Konflikt in Bolivien entwickelt sich zu Bürgerkrieg

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Konflikt in Bolivien entwickelt sich zu Bürgerkrieg

Beitragvon dietmar » Fr 12. Sep 2008, 13:25

Noch streiten sich die Analysten, ob in Bolivien schon Bürgerkrieg herrscht oder ob dieser nur kurz bevorsteht. Verschiedene links- und rechtsradikale zivile Gruppen rüsten jedoch nachweislich auf und sagen der jeweiligen Gegenseite unverholen den bewaffneten Kampf an. Knüppel und Steine werden zunehmend durch Gewehre ersetzt. Und auch der venezolanische Präsident Hugo Chavez ist bereit für Morales gegen die Opposition in den Krieg zu ziehen. Brasilien versucht derzeit, gemeinsam mit Argentinien und Kolumbien zu vermitteln. Die Regierung in Brasília hat bereits erklärt einen Staatsstreich im Nachbarland keinesfalls zu akzeptieren. Allerdings wächst die Angst vor einer Stromknappheit im eigenen Land.

In La Paz versucht der erste demokratisch gewählte indigene Präsident Boliviens, Evo Morales, nach wie vor an seiner Deeskalationsstrategie festzuhalten. Diese ist auch dringend erforderlich, muss er doch vor allem seine Anhänger davor bewahren, in den bewaffneten Widerstand gegen die Oppositionsgruppen im Süden vorzugehen. Erinnerungen an den boliviarischen Freiheitskampf werden wach, wenn Bilder von linksradikalen, vermummten allerdings zivilen Spezialkommandos mit dem Vorbild Che Guevara ihre Waffen in die Kameras der Weltpresse halten. Zeitgleich überträgt das bolivianische Fernsehen eine Ansprache des venezolanischen Despoten Hugo Chavez, der wörtlich erklärt: „Wenn Evo gestützt wird, wenn Evo getötet wird, dann glaubt mir, dass ich in dem Fall grünes Licht haben werde, um jede bewaffnete Bewegung in Bolivien zu unterstützen“.

Die Folgen eines solchen Verhaltens wären für die Region unkalkulierbar. Bereits zu viele politische Fehler wurden gemacht, begonnen mit der Ausweisung des US-Botschafters in Bolivien, welche die amerikanische Regierung ihrerseits mit der Ausweisung des bolivianischen Botschafters in Washington beantwortete. Chavez, der sich trotz grosser innenpolitischer Probleme und Armut im eigenen Land gerne als Sprecher Lateinamerikas profilieren will, konterte wiederum mit der Ausweisung des US-Botschafters aus Venezuela. Bezeichnend auch ein Äusserung des unberechenbaren Staatsoberhauptes in diesem Zusammenhang: „!&@*$#!, geht zum Teufel! Wir sind ein Volk mit Würde, also fahrt hundertmal zur Hölle!“

Mittlerweile sind in Bolivien bei gewaltsamen Zusammenstössen verschiedener Gruppen mindestens 9 Menschen getötet worden, über 100 wurden nach mehr oder weniger offiziellen Angaben verletzt. Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen. In vielen Regionen haben die Radiostationen aus Angst vor Angriffen und Plünderungen ihren Betrieb eingestellt oder spielen nur noch Musik aus der Konserve. In den vergangenen Tagen wurden zudem TV-Stationen und Sendeanlagen verwüstet, Informationen sind Mangelware. Auch Handynetze und Internetverbindungen sind teilweise zusammengebrochen. Morales hat die Streitkräfte inzwischen an strategischen Punkten aufmarschieren lassen, ein militärisches Eingreifen dürfte damit unmittelbar bevorstehen, da sich die Opposition mit Sicherheit nicht zurückziehen wird.

Während verschiedene Vertreter der bolivianischen Regierung immer häufiger von Putschversuch, Staatsstreich und sogar von Bürgerkrieg reden, versucht das Ausland weiterhin die Situation zu einer innenpolitischen Krise herunterzuspielen. Die „Gruppe der Freunde Boliviens“, bestehend aus Brasilien, Argentinien und Kolumbien hat inzwischen angekündigt, für Vermittlungen nach La Paz reisen zu wollen, wartet jedoch noch auf die offizielle Genehmigung von Evo Morales.

So ganz deutlich wollte man dann auch in Brasília am gestrigen Abend nicht werden. Laut dem zuständigen Delegationsführer, Marco Garcia werde die brasilianische Regierung keinesfalls einen Putsch im Nachbarland akzeptieren. Auf die Frage, ob diese Erklärung bedeuten würde, dass Brasilien eventuell Militärtruppen zur Unterstützung Morales entsenden würde, antwortete Garcia jedoch ausweichend. „Wir hoffen, dass für diese Probleme eine Lösung gefunden wird, damit die Möglichkeit eines Bürgerkriegs abgewendet werden kann.“

Unter den Spannungen in Bolivien leidet vor allem die brasilianische Industrie, die zwingend auf Erdgaslieferungen aus dem Nachbarland angewiesen ist. Nachdem vor zwei Tagen durch einen Anschlag auf eine Pipeline die Lieferungen um 10 Prozent reduziert werden mussten, brach gestern die Versorgung für Stunden komplett zusammen. Für die brasilianische Regierung stellen diese Angriffe und Sabotagen auf brasilianische Industriebetriebe im Nachbarland einen „terroristischen Akt“ dar. Laut Garcia gibt es „keinen guten oder schlechten Terrorismus, keinen linken oder rechten Terrorismus.“ Allerdings würden solche terroristischen Akte jeglichen Dialog erschweren.

Erst Auswirkungen der Lieferverzögerungen waren direkt zu spüren. In Campo Grande im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso do Sul fehlte bereits kurze Zeit später an verschiedenen Tankstellen der umweltfreundliche Treibstoff. Mehrere Stunden bildeten sich lange Schlangen an den Zapfsäulen, das restliche Gas in den Tanks wurde rationiert. Fast die gesamte Taxiflotte der rund 800.000 Einwohner zählenden Stadt im Westen Brasiliens wird dort mit Erdgas betrieben.

Das brasilianische Energieministerium hat inzwischen einen Notfallplan ausgearbeitet und will bei Bedarf thermoelektrische Kraftwerke aktivieren, um den Strombedarf besonders in der Wirtschaftsregion São Paulo sicherzustellen. Solche Massnahmen werden in der Regel nur während der Trockenzeit ergriffen, wenn die Flüsse und Stauseen zu wenig Wasser führen und die im ganzen Land verteilten hydroelektrischen Kraftwerke nicht genügend Energie produzieren können.

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Re: Konflikt in Bolivien entwickelt sich zu Bürgerkrieg

Beitragvon Schwobaseggl » Di 16. Sep 2008, 17:27

Und es wird noch übler

http://de.indymedia.org/2008/09/226985.shtml

"Droht ein zweites Chile in Bolivien? Der militärische Arm der Crucenistas grüsst schon mal mit Sieg-Heil, Wagen mit Hakenkreuz fahren herum. Was Klaus Barbie, der Schlächter von Lyon, jahrelang in Bolivien mit Unterstützung des CIA aufgebaut hat, trägt jetzt Früchte. Die US-Regierung hat damals und heute ihre Hände im Spiel."

Noch eine Pressemeldung dazu.

http://www.berlinerumschau.com/index.php?set_language=de&cccpage=15092008ArtikelPolitikWeiss1
Dieses Posting darf jeder auslegen wie er denkt.
Ich schreibe es ja auch wie ich denke.
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