Kein Bett für Notfallpatienten?

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Re: Kein Bett für Notfallpatienten?

Beitragvon Trem Mineiro » So 27. Apr 2014, 17:19

Reviersport hat geschrieben:Kann Moni nur beipflichten. Die privaten Krankenhäuser sind mit guten Hotels in D zu vergleichen. Aber das geht natürlich nur mit einem Plano, der entsprechend teuer ist..


Oi Reviersport
Das ist trefflich ausgedrückt. Man kann private Krankenhäuser in Brasilien mit guten Hotels vergleichen. Nur, dass man nicht zum Hotel-Satz darin übernachten kann sondern für 1.000 Reais und mehr.

Man sollte sich nicht von diesen äußeren Faktoren täuschen lassen. Ein privates Krankenhaus ist ein gewinnorientierter Betrieb. Da steht nicht der Patient im Mittelpunkt, sondern der maximale Gewinn.
Private Krankenhäuser tun natürlich das maximale für ihr äußeres Erscheinen, Marmor und Glas, schicke Empfangsdamen und deutsche Krankenhausbetten.
Hinter den Fassaden sieht es dann anders aus, zum Teil unqualifiziertes Personal, schlechte Arbeitsbedingungen, sparsamer Geräteeinsatz, wo man ihn nicht direkt an den Patienten weiterbelasten kann. Für einen Patienten mit einem guten Plano Saude ist der Mitteleinsatz manchmal schlechter als bin SUS-betriebenen Krankenhäuser, die da wie oft im öffentlichen Dienst, kaum einer um die Kosten schert. Im Privat-Krankenhaus wird auf den Centavo geachtet.

Kein vernünftiger Brasilianer würde sich von den Ärzten des „Plantao“ des Krankenhauses, also den Ärzten, die den Regelbetrieb des Krankenhauses sicherstellen. Untersuchungen, Tagesvisiten etc.) operieren lassen. Schaut euch die mal genauer an. Jung , engagiert, fleißig, aber leider ohne Erfahrung für schwierigere Fälle. Das sind Neulinge, die für ein Bescheidenes Gehalt erst mal im Krankenhaus arbeiten und versuchen werden, so schnell wie möglich eine Praxis zu eröffnen oder eine der vielen kleinen Privat-Kliniken.
Für die ernste Diagnose oder die Operation zieht der Brasilianer, der es kann, einen im bekannten Arzt, oft aus dem der Klinik angeschlossenen Ärztehaus, dazu. Da muss man halt schauen, ob dieser Arzt überhaupt vom Plano Saude bezahlt wird, bzw. zumindest teilweise. Der übernimmt dann die schwierigen Sachen bevor man dann halt in die Hände des Plantao zurückkommt.
Üblicherweise begleitet man seinen Verwandten ins Krankenhaus und bleibt da Tag und Nacht, wenn man Geld hat, stellt am auch eine eigene Krankenschwester dazu. Die verhindert dann, das der Patient nach einer Darmoperation trotz Essenplan mal wieder Bohnen und Reis bekommt oder durch andere Dummheiten umgebracht wird. Brasilianer wissen, warum sie das machen.
Hat man einen guten Plano Saude wird man sich wundern wie schnell das Krankenhaus den Patienten wider für „em Alto“ also für Gesund erklärt. Da machen die Planos erheblichen Drück aufs Krankenhaus, wegen der Horrenden Hotelkosten. Wenn man sich da nicht vehement wehrt, wird man in einem Zustand entlassen, in dem Man in D erst mal ins Krankenhaus käme.
Das sind alles Auswüchse, die in einem gewinnorientieren Krankenhaus normal sind. Das deutsche System hat auch seine Nachteile, weil dort halt nicht auf die Kosten und vor allem Effizienz geachtet wird und bei vielen Deutschen das Gefühl vorherrschte, das Gesundheit in D umsonst ist.
Was aber ein privates Gesundheitssystem aus Auswüchsen produziert, sieht man in Brasilien, wo Millionen von Menschen keinen Zugang zu einem halbwegs funktionierenden Gesundheitssystem haben und selbst die Mittelschicht mit ihren „ Planos“ beschissen dran ist, jedenfalls aus deutscher Sicht unter Berücksichtigung das Brasilien die 6-reichste Industrienation ist. Da kann man lernen, was eine 3-Klassen Gesellschaft im Gesundheitssystem ist.
Ich hab 18 Jahre dort als Privatpatient gelebt, meine Deutsche Frau mit einem der besten (teuersten) Plano Saude der Bradesco. Unglücklicherweise ist meine Frau in Brasilien mehrere Male in Brasilien krank geworden, zum Schluss mit Krebs (von Plantao-Ärzten) operiert worden, da wir es nicht besser wussten. Meine Frau hat in einem der besten Krankenhäuser (Life-Center) unsäglich gelitten und ist nach 6 Monaten verstorben. Für ihren Tod kann ich das Gesundheitssystem nicht verantwortlich machen, ihre unnötigen Leiden sind jedoch durch das Gewinnstreben im Gesundheitssystem verursacht worden. Ich erspare mir jetzt, dass an unzähligen Beispielen darzulegen. Nehmt es einfach mal so hin.
Geht man nach Brasilien, muss man damit leben. Letztendlich nützt einem da auch nicht Geld, jedenfalls nicht, was unsereiner als „viel“ bezeichnet
Nicht ohne Grund gehen die „Eliten“ auch die aus Belo Horizonte in hochspezialisieret kleine Privatkliniken, in denen man auch mit dem besten Plano Saude keinen Zutritt hat oder gehen gleich ins „Sirio-Libanese“ oder ins „Albert Einstein“, müssen dem Namen nach wohl irgendwie Ausländer sein, weil man den einheimischen System nicht traut, Mein Zahnarzt ist übrigens auch Libanese.

Keine Angst, solange man gesund ist, ist das alles kein Problem. Und jetzt wo ich ins Idoso-Alter komme gehe ich zurück nach Deutschland, immer noch in der „Gesetzlichen“ versichert.

Gruß
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Re: Kein Bett für Notfallpatienten?

Beitragvon zagaroma » So 27. Apr 2014, 18:24

Trem, die enormen Probleme mit dem plano de saude kenne ich auch von meiner Freundin, die hat grausliche Probleme mit einem Magen-Vorfall und dazu noch einen Sohn mit Herzschrittmacher.

Wenn da ein akutes Problem auftritt, müssen die erstmal mit ihrer Krankenkasse verhandeln, weil Chirurg und Krankenhaus vorab genehmigt werden müssen, das dauert schon mal 2 Monate. Und bei komplizierten Fällen findet man einfach keinen Arzt, der die Operation übernimmt. Nein, bekommt sie von allen Seiten Absagen, das ist mir zu riskant. Ob sie in der Zwischenzeit stirbt, interessiert keinen.

Ich hatte ihr empfohlen, eine Reise-KV zu machen und ihren Sohn in den USA zu besuchen, dort dann eine akute Krise zu kriegen und sich operieren zu lassen. Aber Du kennst ja die Brasilianer, wenn es nicht der Ober-Super-Chefarzt ist haben sie kein Vertrauen. Irgendein amerikanischer Arzt, der gerade Dienst hat? Nie im Leben, dann lieber tot.

Sie hat 2 Jahre gebraucht, bis sie in SP einen Arzt gefunden hat, der sie operieren wollte. Bis der einen Termin frei hatte, dauerte es nochmal 9 Monate. Inzwischen ging es ihr so schlecht, dass die Krankenkasse sicher schon Kerzen angezündet hat und hoffte, sie schaffe es nicht mehr. Dann wollten sie die Reise nicht bezahlen etc.etc. Und sie ist als öffentliche Beamtin versichert.

Nee, das kann man nicht brauchen, wirklich. [-X
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Re: Kein Bett für Notfallpatienten?

Beitragvon cabof » So 27. Apr 2014, 21:12

Das habe ich auch gehört - die PKV`s in Brasilien müssen erst die Behandlung "genehmigen" wie lange so etwas dauert, weiß ich nicht.
Ergo - ist man ein akuter Notfall, nehme ich mal so an, treibt es einen sowieso zur SUS ... ist schon ein abgefacktes System in Brasil.

TREM, unsere städtischen KH haben keine Glitzerfassaden und in der Regel auch keine Ex-Miss-World als Empfangsdame, aber ganz nette
Mädels die sich um den Patienten kümmern, wenn sie denn mal Zeit haben und nicht stundenlang irendwelche Krankenblätter ausfüllen....
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Re: Kein Bett für Notfallpatienten?

Beitragvon Colono » So 27. Apr 2014, 21:19

Trem Mineiro hat geschrieben:
Kein vernünftiger Brasilianer würde sich von den Ärzten des „Plantao“ des Krankenhauses, also den Ärzten, die den Regelbetrieb des Krankenhauses sicherstellen. Untersuchungen, Tagesvisiten etc.) operieren lassen. Schaut euch die mal genauer an. Jung , engagiert, fleißig, aber leider ohne Erfahrung für schwierigere Fälle. Das sind Neulinge, die für ein Bescheidenes Gehalt erst mal im Krankenhaus arbeiten und versuchen werden, so schnell wie möglich eine Praxis zu eröffnen oder eine der vielen kleinen Privat-Kliniken.
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Üblicherweise begleitet man seinen Verwandten ins Krankenhaus und bleibt da Tag und Nacht, wenn man Geld hat, stellt am auch eine eigene Krankenschwester dazu. Die verhindert dann, das der Patient nach einer Darmoperation trotz Essenplan mal wieder Bohnen und Reis bekommt oder durch andere Dummheiten umgebracht wird. Brasilianer wissen, warum sie das machen.
Hat man einen guten Plano Saude wird man sich wundern wie schnell das Krankenhaus den Patienten wider für „em Alto“ also für Gesund erklärt. Da machen die Planos erheblichen Drück aufs Krankenhaus, wegen der Horrenden Hotelkosten. Wenn man sich da nicht vehement wehrt, wird man in einem Zustand entlassen, in dem Man in D erst mal ins Krankenhaus käme.
Das sind alles Auswüchse, die in einem gewinnorientieren Krankenhaus normal sind. Das deutsche System hat auch seine Nachteile, weil dort halt nicht auf die Kosten und vor allem Effizienz geachtet wird und bei vielen Deutschen das Gefühl vorherrschte, das Gesundheit in D umsonst ist.
Was aber ein privates Gesundheitssystem aus Auswüchsen produziert, sieht man in Brasilien, wo Millionen von Menschen keinen Zugang zu einem halbwegs funktionierenden Gesundheitssystem haben und selbst die Mittelschicht mit ihren „ Planos“ beschissen dran ist, jedenfalls aus deutscher Sicht unter Berücksichtigung das Brasilien die 6-reichste Industrienation ist. Da kann man lernen, was eine 3-Klassen Gesellschaft im Gesundheitssystem ist.
Ich hab 18 Jahre dort als Privatpatient gelebt, meine Deutsche Frau mit einem der besten (teuersten) Plano Saude der Bradesco. Unglücklicherweise ist meine Frau in Brasilien mehrere Male in Brasilien krank geworden, zum Schluss mit Krebs (von Plantao-Ärzten) operiert worden, da wir es nicht besser wussten. Meine Frau hat in einem der besten Krankenhäuser (Life-Center) unsäglich gelitten und ist nach 6 Monaten verstorben. Für ihren Tod kann ich das Gesundheitssystem nicht verantwortlich machen, ihre unnötigen Leiden sind jedoch durch das Gewinnstreben im Gesundheitssystem verursacht worden. Ich erspare mir jetzt, dass an unzähligen Beispielen darzulegen. Nehmt es einfach mal so hin.
Geht man nach Brasilien, muss man damit leben. Letztendlich nützt einem da auch nicht Geld, jedenfalls nicht, was unsereiner als „viel“ bezeichnet
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Hab selten so einen Schmarrn gelesen. :evil:

Es gibt überall, in jedem Fachgebiet und Hierarchie absolute Pfeifen und welche die ihr Handwerk verstehen. Genügend Leute, die haben sie in Deutschland vermurkst und manche den haben sie in Brasilien den !&@*$#! (also gut Allerwertesten) gerettet. Meine Wenigkeit inbegriffen. Ohne einen brasilianischen Assistenzarzt hätte ich jetzt einen Rollstuhl. =D> Aber auf der anderen Seite ohne eine deutsche Assistenzärztin gebe es mein Söhnchen wahrscheinlich nicht.
Zuletzt geändert von Colono am So 27. Apr 2014, 21:22, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Kein Bett für Notfallpatienten?

Beitragvon BrasilJaneiro » So 27. Apr 2014, 21:20

zagaroma hat geschrieben:Trem, die enormen Probleme mit dem plano de saude kenne ich auch von meiner Freundin, die hat grausliche Probleme mit einem Magen-Vorfall und dazu noch einen Sohn mit Herzschrittmacher.

Wenn da ein akutes Problem auftritt, müssen die erstmal mit ihrer Krankenkasse verhandeln, weil Chirurg und Krankenhaus vorab genehmigt werden müssen, das dauert schon mal 2 Monate. Und bei komplizierten Fällen findet man einfach keinen Arzt, der die Operation übernimmt. Nein, bekommt sie von allen Seiten Absagen, das ist mir zu riskant. Ob sie in der Zwischenzeit stirbt, interessiert keinen.

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Sie hat 2 Jahre gebraucht, bis sie in SP einen Arzt gefunden hat, der sie operieren wollte. Bis der einen Termin frei hatte, dauerte es nochmal 9 Monate. Inzwischen ging es ihr so schlecht, dass die Krankenkasse sicher schon Kerzen angezündet hat und hoffte, sie schaffe es nicht mehr. Dann wollten sie die Reise nicht bezahlen etc.etc. Und sie ist als öffentliche Beamtin versichert.

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das ist normal. Die PKV in Brasilien muss ja ein Jahr bezahlt sein, bis sie genutzt werden kann. In Deutschland wartet man auch auf einen Termin viele Monate. Aktuell beim Augenarzt: 6 Monate!
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Re: Kein Bett für Notfallpatienten?

Beitragvon Trem Mineiro » So 27. Apr 2014, 22:50

Colono hat geschrieben:Hab selten so einen Schmarrn gelesen. :evil:


Oi Colono

Selten so einen geistigen Dünnschiss gelesen.von 2 Fällen auf "Schmarren" und ein System zu schließen. (jetzt sind wir bei den Beleidigungen wieder im Gleichstand. Kann man vielleicht weglassen und sich vernünftig mit einem Beitrag auseinandersetzen, muss ja nicht immer Berliner Niveau sein.

Klar, das mit dem "kein vernünftiger Brasilianer" bezieht sich auf Leute in meinem Umfeld, also Leute der Classe B, klar das alle anderen Brasilianer und Residentes natürlich auch vernünftig sind, wenn sie ihre Angehörigen nicht ins Krankenhaus begleiten oder sich gezwungenermaßen, weil es der Plano Saude nicht hergibt vom "Plantao" operieren lassen, geht beim Blinddarm wahrscheinlich auch gut, jeder halt wie er kann.

Ich sehe schon, unsere Vorstellung von einen vernünftigen Gesundheitssystems gehen ein bisschen auseinander. Bei meinem Beitrag geht es nicht um die Qualität einzelner Ärzte sondern um das System selber. Das hat auch mit dem deutschen Assistenz-Arzt-System nichts zu tun, die quasi die Hauptlast im deutschen Krankenhaussystem tragen.
Ich mach den Jungärzten vom Plantao auch keinen Vorwurf, für ihre Unerfahrenheit können die ja nix. Ich weis aber, warum die eingestellt werden, nämlich um die Kosten niedrig zu halten, weil es ein privates gewinnorientiertes Unternehmen ist.

Das was ich geschrieben habe sind halt die Erfahrungen von 3 Krankenhausaufenthalten meiner verstorbenen Frau und die Erfahrungen, die ich mit Menschen in meiner Umgebung gemacht habe. Klar, dass ich mich nach dem Tod meiner Frau und deren Umständen ein wenig mit dem System beschäftigt habe.
Und es sind auch die Ansprüche, die die Mittelklasse (und ich auch) an ein teures Gesundheitssystem stellt, für das sie sehr viel bezahl, aber im Endeffekt sehr wenig bekommen (das kennen wir doch irgendwie).

Mach es dir nur einfach und qualifiziere Beiträge in beleidigender Weise als Schmarren ab, ich geh mal aus, dass so was flott überlesen wird, man fragt sich nur warum du für deine 2 dürren Zeilen den ganzen Beitrag zitierst.

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Re: Kein Bett für Notfallpatienten?

Beitragvon zagaroma » Mo 28. Apr 2014, 01:26

BrasilJaneiro hat geschrieben:
zagaroma hat geschrieben:Trem, die enormen Probleme mit dem plano de saude kenne ich auch von meiner Freundin, die hat grausliche Probleme mit einem Magen-Vorfall und dazu noch einen Sohn mit Herzschrittmacher.

Nee, das kann man nicht brauchen, wirklich. [-X


das ist normal. Die PKV in Brasilien muss ja ein Jahr bezahlt sein, bis sie genutzt werden kann. In Deutschland wartet man auch auf einen Termin viele Monate. Aktuell beim Augenarzt: 6 Monate!


Was meinst Du mit normal???? Sie ist seit 30 Jahren in der privaten, hochgelobten und priviligierten Versicherung für Staatsbeamte! Und in Deutschland muss man als Privatpazient überhaupt nicht warten. Du verwechselst hier alles.

Wo gibt es das denn, dass ein Arzt die Behandlung einfach ablehnen kann, wenn ihm der Fall "zu kompliziert" ist? Das ist ja vielleicht ein Armutszeugnis! Da sieht man doch gleich von weitem, was diese brasilianischen Koryphäen draufhaben, nämlich nichts.

Nee, da ist mir die SUS lieber, die fackeln nicht lange und tun, was sie zu tun haben. Bis jetzt sind mir da nur einwandfreie Ärzte begegnet und alle in einem gewissen Alter und mit Erfahrung, keine Neulinge. Und mal schnell röntgen oder einen Bluttest machen kann man gut, sofort und billig einfach mit Geld bezahlen. Ein allgemeiner Arzt nimmt hier 60 R$ für eine Visite und ein Spezialist wie Orthopäde oder Augenarzt nimmt 150. Das braucht man vielleicht zweimal im Jahr und dafür bezahle ich doch nicht tausend im Monat für eine PKV, mit der ich dann erstmal wochenlang rumstreiten muss. [-X

Trem, es tut mir übrigens wirklich leid für Deine Frau. Krebs ist ja immer noch viel zu oft tödlich und da können die besten Ärzte wenig tun, aber so leiden zu müssen ist absolut nicht notwendig und menschenunwürdig. Aber es dauert wohl leider noch, bis sich das bis hierher rumspricht. :keks:
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Re: Kein Bett für Notfallpatienten?

Beitragvon moni2510 » Mo 28. Apr 2014, 10:26

als ich noch nen Plano hatte, habe ich genau 2 Tage auf die Freigabe meiner OP gewartet, es kommt wirklich sehr auf den Plano an. Kenne auch Fälle, wo sich die Sachen EWIG hinziehen.

Und natürlich hat kein Arzt dem Krankenhauses die OP gemacht, den hab ich qausi mitgebracht. Wo ich wirklich wirklich sehr froh über meinen Plano war, war die lange Woche als ich Dengue hatte. Im Privatkrankenhaus hab ich halt nur ne halbe Stunde gewartet auf die Infusion, zur gleichen Zeit war ja quasi Epidemie in Rio und im Posto hier um die Ecke hat man mit Dengue dort den ganzen Tag zugebracht.

Ansonsten ist der Posto da schon ok, wenn die Ärzte da sind, die offiziell Dienst haben. Blutbild machen, impfen etc. geht schnell und reibungslos. Ich wohne aber in der Zona Sul, wenn man in die Zona Norte fährt, dann sieht das schon wieder anders aus. Selbst innerhalb der SUS gibt es in Rio eine Zweiklassengesellschaft :evil:
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Woher soll ich wissen, was ich denke, bevor ich es hier aufschreibe.
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Re: Kein Bett für Notfallpatienten?

Beitragvon Colono » Mo 28. Apr 2014, 12:48

Trem Mineiro hat geschrieben:
Colono hat geschrieben:Hab selten so einen Schmarrn gelesen. :evil:


Oi Colono

Selten so einen geistigen Dünnschiss gelesen.von 2 Fällen auf "Schmarren" und ein System zu schließen. (jetzt sind wir bei den Beleidigungen wieder im Gleichstand. Kann man vielleicht weglassen und sich vernünftig mit einem Beitrag auseinandersetzen, muss ja nicht immer Berliner Niveau sein.

Klar, das mit dem "kein vernünftiger Brasilianer" bezieht sich auf Leute in meinem Umfeld, also Leute der Classe B, klar das alle anderen Brasilianer und Residentes natürlich auch vernünftig sind, wenn sie ihre Angehörigen nicht ins Krankenhaus begleiten oder sich gezwungenermaßen, weil es der Plano Saude nicht hergibt vom "Plantao" operieren lassen, geht beim Blinddarm wahrscheinlich auch gut, jeder halt wie er kann.

Ich sehe schon, unsere Vorstellung von einen vernünftigen Gesundheitssystems gehen ein bisschen auseinander. Bei meinem Beitrag geht es nicht um die Qualität einzelner Ärzte sondern um das System selber. Das hat auch mit dem deutschen Assistenz-Arzt-System nichts zu tun, die quasi die Hauptlast im deutschen Krankenhaussystem tragen.
Ich mach den Jungärzten vom Plantao auch keinen Vorwurf, für ihre Unerfahrenheit können die ja nix. Ich weis aber, warum die eingestellt werden, nämlich um die Kosten niedrig zu halten, weil es ein privates gewinnorientiertes Unternehmen ist.

Das was ich geschrieben habe sind halt die Erfahrungen von 3 Krankenhausaufenthalten meiner verstorbenen Frau und die Erfahrungen, die ich mit Menschen in meiner Umgebung gemacht habe. Klar, dass ich mich nach dem Tod meiner Frau und deren Umständen ein wenig mit dem System beschäftigt habe.
Und es sind auch die Ansprüche, die die Mittelklasse (und ich auch) an ein teures Gesundheitssystem stellt, für das sie sehr viel bezahl, aber im Endeffekt sehr wenig bekommen (das kennen wir doch irgendwie).

Mach es dir nur einfach und qualifiziere Beiträge in beleidigender Weise als Schmarren ab, ich geh mal aus, dass so was flott überlesen wird, man fragt sich nur warum du für deine 2 dürren Zeilen den ganzen Beitrag zitierst.

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Mal wieder schlecht gelaunt Eisenbahn?

Ich lebe nun mal seit 12 Jahren ununterbrochen in Brasilien, zwar nicht in Rio aber davon ein paar im Nordosten.
Ich hatte es da auch mit Ärzten zu tun. Deshalb sei es mir erlaubt deine Beiträge zu beurteilen.
Überwiegend operieren die meisten Medicos neben ihrer Privatpraxis auch in Krankenhäusern und leisten dort entsprechen Bereitschaftsdienst. Oft ist es einfacher bei einem Spezialisten einen Termin über das Krankenhaus zu bekommen als in der eigenen Praxis. Berufsanfängern wird in Brasilien ebenso wie in Deutschland nicht erlaubt eigenständig zu operieren. Da sieht man auch deine Erfahrung mit Gesundheitssystemen. Also was soll deine einseitige Verschwörungstheorie (ohne sich da deiner Fäkalsprache zu bedienen)

Trem Mineiro hat geschrieben: Kein vernünftiger Brasilianer würde sich von den Ärzten des „Plantao“ des Krankenhauses, also den Ärzten, die den Regelbetrieb des Krankenhauses sicherstellen. Untersuchungen, Tagesvisiten etc.) operieren lassen. Schaut euch die mal genauer an. Jung , engagiert, fleißig, aber leider ohne Erfahrung für schwierigere Fälle.



Um deine Frau tut es mir selbstverständlich leid, aber auch meine Frau und meine Tante haben in Deutschland wegen der Qualität des deutschen Gesungheitssystems gelitten. Beide haben sich dort bei einer Operation unnötigerweise eine lebensgefährliche Bakterie eingefangen. Meine Tante ist daran nach läñgerem Leiden verstorben. Ich möchte dazu jetzt aber nicht weiter eingehen.

Jedenfalls ist es in Deutschland nicht so rosig wie du es uns immer darstellst. Ich hab mir da mal nachgeschaut.
In Deutschland sterben mehr Leute wegen Ärztepfusch (18800 Tote) als im Strassenverkehr. In Brasilien dürften es erfahrungsgemäss einige mehr sein, ich möchte das nicht beschönigen.

http://www.focus.de/gesundheit/news/aerztepfusch-krankenhaus-studie-behandlungsfehler-krankenhaus-chirurgen-lieben-risiko-2_id_3556871.html


Also komm mir da drüben nicht unter die Räder und bein deinen Minasgeschichten bitte nicht Qualität der Quantität unterstellen.

man fragt sich nur warum du für deine 2 dürren Zeilen den ganzen Beitrag zitierst.

PS: kannst du mir mal verraten weshalb ich das nicht tun sollte?
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Re: Kein Bett für Notfallpatienten?

Beitragvon Trem Mineiro » Mo 28. Apr 2014, 13:58

Colono hat geschrieben:[Mal wieder schlecht gelaunt Eisenbahn?


Nein Colono, nicht schlecht gelaunt, aber wenn einen Beitrag von mir, der meine Erfahrung widerspiegelt, als "Schmarren" bezeichnet bekommst du halt eine Antwort auf entsprechendem Niveau.

Wir haben ja schon öfter festgestellt, dass wir in verschiedenen Welten leben (du in deinem kleinen südlichen Paradies) ich in dieser recht rauen Minas-Capitale und auch in einem unterschiedlichen Umfeld.
Ich wüsste auch nicht, wo ich in Deutschland etwas rosig sehe. Zu Brasilien würde ich sagen: Schlimmer geht’s nimmer (Angola und Belutschistan mal abgesehen) und aus der Position heraus ist es leicht zu sagen, dass es in D zumindest besser ist.
Da nützt es auch nicht, wenn wir jetzt den Ärzte-Pfusch gegeneinander aufrechnen. 50 km von Belo weg hab ich nur noch einen Posto Saude mit der resoluten Oberschwester oder einen Krankenwagen ohne Benzin, da kann nicht mal ein Arzt was verpfuschen.
Ich werde auch in D nicht ewig leben und Gesundheit wird mich auch da Geld kosten. Aber dort bekomme ich was für mein Geld. Im Gegensatz zu Brasilien wo es auch für viel Geld nix gibt, weil ich nur einen Klinik-Besitzer oder einen korrupten SUS Direktor reich mache.

Bleib du nur in deinem kleinen Paradies. Ich bin froh (als Expat), dass ich überhaupt die Chance habe meinen Wohnort zwischen Brasilien und Deutschland frei zu wählen.

Gruß
Trem Mineiro

PS:
was soll dein Schlusssatz, hast du was an der generellen Qualität meiner Beiträge auszusetzen?

Diese ellenlangen Zitate müllen den Thread zu, die Seiten hier im Forum sind wegen der Werbung schon e so kurz.
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