Dreckige Kleidung, verfilztes Haar und ein starrer Blick – so traf Hans Wurzer 2004 den 19 Alex auf der Straße in Belém in Brasilien wieder. Sechs Jahre zuvor hatte der Regensburger Sozialpädagoge dort noch als Streetworker mit dem Jungen gekickt. „Er war ein guter Fußballer“, sagt der 42-jährige Wurzer. Der Junge sei ihm in der Zeit richtig ans Herz gewachsen. Umso tiefer saß der Schock, ihn so verwahrlost wieder anzutreffen.
Zurück in Deutschland schwor sich Wurzer, etwas zu unternehmen. Ein Verein erschien ihm am geeignetsten, um Straßenkindern zu helfen. Denn letztlich fehle es am Geld, sagt Wurzer. Pünktlich zu seinem Geburtstag am November 2005 war es dann soweit: Acht Verbündete fanden sich zusammen, um den Verein Soligol zu gründen. Er soll das Geld einspielen, das für eine kontinuierliche Sozialarbeit in Belém nötig ist.
Schnell einigten sich die Gründungsmitglieder darauf, den Alltag der Kinder durch Fußballtraining zu bereichern. „Einfach sollte die Beschäftigung sein, und für möglichst viele Kinder geeignet“, sagt Wurzer. Und zum „Kicken“ gehört, wenn es sein muss, eben nur ein Ball, auf portugiesisch „gol“. So ergab sich der Name des Vereins von ganz allein. Wobei „Soli“ für solidarische Hilfe steht. Einen weiteren Besuch in Belém brauchte es, um eine Organisation vor Ort zu finden, an die sich Soligol angliedern konnte. Deshalb weilte Wurzer 2006 wieder ein halbes Jahr in Brasilien, und er wurde fündig. Mit „Emaus“ hat der Regensburger Verein jetzt einen erfahrenen Partner an seiner Seite. Denn die Organisation arbeitet schon seit 1971 mit Straßenkindern in Belém.
In der 1,4 Millionen Einwohner zählenden Stadt im Norden Brasiliens gibt es etwa 3000 Straßenkinder. Die meisten sind so genannte „trabalhadores“, das sind Kinder, die arbeiten müssen, damit sie selbst und ihre Familie überleben. Auch durch Überfälle versuchen viele an Geld zu kommen. Die meisten Kinder geraten irgendwann an Drogen, so wie vermutlich auch Alex. Er habe es an seinen Augen gesehen, sagt Wurzer.
Etwa 80 Kinder finden seit 12.März dieses Jahres ein bisschen Halt beim Fußballspielen. Drei Mal die Woche – jeweils drei Stunden vor- und nachmittags –trainiert ein Einheimischer Kinder und Jugendliche von sieben bis 18 Jahren am Ball. Soligol liefert das Geld dazu. Der Trainer kostet im Monat 220 Euro. Und dass jeder Euro, den der Verein durch Mitgliedschaften oder durch Spenden einnimmt, auch wirklich an sein Ziel kommt, dafür sorgt Wurzer. Auch dem Rest des Gründungsteams war dies sehr wichtig: zu wissen, wo jeder einzelne Euro hingeht. Verwaltungskosten spart sich der Verein. Daneben wünschen sich alle Beteiligten möglichst wenig Regeln und Bedingungen.
Sinn mache der unbürokratische Einsatz von Soligol aber nur, wenn das Fußballtraining nicht nur ein paar Monate, sondern am besten gleich ein paar Jahre stattfindet, sagt Streetworker Wurzer. Es sollen ja Beziehungen unter den Kindern, zum Trainer und zur Organisation entstehen. Ziel sei es, dass die Kinder kindgerecht leben und vielleicht wieder in die Schule gehen können.
Drei Jahre lang soll das von Soligol finanzierte Fußballtraining erst einmal stattfinden, das hat sich der Verein vorgenommen. Dazu braucht er 10000 Euro. Momentan ist die Mitgliederzahl jedoch noch überschaubar, auch das nötige Geld fehlt noch. Doch die Regensburger sind guten Mutes, und planen Veranstaltungen und Konzerte für diesen Sommer zugunsten von Soligol. Wurzer will im September wieder nach Belém fahren und sich von der Arbeit vor Ort überzeugen –und natürlich wird er auch ein bisschen mit den Kindern kicken.
Informationen gibt es im Internet unter
http://www.soligol.net. Spenden an Sparkasse Regensburg, BLZ: 75050000, Kto: 840077192.
http://www.mittelbayerische.de/nach...n_der_st_2.html