Hilux hat geschrieben:
habe ich mich bereits 2002 dazu breit schlagen gelassen, mit unseren Kindern nur noch Portugiesisch zu reden.... böser Fehler...oder ?
ein Fehler, ob böse oder nicht böse bleibt ein Fehler !
Meine Tochter wurde 2002 in D geboren, mit meiner Frau vereinbarte ich, daß ich deutsch und sie portugiesisch mit ihr spricht. Bevor sie richtig zu sprechen anfing, verbrachten wir einige Zeit in BR, dann lebten wir 2 Jahre in Cabo Verde, wo sie natürlich vorwiegend portugiesisch hörte und sprach. Trotzdem behielt ich deutsch als 'unsere' Sprache bei.
Aber sie sprach nie deutsch, verstand nur ein paar Worte, konnte keine ganzen Sätze verstehen oder wiederholen.
Danach gingen wir nach D zurück, nach 2 Monaten war ein enormer Zuwachs an Vokabular und Sprachfähigkeit zu erkennen, Ursache war der deutsche Kindergarten. Nach 10 Monaten waren wir wieder kurz in BR, dort sprach sie zuerst deutsch im Kindergarten, obwohl sie portugiesisch kann, dann vergas sie so langsam das Deutsch. Ich hatte natürlich dort weniger Einfluss auf sie, da alle Verwandten sich um sie drängten. Nach 4 Monaten konnte sie keinen deutschen Satz mehr sprechen.
Dann wieder in D dauerte es wiederum 2 Monate, bis ein erkennbarer Zuwachs an Sprachkenntnis zu verzeichnen war.
Mein Resumée :
Du kannst den Mangel an Deutsch jetzt kaum noch kompensieren, wenn nur Du allein Deutsch sprichst. Es ist ein größeres deutsches Umfeld nötig, damit deine Kinder deutsch als gleichwertige Sprache akzeptieren und benutzen. Einziges Mittel wäre ein deutscher Kindergarten in BR oder ein längerer (3-6 Monate) Aufenthalt in D. Ansonsten wird sich nichts daran ändern, daß portugiesisch die einzig gesprochene Sprache bleibt, das deutsche evtl. ein wenig verstanden wird. Aber eine Sprache lernt man nicht durch zuhören, sondern durchs sprechen.
Ich werde diesen Fehler nicht machen, da ich selbst mehrere Sprachen spreche, will ich meiner Tochter diese Chance nicht nehmen zweisprachig aufzuwachsen. Hörkassetten und DVD sind ein Notbehelf, besser als nichts, aber können den Umgang mit deutsch sprechenden Personen nicht ersetzen.
Aus den Erfahrungen von Brasilianern der 2. oder 3. Generation habe ich gelernt, daß diese als Kinder die Sprache der Eltern und Großeltern nicht annnahmen und später als Fremdsprache erlernen mußten.
Eine Chance haben die KInder nur, wenn im engen Umfeld deutsch gesprochen wird. Also : Kindergarten in Deutsch, Mutter und Vater untereinander Deutsch, evtl. eine Au-pair aus Deutschland und vor allem immer wieder Aufenthalte in Deutschland.
Kannst Du das nicht ermöglichen, so mußt Du Dich damit abfinden, daß deine Kinder BRASILIANER sind. Das ist sicher kein Beinbruch, doch finde ich es schade, wenn man diese Chance verpaßt hat.
Andererseits hat Brasilien sicher einen Vorteil davon, daß fast alle Einwanderer der 2. und 3. Generation nur noch portugiesisch sprechen, das Heimatland der Eltern nicht kennen und sich überhaupt nicht dafür interessieren. Der ganzen Problematik der Parallelgesellschaft wie Deutsch-Türken hat sich Brasilien damit entledigt. Der Großvater eines Schwagers ist aus Saudi Arabien eingewandert, er spricht kein arabisch, hat keine Ahnung vom Koran, war nie im Land seiner Vorfahren, weis weniger darüber als ich, der auch nie dort war, er ist aber bestens in BR integriert.
Es kommt also auch drauf an was man selbst als Lebensplanung vorhat.