Kommentar auf Backpacker-Thread

Tipps und Fragen von Auswanderungswilligen und Leuten, die es schon in Brasilien geschafft haben / Wirtschaftliche Unabhängigkeit

Kommentar auf Backpacker-Thread

Beitragvon Gast » Di 8. Nov 2005, 17:23

Auszug aus einem Beitrag zum Thread
http://www.brasilienfreunde.net/viewtopic.php?t=1999

Ich habe ihn im Original-Thread gelöscht und möchte auch nicht, dass man dort weiter darüber diskutiert, sondern sich dem eigentlichen Thema widmet.

Ich möchte mich auch für einige interessante Mails und PNs bedanken, die ich erhalten habe. Sie machen Mut. Mit ein Grund, warum ich ihn nochmals veröffentliche.

Haltet die Ohren steif!

Dietmar


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So, dies war meine erste Reaktion auf euren Beitrag.
Ich denke, ihr habt Erfahrung genug, um zu wissen, dass man mit solchen profanen Äusserungen keinen Fisch an Land lockt.

Auch möchte ich zugeben, dass sich meine Flasche Teleco Teco, 40%, sich langsam dem Ende zuneigt, was selbstverständlich bedeutet, dass ich nach Srassenverkehrsordung der Bundesrepublik Deutschland sicherlich nicht mehr in der Lage bin, ein Kraftfahrzeug zu führen. Auch scheine ich nicht mehr in der Lage zu sein, einen vernünftigen Beitrag in diesem Forum zu schreiben.

Ich bewerbe mich aber trotzdem. Nicht weil ich mit dem Rucksack auf dem Buckel von einer Nutte zur anderen gehüpft bin. Sondern deshalb, weil ich weiss, wie es ist, wenn deine 11 Monate alte Tochter keine Windeln mehr hat und du aus Tüchern irgendetwas basteln musst, damit sie trocken bleibt. Weil ich weiss, wie es ist, sich kein Bier leisten zu können und voller Neid zuschauen musst, wenn Nachbarn grillen. Ich weiss wie es ist, wenn die Kinder von GAC nur Reis mit Bohnen fressen können, weil kein Geld für Fleisch da ist. Habe es selbst die letzten 2 Monate praktiziert. Ich weiss wie es ist, wenn man eine Beglaubigung braucht, um Arbeit zu suchen, sich aber gerade diese Beglaubigung nicht leisten kann. Ich kenn den Dreck, wenn man fast den Strom und das Wasser abgestellt bekommt. Und ich weiss, wie man Optimismus verbreitet, wenn man selbst nicht weiss, was es morgen zu essen gibt.
Ich denke, man hat es mir nie angemerkt. Heute konnte ich wieder Windeln kaufen. Es ist ein schöner Tag. Und ich habe mir eine Flasche Teleco Teco geleistet (3.19 R$) ... Wenn du einmal erfahren hast, wie es ist, deine Wäsche ohne Waschpulver zu waschen, ohne Seife zu duschen, dich mit einer uralten Rasierklinge zu rasieren, um Mitnahme zu betteln, weil das Fahrgeld nich reicht, dann weisst du, was hier viele Menschen seit ihrer Geburt durchmachen.

Ich, habe die ersten 30 Jahre meines Lebens nicht so leben müssen. Ich bin im gelobten Deutschland nie hungrig ins Bett gegangen. Hier leider schon. Doch ich werde das ändern. Ich werde meinen Weg gehen. (dies nocheinmal als besondere News an "Bagi"!!!)

Aber mach dir nix draus. Auch ich werde ständig beschimpft. Vielleicht bin ich es gar nicht mehr wert, Deutscher zu sein. Vielleicht weil ich so stolz bin, zu versuchen, hier meinen Weg zu machen, als in Deutschland Hartz IV zu beantragen.

Wie immer bin ich voll am Thema vorbei. Ich möchte mich auch direkt dafür entschuldigen. Aber einmal muss die Wahrheit raus. Ich habe Witzchen gemacht über "Grauen Burgunder", über "Inder" (Brahma-Bier) und ähnliches. In dem Moment lagen vor mir 6 Centavos. Eine 5er und ein 1er. Alles was wir hatten. In meinem Blog habe ich über Kaffee geschrieben (es war der Letzte den ich hatte, und er war nochmals aufgebrüht vom Abend davor) ... doch auch ich habe meinen Stolz ... ICH GEBE MEIN LEBEN OHNE ZÖGERN FÜR MEINE TOCHTER UND MEINE FRAU ... Ich schreibe Mails in alle Richtungen Brasiliens, sogar hinaus in die Welt, voller Optimismus, voller Lebensfreude, und doch weiss ich nicht, was ich morgen essen soll. Ich habe meinen Weg selbst gewählt, dass weiss ich. Ich mache dir keinen Vorwurf, Stefan, ich will auch kein Mitleid. Ich will nur eines, Leben! Ich erinnere mich an einen interessanten PN-Verkehr zwischen Bagi und mir ... Ich stehe dazu, noch heute. Ich habe die letzte Kartoffel geschält für meine Tochter, und ich weiss, sie wird es besser haben ...

1 R$ (30 Euro-Cent) ist viel Geld ... und ich meine das ernst. Verspottet mich für alles, was ich vorher gesagt habe, doch dafür nicht. Ihr würdet es bitter bereuen. Dieser 1 R$ hat mir manches Mal gefehlt, wenn meine Tochter Hunger hatte und ich die Milch nicht kaufen konnte. Das Weinen werde ich mein Leben lang nicht vergessen. Und ich denke, nicht einer kann sich vorstellen, wie ich mich dafür schäme ....

Es tut mir leid, dass ich euch gelangweilt habe. Auch du, Stefan, hast eigentlich so eine Antwort nicht verdient. Ich werde jedoch nichts korrrigieren. Es ist, wie es ist. Entschuldigung.

Dietmar

P.S.: Und doch gibt es Positives zu berichten .... Ich habe über 6 Kilo abgenommen in den letzten 2 Monaten .... ohne jeglichen Sport ........

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Beitragvon Viva Floripa » Di 8. Nov 2005, 19:02

:) :) :) :)
Zuletzt geändert von Viva Floripa am Di 8. Nov 2005, 21:08, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Bagi » Di 8. Nov 2005, 20:27

Viva Floripa hat geschrieben:Na siehste.......heute ist ein schöner Tag.
VP


@VP: Hauptsache einen weiteren Beitrag ins Netz der Netze gestellt ....
Bis dann
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Beitragvon Viva Floripa » Di 8. Nov 2005, 21:33

Viva Floripa hat folgendes geschrieben:
Na siehste.......heute ist ein schöner Tag.
VP


@VP: Hauptsache einen weiteren Beitrag ins Netz der Netze gestellt ....
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ich kann mich bremsen
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Beitragvon Sergipano » Mi 9. Nov 2005, 18:40

Jetzt hätte ich beinahe mein echtes Bedauern ausgedrückt wegen solch harten Lebensbedingungen . Kein Real für Milch, ganze 6 Centavos usw.
Aber dann lese ich im Telekommunikationsforum

Zitat digdigger
Ich zahl derzeit 20 Euro für ein Sharing-WLAN-1MBIT-Anschluss

Hab ich da jetzt was nicht kapiert ? Kommt doch arg wiedersprüchlich rüber.

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Beitragvon Sergipano » Mi 9. Nov 2005, 18:41

Jetzt hätte ich beinahe mein echtes Bedauern ausgedrückt wegen solch harten Lebensbedingungen . Kein Real für Milch, ganze 6 Centavos usw.
Aber dann lese ich im Telekommunikationsforum

Zitat digdigger
Ich zahl derzeit 20 Euro für ein Sharing-WLAN-1MBIT-Anschluss

Hab ich da jetzt was nicht kapiert ? Kommt doch arg wiedersprüchlich rüber.

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Beitragvon Gast » Mi 9. Nov 2005, 18:54

Das stimmt aber. Na gut, es ist für ein Jahr im voraus bezahlt.
Genauso wie die Miete für das Haus.

Als ich nach Brasilien kam, wurde Haus gemietet, Internetanschluss gelegt, Möbel gekauft. Dann ging es um Arbeit usw. Und da fing das ganze an. Auf einmal war die Knete alle und nirgends irgendwas aufzutreiben. Ich habe meine letzte Knete dann noch in Aufenthaltsgenehmigung, etc gesteckt. Ich darf ja noch nicht arbeiten, und meine Frau fand keinen Job.

So, ich habe voll den Fehler gemacht und nicht weit genug vorausgeplant. Und ich habe diesen Fehler bitter bereut. Ich rede im Übrigen auch nur von 2 Monaten der katastrophalen finanziellen Situation. Und meine Beispiele sind auch die extremsten Vorkommnisse, und sicherlich nicht öfters als 1-2x passiert. Trotzdem sind sie halt wahr.

Nun habe ich erstmal einen Job und zumindest für 1 Monat Ruhe .... doch wenn ich nicht dauerhaft Geld verdiene, dann geht das wieder von vorne los.

Also, ich kann deine Zweifel sehr gut nachvollziehen. Sicherlich widerspricht es sich, wenn man über die Hintergründe im Unklaren gelassen wird.

Aber eines ist vollkommen klar: Ich bin für die Situation voll verantwortlich. Ich hätte es anders machen können, z.B. ohne Internet .... aber dann hättest du niemals davon gelesen ... :D

Aber ab jetzt geht es aufwärts. Ich bin fest davon überzeugt. Die Lethargie ist weg, der Optimismus strahlt und die Kreativität platzt aus allen Nähten ... fehlt nur noch ein bisschen Glück im Beruf .... aber das krieg ich auch schon hin ....

Bedauer mich nicht, ich habs nicht verdient ....

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wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist...

Beitragvon Vinhedense » Mi 9. Nov 2005, 20:19

Dietmar,
mal ganz ehrlich. Wenn ich an Deiner Stelle wäre und ich habe hier in Brasilien auch Frau und zwei kleine Kinder, dann würde ich mir sehr gut überlegen, ob Brasilien weiterhin eine Zukunft für Dich hat. :?

Kein Geld zum essen, kein Geld um richtig leben zu können, wahrscheinlich auch kein Geld um Deinen Kindern (kind) eine vernünftige Schulbildung zu geben :cry:

Auch wenn Du schreibst, das Du zu stolzt dafrauf bist, lieber hier in Brasilien so zu leben als Harts IV zu beantragen, muss ich Dir ganz ehrlich sagen,
jeden Arbeitslosen oder Sozialhilfeempfänger geht es besser als manchen Arbeitnehmer in Brasilien. :(
In Deutschland, 3 Kopffamilie steht 65qm Wohnfläche zu, Kleidergeld, freie Heilführsorge u.u.u., Kindergeld, gute Schulbildung (kostenlos). :P

Was kannst Du deinen Kindern (Kind) hier bieten? Ausser vielleicht das gute Wetter? Eine Zukunft haben die nähmlich nicht. :cry:

Vielleicht einen Abschluss 2° und dann? Der Besuch einer Fakultät oder Universität oder einer sogenannten Berufschule, kostet Geld und das richtig viel. :cry:

Wenn meine Kinder aus Finanziellen Gründen nicht mehr in die Schule gehen könnten oder nichts mehr zu essen haben oder ähnliches... würde ich ganz ganz schnell die Pferde satteln und retten was zu retten ist. :idea:

Weil eins ist klar, das was man in Deutschland als Standard ansieht ist hier schon gehobener Luxus. :roll:

Weil ich würde mir später nicht nachsagen lassen: "Papa warum hast du das gemacht?". :? :( :cry:

Will Dich nicht persönlich angreifen, nur mal etwas nachdenklich machen. :wink:

Viele Grüsse aus São Paulo :lol:
"....dumm ist der, der dummes tut...." zitat Forrest Gump
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Beitragvon Gast » Mi 9. Nov 2005, 21:19

Ja, ich weiss, was mir "zusteht" im schönen Deutschland.

Aber ich weiss nicht, wie ich meine Gedanken jetzt in Worte fassen soll.

Weisst du, mein Vater hat mir immer gesagt, wer nix leistet, verdient nix. Daher war er auch mehr mit seinem Haus und dem Verdienen des dazu notwendigen Geldes beschäftigt, als sich um die Familie zu kümmern. Heute könnte ich meinen Vater in einem seiner Häuser mit Pool in Spanien besuchen und ihn fragen: "Warum hattest du so selten Zeit?" Obwohl, soll ich böse sein, 18 Jahre meines Lebens hatte ich ein Schwimmbad im Haus, bin ausschliesslich S-Klasse gefahren (Schulbus ausgenommen), war 3x im Jahr in Urlaub, hatte mit 1980 meinen ersten Computer, was will man mehr?

Ich habe also deiner Meinung nach, die Verpflichtung, das beste für meine Kinder rauszuholen, ihnen etwas "zu bieten" ... Für dich scheint es, soll es Bildung oder Kleidung sein.

"Papa, warum hatte ich nie eine Playstation?" - No comment.

Es ist schön, dass es jedem Sozialhilfeempfänger in Deutschland besser gehen wird als mir zur Zeit. Ist also das Ziel, nach dem Besseren zu streben, Grund meines Handelns?

Ich höre den leisen Vorwurf des unverantwortlichen, irrationalen Handels gegebüber meiner Tochter aus deinem Beitrag. Natürlich bin ich für sie verantwortlich, und ich will ihr eine vernünftige, werteorientierte Erziehung vermitteln. Aber jetzt muss ich mich fragen, wo denn am besten? Brasilien, EU, Deutschland? Da wo Arbeit ist?

Ich bin ja nicht ohne Grund aus Deutschland weggegangen. Ich bin dort geboren, aufgewachsen, habe die tolle deutsche Schulbildung genossen. Habe eine Ausbildung gemacht, habe danach noch studiert und bin in meinem letzten Job als Key Account Manager mit damals 120.000 DM brutto heimgekommen. Am allgemeinen Leistungsdruck gingen Freundschaften in die Brüche, meine Ehe scheiterte, aber ich hatte 4 oder 5 Kreditkarten ... Ich war in meiner Stadt politisch aktiv, Vorsitzender einer (Unter)-Gruppe meiner Partei, hatte dort sowie im Beruf Erfolg. Alles das was man erwartet. Meine damalige Frau zog logischerweise auch die Karriere der Familie vor (Kinder sind doch viel zu teuer) ... Ich hatte Freunde, die 350.000 DM die nächsten 35 Jahre abzahlen sollten für ein winziges Reihenhaus mit 15 qm Garten und nur noch gehetzt sind und keine Zeit für die Kinder hatten. Ich sah Kinder auf der Strasse spielen, die um 14 Uhr gelacht haben und die Nachbarn sich beschwert haben bzgl. Mittagsruhe. Ich sah, wie die Kommunen die Spielplätze haben verkommen lassen. Ich sah in ein kinderfeindliches Land.

In Deutschland z.B. sind 1 Kind ok, bei 2 Kindern wird schon komisch geschaut, und bei 3 Kindern wird man schon als pervers bezeichnet.

Durch das veränderte Sozialumfeld der letzten Jahre werden Kinder in Deutschland immer mehr zu Einzelkämpfern erzogen, die sich in einer Ellenbogengemeinschaft durchsetzen müssen. Ausserdem sinkt gerade in der 1. Welt das Werteverständnis der nachwachsenden Generation. Die Kids von heute können sich ja gar nicht mehr unterhalten oder zusammen spielen. Nee, das geht nur über SMS oder Internet-Chat. Lies doch mal sowas mit. Ich bin früher rot geworden, wenn ich ein Mädchen angesprochen habe, heute macht man das im Single-Chat.

Wir sind damals, wie die Kinder hier in der Strasse, raus gegangen und haben gemeinsam gespielt oder sind bei uns mit 30 Fahrrädern im Kreisel gefahren (die ganze Strasse war da) ... Hier sehe ich Kinder, die in Gruppen von 5 oder 10 auf der Strasse Drachen steigen lassen oder Fussball spielen. Sie verstecken sich bei mir im Garten und alles ist ok. Keiner hat ein Problem. Wenn meine Tochter uns aus der Haustür entwischt und meint, mal wieder unsere leckere Erde probieren zu müssen, lässt die Nachbarin alles stehen und liegen und eilt herbei. Ich wird sich die gute Tasse Kaffee oder die Tasse Zucker noch ausgeliehen. Wenn gefeiert wird, ist es laut und alle sind dabei. Keiner beschwert sich.
In Deutschland konnte ich die Uhr an meinem Geburtstag danach stellen, regelmässig kam die Polizei kurz nach 22 Uhr.

All diese Dinge der Menschlichkeit, soll ich die alle meiner Tochter vorenthalten? Es ist eine schwierige Frage!

Vielleicht teilst du ja meine Erlebnisse nicht, da du unter anderen Umständen hier in Brasilien lebst und genau das, was ich eben beschrieben habe, hinter Stacheldraht als Bedrohung siehst. Aber wenn du in einem offenen Bairro wohnst, dann wirst du wissen von was ich rede.

Sicherlich, auch hier gibt es Gewalt. Jedes Land hat seine Probleme. Man muss es einfach abwägen. Doch ich sehe hier trotz aller Probleme ein Leuchten in den Augen der Menschen, die sich noch über Kleinigkeiten freuen können, und deren Optimismus trotz aller ökonomischen und politschen Probleme ungebrochen ist. Und das liebe ich an diesem Land. Deutschland kann mir das nie geben. Auch nicht mit der Aussicht auf Sozialhilfe, Wohngeld, Kindergeld, Kleidergeld und subventionierten ÖPNV-Monatskarten.

Im Übrigen möchte meine Frau nicht nach Deutschland. Wir haben uns eingehend darüber unterhalten. Wichtigster Punkt ist die Angst vor ausländerfeindlichen Übergriffen. Kann ich nicht ausreden. Und dann das Klima. Sie hasst Schnee, und ich kann ihr nicht garantieren dass es frostig wird. Drittens hat sie mehrere Berichte im TV über Deutschland gesehen und bezeichnet die Mentalität als "muito frio" ... Sie will dort nicht leben, weit weg von ihrer Familie. Sie hat einfach Angst.

All dies bedeutet für mich, hier zu Leben. Mit allen Problemen und Hindernissen. Und vielleicht fehlt einmal wieder Geld für Nahrung, Kleidung oder die Schule. Dann werde ich wieder kämpfen. Und gewinnen.

Und mir bleibt nur die Hoffnung, dass meine Tochter mich auch noch in 20 Jahre so gerne mag, wie sie heute tut. Doch daran kann ich ja arbeiten.

Dietmar
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Toller Beitrag

Beitragvon Barriga verde » Mi 9. Nov 2005, 23:36

Hallo Dietmar,

sehr, sehr schöner Beitrag. Ich kann es vollkommen nachvollziehen von was du sprichst.

Laß dich Gefühle, Freundschaften, einfache Werte, nicht entnehmen. Geld oder Gegenstände kann man immer gewinnen oder verlieren. Aber die Liebe deiner Tochter, deiner Frau, deiner Freunde, werdest du nie verlieren wenn du nur einst machst: denen auch liebst.

Für die Leute, die diese Gefühle nicht verstehen, sollten mal das Buch "O Futuro da Humanidade", von Augusto Cury lesen. Manche könnte es die Augen öffnen.

Weiter so :)

Grüße
Barriga verde
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