei der du arbeiten willst - möglichst gut vorher über den Laden informieren - ...und idealerweise gleich mit persönlichem Kennenlernen. - - Ist die Firma interessiert an dir, mußt du über die Hintertür (sprich die Firma) an das Konsulat rantreten...
Der umgekehrte Weg ist wegen mangelndem Erfolg nicht zu empfehlen - zuviele Leute, die mal 2 Wochen Urlaub in Brasilien gemacht haben und denken, DAS sei jetzt ihr neues Leben, wenden sich zuerst mal an die Botschaft.... die hat soviele von diesen Anfragen täglich, daß es auch immer die gleichen Standard-Antworten geben wird (wenn man dir antwortet !). .... bei den Firmen trudelt dann eine Bewerbung nach der anderen von diesen "Abenteurern" mit Konsulatsvermittlung ein und wandert eigentlich in der Regel gleich in den Dreckeimer...... (in 99,8% der Fälle steckt da ne Frau dahinter oder der Wunsch nach Strand und Wärme und nem neuen Leben weg von Regeln und Zwängen ..... und die Firma soll dafür auch noch den Weg bereiten...hehehe....)
(Ich wundere mich immer wieder, für wie naiv die Leute doch die Personalleitung eines Unternehmens einstufen ?! - da verkaufen sich Prostituierte auf der Straße aber deutlich professioneller als diese Bewerber)
...willst du was besonderes, mußt du eben auch den besonderen Weg gehen - und arbeiten in Brasilien ist halt was besonderes
Jetzt aber genug geplaudert - die 1.5h Mittag sind rum...hehe
Du hast nichts davon, Frau und Kind hinterherzurennen, wenn du dabei DEIN Leben selbst runterziehst und unzufrieden wirst - damit schadest du letztendlich JEDEM.
Aber gerne können wir uns weiterhin austauschen - kann dir in beide Richtungen evtl. weiterhelfen.
Grüße
Gunni