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Kleine Neujahrsradtour Aracaju-Salvador
Aufgrund eintöniger Freizeitgestaltung der Verwandtschaft in Brasilien, limitiert auf Bier trinken und im Schatten sitzen, und einer Begegnung mit Michael aus Schweinfurt, der mich mit der Beschreibung seiner Radtour Recife-Salvador auf den Geschmack brachte, wuchs der Gedanke an eine kurze Tour von Aracaju nach Salvador am Strand entlang.
Mit dem guia 4 rotas und MS World Atlas kann man schon ganz gut die Strecke planen, dazu noch die Koordinaten aus google-earth auf das gps überspielen, damit weiß man unterwegs immer wo man ist und wann wieder mal ein Fluss zu durchqueren ist. Wichtig auch noch die Gezeiten aus der Tabua de maré notieren sowie die Auf- und Untergangszeiten des Monds für Nachtfahrten.
Start ist in Aracaju und gleich geht’s entlang dem Stadtstrand Richtung Mosqueiro. Der Strand ist hier so breit und der Sand so hart, dass ich mit 30 km/h Richtung Süden vorankomme, dank dem beständigen Rückenwind, der südlich des Äquators beständig von Norden bläst. In Mosqueiro setze ich mit der balsa für 1,3R$ über und fahre die nächsten 10km auf Asphalt bis Caueira, dann wieder auf den Strand nach Abais und nach Saco. Da ich bei Reveillon nicht fehlen darf, wird die Tour hier kurz unterbrochen und ich radle zurück nach Estancia. Silvester wird im Strandhaus der Verwandtschaft gefeiert, danach geht’s nach Pontal wo ich bei Tarsis unterkomme, der vor drei Jahren anfing im maré Fische zu züchten, wegen Geldmangels aber auf Austernzucht umgestiegen ist. Er wird zwar von der gesamten Verwandtschaft als Spinner angesehen, ich finde jedoch, dass er als einziger sich Gedanken macht und sein Leben plant.
Nach einem churrasco geht’s am nächsten Morgen für 3R$ mit dem Boot nach Mangue Seco, dort halte ich mich nicht lange auf und fahre sofort zum Strand, wo mich schon ein breiter Strand erwartet, da bald Ebbe ist. Prinzipiell kann man 2 bis 3 Stunden nach der Flut auf dem Strand radeln, das ergibt dann bis zur nächsten einsetzenden Flut einen Zeitraum von 6 bis 8 Stunden die man zum radeln nutzen kann.
Auf einsamem Strand geht’s weiter, nur einmal fährt ein Bugre mit den üblichen fußkranken und dickarschigen Brasilianerinnen vorbei, dann bin ich lange allein. Einmal fahre ich an einem Lkw vorbei, auf den Kokosnüsse von einem Traktor umgeladen werden. Dies ist wohl außer Fischen die einzige Geldquelle der hier verstreut lebenden Leute. Bald überholt mich der Laster, nur um gleich an seiner Ausfahrt im weichen Sand stecken zu bleiben, die Besatzung nimmt es gelassen und ist schon feste am schaufeln.
Am ersten Fluss suche ich zuerst eine Furt, doch einer der Fischer meint, der Fluss sei hier sehr tief, er setzt mich aber mit seinem Kanu über. Also kurzerhand das Rad auf das Kanu gelegt, ich sitze vorne und er rudert stehend mit einem Paddel. Sieht elegant und leicht aus, doch würde ich sicher nicht trocken über den Fluss kommen, würde ich das probieren. Wir fachsimpeln noch ein wenig über die besten Fischfangmethoden, er hat ein tarrafa (Wurfnetz), ich fische meist mit feticeira (Treibnetz) oder auch mal mit rede de arrasta (Schleppnetz). Er erklärt mir noch den Weg, wobei ich erstaunt feststelle, dass Seribinha südlich und nicht nördlich des Flusses liegt, wie fälschlich im MS WorldAtlas angegeben.
Weiter geht’s und nach insgesamt 3,5 Stunden und 54km bin ich schon in Sitio de Conde. Eigentlich ist es angenehm zu radeln wenn es wolkig ist, nur gibt es aufgrund des Rückenwinds keinen kühlenden Fahrtwind. Ins Meer springen bringt bei den hiesigen Wassertemperaturen auch keine Abkühlung, da hilft nur noch blödsinnig gekühltes …..
Eigentlich hatte ich Sitio als Tagesziel geplant, doch habe ich keinen Spaß am herumsitzen und will noch ein wenig weiterkommen. Der nächste Strandabschnitt ist felsig und hinter den Felsen wird der Sand nicht richtig fest, so dass ich auf die parallel verlaufende estrada de barro ausweiche, die von wenigen Autos befahren wird, aber ein übles Wellblechprofil hat. Hier würde ich mich über eine Federgabel freuen, aber leider habe ich mein 15 Jahre altes Mountainbike mit nach Brasilien genommen, damit ich mir endlich in D ein neues kaufe, denn es will einfach nicht kaputt gehen.
Nach einer Stunde bin ich schon wieder in einem Ort – Barra de Itariri - wo mich wieder eine dieser Dorfkneipen aufhält. Es ist inzwischen 15:30 Uhr und ich habe es nicht mehr eilig. Doch sitzt hier ein bras.Tourist der mich gleich vollquatscht wie toll er meine Radtour findet, zum Zeichen seiner eigenen Qualitäten hält er in Siegerpose die angeblich 3. Wodkaflasche an diesem Tag in Händen. Was er nicht bemerkt, dass die anderen Typen die er zum Saufen drängt, in einem geschickten Moment das Glas hinter dem Rücken ausschütten.
Er fragt mich noch nach meinem Weg und als ich Subauma als mein Tagesziel nenne (eigentlich wollte ich dort erst am 2.Tag ankommen) hält er das für völlig unmöglich. Ein anwesender Fischer meint jedoch, er sei da auch mal mit dem Rad hingefahren, es wäre schon noch ein Stück und ich würde wohl erst bei Dunkelheit ankommen, drückt mir noch die Hand und geht. Ich schleiche mich auch, denn der Säufer geht mir auf den Keks. Nach kurzer Fahrt bin ich am Fluss und muss leider feststellen, dass es bis Ebbe noch 5 Stunden sind und mir wieder nur das Warten in einer Strandbar über bleibt, da keine Fischerboote zu sehen sind.
Richard, ein Kanadier der hier mit Familie Urlaub macht, meint, man könne bei Ebbe bequem durch den Fluss waten, das Wasser gehe dann nur bis an die Knie. Also bestelle ich mir was zu Essen und harre der Dinge die da kommen. Plötzlich bemerke ich eine jangada, die am anderen Ufer ablegt, aber die 2 Fischer stochern den Fluss hinauf, so dass ich keine Möglichkeit habe sie anzusprechen. Irgendwann sehe ich zwei Jungs mit einem Boot, die ich überrede mich für ein paar R$ überzusetzen.
Weiter geht’s auf einem völlig einsamen Strandabschnitt. Nach einiger Zeit wird es dunkel und ich setze mich in den Sand, da es bis zum Mondaufgang noch eine Stunde hin ist. Mit Joe Cocker und Janis Joplin aus dem Mp3-Player wird es mir nicht langweilig. Als der Mond aufgeht fahre ich weiter, diesmal mit dem Köln Concert von Keith Jarrett.
Weit vorne blinkt manchmal ein Licht, ist das ein Leuchtturm ? Irgendwann erlischt es und erst im letzten Moment bemerke ich, dass es eine Positionsleuchte auf einer Angel war. Die 2 Angler sind sicher genauso überrascht hier einen Radler anzutreffen, doch alles geht sehr schnell und schon hat mich die Nacht verschluckt.
Nach einiger Zeit stehe ich wieder vor einem Fluss, auf der anderen Seite sind viele Lichter, das muss Baixio sein. Im Wasser steckt ein Ast oder Baum und ich will erst mal die Furt erkunden, bevor ich mich mit dem Rad hinein wage. Das Wasser ist nicht sehr tief, aber die Strömung recht stark. So entscheide ich mich noch etwas zu warten, schließlich sind es bis Ebbe um 11 Uhr noch 2 Stunden.
Ich sitze also im Sand und denke an die Geschichten von Micha, wie er in der Chapada Diamantina durch den Rio Roncador geschwommen ist, und wie ich so träume sehe ich einen Schatten aus dem Meer auftauchen. Bevor er in der Nacht verschwindet rufe ich ein beherztes Oi boa noite und laufe hin. Es ist ein kleiner schmächtiger und alter Fischer, der hier nachts sein rede tarrafa auswirft. Meine Frage verneint er, er sei nicht durch die Furt gelaufen, es sei sehr tief und die Strömung würde einen ins Meer treiben. Er habe aber ein Boot und könne mich mitnehmen.
Auf dem Weg zu seinem Kanu, das irgendwo in den Mangroven steckt, wirft er noch mehrmals sein Netz aus und freut sich als er einen einzigen kleinen Fisch fängt, eine tainha, die gut schmeckt, aber wirklich nicht viel hergibt. Am Kanu angelangt balancieren wir das Rad im Boot aus, ich sitze diesmal hinten und er steht mit einem Ruder vorne. Rückwärts manövriert er uns durch den Fluss und erklärt mit einem Lachen, als er sieht wie ich mich festhalte, er fahre schon seit 30 Jahren mit diesem Boot und sei es gewohnt. Auf der anderen Seite verstaut er seine Ausrüstung in einer Hütte und marschiert los. Ich hab Mühe Schritt zu halten, da ich das Rad schiebe und er erzählt indessen von einem Paar das er neulich mit Motorrädern übergesetzt habe. Allerdings nahm er dazu ein größeres Boot.
Wir laufen kreuz und quer durch die Mangroven, bei jeder Richtungsänderung sagt er etwas von, wir müssen hier durchs Wasser, dort ist es zu tief und kommen nach 15 Minuten endlich in Baixio an. Als ich ihn noch auf ein Bier einladen will, lehnt er ab, meint aber noch, dieser Bar hier sei an Neujahr der Freezer kaputt gegangen, dort sei das Bier aus und nur dort hinten gäbe es noch etwas, er müsse jetzt aber nach hause, ciao und weg war er.
Um halb zehn Uhr sitze ich also am Dorfplatz und trinke mein x-tes Bier an diesem Tag, dazu noch einen misto quente, viel Auswahl hat die lanchonete nicht, als Nachtisch noch ein Eis. Die Dorfjugend vergnügt sich solange am Glückspielautomaten, mich beachtet niemand, was mir recht ist. Die einzige Pousada im Dorf sieht von außen zwar ganz gut aus, doch will ich im Zelt schlafen, also nichts wie an den Strand, wo noch ein paar Leute bei Mondlicht rumsitzen, einige Liebespärchen sehe ich weiter den Strand runter, dann bin ich wieder allein.
Nach einstündiger Fahrt auf hartem Sand komme ich wieder an einen Fluss, kurz vorher sah ich noch Rücklichter eines Autos, das jedoch in der Dunkelheit verschwand. Dann stehe ich an der Mündung, das Wasser erscheint nicht allzu tief, die Boote liegen teilweise trocken, doch diesmal will ich es weiter hinten versuchen. Nach kurzer Suche entdecke ich eine schmale Stelle, an der beidseitig Boote im Sand liegen. Das Rad abgelegt und vorsichtig einen Weg gesucht. Die Strömung ist noch stark, aber das Wasser geht maximal bis zur Hüfte. Zurück und das Rad geschultert, doch als ich drüben ankomme stellt sich ein anderes Problem, das Ufer ist sehr steil, teilweise felsig. Als ich fast oben bin, verliere ich das Gleichgewicht und mache schnell einen Schritt zurück, damit stehe ich wieder im Fluss und das Rad ist im Wasser. Eigentlich nicht so schlimm, das Gepäck ist wasserdicht verpackt, doch das Salzwasser soll mir noch Probleme bereiten.
Oben auf der Landzunge angekommen stelle ich mein Zelt auf. Das Rad lege ich einfach davor, abschließen lohnt nicht, da man hier eh nicht radeln kann und ein Dieb das Rad sowieso tragen müsste. Als ich ins Bett komme ist es Mitternacht, damit habe ich es heute doch noch bis Subauma geschafft, nach insgesamt 105km am Strand. Nachts weckt mich der Wind der am Zelt rüttelt. Als es langsam hell wird gibt es noch einen kurzen Regenschauer, doch erstaunlicherweise bleibe ich trocken. Das Einweg-Zelt für einen Euro bei ebay gekauft, ist besser als ich dachte. Kurz vor fünf Uhr, es ist schon lange hell, stehe ich auf. Ein paar Fischer sind auch schon da, ein freundliches Winken mit der Hand wird auch gleich erwidert.
Nachdem das Rad bepackt ist schiebe ich in den Ort, dort sind auch schon einige Leute unterwegs. Zwar sind die Lanchonetes noch geschlossen, doch eine alte Baiana verkauft Kaffee und Tapioca aus Thermoskannen. Als ich so meinen Kaffee schlürfe bemerke ich einen Mann an einem Rad montieren, auf mein Anliegen nach etwas Wasser zum entsalzen und entrosten meines Rads wird ein Schlauch aus der Hütte geholt und mit kräftigem Schrubben entferne ich Salz, Sand und Rost des gestrigen Tages. Danach wird alles kräftig eingeölt und eine Proberunde zeigt, das Rad ist wieder fahrtüchtig.
Los geht’s und zu Anfang ist der Sand auch schön hart. Die ersten kleinen Flüsse sind nicht der Rede wert, doch dann kommt ein tiefer Fluß. Schon im Ort fragte ich nach einer Möglichkeit des Überquerens, doch die nette Frau die ihren Hund spazieren führte, meinte ich müsse wohl schon ein Stück schwimmen.
Als ich an den Strand komme setze ich mich zuerst in ein Restaurant. Bei einem Bier im Schatten fällt es leichter Pläne zu machen. Als Mittagessen bestelle ich heute mal wieder Isca de peixe, doch die Bedienung ist so langsam, dass mein Fisch nur aufgrund der Nachmittagshitze nicht kalt an meinem Tisch ankommt, das Bier trägt sie zum Glück im isopor, sonst wäre es schon quente. Während ich esse bemerke ich weit hinten im Fluss ein Schlauchboot, das ein Ehepaar zum erforschen der Mangroven benutzt. Nach einer halben Stunde legen sie vor der Strandbar an, ich zahle schnell und sprinte hin. Auf meine Bitte das Rad überzusetzen – ich komme schwimmend rüber – hat er zuerst bedenken, die Luftkammern könnten beschädigt werden. Schließlich meint er aber, er lege ein paar Handtücher unter, ich solle mal das Rad holen. Wir legen das Rad aufs Schlauchboot und ich hänge mich hinten ans Boot, so bin ich in 5 Minuten am anderen Ufer.
Nach einiger Zeit sehe ich etwas ungewöhnliches, hat die Frau dort vorne den Begriff fio dental wörtlich genommen ? Nein die ist wirklich nackt, allerdings hat sie eine Umhängetasche dabei und einen großen Strohhut auf. Ihr Begleiter ist aber mit Hemd und Badehose bekleidet. Als ich näher komme erweist sich die Coroa als wenig attraktiv so dass ich auf eine weitere Erforschung verzichte. Kurz darauf die Erklärung, ein Schild als Schranke, erklärt diesen Abschnitt zum Nudisten-Strand, es gibt auch noch eine Tafel mit Verhaltensregeln. Kurz darauf hockt jemand im Sand, es ist aber ein Fischer, der sein Netz ordnet und kein Nudist. Dann rennen mir noch 2 wilde Hunde nach, die ich glücklicherweise abhängen kann, wahrscheinlich ist das die Nudistenpolizei und ich saß nicht nackt auf dem Rad.
Weiter geht’s, doch der Sand wird gröber und das Fahren anstrengend. Als es eigentlich keinen Unterschied mehr macht ob ich fahre oder schiebe, erreiche ich Costa de Sauipe. Schon oft habe ich den Namen an der linha verde gelesen und auch schon mal am Informationszentrum nach den Preisen gefragt. Die diaria kostet 400 R$ ÜF und das pro Person. Der Strand ist sehr felsig und der Sand wird immer weicher, die ersten Hotels sind zu sehen und ich höre den Animateur, wie er Anweisungen zur Gymnastik im Pool gibt. Na einen Animateur zum Sportprogramm brauche ich jedenfalls nicht, doch was sehe ich da, einen Strohhut darunter einen hübschen Rücken und einen noch schöneren bunda. Das muss ich mir mal näher ansehen, also ein Zahn zugelegt. Doch die Hübsche läuft flott weiter, so dass ich nicht näher komme, ich sehe nur eine verlockende Rückseite. Es geht um eine Kurve und die Felsen gehen bis zum Hotelgelände hoch, so dass hier eine Holztreppe steht, meine Sereia sprintet die Stufen hinauf, halt nicht so schnell, ich muss doch das Rad tragen.
Als ich oben ankomme ist sie schon wieder 20 Meter weiter, ich halte erst mal an und verschnaufe, doch was ist das ? Da liegt eine goldene Sandale im Sand, ist das ein Zeichen ? Das Zeichen der Sandale.. ? Ich glaub ich bin im falschen Film, wo bitte geht’s zur Kreuzigung… Meine Meerjungfrau ist in der Zwischenzeit fast 50 Meter weiter, alle Anstrengung hilft nichts, als wir den Hauptstrand des Hotels erreichen biegt sie rechts ab und verschwindet zwischen den Sonnenschirmen.
Hier hält mich nichts, das Skol kostet wahrscheinlich 10R$, also weiter und auch der Sand wird wieder härter, das Tempo und die guten Bedingungen lassen mich meine Fata Morgana schnell vergessen. Dann komme ich wieder an einen belebten Strandabschnitt, schnell ein zwei skol und eine Kontrolle mit dem gps zeigt, dass wieder ein tiefer Fluss ansteht. Da der Strand hier steiler ins Meer abfällt, stiehlt mir die Brandung den Bereich den ich zum Radeln brauche. Die linha verde liegt nur 1km Inland, so dass ich ohne lang zu überlegen auf die Straße ausweiche.
Jetzt schnell wieder an die hier geltenden Verkehrsregeln gewöhnen. Radfahrer fahren auf der linken Seite auf dem Standstreifen dem Verkehr entgegen. So sieht man was auf einen zukommt und kann notfalls in die Büsche flüchten. Unangenehm ist der Luftstoß den die großen Lkw erzeugen, die Mütze ist deshalb mit einer Schnur unterm Kinn gesichert, schnelles Senken des Kopfes mindert den Sand und Staub den man ins Gesicht bekommt. Eigentlich ist das Fahren auf der BR gar nicht so schlimm, unangenehmer sind viel befahrene Nebenstraßen ohne Standstreifen.
Kurz vor Praia do Forte werde ich noch von 3 Italienern überholt, die allerdings verkehrswidrig auf der rechten Seite fahren und vielleicht auch deswegen die Abfahrt verpassen. In Praia do Forte fahr ich auf den Campingplatz, der völlig verlassen ist. Der Betreiber meint, an Silvester war es noch ganz voll, doch heute ist eben niemand da. Ich dusche, wasche die 2 Kleidungsstücke die ich trage , shorts und t-shirt, und lege mich zum ausruhen ins Zelt. Als es dunkel wird, wache ich auf. Jetzt gilt es schnell machen, denn bis ins Zentrum ist es noch ein Stück und in der Dunkelheit ist der Weg evtl. schwer zu finden. Als ich aus dem Zelt steige werde ich schlagartig von Mücken, Moskitos und allem was fliegen kann angefallen, habe hunderte Mücken auf Armen, Beinen und in den Haaren. Wohl deshalb sind die Arbeiter schon verschwunden, das ist ja nicht auszuhalten. Den Schlüssel fürs Tor haben sie mir noch an den Baum gehängt. Nichts wie los, schnell noch den gps angeschaltet, denn der Rückweg ist immer noch schwieriger zu finden und im freien schlafen wäre hier unmöglich.
Der Weg ist leicht abfallend und tiefer Sand macht es nicht einfach. Ich fahre langsam, denn sehen kann man nichts, nur irgendwie ahnen dass es immer gerade weiter geht. Auf einmal stehe ich an einem Zaun, ist das das Tor, das ich überklettern soll um nach Praia do Forte zu gelangen, dahinten sieht man Lichter, doch nachts auf fremde Grundstücke gehen ist nicht unbedingt ratsam. Also doch lieber den Weg links ausprobieren. Nach einem weiteren Kilometer komme ich wieder an ein Tor, doch diesmal liegt es an der Zufahrtsstrasse, also das Rad drüber gehoben und weiter geht’s.
Die Straße ist beleuchtet, doch ab und zu gibt es dunkle Stellen. Es fahren doch einige Autos und Busse, so dass ich mich nicht wohl fühle im dunkeln zu radeln. Entgegen der tagsüber geltenden Regel, Radfahrer links dem Verkehr entgegen, fahren nachts die Radfahrer wieder rechts. In Brasilien ist es ja verboten, an Fahrrädern Lichter anzubringen, jedenfalls habe ich nie ein Rad mit Licht gesehen, doch ich habe zumindest ein Leuchtdioden Rücklicht das ich jetzt einschalte. Hoffentlich erwischt mich die PM nicht, wie ich alle brasilianischen Autofahrer mit meinem Rücklicht verwirre.
Nach einem Spaziergang und Abendessen mache ich mich auf den Weg zum Campingplatz, den ich problemlos finde. Nachts schrecke ich manchmal auf, wenn die reifen Mangos von den Bäumen fallen und am Boden aufschlagen, dann gibt es immer einen lauten Knall.
Am nächsten morgen frühstücke ich am Supermarkt, danach geht’s weiter auf der linha verde nach Barra de Jacuipe, wo ich Neto und Celma im Restaurant am Fluss antreffe. Nach einigen Bieren und gutem carne de sol fahre ich mit dem Bus nach Salvador. Im Pelourinho esse ich 2 acaraje und gehe in die cachacaria am Platz. Während ich auf meinen speziell gemischten cachaca warte, den der Barmann aus 10 Zapfhähnen, die an einem Faß angebracht sind, virtuos wie ein Musiker mischt, suche ich das Gespräch mit meinem Tresennachbarn.
Als ich dem Baiano auf seine Frage, woher ich komme, erzähle, ich sei allein von Aracaju mit dem Rad am Strand entlang geradelt, habe im Zelt geschlafen und mich von Fischern übersetzen lassen, wirkt er auf einmal ganz verwirrt, entschuldigt sich mit einem Kopfschütteln und meint, er müsse jetzt gehen…war das jetzt der Kulturschock?
Später schlender ich noch durch die Stadt, sehe eine Frau wieder, die ich schon in Itacaré sah, allerdings mit anderem Begleiter, und gehe bald in mein albergue laranjeiras. Mein Stockbett ist direkt am Fenster und mein Bettnachbar oben kommt erst als es hell wird. Nach dem Frühstück geht’s wieder zu Neto, wo ich den Rest des Tages und in seinem sitio die Nacht verbringe. Der starke Verkehr an diesem Sonntag hielt mich davon ab, mich heute auf die Straße zu wagen. Der Rückreiseverkehr am Sonntag Nachmittag vom litoral norte, mit all den Besoffenen am Steuer, reizt mich nicht.
Am Montag geht es wieder Richtung Heimat, dieses Mal auf der linha verde. Das Tagesziel sitio de conde ist 135 km entfernt, das ich nach 7 Stunden erreiche. Als ich dort ankomme bin ich von der Sonne und Hitze so geschafft, dass ich nach dem Duschen in der pousada einschlafe. Erst um 22 Uhr schaffe ich es aufzustehen und noch schnell einen Happen zu essen. An der praca sehe ich einige deutsch wirkende Gestalten, die sind hier wohl zu hause. Am nächsten Morgen schaffe ich es nicht so bald raus, allerdings ist es auch nicht mehr so weit, nur 90km. Nachmittags um 2 erreiche ich mein Ziel, Estancia in Sergipe. Dort stöhnen alle über die Hitze und sitzen mit dem Ventilator vor dem Fernseher, was soll ich da sagen.
Prinzipiell ist die Strecke Salvador-Aracaju nicht schlecht für eine Radtour, hügelig aber nicht zu steile Abschnitte. Dafür kann man öfter mal mit Vollgas den Hügel wieder runterrasen. Am meisten schaffte mich die Sonne, so dass ich sogar einen Nieselregen als angenehmer empfand. Nach meiner Rundtour in der Chapada Diamantina und meinen Ausflügen zum Fischen ans Meer, habe ich bis jetzt ca. 1500km gefahren, und demnächst wird das Rad bis zum nächsten Brasilienurlaub eingemottet.
Zuletzt geändert von patecuco am 12 Jan 2007 20:55, insgesamt 1-mal geändert.
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